Feengrotten

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Feengrotten
„Märchendom“

„Märchendom“

Lage: Saalfeld/Saale, Deutschland
Geographische
Lage:
50° 38′ 6″ N, 11° 20′ 29″ O50.63511.341388888889Koordinaten: 50° 38′ 6″ N, 11° 20′ 29″ O
Feengrotten (Thüringen)
Feengrotten
Geologie: Alaunschiefer
Typ: Schaubergwerk
Entdeckung: 1910
Schauhöhle seit: 1914
Beleuchtung: elektrisch
Mittlere jährliche Besucherzahl: 160.000
Besucher aktuell: 149.630 (2010)
Website: www.feengrotten.de

Die Feengrotten (meist: Saalfelder Feengrotten) sind ein ehemaliges Bergwerk im thüringischen Saalfeld, am Rande des Thüringer Schiefergebirges. Berühmt sind die Feengrotten vor allem für ihre farbigen Tropfsteine.

Schaubergwerk[Bearbeiten]

Die Feengrotten sind das ehemalige Alaunschieferbergwerk „Jeremias Glück“ und stehen seit 1993 als „Die farbenreichsten Schaugrotten der Welt“ im Guinness-Buch der Rekorde. Diese Bezeichnung geht auf den besonderen geologischen Hintergrund des Bergwerks zurück. Aufgrund des eisen- und mineralreichen Milieus sind viele verschiedene Farben anzutreffen, besonders bemerkenswert sind die weit über 100 Brauntöne.

Das Schaubergwerk besteht aus drei Sohlen, die Bezeichnung der Stockwerke in einem Bergwerk.

  1. Auf der ersten Sohle werden Informationen zur Entstehung und Wissenswertes zur Arbeit, die Messungen des Markscheiders mittels des Gradbogens, sowie zum Leben der Bergleute vermittelt. Auf diesem Stockwerk befindet sich auch das Emanatorium der Feengrotten - am 10. September 1937 als einer der ersten Heilstollen Deutschlands eröffnet.
  2. Auf der zweiten Sohle des Bergwerkes befindet man sich bereits 26 m unter Tage an der tiefsten Stelle und am eigentlichen Entdeckungsort der Feengrotten. Wissenschaftler suchten um 1910 nach der Quelle des aus dem Berg austretenden Wassers, dem man heilsame Wirkungen zusprach. Nach dem Fundort nannte man diese Grotten die „Quellgrotten“. Bis Mitte der 1960er Jahre wurde das sehr mineralhaltige Heilwasser verkauft. Die Heilquellen sind versiegt, aber aus einem Tiefbrunnen wird nach wie vor das leichter mineralisierte Wasser „Gralsquelle“ gefördert.
  3. Der Märchendom auf der dritten Sohle ist der älteste und schönste Hohlraum der Feengrotten. Das Alter der Tropfsteine beträgt hier etwa 250 - 300 Jahre. Eine Besonderheit ist die Gralsburg im Hintergrund, gebildet aus einer Ansammlung von teils verwachsenen Tropfsteinen. Diese Kulisse inspirierte Siegfried Wagner, den Sohn des Komponisten Richard Wagner, in den 1920er Jahren im Rahmen der Bayreuther Festspiele zu einem Bühnenbild für die Oper „Tannhäuser“.
Versinterte Eichenwurzel

Vor dem Ausgang sieht man einen „Wurzelstalaktiten“. Er gehört zu einer über 200-jährigen, doppelstämmigen Eiche, die ihr Wurzelwerk 10 m tief in den Berg getrieben hat. Den Baum selbst kann man nur wenige Schritte entfernt vom Brunnentempel, in dem der Rundgang endet, sehen.

Entstehung der Tropfsteine[Bearbeiten]

Die Wachstumsgeschwindigkeit der Tropfsteine in den Feengrotten beträgt wohl das Tausendfache des Tropfsteinwachstums im Karbonatkarst. Grund dafür ist das Material der Tropfsteine, die relativ weiche Substanz Diadochit bzw. Bergbutter, ein Eisen(III)-Hydroxi-Phosphat-Sulfat-Hydrat. Sie wurde bereits 1837 von August Breithaupt eingehend untersucht und beschrieben. Die Saalfelder Feengrotten sind für sie die Typlokalität (locus typicus).

