Dominus Iesus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Dominus Iesus (Latein für Der Herr Jesus) ist eine Erklärung der Kongregation für die Glaubenslehre der römisch-katholischen Kirche. Das Dokument, das am 6. August 2000 veröffentlicht wurde, hat den Untertitel „Über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche“. Es wurde vom damaligen Präfekten der Kongregation Joseph Kardinal Ratzinger unterzeichnet, welcher 2005 zum Papst gewählt wurde.

Inhalt[Bearbeiten]

Der Titel Dominus Jesus entstammt dem Römerbrief (Röm 10,9 EU).

In der Erklärung wird die Lehre der römisch-katholischen Kirche über die Kirche erläutert und bekräftigt. So wird insbesondere der Ursprung der Kirche in Jesus Christus, ihre Einzigkeit und Einheit sowie ihre Rolle für das Heil der Menschen (Sakramentalität) erläutert.

Im Hinblick auf die verschiedenen Konfessionen unterscheidet die Erklärung im Unterpunkt 17[1] zwischen

  • der „einen einzigen Kirche Christi, die in der katholischen Kirche subsistiert“.
  • den „Kirchen, die zwar nicht in vollkommener Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, aber durch engste Bande, wie die apostolische Sukzession und die gültige Eucharistie, mit ihr verbunden bleiben“ (z. B. orthodoxe Kirchen). Diese werden als „echte Teilkirchen“ bezeichnet.
  • den Konfessionen, „die den gültigen Episkopat“ (Bischofsamt, insbesondere die Apostolische Sukzession) und „die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben“ (z. B. reformatorische Kirchen). Diese werden als „kirchliche Gemeinschaften“ bezeichnet.

Rezeption[Bearbeiten]

Dass die protestantischen Kirchen in der Tradition von Unitatis redintegratio – dem Dokument des Zweiten Vatikanischen Konzils über den Ökumenismus – nicht als „Kirchen“, sondern als „kirchliche Gemeinschaften“ bezeichnet werden, empfinden viele evangelische Christen als Herabsetzung. Sie sehen darin meist einen bewussten Rückschritt im Bezug auf die Errungenschaften um die knapp ein Jahr zuvor verabschiedete Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre. Aus katholischer Sicht kann in dieser Bezeichnung jedoch sogar besondere Wertschätzung gesehen werden, da sie nicht nur als Gläubigenvereine oder christliche Gemeinschaften angesprochen werden, sondern ihnen, unter der Voraussetzung des katholisch-theologischen Kirchenbegriffs, ausdrücklich kirchliche Elemente zugebilligt werden. Die Kommission für Glauben und Kirchenverfassung bemüht sich daher in einer theologischen Studie um eine Verständigung in der Frage der Ekklesiologie.

Die Erklärung wird im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Arbeit Ratzingers zum hellenistischen Christentum gesehen.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bonner Antrittsvorlesung des Joseph Ratzinger von 1959. In: Joseph Ratzinger – Benedikt XVI., Der Gott des Glaubens und der Gott der Philosophen. Ein Beitrag zum Problem der theologia naturalis. Leutesdorf, 2. ergänzte Auflage 2005. Neu herausgegeben und kommentiert von Heino Sonnemans.
  • Michael Kahle, Singularität und Universalität des Heilsmysteriums, Ein Kommentar zu den christologisch-religionstheolgischen Kapiteln der Erklärung Dominus Iesus, Trierer Theologische Studien Band 78, ISBN 978-3-7902-1233-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Text des Dokuments
  2. Jobst Paul: Auf dem Weg zur „robusten“ Ökumene. Vernunft und Glaube in Regensburg. Diss Journal 15 (Vorabdruck) [1]