Faustkämpfer vom Quirinal

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Faustkämpfer vom Quirinal
Kopf mit alten Narben und frischen Wunden
Kopf (Detailansicht)
Hände und Unterarme (Detailansicht)

Der Faustkämpfer vom Quirinal (häufig auch Boxer vom Quirinal genannt) in Rom ist wohl die bemerkenswerteste erhaltene Bronzestatue eines solchen Athleten - und eines von nur sehr wenigen überlieferten griechischen Originalen aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Die Skulptur befindet sich heute im Museo Nazionale Romano in Rom unter der Inv.-Nr. 1055.

Fundgeschichte[Bearbeiten]

Die 128 Zentimeter hohe und aus acht Teilstücken zusammengelötete Sitzfigur (der Sockel ist nicht original) wurde im Jahr 1885 auf dem Quirinal entdeckt, wodurch sie ihren Namen bekam. Eine weitere Bronze, die unweit von ihr dort gefunden wurde, ist ein Standmotiv und stellt wohl einen nicht identifizierten hellenistischen Fürsten dar, der in der Archäologie als "Thermenherrscher" bezeichnet wird. Möglicherweise gehörte sie zur Ausstattung der dort gelegenen Thermen des Kaisers Konstantin. Für die Klassische Archäologie kam dieser Fund einer regelrechten Sensation gleich, denn die Anzahl griechischer Originale ist im Vergleich zu den römischen Nachbildungen in Marmor äußerst gering.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Gesicht dieses muskulösen Athleten hat einige durch diese Sportart typische Blessuren wie verdickte Ohren, Schwellungen unter den Augen, eine deformierte Nase, alte Narben sowie frische Platzwunden (cuts) mit Blutgerinnseln darunter. Auch an den Ohren sowie auf den Schultern, Unterarmen und Beinen finden sich Wunden; diese wiederum sind – wie auch die Lippen – hervorgehoben durch Einlassungen aus einer rötlichem Kupferlegierung. Sein Gesichtsausdruck wirkt – trotz all der Blessuren – wach und aufmerksam; dargestellt ist auf jeden Fall ein erfahrener Berufsathlet, der sich nach dem Kampf ausruht. An seinen Händen bzw. Unterarmen befinden sich noch die Lederriemen (cestus) für den Faustkampf. Weder dem Gesichtsausdruck noch der Körperhaltung oder irgendwelchen Attributen ist zu entnehmen, ob der Faustkämpfer seinen Gegner besiegt hat oder nicht.

Porträt oder Typus[Bearbeiten]

Während die ältere Forschung überwiegend davon ausging, dass es sich bei der Figur um das Porträt eines realen Faustkämpfers – u. a. wurden Polydeukes, einer der beiden Dioskuren, bzw. der erfahrene mythische Kämpfer Dares nach seinem Sieg über Entellus ausruhend oder aber Theagenes von Thasos darstellt, der in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. lebte und ein berühmter Faustkämpfer seiner Zeit war, genannt – oder gar um einen Gott (Zeus?) handele, sieht der britische Forscher R. R. R. Smith in der Figur die verallgemeinernde Darstellung (Typus, Urbild) eines namentlich nicht benennbaren Faustkämpfers, dem letztlich individuelle Züge fehlen.

Zuschreibung[Bearbeiten]

Der Künstler der Figur ist unbekannt; früher datierte man sie aufgrund einer vermeintlichen Inschrift in das 1. Jahrhundert v. Chr.. Bei einer gründlichen Untersuchung im Rahmen einer Ausstellung im Akademischen Kunstmuseum in Bonn 1989 wurde diese These jedoch verworfen mit der Folge, dass die Bronzefigur nunmehr ins 4. Jahrhundert v. Chr. datiert wird. Aufgrund ihrer stilistischen Ähnlichkeit zu Statuen von Lysippos, die nur als römische Marmorkopien erhalten sind, wird dessen Bruder Lysistratos als möglicher Urheber ins Spiel gebracht.

Siehe auch[Bearbeiten]

Der Faustkämpfer ist eine von nur sieben erhaltenen griechischen bzw. großgriechischen Bronzestatuen. Die anderen sind der Wagenlenker von Delphi, der Poseidon vom Kap Artemision, der Reiter von Kap Artemision, die beiden Bronzestatuen von Riace und der Thermenherrscher. In diesem Zusammenhang ist auch noch das Fragment des sogenannten Chatsworth-Apoll zu nennen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Rudolph: Olympischer Kampfsport in der Antike. Faustkampf, Ringkampf und Pankration in den griechischen Nationalfestspielen (Schriften der Sektion für Altertumswissenschaften DAW; Bd. 47). Akademie-Verlag, Berlin 1965.
  • Nikolaus Himmelmann: Herrscher und Athlet - Die Bronzen vom Quirinal, Mailand 1988, S. 178-180, ISBN 978-3-531-05079-9.
  • Wilfred Geominy, Stefan Lehmann: Zum Bronzebild des sitzenden Faustkämpfers im Museo Nazionale Romano. In: Stadion. Internationale Zeitschrift für Geschichte des Sports 15 (1989), S. 139-175.
  • R. R. R. Smith: Hellenistic Sculpture. Thames & Hudson, London 1991, ISBN 978-3-531-05079-9, S. 54-55.
  • Michael B. Poliakoff: Kampfsport in der Antike. Das Spiel um Leben und Tod. Patmos, Düsseldorf u. a. 2004, ISBN 3-491-69110-9.
  • Paul Zanker: Der Boxer. In Luca Giuliani (Hrsg.): Meisterwerke der antiken Kunst. C. H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-53094-X, S. 28-49.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Faustkämpfer vom Quirinal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien