Salome (Oper)

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Salomé II von Gustav Klimt, 1909
Werkdaten
Titel: Salome
Form: durchkomponiert
Originalsprache: deutsch
Musik: Richard Strauss
Libretto: Oscar Wilde, übersetzt von Hedwig Lachmann, eingerichtet von Strauss
Literarische Vorlage: Salomé von Oscar Wilde
Uraufführung: 9. Dezember 1905
Ort der Uraufführung: Dresden, Semperoper
Spieldauer: ca. 90 Minuten
Ort und Zeit der Handlung: Palast zur Zeit der Regierung von Herodes II. Antipas
Personen

Salome (op. 54) ist eine Oper in einem Akt von Richard Strauss. Sie beruht auf dem gleichnamigen Drama von Oscar Wilde aus dem Jahr 1891 und stellt eine der ersten Literaturopern dar.

Entstehung[Bearbeiten]

Der Wiener Dichter Anton Lindner war 1901 mit dem Vorschlag an Richard Strauss herangetreten, aus dem Drama Salomé von Oscar Wilde (geschrieben 1891, eines seiner wenigen in französischer Sprache verfassten Werke; uraufgeführt 1896 in Paris mit Sarah Bernhardt) ein Libretto zu formen. Strauss entdeckte in Lindners Fassung „ein paar geschickt versifizierte Anfangsszenen“, entschloss sich aber dann, das Libretto selbst zu gestalten. Dabei griff er auf die (von Lindner herausgegebene) Salomé-Übersetzung von Hedwig Lachmann zurück. Er ließ den Wortlaut weitgehend unverändert, nahm jedoch zahlreiche musikalisch-dramaturgisch bedingte Kürzungen und Umstellungen vor. Salome gilt deshalb als eine der ersten Literaturopern, die in größerem Umfang Formulierungen aus Werken des Sprechtheaters direkt übernehmen.

Nachdem Strauss die Partitur am 20. April 1905 vollendet hatte, wurde die Oper Salome am 9. Dezember an der Dresdner Hofoper uraufgeführt, mit Marie Wittich in der Titelpartie, Irene von Chavanne als Herodias, Karel Burian als Herodes und Karl Perron als Jochanaan. Die musikalische Leitung hatte Ernst von Schuch, Regie führte Willi Wirk, das Bühnenbild gestaltete Emil Rieck (1852–1939), die Kostüme Leonhard Fanto (1874–1958). Gustav Mahler wollte die Oper zeitgleich an der Wiener Staatsoper herausbringen, was jedoch von der Zensur wegen "die Sittlichkeit beleidigender" Handlung vereitelt wurde:

„… abgesehen von mehr textuellen Bedenken kann ich über das Abstoßende des ganzen Sujets nicht hinaus und kann nur wiederholen: Die Darstellung von Vorgängen, die in das Gebiet der Sexualpathologie gehören, eignet sich nicht für unsere Hofbühne“

Dr. Emil Jettel von Ettenach: Schreiben des Hofzensors an Staatsopern-Direktor Gustav Mahler, 31. Oktober 1905[1]

Bereits kurz nach der Fertigstellung der Partitur, nämlich zwischen Juli und September 1905, erstellte der Komponist selbst mit Hilfe des befreundeten Romain Rolland eine französische Fassung der Oper, in der er bestrebt war, die Gesangspartien so umzuschreiben, dass sie jeweils zu Oscar Wildes Originaltext passten. Diese Version wurde im März 1907 in Paris und Brüssel geboten, noch vor der französischen Erstaufführung der ursprünglichen deutschen Fassung, die Strauss selbst am Théâtre du Châtelet dirigierte. 1909 fertigte dann Jean de Marliave eine "Neuausgabe" an, die die Übersetzung von Hedwig Lachmann so (frei) ins Französische übertrug, dass dies zum ursprünglichen Notentext passte, und die in den folgenden Jahrzehnten üblich wurde. Erst 1989/90 wurde die Strauss/Rolland'sche Fassung "wiederentdeckt", aufgeführt und auf CD produziert (ausführlich nachzulesen im Booklet dieser bisher einzigen Aufnahme).

Inhalt[Bearbeiten]

Ort und Zeit: Eine große Terrasse im Palast des Herodes zur Zeit der Regierung Herodes II. Antipas.

1. Szene – Ein junger Soldat beobachtet Salome, die einem Festgelage im Inneren des Palastes beiwohnt. Ein junger Page warnt ihn: Frauen wie diese seien gefährlich und nicht gut für ehrbare Männer. Aus der Tiefe erklingt die Stimme von Johannes dem Täufer, der in der Oper Jochanaan heißt. Herodes, Salomes Stiefvater, hält ihn in der Tiefe einer Zisterne gefangen.

2. Szene – Salome stürzt ins Freie. Sie kann die lüsternen Blicke ihres Stiefvaters nicht mehr ertragen. Wiederum erklingt Jochanaans Stimme. Salome wird neugierig. Mit all ihrem lasziven Charme erreicht sie, dass der Prophet kurz aus der Zisterne geholt wird, obwohl Herodes dies verboten hat.

