Europäischer Sozialfonds

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ESF ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter ESF (Begriffsklärung) aufgeführt.
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Der Europäische Sozialfonds (ESF) ist das wichtigste Finanzierungsinstrument der Europäischen Union zur Unterstützung von Beschäftigungsmaßnahmen in den Mitgliedstaaten sowie zur Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Kohäsion. Die Ausgaben des ESF belaufen sich auf rund 10 % des Gesamthaushaltes der EU.

Der ESF gehört zu den Strukturfonds der EU, die zur Verbesserung des sozialen Zusammenhalts und der wirtschaftlichen Entwicklung in den Regionen der Union eingesetzt werden. Die Strukturfonds sind Instrumente zur Umverteilung von Finanzmitteln, die insbesondere in den weniger entwickelten Regionen eingesetzt werden, um den Zusammenhalt innerhalb Europas zu fördern. Das Ziel der ESF-Finanzierung ist die Schaffung neuer und qualitativ besserer Arbeitsplätze in der EU, was durch die Kofinanzierung nationaler, regionaler und lokaler Projekte erfolgt, die auf die Erhöhung der Beschäftigungsquote, die Verbesserung der Qualität der Arbeitsplätze und eine stärkere Integration auf dem Arbeitsmarkt in den Mitgliedstaaten und ihren Regionen abzielen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Europäische Sozialfonds hat in der Vergangenheit mehrfach inhaltliche und strukturelle Neuausrichtungen erfahren[1]. Gegenwärtig befindet sich der Fonds in seiner siebten Förderperiode, die historisch unterschiedliche Zeitspannen abdeckten.

Die erste Förderperiode: 1958−1971

Gegründet durch die Römischen Verträge 1957 ist der Europäische Sozialfonds eines der ältesten Instrumente der Gemeinschaft. Damals war das Beschäftigungsniveau europaweit hoch, mit Ausnahme von Süditalien. Der ESF hatte die Reduktion bzw. Beseitigung von Arbeitslosigkeit in den am stärksten betroffenen Regionen zum Ziel und förderte die Wiedereingliederung von Erwerbslosen, Unterbeschäftigten und Behinderten durch Umschulung und Beihilfen, aber auch den beruflich bedingten Ortswechsel. Die am stärksten begünstigten Länder dieser Förderung waren Italien bezüglich der Umsiedlungs- und Deutschland bezüglich der Umschulungsförderung. Der ESF leistet also schon früh einen Beitrag zur Arbeitsmigration in Europa. Die finanzielle Ausstattung betrug von 1961 bis 1972 etwa 420 Mio. Rechnungseinheiten. Das Konzept des ESF war das eines Ausgleichsfonds. Das heißt, die Länder führten Maßnahmen nach eigener Entscheidung durch und beantragten danach eine Rückerstattung (50% Kostenübernahme) beim ESF. Bedingung dafür war eine erneute Beschäftigung spätestens sechs Monaten nach Erhalt der Maßnahme. Eine Steuerung durch die Kommission gab es nicht und auch die Zielgruppe war vergleichsweise beschränkt und schloss Jugendliche, Selbstständige und Ausbildungslose nicht mit ein. Der frühe ESF wurde von einer marktaffinen Sichtweise und einer Weigerung der Übertragung von Zuständigkeiten an die Gemeinschaft bestimmt. Die Mechanismen des Marktes würden von selbst Vollbeschäftigung und Lohnsteigerungen bewirken und die Aufgabe umfassender sozialer Sicherung sollte als wichtiges Merkmal der Nationalstaaten in deren Hand verbleiben. Der Fonds sollte darin nur eine Beschleunigung der qualifikatorischen Anpassung der Arbeitskräfte an den Markt bewirken.

