Corpus Inscriptionum Latinarum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Corpus Inscriptionum Latinarum (abgekürzt CIL) ist eine umfassende Sammlung antiker lateinischer Inschriften. Es bildet als Dokumentation erhaltener öffentlicher und privater Inschriften eine unverzichtbare Quelle für das Leben im Römischen Reich und die römische Geschichte.

Das CIL hat das Ziel, alle lateinischen Inschriften aus dem gesamten Territorium des Reichs geographisch und systematisch sortiert zusammenzufassen. Das Corpus wird laufend in neuen Ausgaben und Ergänzungen aufbereitet. Die Sprache des CIL ist traditionell Latein (eine Änderung dieser Praxis bei künftigen Bänden wird diskutiert). Seine Fortführung obliegt der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW).

1847 schlug Theodor Mommsen der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften in einer Denkschrift eine organisierte Sammlung lateinischer Inschriften, die in den vergangenen Jahrhunderten stückweise von Hunderten von Gelehrten beschrieben worden waren, vor. 1853 begann die Arbeit am CIL. Mommsen, der mit der Veröffentlichung der Inschriften des Königreichs Neapel ein Modell für das Corpus gegeben hatte, blieb ein halbes Jahrhundert bis zu seinem Tod die treibende Kraft des Unternehmens und bearbeitete selbst mehrere der Bände, die Italien betreffen. Ein Großteil der Arbeit bestand für die Beteiligten – Epigraphiker nicht nur der Berliner Akademie, sondern auch aus anderen europäischen Ländern – darin, die Orte und Monumente persönlich zu besuchen, um Kopien von möglichst vielen Originalen anzufertigen (Autopsieprinzip). In den Fällen, in denen zuvor beschriebene Inschriften nicht mehr auffindbar waren, versuchten die Autoren, eine genaue Lesart durch Vergleiche mit den Werken früherer Autoren, die das Original gesehen hatten, zu erhalten. Der erste Band erschien 1862.

Das CIL besteht derzeit aus 17 „Bänden“ in über 70 Teilen und enthält ungefähr 180.000 Inschriften. 13 Ergänzungsbände enthalten Tafeln und besondere Indices. Der erste Band, in zwei Teilen, umfasst die ältesten Inschriften bis zum Ende der Römischen Republik; die Bände II bis XIV sind geographisch aufgeteilt; der Band XIII zum Beispiel ist den Inschriften der gallischen und germanischen Provinzen gewidmet. (Für einige Regionen sind allerdings die entsprechenden Bände des CIL durch andere Sammlungen ersetzt worden, beispielsweise in Britannien, da es dort nur die überschaubare Anzahl von ca. 750 römischen Inschriften gab.) Die Bände XV bis XVII enthalten besondere Inschriftengattungen (Instrumentum domesticum, Militärdiplome, Meilensteine). Ein Band XVIII, der die „Carmina Latina Epigraphica“ enthalten soll, ist in Vorbereitung. Ein lateinischer Index Numerorum: Ein Findbuch zum Corpus Inscriptionum Latinarum wurde 2004 veröffentlicht.

Die Beschreibungen bestehen aus einem Bild der Originalinschrift (sofern noch vorhanden), Zeichnungen zeigen die Buchstaben in Originalgröße und -position, und eine Interpretation versucht Abkürzungen und fehlende Worte zu rekonstruieren sowie Fragen und Probleme zu diskutieren.

Zu den Herausgebern einzelner Bände gehörten neben Mommsen Eugen Bormann, Hermann Dessau, Wilhelm Henzen, Otto Hirschfeld, Emil Hübner, Christian Hülsen und Karl Zangemeister, in späterer Zeit Géza Alföldy (der das Projekt von 1992 bis 2007 leitete), Attilio Degrassi und Herbert Nesselhauf. Leiter des Projektes ist seit 2007 Werner Eck, Leiter der BBAW-Arbeitsstelle Manfred G. Schmidt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Corpus inscriptionum latinarum (CIL). Consilio et auctoritate Academiae Litterarum Regiae Borussicae editum. 17 Bände in zahlreichen Teilbänden. de Gruyter (bis 1925: Reimer), Berlin 1862 ff.
  • Corpus inscriptionum Latinarum. Auctarium. Series nova. Index numerorum. 2 u. 3 Bde. de Gruyter, Berlin 2003. ISBN 3-11-017936-9, ISBN 3-11-015244-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Corpus Inscriptionum Latinarum – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien