Fahrradklingel

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Eine Fahrradklingel ist eine helltönende Metallglocke am Fahrrad und macht durch einen Zahnrad-Mechanismus (bei älteren Modellen) andere Verkehrsteilnehmer aufmerksam.

Historische Fahrradglocke

Sie dient als Signalgerät dazu, sich als Radfahrer im Straßenverkehr und bei Gefahren akustisch durch Schallzeichen bemerkbar zu machen, entsprechend der Hupe von Kraftfahrzeugen. Nach Paragraph 1 der Straßenverkehrs-Ordnung (Deutschland) - „Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer ...“ sollte sie zumindest in Deutschland auch auf Radwegen, speziell bei Überholvorgängen, für Warnsignale eingesetzt werden.

Bauarten[Bearbeiten]

Einton-Klingel
Zweiton-Glocke
Kinderklingel

Fahrradklingeln gibt es in verschiedener Größe und, abweichend von der Standardbauart, auch mit verschiedenen Läutwerken.

  • Lenkerklingel
  • Radlaufklingel (Radlaufglocke), im Volksmund auch "Sturmklingel" genannt
  • Chinesische Sturmklingel (wird durch ein Schwungrad betätigt)

Alle Bauarten sind wartungsfrei, allwettertauglich und in der Funktion ähnlich. Eine elektrische Energieversorgung ist nicht notwendig, die Funktion auch bei stehendem Rad sichergestellt. Dekorative Glocken mit unterschiedlichen Motiven ergänzen teils das Angebot.

Verkehrsrecht[Bearbeiten]

In Deutschland ist die Fahrradklingel durch die StVZO §64a vorgeschrieben: Fahrräder und Schlitten müssen mit mindestens einer helltönenden Glocke ausgerüstet sein; ausgenommen sind Handschlitten. Andere Einrichtungen für Schallzeichen dürfen an diesen Fahrzeugen nicht angebracht sein. An Fahrrädern sind auch Radlaufglocken nicht zulässig.

In Österreich schreibt § 1 der Fahrradverordnung nur eine Vorrichtung zur Abgabe von akustischen Warnzeichen vor. Neben einer Fahrradklingel ist auch eine Hupe erlaubt.

Radlaufglocke[Bearbeiten]

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Radlaufglocke (Sturmklingel)

Bei der Radlaufglocke wird das Läutwerk ähnlich dem Fahrraddynamo durch die Bewegung des Rades mitgenommen, die Klingel selbst per Bowdenzug oder Schnur betätigt. Sie erzeugt ein lautes und stetiges Klingeln, ähnlich dem einer Straßenbahn. Die Radlaufglocke wurde in der Bundesrepublik Deutschland 1960 wegen der damit verbundenen „Lärmbelästigung“ verboten.[1] Angesichts des schon damals üblichen Lärmpegels im Straßenverkehr wurde dieses Verbot von Radfahrern wiederholt kritisiert, da sich der Radler nur mit einer solchen Klingel gegenüber dem Autofahrer hörbar machen könne und die Lautstärke einer für Kfz vorgeschriebenen Hupe diejenige einer Sturmklingel ohnehin bei weitem übertreffe. 1985 setzte ein Münchner Radfahrer mit dieser Begründung gerichtlich eine individuelle Sondergenehmigung für Sturmklingel und helle Fahrradbeleuchtung durch.[2] Bei Stillstand des Fahrrades kann die Radlaufglocke im Gegensatz zur Fahrradklingel nicht benutzt werden.

Scherzhafte Verwendung von Fahrradklingeln[Bearbeiten]

Bierseidl mit Klingel

Gelegentlich werden Fahrradglocken auch an anderen Gegenständen befestigt, wodurch deren Besitzer durch Betätigung des Läutmechanismus besondere Aufmerksamkeit auf sich lenken wollen. So finden sich Fahrradklingeln auf Wanderstöcken, Servierbrettern für alkoholische Getränke (insbesondere Schnäpse) oder Bierkrügen.

Fahrradklingeln wurden auch als Musikinstrument genutzt, z. B. in You Still Believe in Me von The Beach Boys,[3] Bicycle Race von Queen und etlichen Werken von P. D. Q. Bach.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fahrradklingeln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellennachweis[Bearbeiten]

  1. Begründung laut Verkehrsblatt 1960, 473: „Das Verbot der Radlaufglocken, mit denen immer wieder Mißbrauch getrieben wurde, soll der Lärmbelästigung entgegenwirken.“ Zitiert nach http://www.fahrrad-richter.de/product_info.php?products_id=3830
  2. Rechtskräftiges Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtes München vom 30. Januar 1985, Az. M 6277 VI 84. In: „Radfahren“ 5/85, S. 48 [Loew85]. Zitiert nach http://www.enhydralutris.de/Fahrrad/Beleuchtung.pdf
  3. Adam Webb: Brian Wilson Presents Pet Sounds Live In London (DVD) Review. BBC. 7. November 2003. Abgerufen am 3. Juli 2011.