Deutscher Familienverband

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Deutscher Familienverband
Logo
Rechtsform gemeinnütziger Eingetragener Verein
Gründung 1924
Ort Berlin
Präsident Klaus Zeh
Vizepräsidenten
Manfred Frühling
Wolfgang Haupt
Petra Nölkel
Geschäftsführer Siegfried Stresing
Mitglieder 15.500 in 16 Landesverbänden
Website www.deutscher-familienverband.de

Der Deutsche Familienverband e. V. (DFV) ist ein gemeinnütziger Verein mit Hauptsitz in Berlin. Gegründet wurde er 1924.

Deutscher Familienverband[Bearbeiten]

Der Deutsche Familienverband (DFV) ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Familien, deren Interessen er auf der kommunalen wie Landes- und Bundesebene vertritt. Er ist parteipolitisch und konfessionell nicht gebunden und steht allen Familien in Deutschland und allen am Wohl der Familie Interessierten zur Mitgliedschaft offen. Gegenüber der Politik vertritt der Deutsche Familienverband die sozialen und familienpolitischen Interessen von Familien.

Mit seinen heute mehr als 15.500 Mitgliedern und Landesverbänden in allen Ländern versteht sich der DFV als Lobby für Familien. Durch seine politische Arbeit hat der Verband an der Durchsetzung vieler familienpolitischer Leistungen wie beispielsweise des Erziehungsgeldes, des Erziehungsurlaubs mit Beschäftigungsgarantie (Vorläufer der Elternzeit), der Anrechnung von Erziehungsjahren in der Rente sowie im Bereich der Wohnungsbaupolitik maßgeblich mitgewirkt.

In vielen Landes-, Kreis- und Ortsverbänden wird aktive und engagierte Arbeit geleistet. Dazu gehört politische „Einmischung“ ebenso wie ein reiches Programm an Aktionen, Beratungs- und Hilfsangeboten sowie die Durchführung von Familienerholungen und Familienbildungsseminaren, zum Teil in eigenen Häusern.

Zum Kuratorium des Deutschen Familienverbandes gehören Renate Schmidt, Frank Bsirske, Silvana Koch-Mehrin, Johannes Singhammer, Elisabeth Winkelmeier-Becker und Hans-Olaf Henkel.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Deutsche Familienverband (vormals Bünde der Kinderreichen) besteht seit 1924. Gegründet als eine erste Bürgerinitiative für und mit Familien. Bereits 1919 wurden in Köln und Frankfurt die ersten formlosen Bünde der Kinderreichen gegründet. Am 23. Januar 1921 beschlossen die verschiedenen Bünde der Kinderreichen, einen Gesamtverband zu gründen, den Reichsverband der Bünde der Kinderreichen zum Schutz der Familie e.V. mit Sitz in Frankfurt am Main. Am 24. und 25. Juni 1922 fand in Weimar die erste ordentliche und satzungsgebende Hauptversammlung statt. Die gemeinsame Verbandssatzung wurde am 25. Juni 1922 beschlossen und trat 1924 in Kraft, was gemeinhin als Gründungsakt verstanden wird. Der Zweck des neu genannten Reichsverbandes umfasste gemäß Artikel 119 und Artikel 155 der Weimarer Reichsverfassung den Schutz der Familie, insbesondere die Vertretung der kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen aller kinderreichen Familien Deutschlands, ohne Unterschied des Berufes oder der sozialen Stellung, sowie der Partei und Konfession.

Mit der Gründung wurde das Weimarer Programm veröffentlicht, welches bis 1933 Geltung hatte. Es umfasste sieben Punkte:

  • Achtung vor der Mutter. Schutz ihrer Kinder vor sittlicher Gefährdung und vor wirtschaftlicher Ausbeutung
  • Hinzuziehung ihrer Vertreter zu allen gesetzgebenden Arbeiten, die für die Kinderreichen von Bedeutung sind sowie die Ausübung ausreichenden Einflusses auf die ausführenden Verwaltungsstellen in Reich, Staat und Gemeinden
  • Bis zur gesetzlichen Regelung des wirtschaftlichen Ausgleichs einen ausreichenden sozialen Lohn
  • Gerechte Berücksichtigung der Kopfzahl der Familie bei der Steuergesetzgebung und Steuerfreiheit aller Ausgleichszahlungen sowie Besteuerung des auf den einzelnen Erben entfallenden Erbteils, nicht der gesamten Erbmasse
  • Zuweisung menschenwürdiger Wohnungen, Vergebung von Siedlungen und Pachtland an Kinderreiche, Erleichterungen in der Wohnungsbauaufgabe
  • Schutz vor Arbeitslosigkeit durch Ausdehnung des Gesetzes über die Beschäftigung Schwerkriegsbeschädigter auf die Kinderreichen
  • Befreiung vom Schulgeld sowie kostenlose Lieferung von Lernmitteln

