Fahrradschloss

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Fahrradschloss ist ein spezielles Schloss zur Sicherung vor Fahrraddiebstahl. Verschiedene Bauarten und deren Ausführungen bieten dabei unterschiedlich guten Schutz gegen verschiedenartige äußere Angriffe. Bei der Auswahl muss deswegen stets ein Kompromiss zwischen Gewicht und Handhabung, dem Preis, auch in Relation zum Fahrrad, sowie dem gewünschten Schutz getroffen werden.

Kategorien[Bearbeiten]

Bügelschloss[Bearbeiten]

Ein Bügelschloss besteht, ähnlich einem Vorhängeschloss, aus einem großen mit Kunststoff ummantelten Metallring und dem eigentlichen Schloss, einem Metallkörper mit zwei Öffnungen.

Bügelschlösser bieten den vergleichsweise besten Schutz vor Diebstählen, sie sind mitunter allerdings auch sehr schwer. Die Bügel sind bis zu 18 mm dick. Die Bügel von hochwertigen Bügelschlössern sind außen gehärtet, um gegen Durchtrennen gesichert zu sein, in der Mitte jedoch etwas weicher, um auch Kältesprayattacken standhalten zu können.

Bügelschlösser ähneln in ihrer Verwendung den Kabel- und Kettenschlössern. Das Schloss kann durch die Speichen oder den Radrahmen geführt werden, aber auch um feste Objekte (Laternen, Radständer, Zaunlatten, etc.) gelegt werden, wodurch im Gegensatz zum Speichenschloss das Rad gegen Davontragen gesichert ist.

Faltschloss[Bearbeiten]

Falt- oder Gelenkschlösser sind seit 2005 im Handel. Diese Schlossart besteht aus starren Gliedern, die wie beim Gliedermaßstab mittels Gelenken zusammengefaltet werden können. Durch diese Gelenkkonstruktion ist es sehr viel flexibler als ein Bügelschloss, soll aber laut Herstellerangaben ähnliche Festigkeitswerte erreichen. Dies liegt mit daran, dass die beweglichen Glieder das Ansetzen von Sägen erschweren, das flache Profil außerdem das Ansetzen von Bolzenschneidern.

Je nach Ausführung sind verschiedene Längen- und Sicherheitsklassen erhältlich, auch werden sowohl Zahlen- als auch Zylinderschlösser angeboten. Die verfügbaren Längen reichen von 70 cm bis 120 cm und die Gewichte reichen von 590 g bis 1625 g.

Kettenschlösser[Bearbeiten]

Eine schwere Metallkette dient analog dem Kabel- und Bügelschloss der Diebstahlsicherung. Das Schloss ist hier oft ein reguläres Vorhängeschloss. Kettenglieder sind oft nur bis zu 10 mm dick, mit entsprechend großen Bolzenschneidern sind sie so zu durchtrennen. Die Kettenglieder von hochwertigen Kettenschlössern sind außen gehärtet und in der Mitte etwas weicher als bei den Bügelschlössern.

Der Begriff Kettenschloss bezeichnet auch ein spezielles Glied der Fahrradkette, das anstatt vernietet zu sein auf einer Seite mit einem Sprengring verschlossen ist.

Kabelschloss[Bearbeiten]

Ein Kabelschloss ist ein mit Kunststoff ummanteltes Stahlseil, das mit einem meist integrierten Schloss versehen ist. Kabelschlösser sind sehr flexibel und gut zu handhaben. Geringere Durchmesser von wenigen Millimetern bieten jedoch nur einen geringen Schutz vor dem Durchtrennen. Panzerkabelschlösser bieten hier einen deutlichen Zuwachs an Schutz, da sie eine Stahlummantelung besitzen, die für Bolzenschneider zu dick ist. Das Schloss verliert so jedoch an Elastizität.

Kabelschlösser werden auch gern verwendet, um andere leicht transportierbare Objekte, wie das Mobiliar in Gartenlokalen, vor Diebstahl zu schützen.