Die zweite Förderperiode: 1971−1983

Der Strukturwandel der 1970er Jahre führte zu einer steigenden Arbeitslosigkeit, besonders stark in einzelnen Branchen. Gleichzeitig herrschte jedoch auch ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen waren Ältere, Jugendliche, Behinderte und Frauen. Aufgrund dieser Verschlechterung am Arbeitsmarkt sollte der ESF reformiert werden. Neben einer enormen Erhöhung der Fondssumme wurde bestimmt, dass Förderkriterien von der Gemeinschaft festgelegt werden, dass die Zielgruppen ausgeweitet werden und dass die förderfähigen Maßnahmen ebenso erweitert werden. Dies stärkte die Rolle der europäischen Gemeinschaft, aber verschachtelte die Förderschwerpunkte immens. In der Reform gab es verschiedene Interessenlagen. Die südeuropäischen Länder (inkl. Irland) standen für eine stärker regionale Ausrichtung (Förderung strukturschwacher Regionen), Frankreich trat für eine stärker personengruppen-orientierte Ausrichtung ein und andere Länder wie Deutschland und Dänemark versuchten einen Kompetenztransfer zur Gemeinschaft zu vermeiden. Das Ergebnis war ein Kompromiss, der sich in den vier Förderarten Bildungsmaßnahmen (ca. 90% der Mittel), Ortswechsel, Zugangserleichterung zum Arbeitsmarkt für bestimmte Arbeitnehmer und Beschäftigungsförderung für Regionen niederschlägt. Ab 1976 legte sich der Fokus des ESF auf die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, die durch die Wirtschaftskrisen der 1970er anstieg.

Die dritte Förderperiode: 1983−1988

Krisenbedingt waren ab 1978 die Ausgaben des ESF für Jugendarbeitslosigkeit (besonders in Großbritannien) und Strukturbeihilfen für Regionen (besonders in Italien) stark gestiegen, wodurch der Fonds finanziell überfordert wurde. Hinzu kam die Erkenntnis, dass der Markt die Beschäftigung nicht zufriedenstellend selbst regulierte und die Tatsache, dass in der 1972er Reform bereits eine Revision des ESF für 1982 vorgesehen war. Wieder trat der Konflikt der Zielsetzung zwischen regionaler oder personengruppenbezogener Förderung auf, der erneut mit einem Kompromiss beendet wurde, wobei aber mit dem europäischen Regionalentwicklungsfonds seit 1975 ein Strukturfonds für regionale Förderung existierte. Gefördert wurden Qualifizierungsmaßnahmen für das Erreichen dauerhafter Beschäftigungen, Beschäftigungsmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose und Regionalförderung. Die vorrangig regionale Förderung erstreckte sich auf Grönland, Griechenland, die französischen Überseedepartements, Irland, das italienische Mezzogiorno, Nordirland und später (ab 1986) auch Spanien und Portugal. Außerdem finanziert wurden Modellvorhaben und innovative Maßnahmen mit einem Anteil von 10% des Fonds. Diese zielen mehr auf die Förderung von Personengruppen ab. Ein Effekt der Regionalisierung der Mittelvergabe war die Notwendigkeit eines Gebietsverzeichnisses nach sozioökonomischen Kriterien. Die Förderregionen wurden nach der Arbeitslosenquote und dem BIP pro Kopf bestimmt.

Die vierte Förderperiode: 1989−1993

In den 1980er Jahren waren Arbeitslosen- und Antragszahlen weiter gestiegen, aber auch institutionelle Änderungen der europäischen Gemeinschaft machten eine Neuauflage des ESF notwendig. Die Einheitliche Europäische Akte (EEA) setzte unter anderem die Vollendung des Binnenmarktes für 1992 und die Verbesserung des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhaltes unter Nutzung der Strukturfonds fest. Die Strukturfonds sollten in einer gemeinsamen Gesamtreform erneuert werden. Die strukturschwächeren Länder hatten Bedenken gegenüber dem Binnenmarkt und forderten eine stärkere regionale Begünstigung über die Strukturfonds[2], was sich in einer Verdoppelung der Fördersumme auf 63,2 Mrd. ECU (davon 20 Mrd. ECU für ESF) zeigt. Die Grundsätze der Strukturfondsreform unter Kommissionspräsident Jacques Delors waren Konzentration, Programmplanung, Partnerschaft und Additionalität. Die Konzentration sah fünf Ziele (1 rückständige Regionen, 2 Regionen im industriellen Abschwung, 3 Langzeitarbeitslosigkeit, 4 Jugendarbeitsolsigkeit, 5a Agrarwirtschaft, 5b ländlicher Raum) vor. Die Programmplanung war eine Verwaltungserleichterung nach der keine Einzelvergabe für Projekte mehr geschah, sondern die Mittel an nationale oder regionale Programme anhand von gemeinschaftlichen Förderkonzepten und operationellen Programmen ausgegeben wurden. Der Grundsatz Partnerschaft beinhaltete die Zusammenarbeit der Kommission bei der Durchführung und Überwachung der Programme sowie die Beteiligung von Wirtschafts- und Sozialakteuren in den Förderregionen. Die Additionalität besagt, dass die Förderung nicht als Ersatz für nationale Förderung, sondern als Ergänzung dieser hinzu addiert wird. Zudem konnte die Kommission nun Gemeinschaftsinitiativen in eigener Verantwortung einrichten. Für diese spezifischen Maßnahmen überregionaler Ordnung waren etwa 5% des Fonds vorgesehen.