Wichtigste Aufgabe des Verbandes war, den von Wohnungs- und Arbeitslosigkeit bedrängten Familien zu helfen und die Interessen gemeinsam politisch zu vertreten. Innerhalb weniger Jahre wurde der Verband zum anerkannten Sprecher der größeren Familien. Seit 1924 bis zur Gleichschaltung des Bundes war Hans Konrads, vom Beruf Volksschullehrer in Düsseldorf, Vorsitzender des Bundes. Mit Befürwortung des Reichskanzlers Brüning wurde er vom Schuldienst freigestellt. Während der Hitlerdiktatur wurde der Bund gleichgeschaltet und das Engagement der Mitglieder beschränkte sich weitgehend auf persönliche Hilfen. Der Reichsbund wurde nicht wie zahlreiche andere Organisationen aufgelöst, stattdessen wurde aber vom Reichsministerium des Inneren ein "Beauftragter" bestellt, der ab Juli 1933 seine Leitung übernahm, die alten Vorstände absetzte und über die entsprechende Neubesetzung entschied. Systematisch wurde der Bund im Laufe des Jahres 1933 auf allen Ebenen gleichgeschaltet und umgestaltet. Der alte Reichsbund, der in Vorstellungen des christlichen Glaubens und der sozialen Gerechtigkeit wurzelte, bestand in seiner eigentlichen Form nicht mehr weiter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bund als DFV wiedergegründet. Sein Sitz und die Bundesgeschäftsstelle sind seit der Wiedervereinigung nach Berlin verlegt worden.

Seit seiner Gründung setzt sich der Deutsche Familienverband als Sprecher aller Familien für eine Politik ein, die die Familie in den Mittelpunkt jedes gesellschaftspolitischen Handelns stellt und ihre Leistungen anerkennt. Sein Engagement gilt dabei den Handlungsfeldern, die den Alltag von Familien und die Entscheidung für ein Leben mit Kindern am meisten beeinflussen: der wirtschaftlichen Situation, der Wohnsituation, der Absicherung im Alter und der Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsleben.

Der DFV ist Mitinitiator des sozialen Wohnungsbaus in den Nachkriegsjahren, der Einführung eines allgemeinen Kindergeldes in den 70er Jahren und der Wiedereinführung von Steuerfreibeträgen für Kinder in den 80er Jahren. Zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen (AGF) und weiteren Einrichtungen initiierte der DFV die Mehrwertsteuer-Kampagne “7% für Kinder”, die Forderung nach einer familienfreundlichen Besteuerung kindbezogener Produkte.

In einer Anhörung vor dem Bundesverfassungsgericht äußerte der DFV Bedenken im Hinblick auf eine Sukzessivadoption durch homosexuelle Paare. In erster Linie seien die Jugendämter für die richtige Auswahl der Eltern zuständig, so die Stellungnahme des Deutschen Familienverbandes.[1]

Tätigkeiten[Bearbeiten]

Zu den wichtigsten Aufgaben des Deutschen Familienverbandes und seiner Landesverbände gehört:

  • Stärkung der Handlungskompetenz von Eltern (z.B. durch Familienberatung und Familienstabilisierung)
  • Beratungs- und Aufklärungsarbeit zum Thema Kinderwunsch, Kindererziehung, Familienbildung und Partnerschaft
  • Organisation und Durchführung von Veranstaltungen zum Thema Familie
  • Schuldner- und Insolvenzberatung
  • Vermittlung von Mutter-/Vater-Kind-Kuren und Mütterkuren
  • Fortbildungen in der Familienarbeit
  • Entwicklung und Durchführung von Familienbildungsprogrammen in den Bereichen Bildung, Erziehung, Gesundheit, Leben in der Familie, Partnerschaft, Vermittlung von Familienerholungsangeboten für sozial schwache Familien
  • Durchführung von interkulturellen und integrativen Familienangeboten
  • Förderung des persönlichen Erfahrungsaustausches von Eltern und Kindern untereinander
  • Entwicklung von Bewältigungsstrategien im Umgang mit Familiensituationen (Stress, Familien- und Kommunikationsprobleme)
  • Förderung der Eigeninitiative und Selbständigkeit von Familien
  • Begleitung von Paaren in unterschiedlichen Lebenssituationen
  • Leitung der Initiative ProMann
  • Engagement für Familien in der Landes- und Bundespolitik

DFV-Familie[Bearbeiten]

Über seine bundesweite Zeitschrift „DFV-Familie“, die sechsmal jährlich erscheint, informiert der Deutsche Familienverband Mitglieder und Interessierte zu Fragen der Familienpolitik und des Familienalltags. Damit betreibt der DFV über den Kreis der Mitglieder hinaus eine öffentliche Bewusstseinsbildung für Familieninteressen. Die Zeitschrift erschien zum ersten Mal im August 1921 als Verbandszeitung unter dem Titel "Der Kinderreiche".

Die DFV-Familie ist mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren (ivw-geprüft) die auflagenstärkste Familienzeitschrift, die durch einen Verein herausgegeben wird.

Familien-Ratgeber[Bearbeiten]

Der Familienratgeber (betreut durch den Landesverband NRW) bietet zahlreiche praxisbezogene Hilfen an. Familien erhalten durch die Online-Plattform umfassende Informationen über alltagsbezogene Hilfen und über Anspruchs- und Fördervoraussetzungen Auskunft. Darüber hinaus bietet es einen verbraucherpolitischen Serviceteil sowie einen umfangreichen Adressenteil. 2011 wurden fast 1,4 Mio. Zugriffe von 700.000 Besuchern gezählt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPublikationen des DFV. Abgerufen am 5. Juli 2013.