3. Szene – Salome ist fasziniert von Jochanaan. Sie macht ihm Liebesschwüre, besingt seinen Leib, seine Haare, seine Lippen; mit jeder Abweisung wird sie drängender, begehrt ihn intensiver, ehe er wieder zurück in sein Verlies geführt wird.

4. Szene – Die Festgesellschaft betritt die Terrasse. Herodes will, dass Salome für ihn tanzt. Salome stimmt zu, nachdem sie Herodes das Versprechen abgenommen hat, ihr dafür jeden Wunsch zu erfüllen. Es folgt der „Tanz der sieben Schleier“. Herodes ist entzückt. Er fragt Salome nach ihrem Wunsch. Salome will – auf einer Silberschüssel – den Kopf des Jochanaan. Herodes ist entsetzt. Doch er kann die Prinzessin nicht umstimmen. (Während im biblischen Bericht Salome das Haupt des Johannes auf Wunsch ihrer Mutter verlangt, tut sie dies in Wildes Drama bzw. Strauss' Oper aus eigenem Antrieb: „Nein, ich höre nicht auf die Stimme meiner Mutter, zu meiner eigenen Lust will ich den Kopf des Jochanaan haben!“)

Als Salome den Kopf in Händen hält, ist sie wie entrückt; sie steigert sich in einen ekstatischen Liebes- und Lusttaumel, küsst den Mund des Leichenkopfes. Herodes wird von Ekel und Abneigung ergriffen. Ein kurzer Befehl („Man töte dieses Weib!“), und Salome wird unter den Schilden der Soldaten begraben.

Orchesterbesetzung[Bearbeiten]

Flöten, 1 Piccolo, 2 Oboen, 1 Englischhorn, 1 Heckelphon, 1 Es-Klarinette, 2 A-Klarinetten, 2  B-Klarinetten, 1 Bassklarinette, 3 Fagotte, 1 Kontrafagott – 6 Hörner, 4 Trompeten, 4 Posaunen, 1 Tuba – 4 Pauken (1 Spieler), 1 kleine Pauke (1 Spieler) Schlagzeug (Triangel), Becken, Tamtam, Tamburin, Kleine Trommel, Große Trommel, Glockenspiel, "Holz- und Strohinstrument" (=Xylophon) – 2 Harfen – 1 CelestaStreicher: 16 Erste Violinen, 16 Zweite Violinen, 10–12 Bratschen, 10 Violoncelli, 8 Kontrabässe

Hinter der Szene: 1 Orgel, 1 Harmonium

Besetzung der Uraufführung[Bearbeiten]

Besetzungszettel der Dresdner Uraufführung

9. Dezember 1905, Dresdner Hofoper

Rolle Stimmlage Dirigent: Ernst von Schuch
Herodes Tenor Karel Burian
Herodias Mezzosopran Irene von Chavanne
Salome Sopran Marie Wittich (en)
Jochanaan Bariton Karl Perron
Narraboth Tenor Rudolf Ferdinand Jäger
Ein Page der Herodias Alt Riza Eibenschütz
Erster Jude Tenor Hans Rüdiger
Zweiter Jude Tenor Hans Saville
Dritter Jude Tenor Georg Grosch
Vierter Jude Tenor Anton Erl
Fünfter Jude Bass Léon Rains
Erster Nazarener Bass Theodor Kruis
Zweiter Nazarener Tenor Friedrich Plaschke
Erster Soldat Bass Franz Nebuschka
Zweiter Soldat Bass Hans Erwin (Hans Erwin Hey)
Ein Cappadocier Bass Ernst Wachter
Eine Sklavin Sopran Maria Keldorfer

Rezeption[Bearbeiten]

Die Österreichisch-Ungarische Erstaufführung fand - unter der musikalischen Leitung des Komponisten - 1906 im Grazer Opernhaus statt, in Anwesenheit der Komponisten Alban Berg, Gustav Mahler, Giacomo Puccini und Arnold Schoenberg. Die Wiener Erstaufführung folgte am 15. Mai 1907 im Deutschen Volkstheater (heute: Volkstheater) in einem Gastspiel aus Breslau.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rainer Kohlmayer: Oscar Wildes Einakter „Salome“ und die deutsche Rezeption (PDF; 144 kB). In: Winfried Herget, Brigitte Schultze (Hrsg.): Kurzformen des Dramas. Gattungspoetische, epochenspezifische und funktionale Horizonte. Francke, Tübingen 1996, S. 159–186. (Mainzer Forschungen zu Drama und Theater Bd. 16).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Salome – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Nachweise[Bearbeiten]

  1. zitiert nach: Franz Hadamowsky, Alexander Witeschnik (Hg.): Jubiläumsausstellung 100 Jahre Wiener Oper am Ring, Wien 1969, 93