Thüringen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Thüringen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Freistaat Thüringen
Flagge Thüringens
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Über dieses Bild
Flagge
Thüringer Landeswappen
Wappen
Sprache: Deutsch
Landeshauptstadt: Erfurt
Fläche: 16.172,50 km²
Einwohnerzahl: 2,162 Mio. (30. November 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 134 Einwohner pro km²
Arbeitslosenquote: 7,5 % (August 2014)[2]
Gründung: 3. Oktober 1990
Schulden: 18,9 Mrd. EUR (31. Dezember 2012)[3]
ISO 3166-2: DE-TH
Website: www.thueringen.de
Politik
Regierungschefin: Christine Lieberknecht (CDU)
Regierende Parteien: CDU und SPD
Sitzverteilung im Landesparlament: CDU 30
LINKE 26
SPD 19
FDP 7
GRÜNE 6
Letzte Wahl: 30. August 2009
Nächste Wahl: 14. September 2014
Bundesratsstimmgewicht: 4
Weimar Eisenach Suhl Gera Jena Landkreis Altenburger Land Landkreis Greiz Tschechien Saale-Holzland-Kreis Freistaat Sachsen Freistaat Bayern Saale-Orla-Kreis Landkreis Sonneberg Niedersachsen Hessen Sachsen-Anhalt Landkreis Eichsfeld Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Landkreis Hildburghausen Landkreis Schmalkalden-Meiningen Ilm-Kreis Landkreis Weimarer Land Erfurt Landkreis Gotha Wartburgkreis Landkreis Sömmerda Kyffhäuserkreis Unstrut-Hainich-Kreis Landkreis NordhausenThuringia, administrative divisions - de - colored.svg
Über dieses Bild
St. Marienkirche in Gera Untermhaus
Erfurt, Dom und Severikirche

Der Freistaat Thüringen (Abkürzung TH) ist ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Mit rund 2,2 Millionen Einwohnern und einer Fläche von rund 16.000 Quadratkilometern gehört er zu den kleineren Ländern der Bundesrepublik. Auch die Bevölkerungsdichte liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Landeshauptstadt und zugleich größte Stadt ist Erfurt, während mit Jena noch eine weitere Großstadt in Thüringen liegt. Als Binnenstaat grenzt Thüringen weder ans Meer noch ans Ausland. Nachbarländer sind Sachsen im Osten und Südosten, Sachsen-Anhalt im Norden und Nordosten, Niedersachsen im Nordwesten, Hessen im Westen sowie Bayern im Süden. Mehrere Orte im Nordwesten des Landes nehmen für sich in Anspruch, der exakte Mittelpunkt Deutschlands zu sein.

Der Name Thüringen tritt als Gebietsbezeichnung seit dem Thüringerreich im frühen 6. Jahrhundert auf. Danach bildete Thüringen kein zusammenhängendes Herrschaftsgebiet mehr, wenngleich es den Landgrafen von Thüringen für relativ kurze Zeit gelang, große Teile der Region zu kontrollieren. Dennoch blieb der Name für die Landschaft erhalten und wurde 1920 aufgegriffen, als sich sieben Freistaaten zum Land Thüringen vereinigten. Ehemals preußische Gebiete wie Erfurt und Nordthüringen kamen 1945 hinzu. Nach der Auflösung der Länder in der DDR 1952 wurde es erst 1990 aus den drei Bezirken Erfurt, Gera und Suhl sowie einigen angrenzenden Gebieten wiedergegründet und ist heute in 17 Landkreise sowie sechs kreisfreie Städte gegliedert. Seit 1993 trägt Thüringen wie Bayern und Sachsen offiziell den Namenszusatz Freistaat.

Die Wirtschaft Thüringens konnte sich nach dem Umbruch im Zuge der Wiedervereinigung in der Zeit nach der Jahrtausendwende stabilisieren, sodass die Arbeitslosenquote nur noch etwa zwei Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt liegt. Dennoch blieben strukturelle Defizite bestehen, die beispielsweise für im Bundesvergleich geringe Löhne sorgen. Zentrum von Bildung und Forschung im Freistaat ist Jena mit der viertgrößten Universität der neuen Bundesländer.