Steckschloss[Bearbeiten]

Ein Steckschloss ist ein Fahrradschloss oder Speichenschloss, welches aus einem verschließbaren, einseitig in den Speichenweg eingeführten Blechstift oder Metallstift besteht. Steckschlösser sind aufgrund ihrer Bauweise oft relativ einfach mit etwas Gewalt zu demontieren.

Steck- wie Speichenschlösser verhindern im abgeschlossenen Zustand ein Drehen des Rades, können jedoch keinen Diebstahl durch Wegtragen des Fahrrades verhindern.

Rahmenschloss[Bearbeiten]

Ein Rahmenschloss verhindert durch einen geschlossenen, meist stabilen Riegel im Speichenweg das Drehen des Rades. Gegenüber den früher oft einfachen, nur einseitig angebrachten Steckschlössern ist bei den heutigen Rahmenschlössern der Riegel ringförmig bzw. als beidseitig gelagerter Schwenkriegel ausgeführt. Ein Rahmenschloss allein bietet wenig Schutz vor Diebstahl, weil man das Rad einfach wegtragen kann.

Sicherheitsstufen[Bearbeiten]

Einige Anbieter definieren für ihre Schlösser Sicherheitsstufen. Je höher die Zahl ist, umso sicherer soll das Schloss sein. Je teurer und leichter ein Rad ist, umso schwerer und teurer sollte auch ein adäquates Schloss sein. Daneben wird empfohlen, auf die Zertifizierung[1] durch VdS zu achten.

Tests von Fahrradschlössern[Bearbeiten]

Die Stiftung Warentest veröffentlichte Tests, bei denen sich herausstellte, dass auch teure Fahrradschlösser oft keine Sicherheit bieten: „Unterm Strich ließen sich die meisten Schlösser ohne allzu großen Aufwand innerhalb von drei Minuten öffnen.“ Bei den insgesamt 18 Panzerkabel- und Kettenschlössern im Test bekamen nur drei ein befriedigend, die restlichen 15 schnitten mit den Noten ausreichend oder mangelhaft ab. Im Test vom April 2014 hoben die Tester hervor, dass die Auslobung von Sicherheitsstufen, wie sie von Anbietern vorgenommen wird, wenig Wert hat. Für die Klassifizierung existiere keine Norm, jeder Anbieter gestalte seine Skala anders und die Sicherheitsversprechen seien wenig zuverlässig. Innerhalb von zehn Sekunden hätten die Tester beispielsweise ein Modell knacken können, das mit der höchsten Sicherheitsstufe ausgelobt und als Hochsicherheitsbügelschloss ausgewiesen war.[2]

Alarmanlage[Bearbeiten]

Eine weitere Möglichkeit zur Absicherung ist eine Alarmanlage. Diese reagiert, wenn das Fahrrad bewegt wird, meist mit einem Warnsignal. Wird dieses ignoriert, so ertönt ein sehr lautes Alarmsignal, bis das Fahrrad nicht mehr bewegt wird. Es gibt auch Kabelschlösser, die auf ein Durchtrennen des Kabels reagieren und Kombinationen aus beiden Techniken.

Angriffspunkte[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Winkler, Siegfried Rauch: Fahrradtechnik Instandsetzung, Konstruktion, Fertigung. 10. Auflage, BVA Bielefelder Verlagsanstalt GmbH & Co. KG, Bielefeld, 1999, ISBN 3-87073-131-1
  • Michael Gressmann, Franz Beck, Rüdiger Bellersheim: Fachkunde Fahrradtechnik. 1. Auflage, Verlag Europa Lehrmittel, Haan-Gruiten, 2006, ISBN 3-8085-2291-7
  • Peter de Leuw: Fahrräder Richtig auswählen, sicher fahren. 1. Auflage, Beuth Verlag GmbH, Berlin-Wien-Zürich, 2006, ISBN 3-410-16487-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. http://vds.de/de/zertifizierungen/verzeichnisse/ Verzeichnis der VdS-anerkannten Zweiradradschlösser
  2. Fahrradschlösser: In Sekunden geknackt. Stiftung Warentest, 17. April 2014; abgerufen am 4. November 2014