Das sechste und siebente Buch Mosis

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Ausgabe von Johann Scheible, Philadelphia 1853

Das sechste und siebente Buch Mosis ist der Titel mehrerer Grimoires mit unterschiedlichem Inhalt aus volkstümlichen Zauber und Aberglauben, sowie fragwürdigen Hausmitteln. Der Titel bezieht sich zu Unrecht auf den Propheten Moses und die seinen Namen tragenden ersten fünf Bücher des Tanach, die Tora. Er versucht die angebliche Zauberkraft Moses zu implizieren, als er die ägyptischen Zauberer besiegte (Ex 7,8 ff. EU).

Vorläufer[Bearbeiten]

Bereits im 4. Jahrhundert n. Chr. erschien eine Schrift unter dem Titel Das achte und zehnte Buch Moses, ein Papyrus, der zu den Papyri Graecae Magicae zählt. Dieser Papyrus enthält ein langes Ritual, eine Unterweisung durch den Erzengel, ein Gebet des Moses, an die Mondgöttin Selene gerichtet, und einen Hinweis auf einen Schlüssel des Moses, in dem zusätzliche Riten und Geheimnamen zu finden sind. Die Bezeichnung als 8. und 10. Buch Moses erklärt sich daraus, dass diese Zahlen in der spätantiken Symbolik als vollkommen galten. Moses wurden auch weitere Schriften zugeschrieben, wie beispielsweise Das Schwert des Moses, eine Zusammenstellung von Zaubersprüchen in hebräischer Sprache aus dem Mittelalter.

Frühe Schriften[Bearbeiten]

Im 18. Jahrhundert erschienen erste Bücher in Form von magischen Rezeptbüchern, in denen angeblich Moses Zauberkünste am Hofe des Pharaos beschrieben wurden. 1797 wurde ein 6. et 7. Liber Mosis für 10 Reichstaler angeboten. Es ist anzunehmen, dass dieser Text die Basis für das 6. und 7. Buch Mosis bildete, das 1849 in einem Band beim Verlag Scheible in Stuttgart erschien. Es wurde 1851 und 1853 mit Zusätzen neu gedruckt. In dieser Form erlebt es seither bis heute neue Auflagen. Verkaufsargument für die Bücher war stets, dass sie das geheime Wissen Moses enthielten, das in der offiziellen Bibel unterdrückt würde. Die magisch-sympathetische Rezeptsammlung von Buch II des Abraham von Worms, erschienen 1725 bei Peter Hammer, als buchstäbliche Übernahme für das sechste und siebente Buch Mosis, erklärt Abraham-von-Worms-Herausgeber Georg Dehn mit dem beiden Büchern gemeinsamen Verleger Scheible. Scheible druckte sowohl Abraham von Worms Buch, als auch das sechste und siebente Buch Mosis mehrfach nach. Das sechste und siebente Buch Mosis wird 1734 bei Peter Hammer, Köln erstmals erwähnt.[1]

Heutige Ausgaben[Bearbeiten]

Aufgrund des offenbar nicht mangelnden Bedarfs an solchen Anleitungen entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch ein vergleichbares 8. und 9. Buch Moses oder enthüllte Geheimnisse der Zauberei, das heute noch als Buch mit den beiden Zusätzen „500 erprobte und entschleierte Geheimnisse, Mittel und Ratschläge aus dem Gebiete der Haus- und Landwirtschaft und Gewerbe und Künste“ sowie „Natürlich und sympathische Haus- und Heilmittel für Mensch und Vieh“ als Buch erhältlich ist. Wie bereits beim 6. und 7. Buch Mosis wird jegliche Haftung für den Erfolg oder Misserfolg der darin enthüllten Zauberkünste vom Verleger strikt abgelehnt. Die ebenfalls heute existierenden 11., 12. und 13. Bücher Moses sind neuzeitliche Sammelwerke, die aus verschiedenen alten Schriften erstellt wurden.

In Deutschland wurde das Buch 1956 verboten und der Verleger Ferdinand Masuch wegen Betruges und Verstoß gegen das Gesetz zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten verurteilt. Anlass war ein Hausmittel aus dem Buch, das für Syphilispatienten empfahl, sich bis an den Hals in Pferdemist einzugraben und die Krankheit hierdurch auszuschwitzen. Das Urteil wurde in der zweiten Instanz aufgehoben.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Bauer (Hrsg.): Das Sechste und Siebente Buch Mosis, sein wahrer Wert und was das Volk darin sucht; Karin Kramer-Verlag, Berlin 1996; ISBN 3-87956-118-4.
  • Das 6. und 7. Buch Mose oder der magisch-sympathische Hausschatz und Mosis magische Geisterkunst, das Geheimnis aller Geheimnisse. Bohmeier-Verlag, Leipzig, 2003; ISBN 3-89094-376-4 (enthält weitere Grimoires).
  • Christoph Daxelmüller: Zauberpraktiken. Eine Ideengeschichte der Magie; München, Zürich: Artemis und Winkler, 1993; ISBN 3-7608-1077-2.
  • Adolf Jacoby: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Band 6, 584.
  • Will-Erich Peuckert: Das Sechste und Siebente Buch Mosis, in: Zeitschrift für Deutsche Philologie 76/1957, Seite 163–187.
  • Kurt E. Koch: Wider das 6. und 7. Buch Mose; Schwäbisch Gmünd: Bibel- und Schriftenmission Koch, 2002; ISBN 978-3-924293-40-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Georg Dehn (Hrsg.): Buch Abramelin; Edition Araki, Erste vollständige, kritisch überarbeitete Ausgabe (2. Aufl. 2001), S. 27f.
  2. Geschäftemachen – keine Hexerei. Vor Gericht: Zwei Verleger dunkler Künste, Die Zeit vom 12. Juni 1958, abgerufen am 2. August 2014