Die Königin von Saba

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Dieser Artikel stellt die Oper von Karl Goldmark vor. Zur gleichnamigen Titelfigur siehe Königin von Saba.
Werkdaten
Titel: Die Königin von Saba
Originalsprache: Deutsch
Musik: Karl Goldmark
Libretto: Salomon Hermann von Mosenthal
Uraufführung: 10. März 1875
Ort der Uraufführung: Wiener Hofoper
Spieldauer: ca. 2½ Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Jerusalem, etwa 950 v. Chr und in der syrischen Wüste
Personen
  • König Salomon, (Bariton)
  • Die Königin von Saba, (Mezzosopran)
  • Assad, Salomons Liebling (Tenor)
  • Der Hohepriester (Bass)
  • Sulamith, seine Tochter (Sopran)
  • Baal-Hanan, Palastaufseher (Bariton)
  • Astaroth, Sklavin der Königin (Sopran)
  • Der Tempelwächter (Bass)
  • Gefolge des Königs und der Königin, Wachen, Krieger, Priester, Leviten, Tänzerinnen, Volk, Sklaven (Chor, Ballett und Statisterie)

Die Königin von Saba ist eine Oper in vier Akten von Karl Goldmark. Das Libretto stammt von Salomon Hermann von Mosenthal und basiert auf dem 1. Buch der Könige (Kapitel 10). Die Oper wurde am 10. März 1875 in der Wiener Hofoper uraufgeführt. Sie war eine der erfolgreichsten Opern des späten 19. Jahrhunderts.

Handlung[Bearbeiten]

1. Akt - König Salomons Palast

Sulamith, die Tochter des Hohepriesters, soll Assad heiraten, den Sohn König Salomons. Als sie ihren Bräutigam begrüßt, weicht dieser erschreckt zurück. Auf Nachfragen seines Vaters gibt er zu, eine Gefährtin seiner Braut beim Baden belauscht zu haben. Er habe dieser Frau seine Liebe gestanden, und diese hätte sie auch erwidert.

Die Königin von Saba erreicht den Palast, und als sie zur Begrüßung ihren Schleier ablegt, erkennt Assad in ihr seine unbekannte Geliebte. Als er dies kundtut, erklärt die Königin öffentlich, Assad nicht zu kennen, worauf dieser verwirrt und traurig den Festsaal verlässt.

2. Akt - König Salomons Garten

Die Königin von Saba sucht heimlich Assad auf, der traurig im Garten des Palastes sitzt. Sie versichert ihm erneut ihre Liebe, flüchtet aber, als sich die Palastwache nähert. Diese bemerken die Königin nicht und sehen nur Assad still und traurig im Garten sitzen.

Verwandlung - Tempel: Während eines heiligen Ritus opfert Sulamith zwei weiße Tauben, um die Götter für ihre bevorstehende Vermählung gnädig zu stimmen. Als Assad von seinem Vater in den Tempel geführt wird, erkennt dieser wiederum die anwesende Königin von Saba und wirft sich ihr zu Füßen. Da diese ihn erneut verleugnet, verfällt Assad in Raserei und schändet den Tempel. Er wird von der Tempelwache verhaftet und vor den Richter geschleppt. Da erklärt die Königin von Saba plötzlich, sie wolle doch für Assad sprechen. König Salomon beginnt die Zusammenhänge zu begreifen und lässt seinen Sohn fortbringen.

3. Akt - Oase in der Wüste

Die Königin von Saba ist auf der Heimreise und rastet in einer Oase. Ihre Leibwache finden den in der Wüste herumirrenden Assad und bringen ihn zu ihr. Doch nun erkennt dieser das wahre Gesicht seiner Geliebten und verflucht sie. Die Königin von Saba lässt ihn in der Oase zurück.

Einsam trauert Assad, als ein gewaltiger Sturm losbricht. Mitten in seiner Verzweiflung erscheint plötzlich Sulamith, die ihren Geliebten überall gesucht hatte. Sie verzeiht ihm, und mit einem dankbaren Lächeln stirbt er in ihren Armen.


Theaterzettel der Uraufführung

Rezeptionsgeschichte[Bearbeiten]

Goldmarks erste Oper erfuhr bald nach der Uraufführung an der Wiener Hofoper eine weltweite Aufmerksamkeit und wurde zu einer der erfolgreichsten Opern des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Der Erfolg des Werks ist sowohl durch das damals populäre Orient-Sujet (vgl. auch "Salome" von Richard Strauss) als auch durch die Musik begründet, die sich an wesentliche Strömungen des 19. Jahrhunderts (Giacomo Meyerbeer, Richard Wagner u.a.) anlehnt. Erheblichen Anteil am Erfolg hatte auch die Sängerin der Titelpartie, die damals in Wien bereits äußerst beliebte Amalia Materna. Das Werk wurde bis in die späten 20er Jahre des 20. Jahrhunderts bei großer Beliebtheit aufgeführt, mit der nationalsozialistischen Rassenpolitik verschwand die Oper des jüdischen Komponisten jedoch fast gänzlich von den Spielplänen der Opernhäuser, nur in Budapest hat die Oper auch nach dem Zweiten Weltkrieg eine gewisse Popularität behalten.

Kritiken[Bearbeiten]

„‚Die Königin von Saba‘ ist eine von edler Melodik erfüllte bühnenwirksame Oper mit herrlichen Kantilenen, gewaltigen Chorszenen und plastischer Darstellung der Charaktere.“[1] „Seine [Goldmarks] an Meyerbeer erinnernde Skrupulosität, Kehrseite eines Minderwertigkeitskomplexes, lässt das Werk mehr in einzelnen Schönheiten als im szenisch-musikalischen Gesamtzusammenhang glänzen. Es wirkt wie eine etwas befremdliche Mischung aus Tannhäuser und Die Afrikanerin.“ [2]

Literatur[Bearbeiten]

  • „Die Königin von Saba“. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, 13. März 1875, S. 1 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
  • Horst Seeger: Opern-Lexikon. Heinrichshofens Verlag, Wilhelmshaven 1979, ISBN 3-7959-0271-1, S. 296-2197.
  • Iris Weingartner: Carl Goldmark und seine Oper „Die Königin von Saba“. Diplomarbeit an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien, 2002 (ungedruckt)
  • Peter Stachel: Eine "vaterländische" Oper für die Habsburgermonarchie oder eine "jüdische Nationaloper"? Carl Goldmarks "Königin von Saba" in Wien, in: Oliver Müller, Philipp Ther, Jutta Toelle, Gesa zur Nieden (Hg.): Oper im Wandel der Gesellschaft. Kulturtransfers und Netzwerke des Musiktheaters in Europa, Wien–Köln–Weimar 2010, S. 197–218. ISBN 978-3-205-78491-3

Aufnahmen / Tonträger[Bearbeiten]

  • Hungaroton Classic LTD., 1997 HCD 12179-81
  • BJR; Gala GL 100.620

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieter Zöchling, Die Oper Westermanns farbiger Führer durch Oper, Operette, Musical. Westermann, Braunschweig 1983, ISBN 3-14-508830-0
  2. Ulrich Schreiber, Die Kunst der Oper. Geschichte des Musiktheaters, Band III. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-7632-5016-6