Domitia Lepida

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Domitia Lepida (* um 10 v. Chr.; † 54 n. Chr.) war die Mutter von Valeria Messalina, der Ehefrau des Kaisers Claudius, und Großmutter der Octavia, der späteren Frau Neros, und des Britannicus.

Sie wurde um 10 v. Chr. als jüngere Tochter von Lucius Domitius Ahenobarbus, der 16 v. Chr. Konsul gewesen war, und Antonia Major, einer Tochter von Marcus Antonius und Augustus’ Schwester Octavia, geboren. Ihre älteren Geschwister waren Gnaeus Domitius Ahenobarbus, der Vater des Kaisers Nero, und Domitia, die mit Gaius Sallustius Crispus Passienus, einem der reichsten Männer des römischen Reiches, verheiratet war, von dem sie sich jedoch nach dem Tod ihres Bruders auf Befehl von Claudius scheiden lassen musste, damit er dessen Witwe, die jüngere Agrippina, heiraten konnte. Lepida war eine schöne und einflussreiche Frau[1] und wie ihre Schwester sehr reich. Sie besaß Ländereien in Kalabrien, Grundstücke in Fundi und Kornspeicher in Puteoli, in denen Getreide aus Ägypten auf seinem Weg nach Rom gelagert wurde.

Domitia Lepida war dreimal verheiratet. Von ihrem ersten Mann, ihrem Cousin Marcus Valerius Messala Barbatus[2] hatte sie zwei Kinder: Ihr Sohn Marcus Valerius Messala Corvinus war 58 n. Chr. für ein halbes Jahr Konsul, ihre Tochter Valeria Messalina heiratete 35 n. Chr. als 14-jährige den späteren Kaiser Claudius. Barbatus starb vermutlich noch im Jahr der Geburt seiner Tochter.

Wenig später heiratete Domitia Faustus Cornelius Sulla Lucullus III[3], der 31 n. Chr. Suffektkonsul wurde. Ca. 22 n. Chr. wurde ihr Sohn Faustus Cornelius Sulla Felix[4] geboren. Eventuell war auch Lucius Cornelius Sulla Felix ihr Sohn. Faustus Cornelius Sulla Lucullus starb um 40 n. Chr.

37 n. Chr. wurde Domitias Bruder Gnaeus Domitius Ahenobarbus, der Ehemann der Agrippina, wegen „sittlichen Fehlverhaltens“ angeklagt. Man warf ihm vor, mit seiner jüngeren Schwester Domitia Lepida Inzucht betrieben zu haben. Da Tiberius jedoch schon im März starb, blieb der Fall unbearbeitet. Als Caligula 39 seine Schwester Agrippina verbannte, wurde Domitia die Erziehung von deren Sohn, ihrem Neffen, dem späteren Kaiser Nero, anvertraut.

Domitias dritter Ehemann, den sie im Januar 41 zu Beginn der Regierung ihres Schwiegersohnes heiratete, war Gaius Appius Iunius Silanus, der 28 n. Chr. Konsul gewesen war. Silanus wurde aus Spanien zurückberufen, wo er drei Legionen kommandiert hatte. Er war ebenfalls eng verwandt mit den Claudiern und sollte durch die Hochzeit mit der Mutter der Kaiserin vermutlich noch enger mit dem Kaiser verbunden werden, vielleicht sogar als möglicher Nachfolger, denn Claudius hatte noch keinen Sohn (Britannicus wurde erst einen Monat später geboren). 42 n. Chr. ließ Claudius Silanus auf Anregung des Narcissus, seines freigelassenen obersten Kanzleibeamten und Vertrauten der Kaiserin, ohne Gerichtsurteil hinrichten, angeblich weil Narcissus und Messalina beide geträumt hatten, Silanus wolle den Kaiser ermorden.[5]

Durch die Ehe ihres Sohnes Faustus Cornelius Sulla Felix mit Claudius’ Tochter Claudia Antonia 47 n. Chr. wurde Domitias verwandtschaftliche Verbindung zur Kaiserfamilie noch enger, als sie es als Großmutter von Octavia und Britannicus ohnehin schon war.

48 n. Chr. wurde Messalina von ihrem Mann hingerichtet. Obwohl Domitia Lepida mit ihrer Tochter wohl kein besonders inniges Verhältnis pflegte, stand sie ihr laut Tacitus[6] in der letzten Stunde zur Seite.

Ihre frühere Schwägerin Agrippina wurde 49 n. Chr. Claudius’ nächste Frau. Weil sie befürchtete, dass Domitia Lepida ihren Einfluss auf ihren Neffen Nero, der während Agrippinas Verbannung 39 bis 41 in ihrer Obhut gewesen war, geltend machen würde, veranlasste sie 54 n. Chr. ihre Hinrichtung. Domitia wurde der Zauberei und der Gefährdung des Friedens in Italien durch die große Menge an Sklaven auf ihren Gütern angeklagt[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • E. Klebs, H. Dessau, P. Von Rohden (Hrsg.): Prosopographia Imperii Romani. 3 Bände, Berlin 1897–1898. (PIR1)
  • E. Groag, A. Stein, L. Petersen u. a. (Hrsg.): Prosopographia Imperii Romani saeculi I, II et III. Berlin 1933– (PIR2)

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Tacitus, Annalen, 12, 64.
  2. PIR1 V 88; Sueton, Vita Claudii, 26, 29.
  3. PIR2 C 1459.
  4. PIR2 C 1464; Cassius Dio 60, 30, 6a.
  5. Tacitus, Annalen 6, 9; 11, 29-37; Sueton, Claudius 37, 2; Cassius Dio 31, 4-5; 60, 14; Juvenal, Satire 14, 30-1.
  6. Tacitus, Annalen 11, 37.
  7. Tacitus Annalen 12,64.