Ernst B. Haas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ernst Bernard Haas (* 1924 in Frankfurt am Main; † 6. März 2003) war ein amerikanischer Politikwissenschaftler. Im Theoriegebiet der Internationalen Beziehungen veröffentlichte er zahlreiche Schriften und Essays. Er war Mitglied der American Academy of Arts and Sciences, als Berater vieler Internationaler Organisationen und gilt als theoretischer Entwickler des Neofunktionalismus.

Leben[Bearbeiten]

Ernst Haas wurde 1924 in Frankfurt am Main in Deutschland geboren und emigrierte 1938 mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten. Er studierte an der University of Chicago, verließ die Universität jedoch um von 1943 bis 1946 beim Geheimdienst zu arbeiten. Danach nahm er an der Columbia University ein Studium auf, das er 1952 mit einem Doktortitel (PhD) in Jura und Politikwissenschaft abschloss.

Haas war 57 Jahre mit seiner Frau Hildegarde Vogel Haas verheiratet. Gemeinsam haben sie einen Sohn, Peter M. Haas, der an der University of Massachusetts Amherst Professor für Politikwissenschaft ist.

Akademische Laufbahn[Bearbeiten]

Haas begann seine akademische Karriere an der UC Berkeley im Jahre 1951 und blieb der Universität bis zu seinem Tode treu. Von 1969 bis 1973 war Haas Direktor des Lehrstuhls für Internationale Beziehungen, danach lehrte er weiter als Professor für Regierungsforschung am Department für Politische Wissenschaft. Nachdem Haas seine Professur 1999 niederlegte, war er weiterhin als Forscher tätig.

Theorie[Bearbeiten]

Haas forschte hauptsächlich zum Thema der Internationalen Integration. Nach seiner Ansicht bestand die Möglichkeit eines tiefgreifenden Wechsels in der Politik und Beziehung der europäischen Staaten zueinander, durch die Liberalisierung des Güterverhehrs, Kapitalflusses und der Ein- und Ausreisebestimmungen. Seine theoretischen Überlegungen unterschieden sich jedoch stark von den Ansichten des klassischen Liberalismus.

Er ist der Begründer des Neofunktionalismus, einem Ansatz zur Erklärung von Integration. Die Theorie hält Staaten im Internationalen System für einflussreich, berücksichtigt aber auch die Rolle von Interessengruppen und der bürokratischen Verwaltung von regionalen Organisationen. Die Mitgliedsstaaten erschaffen sich spezifische Verhaltenskodexe, auf deren Basis oder mit deren Vorbild regionale Interessengruppen Integration vorantreiben. Konsequenzen sind beispielsweise verändertes Verhalten der Akteure bei Interessenkonflikten. Sofern die Akteure ihre Interessen durch die Organisationen oder deren Verhaltenskodex effektiver umsetzen könnten, verlagern sie Entscheidungsgewalt in Internationale Organisationen, die sich fortan, teilweise mit bindender Entscheidungskraft, um Problemlösungen und Umsetzungen auf spezifischen Themengebieten kümmern.

Werk[Bearbeiten]

  • 1952. The reconciliation of conflicting colonial policy aims: acceptance of the League of Nations mandate system. Int. Organ. 6(4):521–36
  • 1953. The balance of power as a guide to policy-making. J. Polit. 15(3):370–98
  • 1958. The Uniting of Europe. Stanford: Stanford Univ. Press
  • 1961. International integration: the European and the universal process. Int. Organ. 15(3):366–92
  • 1964. Beyond the Nation State. Stanford: Stanford Univ. Press
  • 1970. Human Rights and International Action. Stanford: Stanford Univ. Press
  • 1978. Global Evangelism Rides Again: How to Protect Human Rights Without Really Trying. Univ. Calif. Policy Pap. No. 5, Berkeley, CA
  • 1990. When Knowledge is Power: Three Models of Change in International Organizations. Berkeley: Univ. Calif. Press
  • 1993. Beware the Slippery Slope: Notes Toward the Definition of Justifiable Intervention. Univ. Calif., Inst. Int. Stud. Policy Pap. No. 42, Berkeley, CA
  • 1997. Nationalism, Liberalism and Progress. Vol. 1. The Rise and Decline of Nationalism. Ithaca, NY: Cornell Univ. Press
  • 2000. Nationalism, Liberalism and Progress. Vol. 2. The Dismal Fate of New Nations. Ithaca, NY: Cornell Univ. Press

Weblink[Bearbeiten]