Vorsehung

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Auge der Vorsehung

Der Begriff Vorsehung bezeichnet eine höhere Macht, die das Schicksal der Menschen und den Lauf der Weltgeschichte beeinflusst.

Vorsehung im Christentum[Bearbeiten]

Die Vorsehung ist der allmächtige und allwissende Gott, insofern er den Verlauf des Welt- und Heilsgeschehens ordnet und schon im Voraus weiß. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen: gemäß den Naturgesetzen, durch Wunder, durch zuvorkommende Gnade, durch Mitwirkung mit dem freien Willen vernunftbegabter Geschöpfe oder durch Zulassung der Sünde, die aber jedes Mitwirken ausschließt. Insoweit von der Vorsehung vorgesehen ist, welche Menschen das ewige Leben erreichen, spricht man von Vorherbestimmung oder Prädestination. Vor allem wo die Vorsehung in einen Bezug auf Ereignisse gebracht wird, die man als Übel erlebt, obwohl man sich Gott darin doch unterwirft, ist der geradezu volkstümliche[1] Begriff vom unerforschlichen Ratschluss gebräuchlich, zum Beispiel was die Zulassung der Sünde, die conditio humana, oder Unglücks- bzw. Todesfälle betrifft. Als eher im katholischen Raum gebräuchliche Vokabel gehörte das Wort auch dem Wortschatz Adolf Hitlers an, der sich für ein Werkzeug der Vorsehung hielt. Andere Naziführer sprachen eher vom Schicksal; in der Form des Schicksalsglaubens fand diese Vorstellung eine förmliche lehramtliche Verurteilung der katholischen Kirche,[2] wobei über die Vorsehung festgestellt wird, dass sie „‚kraftvoll und gütig von einem Ende der Welt zum anderen waltet‘ (Weish 8,1 EU) und alles zum guten Ende leitet.“

Vorsehung im Islam[Bearbeiten]

Die göttliche Vorsehung ist einer der sechs Glaubensartikel im Islam.

Das arabische Wort Qadar wird normalerweise mit den Wörtern Schicksal oder Bestimmung übersetzt. Trotzdem hat der Mensch nach Ansicht der Mehrheit der Gelehrten einen freien Willen. Er kann frei wählen, ob er sich für oder gegen ein Leben mit Gott entscheidet. Diese Entscheidung hat jedoch im Jenseits Konsequenzen.

Gott ist laut islamischer Auffassung allmächtig. Er ist völlig unabhängig (vgl. Koran 112:2). Damit hat er auch die Möglichkeit, in die Zukunft zu sehen. Er weiß bereits, dass ein Ereignis eintreten wird, bevor es überhaupt passiert. Als die Schöpfung des Menschen begann, wurden alle zukünftigen Geschehnisse bereits in einem Buch niedergeschrieben. So heißt es im Koran:

Kein Unglück trifft ein auf der Erde oder bei euch selbst, ohne dass es in einem Buch stünde, bevor Wir es erschaffen. (Sure 57, Vers 22)

Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Mensch keinen freien Willen besitzt. Würde er nicht frei über sein Schicksal entscheiden können, hätte ein gerechter Gott keine Möglichkeit über ihn zu richten.

Trotzdem muss es auch Ereignisse gegeben haben, welche von Gott vorherbestimmt waren. Ein Beispiel für ein solches Ereignis ist die Verbannung des Menschen aus dem Paradies. So heißt es bei Muslim:

Abu Huraira berichtete, dass Gottes Gesandter sagte: Es gab einst einen Streit zwischen Adam und Moses. Moses sagte zu Adam: Du bist unser Vater. Du hast uns Schaden zugefügt und warst der Grund für unsere Verbannung aus dem Paradies. Darauf sagte ihm Adam: Du bist Moses. Gott erwählte dich und schrieb für dich mit Seiner eigenen Hand das Buch (Torah). Trotzdem gibst du mir die Schuld für eine Tat, die Gott bereits 40 Jahre vor meiner Schöpfung bestimmt hat. […] (Sahih Muslim, Die Vorherbestimmung, Buch 33, Überlieferung 6409)

Dies zeigt, dass nach islamischem Glauben wichtige Ereignisse in der Menschheitsgeschichte bereits vorherbestimmt sind. Zusammenfassend soll hier noch von einer Allegorie Alis, dem Sohn des Abu Talib, berichtet werden. Er verglich den menschlichen Lebensweg mit der Reise eines Schiffs. Dieses Schiff fährt von einem Ort zum anderen, der Mensch hat darauf keinen Einfluss. Dies ist die göttliche Vorherbestimmung. Jedoch kann sich der Mensch in dem Schiff frei bewegen, hat somit freien Willen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einführung