Das Bergwerk befindet sich in silurischen Alaun- und Kieselschiefern. Der Lösungsvorgang ist an zum Teil mikrobakteriell induzierte oxidative Abläufe gebunden, das heißt die Oxidation mit Sauerstoff aus dem Grundwasser führt erst zur Bildung der wasserlöslichen Substanzen, die dann abtransportiert werden. In der Grube werden verschiedene Minerale entsprechend den hydrochemischen Verhältnissen ausgefällt.

Mittlerweile wurden in den Feengrotten über 45 Minerale sicher nachgewiesen. Im Wesentlichen sind es Sulfide, Oxide, Carbonate, Sulfate, Phosphate, Vanadate, Arsenate und Silikate. Da es sich dabei um sehr unterschiedliche Substanzen mit unterschiedlichen Farben handelt, haben die Tropfsteine eine außergewöhnliche Färbung.

Langer Stollen 2013

Geschichte des Bergwerks[Bearbeiten]

Alaunschieferbergwerk[Bearbeiten]

Um 1530 begann der aktive Bergbau im Arnsgereuther Tal oberhalb von Garnsdorf und damit auch im Bereich der heutigen Feengrotten. Gesucht wurde eher hochwertiges Erz, gefunden jedoch nur Alaunschiefer, für den es noch keine Verwendung gab. Der planmäßige Abbau begann um 1544. Durch Auslaugung des grauschwarzen Gesteins gewann man unter anderem Alaun zum Gerben von Leder, später grünes und in sehr geringem Umfang blaues Vitriol. 1599 soll es eine erste Siedehütte zur Gewinnung von Alaun und Vitriol gegeben haben. Erst ab 1757 gelang es, einen über viele Jahrzehnte währenden Grubenbetrieb am Leben zu erhalten. Bis zum Jahre 1760 hielten Johann Ehrenreich Jeremias und Johann Jacob Nolde den Abbau aufrecht. Das Bergwerk, nun "Jeremias Glück" genannt, kam in den Besitz der Leipziger Kaufmanns- und Bankiersfamilie Frege, die das Bergwerk, das nur im ersten Jahrzehnt Gewinn abwarf, trotz fehlender Rentabilität mangels Alternative bei der Alaun- und Vitriolerzeugung weiterbetrieb. 1764 wurde eine Vitriolsiedehütte in Betrieb genommen, die bis zum Neubau des Quellenhauses im Jahre 1927 an gleicher Stelle bestehen blieb. Die beginnende Industrialisierung und die Entwicklung chemischer Produkte mit wesentlich höheren Reinheitsgraden brachten den Abbau um 1850 zum Erliegen. Dr. Waldemar von Frege gab das Bergwerk samt Abbaurechten im Jahre 1860 ins Bergfreie.

1867 ließ der Saalfelder Unternehmer August Wohlfarth das Grubenwasser im Langen Stollen, dem damaligen Zugang zur zweiten Sohle, aufstauen, um den darin abgesetzten Eisenocker zum Zwecke der Pigmentfarbenherstellung zu gewinnen. Der Ocker hatte zu wenig Deckkraft und zu viele störende Beimengungen und war Farben der chemischen Industrie unterlegen. 1909 wurde die Ockergewinnung endgültig eingestellt.

„Märchendom“ in der Feengrotte - hier soll man mit Fantasie die Fee erkennen können, die der Höhle ihren Namen gab.

