Eagle-Syndrom

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Klassifikation nach ICD-10
M77.9 Enthesopathie, nicht näher bezeichnet
- Knochensporn
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Eagle-Syndrom im Röntgenbild: Man erkennt gut den sehr langen Griffelfortsatz bzw. die Verknöcherung des Ligamentum stylohyoideum
Normalgroße Griffelfortsätze (Processus styloideus) an einem Schädelpräparat
Überlanger Griffelfortsatz rechts, Computertomographie

Das Eagle-Syndrom (auch Stylohyoid-Syndrom oder Stylo-kerato-hyoidales Syndrom) wird verursacht durch einen zu langen (> 30 mm) Griffelfortsatz (Processus styloideus) oder durch Kalzifizierung des Ligamentum stylohyoideum. Beim Processus styloideus handelt es sich um einen knöchernen Fortsatz des Schläfenbeines (Os temporale) an der Schädelbasis, der sich ähnlich der Form eines Griffels nach unten erstreckt und in das Ligamentum stylohyoideum übergeht. Dieses Band aus Bindegewebe wiederum endet am Zungenbein (Os hyoideum) und dient dessen Aufhängung. Das Syndrom wurde erstmals 1937 von dem US-amerikanischen HNO-Arzt Watt Weems Eagle (* 1898) beschrieben.[1]

Symptome[Bearbeiten]

Bei ca. 4 % der Bevölkerung ist der Proc. styloideus verlängert, aber nur ca. 4 % davon haben Symptome eines Eagle-Syndroms. Diese sind:

Die Schmerzen können verursacht werden durch Druck auf Nerven und Nervenäste (Nervus glossopharyngeus, Nervus vagus, Nervus trigeminus), Einklemmung der Halsgefäße (Arteria carotis communis, Vena jugularis), degenerative Veränderungen des verknöcherten Bandes am Proc. styloideus oder durch rheumatischen Befall (rheumatoide Arthritis).

Epidemiologie und Ursache[Bearbeiten]

Betroffen sind vor allem Frauen mit einem Verhältnis von 3:1 im Alter von 30 bis 40 Jahren. Die Ursache und die Entstehung der Erkrankung ist unklar. Diskutiert werden ein vorangegangenes Trauma, z. B. auch im Rahmen einer Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie), eine angeborene Fehlbildung und eine Verknöcherung des Ligamentum stylohyoideum.

Diagnostik[Bearbeiten]

Die Diagnose kann bei klinischem Verdacht mittels Röntgen-Aufnahmen in der Regel als Blickdiagnose im Orthopantomogramm erkennbar, oder mit der Computertomographie gestellt werden. Die Sonographie und die Magnetresonanztomographie sind weniger geeignete Methoden.

Therapie[Bearbeiten]

Therapeutisch werden konservative Maßnahmen mit Kortikoidinjektionen in die Tonsillenloge, Neuroleptika oder bei therapierefraktären Beschwerden die Reduktionsplastik des Processus styloideus eingesetzt. Die einfache Schmerztherapie versagt meist.[2]

Quellen[Bearbeiten]

  • K. Prasad u. a.: Elongated Styloid Process (Eagle's Syndrome): A Clinical Study. In: J Oral Maxillofac Surg. 2002; 60, S. 171–175.
  • J. S. Rechtweg, M. K. Wax: Eagle's syndrome: a review. In: Am J Otolaryngol. 1998 Sep-Oct;19(5), S. 316–321.
  • G. R. Goldstein, I. W. Scopp: Radiographic interpretation of calcified stylomandibular and stylohyoid ligaments. In: J Prosthet Dent. 1973; 30, S. 330.
  • W. W. Eagle: Elongated styloid process, symptoms and treatment. In: Arch Otolaryngol. (1958); 67, S. 172–176.
  • E. Piehslinger u. a.: Grundlagen der zahnärztlichen Prothetik. 2002, S. 162–163.
  • E. Piehslinger u. a.: Das Eagle-Syndrom - Eine Darstellung anhand eines Fallberichtes. In: Z Stomatol. 87/10, S. 525–530.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. W. W. Eagle: Elongated styloid process. In: Archives of Otolaryngology. Chicago, 1937, 25, S. 584–587.
  2. Tarik Mizziani, Martin Kunkel, Das Eagle-Syndrom, zm 102, Nr. 18 A, 16. September 2012, (2296), S. 36–38. Abgerufen am 6. Januar 2015.

Weblinks[Bearbeiten]

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