Die fünfte Förderperiode: 1994−1999

Die Änderung des institutionellen Rahmens mit der Gründung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion hatte auf die Strukturfonds ähnliche Auswirkungen wie die EEA zuvor. Die strukturschwächeren Länder hatten sozioökonomische Bedenken und forderten eine weitere Anhebung der Fondsmittel, welche dann auf ca. 141 Mrd. ECU aufgestockt wurden. Die Ziele der europäischen Strukturpolitik wurden angepasst, was sich auf die Maßnahmen des ESF auswirkte. In der Programmplanung wurden einheitliche Programmplanungsdokumente eingeführt, das die Genehmigung erleichtern sollte, in der Partnerschaft wurde der Kreis der Beteiligten erweitert und die Additionalität wurde an die jeweiligen nationalen Gesamtausgaben angepasst. Für die Bewertung der Förderung wurden eine ex ante-, eine begleitende und eine ex post-Bewertung eingeführt und der Fondsanteil für die Gemeinschaftsinitiativen auf ca. 9% erhöht.

Die sechste Förderperiode: 2000−2006

Auf der Basis des Amsterdamer Vertrags 1997 wurde die Europäische Beschäftigungsstrategie beschlossen, an der sich das Wirken des ESF zukünftig ausrichten sollte. Sie richtet sich auf Beschäftigungsfähigkeit, Unternehmergeist, Anpassungsfähigkeit und Geschlechtergleichheit. Die Mittel des Fonds wurde auf 62,5 Mrd. € erhöht und die Ziele der Strukturförderung erneut angepasst. Etwa 70% der ESF-Mittel gingen an Ziel 1, die Förderung der ärmsten Regionen, etwa 11,5% an Ziel 2, der wirtschaftlichen und sozialen Umstellung in Regionen mit Strukturproblemen, und etwa 12,5% an Ziel 3, der Anpassung und Modernisierung der Bildungs- und Beschäftigungspolitik in nicht Ziel-1-Regionen. Mit der Verordnung über die operationellen Programme wurden die Prioritäten aktive Arbeitsmarktpolitik, soziale Eingliederung und Chancengleichheit sowie lebenslanges Lernen gefördert. Die Schwerpunkte des ESF in dieser Förderperiode lagen bei individueller Unterstützung für Qualifikation, Verbesserung der Bildungs- und Arbeitsverwaltung, Betreuungs- und Eingliederungsdiensten und Sensibilisierungs- und Informationsmaßnahmen. Als neues Element wurde die Mikroförderung eingeführt, die geringe Zuschüsse für NGOs gewährte.

Die siebente Förderperiode: 2007−2014

In Reaktion auf die EU-Osterweiterung wurde der ESF abermals geändert. Zunächst wurden die Mittel auf etwa 75 Mrd. € angehoben. Die Ziele der Strukturpolitik wurden auf Konvergenz, regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung sowie territoriale Zusammenarbeit reduziert. Die Aktionsfelder des ESF liegen bei den ersten beiden Zielen, nicht aber beim dritten Ziel, das aus der ehemaligen Gemeinschaftsinitiative INTEREG hervor gegangen ist. Über die ESF-Förderung soll zudem das Gendermainstreaming im Arbeitsmarkt voran getrieben werden. Durch diese Verallgemeinerung der Ziele wurden die Strukturfonds EFRE und ESF theoretisch allen europäischen Regionen zugänglich. Dies stellt einen Kompromiss zwischen Nettozahler- und Nettoempfängerländern dar. Durch die statistische Bestimmung der Förderfähigkeit und der Strukturschwäche der neueren Beitrittsländer gegenüber den alten wären besonders Nettozahlerländer von der Förderung ausgeschlossen gewesen und so wurde mit der regionalen Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung wieder ein eher personengruppenbezogenes Ziel gestärkt.