Schaubergwerk und Ausflugsziel[Bearbeiten]

1910 wurde der Stollen des fast vergessenen Bergwerkes wiederentdeckt. Das mineralhaltige Tropf- und Quellwasser hatte in weniger als 300 Jahren eine faszinierende Tropfsteinwelt geschaffen. Am 22. Dezember 1913 entdeckte man die dritte Sohle mit dem Märchendom und dem darin befindlichen berühmten Tropfstein. Dies gab den endgültigen Anstoß dazu, die Feengrotten als Schaubergwerk der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Namensgebung Feengrotten, Märchendom, Gralsburg stammt von dem damals deutschlandweit bekannten Geologen Hess von Wichdorff.

Am 31. Mai 1914 wurden die Saalfelder Feengrotten eröffnet. Mit der Eröffnung entstand ein Caféhaus, die „Grottenschenke“. Diese wurde in den 1950er Jahren um einen Anbau in Leichtbauweise erweitert und der Gastraum wurde geschlossen. Im Jahr 1998 erfolgte eine komplette Sanierung des Gebäudes nach historischen Vorlagen im Stil der 20er Jahre. Seitdem wird die Grottenschenke als Ausflugsgaststätte und für Feierlichkeiten genutzt.

Das Quellenhaus wurde 1927 als Sitz des drei Jahre zuvor gegründeten Quellforschungsinstituts für die Untersuchungen der Heilquellen der Saalfelder Feengrotten errichtet. In den Räumen des Quellenhauses waren vorwiegend Forschungslabore untergebracht. Im Kellergeschoss befand sich eine Abfüllanlage für die aus den Feengrotten gewonnenen Heil- und Mineralwässer. Außerdem gab es einen Festsaal, der später zum heutigen „Gasthaus Feengrotten“ umgebaut wurde.

Saalfelder Feengrotten heute[Bearbeiten]

Besucherzahlen 1914 – 2010

Heute befinden sich im Quellenhaus neben dem Gasthaus die Verwaltung der Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH, drei Gästezimmer und eine Ferienwohnung. Im Zuge einer Neukonzipierung wurde 2011 das Erlebnismuseum „Grottoneum“ eingerichtet. Das Gasthaus wurde umfassend renoviert. Die Motive der original erhaltenen Glasmosaikscheiben im Treppenhaus des Quellenhauses weisen auf die Bedeutung und Heilkraft der Wässer der Feengrotten hin: Recentis vivum aqua - Erfrischt durch lebendiges Wasser, Salus et vitalis - Wohlergehen und Lebenskraft.

Auf dem Außengelände befinden sich die am 9. Juli 1937 eingeweihte Brunnenhalle, der „Brunnentempel“, Ausschankort der in den Grotten gefassten und zur Aufbereitung nach außen geleiteten Heil- und Mineralwässer, der 1998 restauriert wurde, und ein „Handwerkerhof“. Weiterhin ist auf dem Gelände ein Spiel- und Erlebnisbereich „Feenweltchen“ eingerichtet. Neben den üblichen Führungen durch das Schaubergwerk werden täglich Führungen für Kinder angeboten. Außerdem werden die Feengrotten als Heilstollen zur Speläo- oder Höhlentherapie als nebenwirkungsfreie Alternative oder Ergänzung zur Schulmedizin bei Erkrankungen der Atemwege wie Asthma und Bronchitis sowie bei Hauterkrankungen und Allergien genutzt. Die Saalfelder Feengrotten sind Mitglied im Deutschen Heilstollenverband.

Seit 1914 haben über 20 Millionen Menschen (Stand: 2007) das Bergwerk besichtigt, darunter bekannte Persönlichkeiten. Der damalige Reichspräsident Friedrich Ebert besichtigte die Feengrotten am 18. August 1919. Die Saalfelder Feengrotten werden jedes Jahr von ungefähr 160.000 Touristen besucht und sind damit die zweithäufigst besuchte deutsche Schauhöhle nach der Atta-Höhle.[Anmerkung 1]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Im Sinne der Definition sind die Feengrotten als ein durch ein Bergwerk entstandener Hohlraum keine Schauhöhle, sondern ein Schaubergwerk. Die Saalfelder Feengrotten sind aber Mitglied im Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher und dort als Schauhöhle aufgelistet.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Feengrotten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Weblinks[Bearbeiten]