Die unwürdige Greisin

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Die unwürdige Greisin ist eine Erzählung des deutschen Dichters und Dramatikers Bertolt Brecht. Sie entstand Ende 1939. Er nahm sie 1949 in seine Kalendergeschichten auf.

Inhalt[Bearbeiten]

In der Erzählung geht es um zwei Lebensabschnitte einer nun greisen Frau. Erzähler ist deren Enkel. Bis zum 72. Lebensjahr ist die Frau auf die Rolle als Mutter ihrer fünf Kinder und Hausfrau festgelegt. Mit dem Tod ihres Mannes ändert sie ihr Leben schlagartig, sie beginnt die letzten Jahre ihres Lebens zu genießen, indem sie Kinos und Gasthöfe besucht und neue Freunde findet. Dass sie ein selbstbestimmtes Leben führt und sich kaum noch an Konventionen orientiert, empört besonders einen ihrer Söhne, einen Buchdrucker, dessen Familie sehr bescheiden leben muss. Er erwartet, dass sich seine Mutter auch für ihre Enkel aufopfert. Schließlich stirbt die Greisin im Alter von 74 Jahren.

Die Erzählung kritisiert die Geschlechtsrollen und insbesondere die Rollenzuweisung an Mütter und Großmütter, von denen Verzicht, Unterordnung und Aufopferung erwartet wird. Selbstbestimmung bei Frauen, insbesondere bei älteren Frauen, wird von der „gutbürgerlichen Gesellschaft“ voller Misstrauen und letztendlich als unwürdig angesehen.

Genau betrachtet lebte sie hintereinander zwei Leben. Das eine, erste, als Tochter, als Frau und als Mutter, und das zweite einfach als Frau B. [..] Das erste Leben dauerte etwa sechs Jahrzehnte, das zweite nicht mehr als zwei Jahre.[1].

Die Erzählung hat wahrscheinlich einen autobiographischen Hintergrund, der nach neuerer Forschung mit der Handlung jedoch nur sehr vage Berührungspunkte hat. Brechts eigene Großmutter Karoline, die in Achern lebte, wäre 1939 einhundert Jahre alt geworden[2].

Verfilmungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bertolt Brecht: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Suhrkamp 1988–1999, Bd.18 S.431, ISBN 978-3-518-40937-4
  2. Jan Knopf (Hrsg): Brecht Handbuch. J.B.Metzler, Stuttgart 2002, Bd. 3 S.355ff, ISBN 3-476-01829-6
  3. Ana Kugli, Michael Opitz (Hrsg): Brecht Lexikon. Stuttgart und Weimar 2006, S.92, ISBN 978-3-476-02091-8

Weblinks[Bearbeiten]