Chicago-style Pizza

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Original deep-dish pizza aus der Pizzeria Uno

Als Chicago-style pizza oder deep dish pizza bezeichnet man eine US-amerikanische Version der Pizza, die aus Chicago stammt. Die Pizza zeichnet sich dadurch aus, dass der Boden eine Schale mit hohem Rand bildet, die dann mit Käse, Tomaten und Wurst gefüllt wird.[1]

Herstellung[Bearbeiten]

Zur Zubereitung wird ein Blech von etwa 30 Zentimetern Durchmesser und 5 Zentimetern Randhöhe mit Hefeteig ausgekleidet. Der Pizzaboden fungiert als eine Schüssel, die mit einer Menge Käse ausgelegt, mit Zutaten gefüllt, wieder mit Käse bedeckt, mit Tomatensoße übergossen und schließlich mit geriebenem Parmesan überstreut wird.[2] Die Backzeit einer solchen Pizza beträgt etwa 35 bis 45 Minuten, weswegen man in vielen Pizzerien Chicagos die Pizza bestellt, bevor man auch nur an den Tisch geführt wird.[2]

Varianten der Chicago-style Pizza sind die stuffed pizza (gefüllte Pizza)[1] und die bei Pizza Hut servierte pan pizza.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Deep dish pizza[Bearbeiten]

Die deep-dish pizza wurde 1943 von Ike Sewell und Riz Ricardo, den Gründern der Pizzeria Uno, in Chicago erfunden. Ricardo war zuvor ein Footballstar der University of Texas.[1] Der genaue Erfinder ist nicht bekannt: sowohl Sewell als auch Ricardo nehmen den Ruhm für sich in Anspruch, sind jedoch beides begabte Selbstdarsteller. Der Lokalhistoriker Tom Samuelson vermutet, Ricardo habe das Rezept entwickelt und Sewell es bekannt gemacht.[4]

1954 eröffnete Original Gino's Pizza, ein Restaurant, das ebenfalls die deep-dish pizza auf der Speisekarte führte.[4] Da der Ansturm in Uno Expansionspläne rechtfertigte und das Restaurant an seine Kapazitätsgrenzen geriet, eröffnete Uno's 1955 ein Schwesternrestaurant namens Due ein paar Häuserblocks weiter.[5]. Einige Jahre später folgte ein zweites Gino's. Beide Restaurants haben mittlerweile noch zahlreiche Ableger im Großraum Chicago, Pizzeria Uno gründete eine Kette, und mittlerweile gibt es etwa 200 "Uno Chicago Grills" in 28 Ländern. Diese haben allerdings ihr Programm erweitert, da Chicago-style Pizza bei kalorienbewussten Essern auf wenig Gegenliebe stößt.[6]

Seither bieten viele Restaurants in und um Chicago diese spezielle Version der Pizza an, und so gut wie alle 2000 Pizzerien der Stadt haben deep dish Pizza im Angebot.[2]

Da sie sich auch in den restlichen USA wachsender Beliebtheit erfreut, liefern manche Pizzabäcker aus Chicago ihre vorgebackenen Böden auch an Kunden im ganzen Land, die dadurch eine authentische Chicago-style Pizza zubereiten können.

Chicago-style deep-dish Pizza

Stuffed pizza[Bearbeiten]

Mitte der 1970er Jahre wurde die deep-dish pizza weiterentwickelt. Der Gründer von Nancy's Pizza Rocco Palese erweiterte das Rezept und kreierte eine Version, die an scarciedda, einen italienischen Osterkuchenauflauf aus seiner Heimatstadt Potenza erinnert.[2]

Stuffed pizza ist oftmals noch tiefer als deep-dish pizza. Der Unterschied besteht darin, dass nach Auffüllen des Bodens mit Käse noch eine dünne Schicht Teig über die ersten Füllungen gelegt und erst dann die Sauce, Tomaten und Käse darüber gegeben wird. Dieser Teig trägt noch mehr Zutaten als die einfache Chicago-style. Erst dann wird die Pizza gebacken.[2]

