Einnahmenüberschussrechnung

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Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Für die Verwendung dieses Begriffs in der Kreditprüfung siehe Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (Kreditprüfung).

Die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR, Deutschland) beziehungsweise Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (E/A-Rechnung, Österreich) ist eine vereinfachte Gewinnermittlungsmethode.

Rechtsgrundlage[Bearbeiten]

Rechtsgrundlage für die Gewinnermittlung mittels Einnahmenüberschussrechnung ist sowohl in Deutschland als auch in Österreich § 4 Abs. 3 des jeweiligen Einkommensteuergesetzes. In Anspielung auf die Rechtsgrundlage wird die Einnahmenüberschussrechnung daher auch "4/3-Rechnung" genannt.

Berechtigte zur Einnahmenüberschussrechnung[Bearbeiten]

§ 4 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes regelt, dass Steuerpflichtige ihren Gewinn als Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben ermitteln können, soweit sie nicht auf Grund gesetzlicher Vorschriften verpflichtet sind, Bücher zu führen und regelmäßig Abschlüsse zu machen. Neben Kleingewerbetreibenden gehören zu den Einnahmenüberschussrechnern insbesondere die freien Berufe, letztere unabhängig von der Höhe des Gewinns oder des Umsatzes.

Zufluss- und Abflussprinzip[Bearbeiten]

Als Besonderheit bei dieser Gewinnermittlungsmethode gilt das Zufluss- und Abflussprinzip: Nur die Einnahmen bzw. Ausgaben sind zu berücksichtigen, die in dem entsprechenden Wirtschaftsjahr eingenommen bzw. gezahlt wurden. Bestandsveränderungen bleiben unberücksichtigt. Damit erfolgt keine periodengerechte Gewinnermittlung, was der wesentliche Unterschied zum Betriebsvermögensvergleich (Gewinnermittlung nach § 4 Abs.1, § 5 Abs. 1 EStG) ist. Eine Ausnahme stellt die Zuordnung regelmäßig wiederkehrender Einnahmen beim Jahreswechsel dar, wenn diese ca. 10 Tage vor oder nach dem Jahreswechsel zu- oder abfließen (§ 11 EStG (D.) bzw. § 19 EStG (Ö.)). Investitionen in das bewegliche Anlagevermögen können nur in Höhe der zulässigen Abschreibung als Ausgabe gewinnmindernd abgezogen werden.

Von pauschalen Methoden wie beispielsweise der Tonnagegewinnermittlung oder der pauschalen Gewinnermittlung für Land- und Forstwirte abgesehen, ist die Einnahmenüberschussrechnung die einfachste Art der Gewinnermittlung.

Steuererklärung in Deutschland[Bearbeiten]

Wird der Gewinn anhand einer Einnahmenüberschussrechnung ermittelt und liegen die Betriebseinnahmen über 17.500 €, ist der Einkommensteuererklärung die Anlage EÜR beizufügen (gilt für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2004 beginnen)[1]. Das Finanzgericht Münster hatte zwar entschieden[2], dass der amtlich vorgeschriebene Vordruck nicht verwendet werden müsse, weil es keine entsprechende gesetzliche Verpflichtung gebe.[3] Auf die Revision der Finanzverwaltung hin hob der Bundesfinanzhof jedoch diese Entscheidung auf und wies die Klage ab.[4][5]

In der Anlage sind bestimmte Einnahmen und Ausgaben gesondert zu erfassen. Hierzu gehören z.B. die private Kfz-Nutzung.

Durch diese Vereinheitlichung können die eingereichten Anlagen maschinell eingelesen und ausgewertet werden (Bsp. Plausibilitätsprüfungen, Vergleiche mit Vorjahren). Solche Auswertungen waren in der Vergangenheit nahezu unmöglich, da jeder Steuerpflichtige seine EÜR individuell gestalten konnte.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 12. Oktober 2012, IV C6 - S 2142/11/10001:003. Regelmäßig Abgabe der Anlage EÜR nur elektronisch (Elster-Verfahren), zitiertes BMF Schreiben, § 150 Abs. 6 AO, § 1 Abs. 3 und § 6 Abs. 1 StDÜV
  2. FG Münster, Urteil vom 17. Dezember 2008, Az. 6 K 2187/08, Volltext.
  3. FG Münster, Pressemitteilung Nr. 4/2009 vom 1. April 2009.
  4. BFH, Urteil vom 16. November 2011, Az. X R 18/09, Volltext.
  5. Vgl. BFH, Pressemitteilung 104/2011 vom 21. Dezember 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Österreich[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomsen, Iris: "Einnahme-Überschussrechnung 2013/2014", Haufe-Lexware, 10. Auflage 2014, ISBN 978-3-648-04922-8

Siehe auch[Bearbeiten]

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