Clootie Well

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Lumpenbaum von Madron

Clootie Wells (auch Cloutie or Cloughtie wells – Lappen- oder Lumpenquellen) sind heidnische Kultorte, die primär in den keltischen Gebieten der Britischen Inseln aber auch z.B. auf Zypern (Feigenbaum vor den Agia Solomoni-Katakomben) anzutreffen sind. Manche Brunnen oder Quellen werden von einem so genannten "Rag-" oder "Wish tree" begleitet, der mit Tuchstreifen oder Lappen, neuerdings auch mit Maskottchen behängt ist.

  • In Cornwall (Sancreed), Schottland (Munlochy) und Wales wird ein Streifen Tuch oder Lappen als clootie oder cloot bezeichnet und in Bezug zu einer, als „heilig“ eingestuften Quelle gebracht.
  • In Irland steht der Rag Tree (Lumpenbaum) zwar im Mittelpunkt des Kultes[1], aber es gibt auch die Quellheiligtümer ohne den Lumpenbaum wie St. Brigid's Well; bei ihnen werden die Tuchstreifen und anderes in der Nähe an Wänden etc. deponiert.
  • Für Börfink im Schwarzwälder Hochwald (Landkreis Birkenfeld) wird dieser Kult im 19.Jh. ebenfalls berichtet. [2] Am dortigen "Guten Born" (Guter Bore), einer quadratischen Quellfassung von knapp 1 Meter Tiefe, wurden noch im Jahre 1892 an einer Buche bis zu 50 Kleidungsstücke gesichtet. Sie wurden von Pilgern aus dem Umland dort angebracht, die mit ihren an Hautkrankheiten leidenden Kindern auf Genesung hofften.

Beim Kult an Clootie Wells werden in der Regel Tuchstreifen in das Wasser der Quelle eingetaucht und an einen Zweig gehängt, während ein Gebet, an einen Gott, eine Göttin oder einen Naturgeist gerichtet wird. Das ganze wird als rituelle Handlung angesehen, die zumeist Heilung bewirken soll und bis heute in christianisierter Form (Lourdes) fortbesteht. Ein bekannter Baum ist der "Rag tree", nahe der Kathedrale von Clonfert. Daneben gibt es weitaus mehr Heilige Quellen (Holy wells) die (heute) ohne Baumbezug existieren.

Bei der Praxis gibt es viele lokale Unterschiede. An manchen Brunnen ist es Tradition den betroffenen Körperteil mit dem nassen Lappen zu waschen und dann in den Baum zu hängen. So wie sich die Lappen im Laufe der Zeit auflösen, sollen die Leiden verschwinden. An einigen Brunnen werden definitiv "Lumpen" verwandt, an anderen farbigen Streifen aus feinem Tuch.

Die heilige Bäume sind in der Regel Weissdornarten (Crategus), aber auch Eschen (Fraxinius) und Buchen (Fagaceae) sind üblich. Die beliebteste Zeit für die Wallfahrten zu Clootie Wells und anderen heilige Brunnen, sind die alten gälischen Feste an Imbolg Tag (1. Februar), Beltane (1. Mai), Lughnasadh (1. August) oder Samhain (1. November).

Losgelöst von Quellen oder Bäumen existieren von Mittelasien bis Westeuropa Kultformen, bei denen aufgehängte Stofffetzen in unterschiedlicher Bedeutung eine kultische Rolle spielen.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rag tree am Lough Neagh http://www.angelfire.com/mt/mariescorner/t7ragtree.html
  2. Karl Pfeiffer: Der "Gute Born" bei Börfink. - In: Zeitschrift des Vereins für rheinische und westfälische Volkskunde 7.Jg. (1910) S. 111-114.

Weblinks[Bearbeiten]