Coxsone Dodd

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Sir Coxsone Dodd (* 26. Januar 1932 in Kingston, Jamaika; † 4. Mai 2004 ebenda), der mit bürgerlichem Namen Clement Seymour Dodd hieß, war ein bedeutender Musikproduzent, der großen Einfluss auf die Entwicklung des jamaikanischen Reggae hatte.

Leben[Bearbeiten]

Erstes Auftreten als Sound-Man[Bearbeiten]

Bereits sehr früh interessierte sich Dodd für Musik. Er gründete sein Sound-System Sir Coxsone Downbeat und trat Mitte der 1950er Jahre zum ersten Mal in Erscheinung, indem er auf ihm seine von Gastarbeiten als Erntehelfer in den USA mitgebrachten raren Rhythm&Blues-Platten spielte. So spielte er Ende der 1950er Jahre eine Platte namens Later For The Gator, die sein ärgster Konkurrent Duke Reid auch nach mehrmaligen Besuchen der USA nicht auftreiben konnte. So wuchs das Ansehen Sir Coxsones in diesem von der Zuschauergunst abhängigen Tagesgeschäft, das nur auf dem Wettbewerb nach neusten Erscheinungen basierte, immer weiter. Erst nachdem neun Jahre später der Titel der Platte durch einen „Verräter“ preisgegeben wurde, konnte auch Duke Reid die zwischenzeitlich schon als Coxsone Hop bezeichnete Platte auch in seinem Soundsystem spielen.

Vom Sound-Man zum Produzenten[Bearbeiten]

Durch die Verdrängung des R'n'B in den USA herrschte in Jamaika ein Mangel neuer Platten, da man weiterhin zu gewohnten Rhythmen tanzte. Durch die gegenseitige Konkurrenz angestachelt wurden die Sound-Men, die Betreiber der Sound-Systems, zu Produzenten, und versuchten, möglichst eigene Talente, die sich in den Slums befanden, zu rekrutieren und möglichst exklusive Platten für das Sound-System zu haben. Später wandelte Coxsone die Vorstellung der Werke als einzigartiges Mittel des Wettbewerbs der Sound-System unter Einfluss eines Freundes zur bis heute üblichen Vermarktungsstrategie der Musik in Jamaika. So wird zuerst ein Dubplate erstellt, das mithilfe der Sound-Systems bekannt gemacht und Reaktionen darauf wahrgenommen wurden, bevor dann zunächst nur eine geringe Anzahl von Singles gepresst werden sollte, um einen vergleichsweise hohen Preis zu erzielen. Zuletzt wurde die Platte dann massenhaft gepresst, und deren Verkauf auch zu geringeren Preisen rentabel.
Diese durchaus recht primitive Geschäftspraktik hat auch heute noch ihre Existenzberechtigung und ist ein wesentlicher Bestandteil der Kultur als Ganzes, in die sich die Musik eingliedert.

Damit war ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Herausbildung des Reggae getan. 1963 gründete Sir Coxsone das legendäre Studio One im Westens Kingstons, in dem unter anderem auch Bob Marley im selben Jahr mit den Skatalites als Backingband seine ersten Aufnahmen machte, nachdem Coxsone in der Band The Wailing Wailers ein durch deren Authentizitität geschaffenes Potenzial sah.

Trotzdem sei der große Einfluss Coxsones auf die Entwicklung der Musik und seines persönlichen Erfolges nur eingeschränkt auf sein Genie zurückzuführen, als vielmehr auf seinen Sinn, sich immer „mit den kreativsten Köpfen zu umgeben, derer er habhaft werden konnte“ - so zum Beispiel Jackie Mittoo und Lee Perry. Außerdem sei er ein gerissener Geschäftsmann mit dem Gespür für den Wert und Zeitpunkt einer Veröffentlichung gewesen, der es zusätzlich verstanden habe, seine Künstler auszubeuten.

Bedeutung und Werdegang des Sound-Systems[Bearbeiten]

Bis in die Mitte der 1960er Jahre war Sir Coxsone Downbeat das bedeutendste Sound-System Jamaikas. Im Zuge der Herausbildung des Rocksteady übernahm der ewige Widersacher Coxsones Duke Reid wieder die musikalische Vormachtstellung.
So haben beide die Entwicklung der jamaikanischen Volksmusik gefördert, das Studio One sollte jedoch „für alle Zeiten den prominenteren Platz einnehmen“.[1]

Am 4. Mai 2004 starb Coxsone bei Arbeiten im Studio One an einem Herzinfarkt.

Im Oktober 2007 wurde Dodd posthum der Order of Distinction im Rang eines Commanders verliehen.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. René Wynands: Do The Reggae. Reggae von Pocomania bis Ragga und der Mythos Bob Marley. ISBN 3-492-18409-X (Piper), ISBN 3-7957-8409-3 (Schott). S. 53
  2. I owe it all to my nation, Jamaica Gleaner vom 16. Oktober 2007. Abgerufen am 12. Juli 2011.