Diderot-Effekt

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Der Diderot-Effekt ist ein Begriff aus der Konsumforschung. Den Begriff Diderot-Effekt prägte der amerikanische Sozialwissenschaftler und Konsumforscher Grant McCracken in seinem Buch Culture and Consumption (deutsche Übersetzung Kultur und Konsum 1988). Er leitete die Bezeichnung aus dem Sujet eines Essays von Denis Diderot ab; Gründe, meinem alten Hausrock nachzutrauern, Regrets sur ma vieille robe de chambre ou Avis à ceux qui ont plus de goût que de fortune 1772. Jemand hatte ihm einen neuen, prächtigen Morgenmantel geschenkt, woraufhin er sich von dem alten trennte und feststellen musste, dass die vorher harmonisch wahrgenommene Einrichtung seines Hauses nicht zu dem Mantel passte. In einem Aufsatz schrieb er darauf 1772:[1]

„Mein alter Hausrock und der ganze Plunder, mit dem ich mich eingerichtet hatte – wie gut passte eins zum anderen! […]“

Allgemein[Bearbeiten]

Er beschreibt, wie Menschen, nachdem sie einen Gegenstand gekauft haben, in den Zwang geraten können, weitere Käufe zu tätigen, um ein passendes Gesamtbild zu schaffen. Die Aufwertung eines Details, z. B. eines Kleidungsstücks führt zu einer Unzufriedenheit mit einem oder mehreren anderen Details und kann somit eine Konsum-Kettenreaktion auslösen.

Jemand kauft zum Beispiel einen neuen Sessel, der farblich nicht zu den vorhandenen Sesseln in seiner Wohnung passt. Dadurch gerät er in den psychologischen Zwang, auch die vorhandenen restlichen Sessel durch ins Gesamtbild passende zu ersetzen. Dadurch passt dann aber etwa der Schrank nicht mehr ins Gesamtbild und auch er muss ersetzt werden und so fort. Umgekehrt kann dieses Problem auch der Grund für eine Kaufzurückhaltung sein.

Der beschriebene Effekt wird auch heute noch in der Werbepsychologie beachtet.[2][3]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Grant McCracken: Culture and Consumption: New Approaches to the Symbolic Character of Consumer Goods and Activities. Indiana University Press, Bloomington and Indianapolis, 1988 ISBN 0-253-31526-3; S. 118–129
  • Gudrun K. König: Konsumkultur. Inszenierte Warenwelt um 1900. Wien: Böhlau 2006. ISBN 978-3- 205-77661-1 Darin: Diderots Hausrock. S. 142ff.
  • Juliet B. Schor: The Overspent American: Why We Want What We Don't Need. Harper Perennial; 1st HarperPerennial Ed Pub. 1999 edition. ISBN 0-06-097758-2 ISBN 978-0-06-097758-0

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Denis Diderot: Gründe, meinem alten Hausrock nachzutrauern oder: Eine Warnung an alle, die mehr Geschmack als Geld haben. 1772 (online)
  2. Der Diderot-Effekt. In: ZEITmagazin, 8. April 2009 (online)
  3. Grant McCracken: Kultur und Konsum. 1988