Narcissus (Freigelassener)

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Narcissus[1] († Oktober 54) war ein Freigelassener am Hof des römischen Kaisers Claudius. Als Leiter der Kanzlei (ab epistulis) besaß er großen politischen Einfluss.

Narcissus genoss zunächst das Vertrauen von Claudius’ Frau Messalina, mit der zusammen er im Jahr 42 n. Chr. Claudius dazu brachte, Gaius Appius Iunius Silanus hinrichten zu lassen.[2] Im selben Jahr war er auch an der Niederschlagung des Aufstands beteiligt, den Lucius Arruntius Camillus Scribonianus gegen Claudius versuchte.[3] Entgegen der für Freigelassene geltenden Tradition mischte Narcissus sich auch in militärische Angelegenheiten ein: Er soll dem späteren Kaiser Vespasian das Kommando über eine Legion verschafft haben[4] und versuchte vor der Eroberung Britanniens im Jahr 43, die meuternden Legionen des Invasionsheeres umzustimmen.[5]

Im Jahr 48 sorgte Narcissus dafür, dass Claudius gegen Messalina und ihren Geliebten Gaius Silius vorging, und erhielt dafür die Auszeichnungen eines Quästors.[6] Sein Verhältnis zu Agrippina, der neuen Frau des Claudius, war aber getrübt, weil er dem Kaiser zu einer anderen Ehefrau geraten hatte. Sie ließ den schwerreichen Freigelassenen unmittelbar nach dem Tod des Claudius und der Thronbesteigung ihres Sohnes Nero festnehmen und hinrichten.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Eck: Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit für die administrative Entwicklung des römischen Reiches. In: Die Verwaltung des römischen Reiches. Band 2, Reinhardt, Basel 1998, ISBN 3-7245-0962-6, S. 149 ff.
  • Werner Eck: Narcissus [1]. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 8, Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-01478-9, Sp. 710 f.
  •  Steven H. Rutledge: Imperial inquisitions. Prosecutors and informants from Tiberius to Domitian. Routledge, London 2001, ISBN 0-415-23700-9, S. 246–249.
  • Matthew Bunson: Encyclopedia of the Roman Empire. Infobase Publishing, 2009, ISBN 9781438110271, S. 381 (Auszug (Google))

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Für die gelegentlich zu findende vollständige Namensform Tiberius Claudius Narcissus gibt es keinen eindeutigen Beleg. Die Wasserleitungsrohre (fistulae aquariae) CIL 15, 7500 nennen ihn nur Narcissi Aug(usti) l(iberti) ab epistulis.
  2. Tacitus, Annalen 11, 29, 1; Sueton, Claudius 37, 2; Cassius Dio 60, 14.
  3. Cassius Dio 60, 15–16.
  4. Sueton, Vespasian 4, 1.
  5. Cassius Dio 60, 19, 3–4.
  6. Tacitus, Annalen 11, 29–38; Cassius Dio 60, 31.
  7. Tacitus, Annalen 13, 1, 3; Cassius Dio 60, 34. Seneca lässt Narcissus in seiner Satire Apocolocyntosis (13) seinem toten Herrn in der Unterwelt zuvorkommen.