Thüringen weist eine hohe Dichte an Kulturstätten von nationalem und internationalem Rang auf. Zum UNESCO-Welterbe gehören das klassische Weimar, das Bauhaus in Weimar und die Wartburg bei Eisenach. Auch die Landeshauptstadt weist mit dem Dom, der Krämerbrücke und der ältesten erhaltenen Synagoge Mitteleuropas bedeutende kulturhistorische Stätten auf.

Geographie[Bearbeiten]

Im Thüringer Becken bei Mühlberg

Thüringen liegt in der Mitte Deutschlands und grenzt an die Länder Hessen (Länge der Grenze 270 km), Bayern (381 km), Sachsen (265 km), Sachsen-Anhalt (296 km) und Niedersachsen (112 km). Der Freistaat Thüringen gehört wie auch Sachsen und Teile Sachsen-Anhalts zur Region Mitteldeutschland. Als Ergebnis einer satellitengestützten Landesvermessung 2007/2008 wurde der Mittelpunkt Thüringens auf dem Gebiet der Gemeinde Rockhausen im Ilm-Kreis bei den Koordinaten 50° 54′ 12″ N, 11° 1′ 35″ O50.90333333333311.026388888889 etwa acht Kilometer südlich des Erfurter Doms ermittelt.[4]

Die Landschaft in Thüringen ist sehr unterschiedlich. Im äußersten Norden befindet sich der Harz. In südöstlicher Richtung schließt sich ein als Goldene Aue bezeichnetes Gebiet an, mit dem fruchtbaren Tal des Flusses Helme. Im Nordwesten befindet sich das Eichsfeld, eine teilweise bewaldete Hügellandschaft.

In der Mitte des Landes liegt das flache, sehr fruchtbare Thüringer Becken. Diese Region zählt zu den ältesten Kulturlandschaften Deutschlands. Erste Ortsgründungen sind hier bereits seit dem Jahr 704 belegt. Das Thüringer Becken wird von verschiedenen kleinen Höhenzügen umringt, so der Dün im Nordwesten, die Hainleite und die unmittelbar nördlich davon gelegene Windleite sowie der Kyffhäuser im Norden, Schmücke, Hohe Schrecke und Finne im Nordosten, dem Ettersberg im Südosten, der Fahner Höhe im Süden und dem Hainich im Westen. Der Nationalpark Hainich ist der einzige Nationalpark des Landes.

Südlich des Thüringer Beckens befindet sich das hügelige Vorland des Thüringer Waldes, schließlich der Thüringer Wald selbst, als größtes Gebirge im Land. Östlich geht der Wald nahtlos ins Thüringer Schiefergebirge über, welches wiederum südöstlich im Landkreis Sonneberg in den Frankenwald übergeht, der jedoch nur zu kleinsten Teilen in Thüringen liegt. Diese Mittelgebirgskette wird vom Rennsteig, dem Kammweg, durchzogen. Er stellt die Wasserscheide zwischen Elbe im Norden und Weser beziehungsweise Rhein im Süden dar. Östlich von Wald und Becken verläuft das Saaletal. Jenseits der Saale liegt im Norden das Thüringer Holzland, im Süden das Vogtland und im Osten das Osterland. Im Gegensatz zu den erstgenannten ist das Osterland um Altenburg wenig bewaldet und sehr fruchtbar. Im südlichen Landkreis Sonneberg nördlich der Kreisstadt Sonneberg verläuft die Fränkische Linie; diese trennt in Thüringen den Frankenwald vom Obermainischen Hügelland.

Südwestlich des Thüringer Waldes liegt das Werratal, gefolgt von der Rhön im Westen und dem Grabfeld im Süden.

Die wichtigsten Flüsse des Landes sind die Werra im Westen und die Saale im Osten. Größere Zuflüsse der Saale sind die Unstrut (mit Gera), die Ilm und die Weiße Elster. Im Nordwesten des Landes entspringt die Leine. Eine Besonderheit der geographischen Namen in Thüringen ist es, dass die Stadt Gera (ehemalige Bezirkshauptstadt) an der Weißen Elster liegt und mit dem Fluss Gera nichts direkt zu tun hat.

Die höchste Erhebung im Land ist der Große Beerberg im Thüringer Wald mit 983 Metern Höhe. Weitere hohe Berge sind der Schneekopf (978 m), der Große Finsterberg (944 m) und der Große Inselsberg (916 m). Der höchste Punkt von Thüringen misst 1060 Metern über NN und befindet sich auf dem Bleßberg im Landkreis Sonneberg (Lagepunkt der Funkanlage 865 m + 195 m Höhe der Sendeanlage). Niedrigste Punkte sind das Unstruttal zwischen Wiehe und Roßleben (114 m), das Saaletal bei Großheringen (120 m), das Werratal bei Lindewerra (145 m) und das Pleißetal bei Treben (150 m).