Die Rolle des ESF in der politischen und strategischen Ausrichtung der EU[Bearbeiten]

Die übergreifende Strategie der Europäischen Union ist die Lissabon-Agenda, die darauf abzielt, in Europa bis 2020 die dynamischste und wettbewerbsfähigste wissensbasierte Wirtschaft der Welt zu schaffen, die ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum mit mehr und qualitativ besseren Arbeitsplätzen sowie einem stärkeren sozialen Zusammenhalt bei gleichzeitiger Achtung der Umwelt ermöglicht. Aus den Zielen der Lissabon-Agenda ergeben sich die Prioritäten des ESF.

Zur Unterstützung der Lissabon-Agenda werden mehrere finanzpolitische Instrumente genutzt. Dazu gehört die Kohäsionspolitik, die auf die Verringerung wirtschaftlicher und sozialer Ungleichheiten zwischen den Ländern und Regionen der EU gerichtet ist. Zu diesem Zweck werden Finanzmittel (Strukturfonds) aus dem EU-Haushalt – einschließlich des ESF – zur Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der schwächer entwickelten Regionen eingesetzt.

Zur Unterstützung der vor dem Hintergrund der Globalisierung und der Alterung der Bevölkerung notwendigen Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit und der Beschäftigung bietet die Europäische Beschäftigungsstrategie[3] den EU-Mitgliedstaaten einen Koordinationsrahmen zur Abstimmung der gemeinsamen Prioritäten und Ziele im Bereich der Beschäftigung. Diese gemeinsamen Prioritäten werden dann in den Beschäftigungsleitlinien[4] festgehalten und in den Nationalen Reformprogrammen[5] der einzelnen Mitgliedstaaten aufgegriffen. Die ESF-Finanzierung wird von den Mitgliedstaaten zur Förderung ihrer Nationalen Reformprogramme sowie ihrer Nationalen Strategischen Rahmenpläne (NSRP) eingesetzt, in denen die wichtigsten Einsatzbereiche für die Strukturfonds der EU in den Mitgliedstaaten festgelegt sind.

Bei der Festlegung der wichtigsten Einsatzbereiche der ESF-Mittel ist auch die Europäische Sozialagenda[6] von Bedeutung. Mit der Sozialagenda soll das „europäische Sozialmodell“ durch eine Modernisierung des Arbeitsmarktes und der Sozialsysteme so gestaltet werden, dass sowohl die Arbeitnehmer als auch die Unternehmen die Chancen des internationalen Wettbewerbs, des technologischen Fortschritts und der sich verändernden Bevölkerungsstrukturen nutzen können und gleichzeitig die schwächsten Glieder der Gesellschaft geschützt werden. Auch das Konzept der „Flexicurity“ (Flexibilität und Sicherheit) ist Bestandteil der aktuellen ESF-Initiativen. „Flexicurity“ lässt sich als eine politische Strategie zur Erhöhung der Flexibilität des Arbeitsmarktes, der Arbeitsorganisation und der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern einerseits und zur Schaffung von Beschäftigungs- und Einkommenssicherheit andererseits definieren[7]. Der Begriff „Flexicurity“ steht für einen neuen Ansatz in der Beschäftigungspolitik, bei dem es eher um „Arbeit fürs Leben“ anstatt wie früher um „den Arbeitsplatz fürs Leben“ geht. Die Arbeitnehmer werden angespornt, ihr Arbeitsleben durch lebenslanges Lernen, Flexibilität und Mobilität eigenverantwortlich zu gestalten.

Der ESF: Festlegung der Strategie[Bearbeiten]

Der ESF wird über siebenjährige Programmzyklen verwaltet. Strategie und Haushalt des ESF werden zwischen den EU-Mitgliedstaaten, dem Europäischen Parlament und der EU-Kommission ausgehandelt. In der Strategie werden die Ziele der ESF-Finanzierung festgelegt, die teilweise oder vollständig mit denen der anderen Strukturfinanzierungsmittel übereinstimmen. Der gegenwärtige ESF-Finanzierungszyklus hat folgende Ziele:

Das Ziel der regionalen Wettbewerbsfähigkeit und der Beschäftigung dient der Stärkung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und Investitionsstandorte.
Das Ziel der Konvergenz dient der Förderung von Wachstum und Beschäftigung in den am wenigsten entwickelten Regionen. Für dieses Ziel werden mehr als 80 % der Finanzierungsmittel des ESF eingesetzt.

