Evolutionärer Stammbaum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

In einem evolutionären Stammbaum werden die vollständigen Verwandtschaftsbeziehungen von Teilen des Tier- oder Pflanzenreichs graphisch dargestellt. Der Grad der (genetischen) Verwandtschaft von zwei systematischen Gruppen an den Blättern bemisst sich nach dem vertikalen Abstand zu dem Verzweigungspunkt, an dem ihre beiden Linien zu einem Ast zusammenkommen. Die moderne Form des Stammbaumes ist das Dendrogramm. In ihm wird eine Besonderheit gut sichtbar, denn es verzweigen sich auf jeder Stufe stets genau zwei Äste. Dies geht letztendlich darauf zurück, dass ein Gen während des Kopiervorgangs zwei Kopien hinterlässt, nämlich seine Vorlage und das Duplikat. Populationen, die zeitgleich in drei, vier oder mehrere Subpopulationen getrennt werden und unterschiedliche Arten entwickeln, bilden deshalb keine Verästelungen zu mehreren, sondern es lassen sich im nachhinein stets mehrere hierarchisch gestaffelte zweier-Abzweigungen ordnen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Beispiel: Stammbaum der Pterodactyloidea

Ein Stammbaum (Dendrogramm) der Kurzschwanzflugsaurier

 
 
 
 
Kurzschwanzflugsaurier (Pterodactyloidea)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Nyctosaurus
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ornithocheiroidea
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ornithocheiroiridea
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Pteranodontoidea
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Cycnorhampus
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Normannognathus
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Pterodactylidae =Germanodactylidae
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ctenochasmatidae
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Dsungaripteridae
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Azhdarchoidea
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Tapejara
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Tupuxuara
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Azhdarchidae
 
 


[Bearbeiten] Die historische Stammbaum-Metapher

Stammbaum nach Ernst Haeckel (1874)

Die Darstellung als ‚Baum‘ kommt von früheren Vorstellungen des Lebens als Fortschritt von niedrigeren zu höheren, komplexeren Formen. Obwohl diese Theorien veraltet sind, sind diese dazugehörigen Bilder noch weit verbreitet. Zu den Bäumen in der Graphentheorie besteht ebenfalls eine strukturelle Verwandtschaft.

Historisch war die Darstellung des Stammbaumes oft in direkter Baumform gebräuchlich.

[Bearbeiten] Die Stammfluss-Metapher

Eine Veränderung der Metapher des Stammbaumes in die eines Stammflusses wurde von Richard Dawkins vorgeschlagen. Erklärt man das Kladogramm als sich verzweigendes Fluss-System, so hat das einige Vorteile, da diese Metapher keine Höherentwicklung suggeriert und zudem die Möglichkeit der Vorstellung zulässt, dass Wasser eines Armes auch wieder in einen anderen Arm gelangen kann, wie das beim Austausch von Gensequenzen in der mikrobiotischen Lebenswelt oft vorkommt. Erst wenn die Flussarme mächtiger geworden sind und sich ihr eigenes Tal geschaffen haben, wird der Austausch von Gensequenzen zunehmend unwahrscheinlicher. Dies ist bei keimbahnbesitzenden Vielzellern der Fall. Die Stammflussmetapher verdeutlicht das Kladogramm auf dieselbe Weise wie der Stammbaum und ist insbesondere eine alternative populäre Darstellungsweise, keine Theorie.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen
Andere Sprachen