Klima[Bearbeiten]

Thüringen liegt in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas bei vorherrschender Westwindströmung. Da zwischen den westlichen Meeren und dem Freistaat bereits einige schützende Mittelgebirge liegen, ist das Klima Thüringens kontinentaler als im Westen und Norden Deutschlands. Dies zeigt sich vor allem durch kältere Winter und trockenere Sommer als in anderen Teilen der Bundesrepublik.

Innerhalb Thüringens gibt es sehr große klimatische Unterschiede. Begünstigt ist vor allem das Thüringer Becken in der Landesmitte. Es ist von Gebirgen umgeben, sodass dort die geringsten Niederschlagsmengen Deutschlands fallen. Den Rekord hält Straußfurt mit 242 Millimeter Jahresniederschlag im Jahr 1911.[5] Normal sind im Thüringer Becken 400 bis 500 Millimeter Jahresniederschlag bei einer Jahresmitteltemperatur von 8,5 Grad Celsius (1961–1990 an der Wetterstation Artern). Die Hügelzonen im Land liegen klimatisch etwa im deutschen Durchschnitt. So fallen in Gera 624 Millimeter Niederschlag bei einer Temperatur von 7,8 Grad Celsius. Ein ungünstiges Klima weisen in Thüringen die Gebirgszonen auf. So werden auf der Schmücke im Schnitt 1289 Millimeter Jahresniederschlag bei einer Temperatur von 4,4 Grad Celsius gemessen. Hier liegt die Januar-Temperatur bei −4 Grad Celsius und die Juli-Temperatur bei 12,8 Grad Celsius. In Artern am Nordrand des Thüringer Beckens liegen die Werte dieser Monate bei −0,7 Grad Celsius und 17,6 Grad Celsius.

Regelmäßige Naturkatastrophen in Thüringen sind insbesondere Hochwasser und Stürme. Hochwasser tritt meist bei Vb-Wetterlagen auf, bei denen große Tiefdruckgebiete mit feuchter Mittelmeerluft über die Adria, Österreich, Tschechien und Polen nach Norden ziehen und durch ihre Drehung entgegen dem Uhrzeigersinn heftigen Stauregen am Thüringer Wald und Schiefergebirge verursachen. Die Gefahr durch Hochwasser infolge von schneller Schneeschmelze ist demgegenüber weniger groß, da die Höhenlagen des Thüringer Waldes in viele verschiedene Flüsse entwässern. Nach der Wiedervereinigung wurde der Hochwasserschutz durch Ausweisung entsprechender Flächen und die Anlage von zahlreichen Rückhaltebecken auch an kleinen Flüssen deutlich verbessert. Stürme sind besonders für die Gebirgsregionen problematisch, da die durch Umweltverschmutzung des 20. Jahrhunderts geschädigten Fichten-Monokulturen dort anfällig für Windbruch sind, was sich zuletzt bei Orkan Kyrill zeigte. Durch eine Erhöhung der Artenvielfalt im Forstbetrieb sollen die Auswirkungen zukünftiger Stürme hier reduziert werden. Wenn der Klimawandel wie prognostiziert zu einer unregelmäßigeren Niederschlagsverteilung führt, sind die Tieflagen im Thüringer Becken einer höheren sommerlichen Dürregefahr ausgesetzt, da die Niederschlagsmengen hier recht gering sind. Hierauf versucht die Landwirtschaft durch das Ausweichen auf trockenheitsresistentere Sorten zu reagieren.