Die Strategie enthält auch breiter gefasste „Prioritätsachsen“, in denen die zur Erreichung der Ziele notwendigen und förderfähigen Maßnahmen enthalten sind.

Zuweisung der Finanzierungsmittel des ESF[Bearbeiten]

Der Umfang der ESF-Finanzierungsmittel ist von Region zu Region unterschiedlich und hängt von deren relativem Wohlstand ab. Die EU-Regionen werden auf der Grundlage ihres regionalen BIP pro Kopf im Vergleich zum EU-Durchschnitt (EU mit 25 bzw. 15 Mitgliedstaaten) in vier Förderkategorien untergliedert und zwischen den beiden Zielen aufgeteilt.

Zum Ziel der Konvergenz gehören:

  • Konvergenzregionen mit einem BIP pro Kopf von weniger als 75 % des Durchschnitts der EU-25
  • Phasing-out-Regionen mit einem BIP pro Kopf von mehr als 75 % des Durchschnitts der EU-25, jedoch weniger als 75 % des Durchschnitts der EU-15

Zum Ziel der regionalen Wettbewerbsfähigkeit und der Beschäftigung gehören:

  • Phasing-in-Regionen mit einem BIP pro Kopf von weniger als 75 % des Durchschnitts der EU-15 (im Zeitraum 2000-2006), jedoch mehr als 75 % des Durchschnitts der EU-15 (im Zeitraum 2007-2013)
  • Wettbewerbs- und Beschäftigungsregionen, was sich auf alle anderen EU-Regionen bezieht

In Konvergenzregionen kann die Kofinanzierung von Projekten über den ESF bis zu 85 % der Gesamtkosten betragen. In Regionen der regionalen Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung beträgt die Kofinanzierung in der Regel 50 %. In den wohlhabenderen Mitgliedstaaten und Regionen ergänzt die ESF-Finanzierung bestehende nationale Beschäftigungsinitiativen, wogegen sie in den weniger wohlhabenden Mitgliedstaaten die Hauptfinanzierungsquelle für Beschäftigungsinitiativen darstellen kann. Auf der Karte sind die Förderregionen der gegenwärtigen ESF-Programmauflage (2007-2013) verzeichnet.

Umsetzung des ESF[Bearbeiten]

Während die Strategie auf EU-Ebene festgelegt wird, liegt die Umsetzung der ESF-Finanzierung in der Verantwortung der Mitgliedstaaten und der Regionen der EU. Nach der Vereinbarung der Strategie und der Mittelzuweisungen erfolgt die Programmplanung nach einem gemeinsamen Grundprinzip. Die Mitgliedstaaten und ihre Regionen planen gemeinsam mit der Europäischen Kommission die siebenjährigen operationellen Programme. In den operationellen Programmen werden die geförderten Tätigkeitsfelder, die geographisch oder thematisch bestimmt sein können, beschrieben (Beispiel: "Operationelles Programm des Landes Brandenburg für den ESF"[8]).

Die Mitgliedstaaten ernennen nationale ESF-Verwaltungsbehörden, die für die Auswahl der Projekte, die Auszahlung der Finanzmittel und die Evaluierung des Fortschritts sowie der Ergebnisse der Projekte verantwortlich sind. Zusätzlich werden Zertifizierungs- und Prüfungsbehörden ernannt, die die Einhaltung der Bestimmungen für den Einsatz der ESF-Mittel kontrollieren und sicherstellen.

Für die Auszahlung von Mitteln aus dem Fonds muss ein Mitgliedsstaat ein Gemeinschaftliches Förderkonzept vorlegen, welches von der Kommission genehmigt werden muss. Das GFK enthält Strategie und Prioritäten des Staates für Aktionen mit dem Fonds, deren Ziele und ein anteilige Beteiligung der Fondsmittel neben anderen Finanzierungsquellen. Zur Durchführung des GFK ist mindestens ein Operationelles Programm zu erarbeiten, das ebenfalls von der Kommission genehmigt werden muss. Das OP definiert mehrjährige Maßnahmen, die aus mehreren Fonds finanziert werden können. Zur Verwaltungserleichterung können GFK und OP in ein Einheitliches Programmplanungsdokument zusammengefasst werden[9].