Quellen und historische Überblicke

  • Wolfgang Schrage: Vorsehung Gottes? Zur Rede von der providentia Dei in der Antike und im Neuen Testament. Neukirchener Verl., Neukirchen-Vluyn 2005 ISBN 3-7887-2088-3
  • John Alvis: Divine Purpose and Heroic Response in Homer and Virgil. The Political Plan of Zeus. Rowman & Littlefield, Lanham u.a. 1995 ISBN 0-8476-8014-2
  • Lucius Annaeus Seneca: De providentia = Über die Vorsehung, in: De otio. Lateinisch/deutsch. Reclam, Stuttgart 1996
  • Ursel Wicke-Reuter: Göttliche Providenz und menschliche Verantwortung bei Ben Sira und in der frühen Stoa. Beihefte zur Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft 298. de Gruyter, Berlin u.a. 2000 ISBN 3-11-016863-4
  • Peter Frick: Divine Providence in Philo of Alexandria. TSAJ 77. Mohr Siebeck, Tübingen 1999 ISBN 3-16-147141-5
  • H. S. Benjamins: Eingeordnete Freiheit. Freiheit und Vorsehung bei Origenes. Vigiliae Christianae Supplements 28. Brill, Leiden u.a. 1994 ISBN 90-04-10117-9
  • Hildegard Cancik-Lindemaier: Vorsehung II: Religionsgeschichtlich (griechisch und römisch), in: Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Auflage, Tübingen 2001, Bd. 8, Sp. 1213-1214.
  • Caterina von Siena: Gottes Vorsehung. Hrsg., eingeleitet u. übers. von Louise Gnädinger. Serie Piper 527: Texte christlicher Mystiker. Piper, München u.a. 1989 ISBN 3-492-10527-0
  • Jörg O. Fichte (Hrsg.): Providentia - Fatum - Fortuna. Das Mittelalter 1.1996,1. Akad.-Verl., Berlin 1996
  • Horton Davies: The Vigilant God. Providence in the Thought of Augustine, Aquinas, Calvin and Barth. Lang, New York u.a. 1992
  • Stefan Gnädinger: Vorsehung: Ein religionsphilosophisches Grundproblem bei Johann Gottlieb Fichte. Pontes 14. LIT-Verl., Münster 2003 ISBN 3-8258-6581-9
  • Johannes Köhler, Vorsehung, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Basel 2001, Bd. 11, Sp. 1206-1218.
  • Heiko Schulz: Eschatologische Identität. Eine Untersuchung über das Verhältnis von Vorsehung, Schicksal und Zufall bei Sören Kierkegaard. Theologische Bibliothek Töpelmann 63. de Gruyter, Berlin u.a. 1994 ISBN 3-11-014093-4
  • Arnulf von Scheliha, Der Glaube an die göttliche Vorsehung. Eine religionssoziologische, geschichtsphilosophische und theologiegeschichtliche Untersuchung, Stuttgart 1999
  • Andreas Urs Sommer Sinnstiftung durch Geschichte? Zur Entstehung spekulativ-universalistischer Geschichtsphilosophie zwischen Bayle und Kant, Basel: Schwabe 2006, S. 382-399 (Vorsehung in der Geschichtsphilosophie) ISBN 3-7965-2214-9
  • William Lane Craig: The Problem of Divine Foreknowledge and Future Contingents from Aristotle to Suarez. Brill's Studies in Intellectual History 7. Brill, Leiden u.a. 1988 ISBN 90-04-08516-5
  • Jacob Viner, The Role of Providence in the Social Order. An Essay in Intellectual History. Jayne Lectures for 1966, Philadelphia 1972.

Aktuelle philosophische und theologische Diskussion

  • Theodor Schneider, Lothar Ullrich (Hrsg.): Vorsehung und Handeln Gottes. Quaestiones disputatae 115. Herder, Freiburg i.Br. u.a. 1988 ISBN 3-451-02115-3
  • John Sanders: The God Who Risks. A Theology of Providence. InterVarsity Press, Downers Grove 1998 ISBN 0-8308-1501-5
  • Richard Swinburne: Providence and the Problem of Evil. Clarendon Press, Oxford u.a. 1998 ISBN 0-19-823799-5 (analytische Religionsphilosophie)
  • Arnulf von Scheliha: Der Glaube an die göttliche Vorsehung. Eine religionssoziologische, geschichtsphilosophische und theologiegeschichtliche Untersuchung. Kohlhammer, Stuttgart u.a. 1999 ISBN 3-17-015574-1
  • Richard Kocher: Herausgeforderter Vorsehungsglaube. Die Lehre von der Vorsehung im Horizont der gegenwärtigen Theologie. EOS-Verl., St. Ottilien 2. Aufl. 1999 ISBN 3-88096-985-X
  • Reinhold Bernhardt: Was heißt „Handeln Gottes“? Eine Rekonstruktion der Lehre von der Vorsehung. Gütersloher Verlagshaus Kaiser, Gütersloh 1999 ISBN 3-579-00403-4
  • Hans Christian Schmidbaur: Gottes Handeln in Welt und Geschichte. Eine trinitarische Theologie der Vorsehung. Münchener theologische Studien 2/63. EOS-Verl., St. Ottilien 2003 ISBN 3-8306-7175-X
  • Lehner, Ulrich L., Kants Vorsehungskonzept auf dem Hintergrund der deutschen Schulphilosophie und -theologie (Leiden: 2007) (Kant's Concept of Providence and its background in German School Philosophy & Theology) 18
  • Kempf, Larsen: Schicksal, Vorsehung und Kontingenz als politische Motive, in: Zeitschrift für Politik Nr. 1/2012, München 2012

Allgemeinverständlich

Weblinks[Bearbeiten]

  1. „Der unerforschliche Ratschluß, ihr wißts es scho“ im Brandner Kaspar
  2. Mit brennender Sorge 11