Desiderata (Gedicht)

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Die Desiderata, auch als Lebensregel von Baltimore bezeichnet, ist ein berühmter Text zum Thema „So führst du ein glückliches Leben“.

Es wurde 1927 von Max Ehrmann (1872–1945), einem deutschstämmigen Rechtsanwalt aus Terre Haute, USA, verfasst. Eine verbreitete Moderne Sage behauptet, es stamme aus der Old St. Paul’s-Kirche, Baltimore 1692.

Wörtlich bedeutet der Titel (von lat. desiderare, „ersehnen“, „wünschen“) etwa (Segens)wünsche. Siehe dazu auch den Artikel Desiderat.

Max Ehrmann beantragte bereits am 3. Januar 1927 das Urheberrecht für dieses Gedicht,[1] das seine Nachkommen allerdings in einem Prozess 1976 verloren, weil es in den 1940ern ohne Copyrightvermerk publiziert worden war.[2] Das Gedicht ist seither in der Public Domain. Chronologisch ist dies die erste verbürgte Quelle zur Herkunft des Gedichtes. 1933 verwendete er die Desiderata als Teil der Weihnachtsgrüße an seine Freunde. Die Witwe Ehrmanns veröffentlichte 1948, drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, einen Gedichtband mit dem Titel „The poems of Max Ehrmann“, erschienen bei Bruce Humphries Publishing Company, Boston.

Verbreitung[Bearbeiten]

Rev. Frederick Ward Kates, der von 1956 bis 1961 Rektor (Pfarrer) von Old St. Paul’s war (einer Kirche in Baltimore, USA), veröffentlichte die Desiderata 1959 in einer Sammlung seiner Pfarrbriefe in dem Buch „Between Dawn and Dark“. Hier findet sich auch die korrekte Urheberangabe. Auf dem Umschlag dieses Buches steht, wie bei solchen Veröffentlichungen üblich, der Name der Kirche und ihr Gründungsjahr, hier also „From the Old Saint Paul’s Church, Baltimore, 1692“ („aus der alten St. Paul’s Kirche, Baltimore 1692“). Daraus wurde fälschlicherweise geschlossen – und es wird noch immer als Urban Legend kolportiert –, dass es sich um eine Inschrift in dieser Kirche handle und diese Weisheiten schon aus uralter Zeit stammten. Der Text wurde aus dieser Falschannahme auch als public domain angesehen und millionenfach vervielfältigt.

Als der Politiker und ehemalige US-Präsidentschaftskandidat Adlai Stevenson 1965 starb, lag eine Kopie der Desiderata auf seinem Bett. Dies verhalf dem Text zu ungeheurer Popularität – zumal Adlai Stevenson während der Kuba-Krise eine wichtige Rolle gespielt hatte.

Das Gedicht spiegelt das Lebensgefühl und die Lebensphilosophie der Hippies und der „Make-love-not-war“-Bewegung der 60er Jahre wider und wurde dadurch weit verbreitet. Heute findet es sich häufig als Sinnspruch auf Alltagsgegenständen und in Zitatesammlungen.

1968 nahm sich Leonard Nimoy des Gedichtes an und brachte es unter dem Titel „Spock Thoughts“ heraus. Der US-amerikanische Radiosprecher Les Crane erreichte 1971 damit Platz 8 der Billboard Magazine-Charts und erhielt im selben Jahr einen Grammy („Best Spoken Word Recording“) für seine mit Musik unterlegte Sprechaufnahme des Textes. Im Deutschen wurde diese Sprechgesangfassung unter dem Titel „Desiderata (Wo die Liebe wohnt)“ mit deutschem Text von Günter Loose[3][4] ebenfalls 1971 durch Friedrich Schütter eingespielt[5] und auf seiner LP „Ein Mensch“[6] veröffentlicht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Indiana Media Journal, Fall/Winter, 1997, Vol. 20 No. 1-2

Quellen[Bearbeiten]

  1. Federal copyright No. 962402, January 3, 1927
  2. Bell v. Combined Registry Co., 536 F.2d 164 (7th Cir., 1976). United States Court of Appeals for the Seventh Circuit. 14. Mai 1976. Abgerufen am 14. Dezember 2011.
  3. Friedrich Schütter: Desiderata bei hitparade.ch, abgerufen am 21. August 2012
  4. Werkauskunft der GEMA, ISWC: T-801.950.797-3, GEMA-Werk.-Nr: 871850-002, abgerufen am 21. August 2012
  5. Deutsche Textfassung der Aufnahme von Friedrich Schütter (MS Word; 27 kB)
  6. EAN: 0706301587225, Hersteller-Nr.: 0630158722

Weblinks[Bearbeiten]