Cura annonae

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Die cura annonae (von lateinisch cura „Sorge“, „Aufsicht“ und annona „Jahresertrag“, „Nahrungsmittel“) war die Aufsicht über die Getreidespenden (annona civica) der Stadt Rom in der Antike.

Die annona civica[Bearbeiten]

Die ursprüngliche cura annonae oblag in republikanischer Zeit den kurulischen Aedilen. Zu ihren Aufgaben gehörte es, im Falle einer Hungersnot im Auftrage des Staates Getreide einzukaufen und günstig an die Bürger weiterzuverkaufen.[1] Ebenfalls gehörte zu dem Amt die Festsetzung des Marktpreises für Getreide unabhängig von Ertrag und Bedarf. Mit dem Anwachsen der stadtrömischen Bevölkerung und dem gleichzeitigen Rückgang des Ackerbaus in Italien musste das Getreide zunehmend aus entfernteren Provinzen herbeigeschafft werden. Auf das Getreide aus Sizilien besaß die Stadt Rom seit den punischen Kriegen ein Monopol.

Gegen Ende der Republik ging man zur kostenlosen Verteilung von Getreide über. Die Aufsicht über die Getreideverteilung oblag seit der Errichtung der Monarchie durch Augustus einer Verwaltung, die von praefecti annonae geleitet wurde, die die Kaiser einsetzten. Empfangsberechtigt waren nur jene römischen Bürger, die in bestimmten Listen erfasst wurden; es ging dabei nicht um Bedürftigkeit. Ausgegeben wurde das Getreide in der frühen und hohen Kaiserzeit in der Porticus Minucia auf dem Marsfeld, ab dem 3. Jahrhundert auch an anderen Stellen. Das Getreide kam nun vor allem aus Nordafrika und Ägypten; in der Spätantike ging das Korn vom Nil allerdings nach Konstantinopel.

Auf römischen Münzen der Kaiserzeit wurde die Göttin Annona mit Füllhorn und Ähren oder Kornscheffel (Hohlmaß) abgebildet. Auch wurde sie mit Schiffsbug für die Getreideeinfuhr dargestellt. Damit ließen sich die Kaiser, die seit Augustus letztlich die Verantwortung für die annona civica trugen, als Wohltäter und Versorger der Stadt Rom feiern.

Annona mit Füllhorn auf der Rückseite eines Denars des Alexander Severus.

Seit der hohen Kaiserzeit umfasste die annona civica nicht mehr nur Getreide, sondern auch nordafrikanisches Olivenöl sowie Schweinefleisch und Wein aus Italien. Die cura annonae überdauerte das Ende des Weströmischen Kaisertums (476) um mehrere Jahrzehnte; seit Gregor dem Großen übernahm dann die Kirche die Aufsicht über die Versorgung der inzwischen allerdings stark geschrumpften stadtrömischen Bevölkerung und folgte dabei anderen Regeln.

Die annona militaris[Bearbeiten]

In Prinzipat und Spätantike ist zu unterscheiden zwischen der annona civica, also den Getreidespenden an die Bürger Roms (und ab dem 4. Jahrhundert auch jene Konstantinopels), und der annona militaris. Letztere bezeichnete den Unterhalt sowohl regulärer kaiserlicher Truppen als auch reichsfremder foederati. Seit dem 4. Jahrhundert war die Eintreibung und Redistribution dieser annona, die ab dem 5. Jahrhundert auch in Form von Bargeld ausgezahlt werden konnte, die wichtigste Aufgabe der Prätorianerpräfekten.

Das Streben germanischer Kriegerverbände nach einer geregelten Versorgung durch den römischen Staat spielte während der Völkerwanderung eine wichtige Rolle: Die Plünderung Roms durch meuternde westgotische foederati im Jahr 410 hatte ihre Ursache nicht zuletzt darin, dass die kaiserliche Regierung den Goten keine ausreichende annona militaris hatte zugestehen wollen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Herz: Studien zur römischen Wirtschaftsgesetzgebung. Die Lebensmittelversorgung. Franz Steiner, Stuttgart 1988, ISBN 3-515-04805-7.
  • Evelyn Höbenreich: Annona. Juristische Aspekte der stadtrömischen Lebensmittelversorgung im Prinzipat. Leykam, Graz 1997, ISBN 3-7011-8970-6.
  • Fritz Mitthof: Annona militaris. Ein Beitrag zur Verwaltungs- und Heeresgeschichte des Römischen Reiches im 3.–6. Jh. n. Chr. (= Papyrologica Florentina. 32). Florenz 2001.
  • Geoffrey Rickman: The Corn Supply of Ancient Rome. Clarendon Press, Oxford 1980, ISBN 0-19-814838-0.
  • Emin Tengström: Bread for the people: Studies of the Corn-Supply of Rome during the Late Empire. Aströms, Stockholm 1974.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Titus Livius 2, 9, 6; 2, 34; 10, 11, 9.