Pan pizza[Bearbeiten]

Die pan pizza (dt: Pfannenpizza) ist der deep-dish pizza ähnlich und wird auch in einer ähnlichen Form gebacken, doch ihr Boden ist noch dicker und ähnelt der italienischen Focaccia. Außerdem unterscheidet sie sich dadurch, dass die Sauce unter den Zutaten ist und nicht darüber gegeben wird. Sie ist eine Erfindung der Franchisekette Pizza Hut.

Pizza in Chicago[Bearbeiten]

Obwohl deep dish Pizza als Chicago style bekannt, und die Pizza aus Chicago bekannt ist, werden in Chicago selbst natürlich auch andere Pizzaarten gegessen. Der Slow Food Guide to Chicago zählt beispielsweise noch stuffed Pizza zu den typischen Pizzen in Chicago, ebenso wie die Klassiker italienischer Herkunft mit dünnem Boden aus dem Holzofen auch in Chicago ihre Abnehmer finden.[2]

Internationale Bekanntheit[Bearbeiten]

In den USA gilt Chicago-style Pizza als eines der typischen Gerichte der Küche des Mittleren Westens, und ist zusammen mit Hot Dogs das typische Gericht Chicagos.[7] Es ist so mit der Stadt verbunden, dass Deep dish als Spitzname für Jungen aus Chicago verwendet wird.[8]

Obwohl Chicago-style in den USA eine feststehende Gattungsbezeichnung ist, ist dies im Ausland nur bedingt der Fall. Zwar bieten selbst einige Pizzerien in Rom mittlerweile Chicago-style an, jedoch befinden sich diese in den einschlägigen Touristenvierteln.[9] Laut einem Schweizer Gericht ist Chicago-style in der Schweiz nicht allgemein als Gattungsbegriff bekannt. Ein Unternehmer scheiterte bei dem Versuch, eine Chicago Pizza Pie Factory in der Schweiz als Marke eintragen zu lassen, da Schweizer bei dem Begriff an die Stadt dächten, und nicht an die Pizzavariante.[10]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b c Robert W. Brower: Pizza in: Andrew F. Smith (Hg.): The Oxford Companion to American Food and Drink, Oxford University Press 2007 ISBN 978-0-19-530796-2 S. 463
  2. a b c d e f Kelly Gibson, Portia Belloc Lowndes, Amy Cook: The Slow Food guide to Chicago, Chelsea Green Publishing, 2004 ISBN 193149861X S. 247
  3. David Gerard Hogan: Pizza Hut in: Andrew F. Smith (Hg.): The Oxford Companion to American Food and Drink, Oxford University Press 2007 ISBN 978-0-19-530796-2 S. 463
  4. a b Richard Moreno: Illinois Curiosities: Quirky Characters, Roadside Oddities & Other Offbeat Stuff Globe Pequot, 2011 ISBN 0762758619 S. 22
  5. Kelly Gibson, Portia Belloc Lowndes, Amy Cook: The Slow Food guide to Chicago, Chelsea Green Publishing, 2004 ISBN 193149861X S. 249
  6. Lawrence J. Gitman, Carl McDaniel: The Future of Business: The Essentials Cengage Learning, 2007 ISBN 0324542798 S. 503
  7. Claire Price-Groff, Elizabeth Kaplan: Illinois Marshall Cavendish, 2010 ISBN 160870050X S. 41
  8. Gary Alan Fine: With the boys: Little League baseball and preadolescent culture University of Chicago Press, 1987 ISBN 0226249379 S. 127
  9. Johan Norberg: In defense of global capitalism Cato Institute, 2003 ISBN 1930865465 S. 282
  10. Richard M. Asbill: Fundamentals of international franchising American Bar Association, 2001 ISBN 1570739730 S. 72