ESF-Projekte[Bearbeiten]

Die Umsetzung der ESF-Maßnahmen vor Ort erfolgt über Projekte, die von verschiedenen öffentlichen und privatwirtschaftlichen Trägern beantragt und durchgeführt werden. Dazu gehören nationale, regionale und lokale Behörden, Bildungs- und Weiterbildungseinrichtungen, Nichtregierungsorganisationen (NRO) und Freiwilligenverbände sowie Sozialpartner, beispielsweise Gewerkschaften, Betriebsräte, Gewerbe- und Berufsvereinigungen oder einzelne Unternehmen.

Wer profitiert vom ESF?

Die Begünstigten aus den ESF-Projekten können ganz unterschiedlich sein, zum Beispiel einzelne Arbeitnehmer, Personengruppen, Industriezweige, Gewerkschaften, öffentliche Verwaltungen oder einzelne Firmen. Personen, die bei der Arbeitssuche oder in der beruflichen Weiterentwicklung besonders häufig auf Schwierigkeiten stoßen, wie Langzeitarbeitslose und Frauen, sind eine spezielle Zielgruppe. Es wird grob geschätzt, dass jährlich mehr als 9 Millionen Menschen aus den betroffenen Gruppen durch die Teilnahme an ESF-Projekten unterstützt werden, siehe Tabelle 1.

Der Europäische Sozialfonds 2007-2013[Bearbeiten]

Der gegenwärtige Programmzyklus des ESF läuft von 2007 bis 2013 unter dem Motto „In Menschen investieren“. Über diesen Zeitraum werden rund 75 Milliarden Euro – fast 10 % des EU-Haushaltes – für Projekte zur Beschäftigungsförderung eingesetzt. Die Finanzierung wird für sechs spezifische prioritäre Bereiche bewilligt:

ESF-Zuschüsse pro Land.
  • Förderung des Humankapitals (34 % der Gesamtfinanzierung)
  • Verbesserter Zugang zu Beschäftigung und Nachhaltigkeit (30 %)
  • Verbesserung der Anpassungsfähigkeit von Arbeitnehmern und Firmen, Unternehmen und Unternehmern (18 %)
  • Bessere soziale Eingliederung benachteiligter Personen (14 %)
  • Stärkung der institutionellen Kapazitäten auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene (3 %)
  • Mobilisierung für Reformen in den Bereichen Beschäftigung und Eingliederung (1 %)

In den jeweiligen Regionen variiert die tatsächliche Verteilung der Mittel je nach den lokalen und regionalen Prioritäten. Alle sechs Prioritäten gelten sowohl für die Ziele Konvergenz und regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung. Bei den Konvergenzregionen liegt der Schwerpunkt jedoch meist auf der „Förderung des Humankapitals“.

Die Verwendung der ESF-Mittel durch die Mitgliedstaaten für 2007-2013 ist in Tabelle 2 dargestellt.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • ESF-Broschüre ESF-Broschüre: Die 2007 veröffentlichte Broschüre enthält grundlegende Informationen zu den Zielen, Grundprinzipien und Funktionsmechanismen des Europäischen Sozialfonds. Sie ist in 23 EU-Sprachen erhältlich. (PDF-Datei; 944 kB)
  • EU-Rechtstext zum ESF EU-Rechtstext zum ESF: Verordnung (EG) Nr. 1081/2006 vom 5. Juli 2006 über den Europäischen Sozialfonds. (PDF-Datei; 125 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bundesministerium für Arbeit und Soziales: 50 Jahre Europäischer Sozialfonds - Die Geschichte des ESF
  2. Tanja Malek: Die Entwicklung der Strukturfonds als kumulativer Politikprozess In: Beate Kohler-Koch (Hrsg.) (2005): Regieren in Europa. Bd. 8. Baden-Baden.
  3. Europäische Beschäftigungsstrategie vom 14. Oktober 2008
  4. Beschäftigungsleitlinien vom 12. Oktober 2008
  5. Nationalen Reformprogrammen vom 17. Oktober 2008
  6. Sozialagenda vom 12. Oktober 2008
  7. Flexicurity vom 16. Oktober 2008
  8. "http://www.esf.brandenburg.de/cms/detail.php/bb3.c.208746.de"
  9. Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaft: Verordnung (EG) Nr. 1260/1999 des Rates Art. 9