Confessiones

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Augustinus wird von Ambrosius von Mailand getauft

Die Bekenntnisse (lateinisch Confessiones) sind autobiographische Betrachtungen des christlichen Kirchenlehrers Augustinus. Sie entstanden in den Jahren von 397 bis 401 n. Chr.[1] Augustinus war damals Bischof von Hippo Regius in der römischen Provinz Numidien, heute Annaba in Algerien.

Inhalt[Bearbeiten]

Wie Augustinus später bemerkt, hat das Titelwort zwei Bedeutungen: Confessio peccati also „Schuldbekenntnis“ und Confessio fidei also „Glaubensbekenntnis“. Oftmals wird noch eine dritte Bedeutung hinein interpretiert: die Confessio laudis, die Lobpreisung Gottes. Confiteri bedeutet seinem Wortsinn nach zugeben, feierlich bekennen, verkünden, preisen. Ein Hinaustreten aus der Vorbehaltenheit des Inneren ins Öffentliche. Thema des Werkes sind die Irrwege und die Vollendung des Strebens zur Einung mit Gott, wie in der bekannten Sentenz zu Werkanfang ausgedrückt:

„Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr.“ (Inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te, Domine., conf. I 1)

Die Confessiones beschreiben in einer Art Selbstbetrachtung Phasen der eigenen geistigen Entwicklung Augustins. Ausdruck findet dies im Lobpreis an Gott, die den Rahmen für die ganzen Confessiones bilden. Die Confessiones sind in 13 Bücher aufgeteilt. Die Bücher 1 bis 9 enthalten rückblickende Betrachtungen bis zum Jahr 387. Geschichtliche und politische Ereignisse jener Tage blendet Augustinus, zur Zeit der Verfassung Bischof, aus und legt den Schwerpunkt auf die Entwicklung seines Denkens, Suchens und Fragens. Im 8. Kapitel des 10. Buches findet sich eine Schilderung seines Gemütszustandes zur Zeit der Abfassung, seine persönliche Schilderung seines „Sünderseins“, aber auch die psychologische Abhandlung über das Gedächtnis, deren Passage

„Et eunt homines mirari alta montium et ingentes fluctus maris et latissimos lapsus fluminum et oceani ambitum et gyros siderum, et relinquunt se ipsos. - Und es gehen die Menschen hin, zu bestaunen die Höhen der Berge, die ungeheuren Fluten des Meeres, die breit dahinfließenden Ströme, die Weite des Ozeans und die Bahnen der Gestirne und vergessen darüber sich selbst.“

Francesco Petrarca auf dem Mont Ventoux seine dichterische Berufung erkennen ließ. In Form eines Selbstgesprächs enthält das 11. Buch philosophische Betrachtungen über die Zeit. In den Büchern 12 und 13 interpretiert Augustinus die biblische Schöpfungsgeschichte als Lobpreis auf die „Herrlichkeit Gottes“.

Das Werk beginnt mit der persönlichen Entwicklung des Augustinus hin zum christlichen Glauben und enthält gegen Schluss immer mehr philosophische Betrachtungen, besonders auch zum Thema Zeit. Anhand der Confessiones lässt sich die Auseinandersetzung zwischen Manichäismus und Neuplatonismus und dem Christentum nachvollziehen, die sich auch in der Biographie von Augustinus widerspiegelt.

Gattung[Bearbeiten]

Die Confessiones gelten als erste Autobiographie, die nicht nur ein Selbstporträt gibt, sondern dezidiert historische Züge aufweist.[2] Als gattungskonstitutiv gilt die kontinuierliche Darstellung eines Lebenszusammenhangs. Zudem kann das Werk auch als ein Lob- und Preislied auf Gott aufgefasst werden. Zugleich ist es eine Werbeschrift für das Christentum und steht in der Tradition philosophischer Werbeschriften der Sophisten (Bezeichnung: Protreptikos). Das Grundmotiv Augustins ist tiefe Dankbarkeit gegenüber der göttlichen Vorsehung, die wunderbar über seinem Leben gewaltet hat. Gleichzeitig scheint es so, als wolle Augustinus nicht nur für das Christentum werben, sondern auch eine Lebenshilfe für gläubige Christen bereitstellen. Diese Absicht wird deutlich, wenn er bestimmte Kritikpunkte, die ihm Probleme bereiteten, wie die Gestalt Gottes und die Frage nach dem Dualismus von "Gut" und "Böse", ausführlich widerlegt. Das Gestehen seiner eigenen Schuld und die Verweise auf Gottes Gnade sollen dem Leser Hoffnung machen und ihn in seinem Streben, ein guter Christ zu sein, ermutigen.

Rezeption[Bearbeiten]

Jean-Jacques Rousseau nahm sich Augustinus zum Vorbild, als er seine Lebensbeichte Confessions nannte.

Jacques Derrida bezieht sich mit dem Begriff „Zirkumfession“ (im gleichnamigen Text[3]) sowohl auf Augustinus’, als auch auf Rousseaus Bekenntnisse.

Deutsche Übersetzungen[Bearbeiten]

Es gibt mindestens 25 deutsche Übersetzungen der Confessiones.[4] Zu den Wichtigsten gehören:

Übersetzer Jahr Weblink Anmerkung
Georg Rapp 1838 [1]
Otto F. Lachmann 1888 [2]
Alfred Hofmann 1914 [3]
Herman Hefele 1923 [4]
Hubert Schiel 1952 [4] "Übertragung" [4]
Joseph Bernhart 1957 [4] Nahe am Original
Hans Urs von Balthasar 1985 [4] "Übertragung" [4]
Kurt Flasch und Burkhard Mojsisch 1989 [4]
Wilhelm Thimme 1994 [4] "Übertragung" [4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Henri Marrou: Augustinus in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Aus dem Französischen übersetzt von Christine Muthesius. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1958, S. 166.
  2. Günter Niggl: Art. Autobiographie, in: Killy Literaturlexikon, Bd. 13, S. 65 ff.
  3. Derrida, Jacques: „Zirkumfession“, in: Derrida, Jacques und Bennington, Geoffrey: „Jacques Derrida - Ein Portrait“, Suhrkamp: Frankfurt/M. 1994 [frz.: 1991], S. 11-323. Vgl. dazu Schumm, Johanna: „Confessio, Confessiones, ‚Circonfession‘. Zum literarischen Bekenntnis bei Augustinus und Derrida“, Fink: München 2013.
  4. a b c d e f g h i j Augustinusforschung in Würzburg. Christop Müller: Forumsbeitrag. Abgerufen am 22. März 2012.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wikisource: Confessiones – Quellen und Volltexte (Latein)
  •  Georg Wunderle: Einführung in Augustins Konfessionen. Literarisches Institut Haas & Grabherr, Abt. Buchverlag, Augsburg 1930.
  •  Kurt Flasch: Augustin. Einführung in sein Denken. 2. Auflage. Reclam, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-009962-5.
  •  Johann Kreuzer: Augustinus zur Einführung. Junius, Hamburg 2005, ISBN 3-88506-609-2.

Weblinks[Bearbeiten]

lateinische Ausgaben
deutsche Übersetzungen