Geologie[Bearbeiten]

Die geologische Situation in Thüringen ist gekennzeichnet durch eine große Vielfalt geologischer Formationen. An der Oberfläche beziehungsweise den bodennahen Bereichen lassen sich in den verschiedenen Regionen des Landes fast alle Schichten des Phanerozoikums, das heißt der letzten 500 Millionen Jahre, nachweisen.[6]

Bezogen auf die Entstehungsgeschichte wird Thüringen in vier so genannte Strukturstockwerke gegliedert, die nach ihrem Alter geordnet in den jeweiligen Regionen dominierend auftreten:[7]

Während die geomorphologische Gestalt Thüringens im Süden und Westen fast ausschließlich durch tektonische Vorgänge und Erosion durch Niederschläge bestimmt ist, kam es vor etwa 400.000 – 320.000 Jahren im Norden und Osten zu einer Überformung dieser Strukturen durch die Elsterkaltzeit. Demgemäß erfolgt eine Aufteilung des Landes aus geomorphologischer Sicht in fünf äußerlich abgrenzbare Gebiete:

Steinbruch bei Haarhausen im Bereich der Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone mit deutlich sichtbarer Gesteinsfaltung
  • das Thüringer Gebirge, bestehend aus Thüringer Wald und Thüringer Schiefergebirge
  • die Zechstein- und Trias-Landschaften des Thüringer Beckens und Südthüringens
  • die südthüringischen Vulkanitgebiete
  • der Kyffhäuser und der thüringische Anteil des Harzes
  • das Altenburg-Meuselwitzer Gebiet, das durch Braunkohletagebau und Überreste des in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgten Uranbergbaus gekennzeichnet ist.

Innerhalb der Zechstein- und Triaslandschaften prägen neben flachen Gebieten zahlreiche Störungen das Landschaftsbild, von denen die Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone, die das Thüringer-Wald-Vorland vom Thüringer Becken abgrenzt, die längste und auffälligste ist. Im Zechsteingebiet im Bereich von Werra und Wipper finden sich größere Salzvorkommen, die besonders im 20. Jahrhundert abgebaut wurden. Im Buntsandsteingebiet des Saaletales bei Jena sind zahlreiche geologische Phänomene zu beobachten.

Ausgehend von der im späten Mittelalter vor allem in Bereich des Thüringer Gebirges beginnenden Gewinnung von Bodenschätzen wie Eisenerz, Kupferschiefer oder Gold entwickelte sich in der Region bereits im 16. Jahrhundert eine theoretische Verarbeitung praktisch-geowissenschaftlicher Erkenntnisse. Im Jahr 1796 entstand mit der Societät für die gesamte Mineralogie zu Jena die erste geowissenschaftliche Vereinigung überhaupt. Sie entstand auf Anregung Goethes, der von 1803 bis 1830 ihr Präsident war.

Auf Grund anhaltender tektonischer Vorgänge kommt es im Südosten Thüringens gelegentlich zu kleineren Erdbeben. Diese werden seit Anfang des 20. Jahrhunderts von der Universität Jena beobachtet. Heute befindet sich im Osten des Thüringer Schiefergebirges das Geodynamische Observatorium Moxa der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie das Zentrum für die Ingenieuranalyse von Erdbebenschäden der Bauhaus-Universität Weimar zur Untersuchung und Bewertung möglicher Folgen von Erdbeben nicht nur in diesem Gebiet.

Natur und Landschaft[Bearbeiten]

Fichtenwald am Schneekopf
Buchenwälder im Hainich gehören zum Weltnaturerbe
Rhönschaf
Thüringer Landschaft bei Drognitz

Durch den vielgestaltigen geologischen Untergrund und dem Einfluss der Mittelgebirge auf das Lokalklima kann in Thüringen eine Vielzahl von Pflanzenarten mit unterschiedlichen ökologischen Ansprüchen wachsen. Eine Naturräumliche Gliederung Thüringens unterscheidet die sieben Naturraumtypen Mittelgebirge, Buntsandstein-Hügelländer, Muschelkalk-Hügelländer, Basaltkuppenland, Ackerhügelländer, Auen und Niederungen sowie Zechsteingürtel an Gebirgsrändern. Innerhalb dieser Naturraumtypen werden 38 einzelne Naturräume unterschieden, der Naturraum Thüringer Gebirge wird zudem in acht Untereinheiten gegliedert.[8]

Die Potenzielle natürliche Vegetation Thüringens besteht aus Wäldern, die je nach Standortverhältnissen in verschiedene Typen unterschieden werden könnten. Am weitesten verbreitet wären von der Rotbuche (Fagus sylvatica) dominierte Buchenwälder, dabei vor allem Hainsimsen-, Waldmeister-, Waldgersten- und Orchideen-Buchenwälder. Nur wo die Standortbedingungen weniger ideal sind, könnten auch andere Baumarten dominieren. So wären in den trockenwarmen, kontinental geprägten Gebieten des zentralen Thüringer Beckens die Traubeneiche (Quercus petraea), Stieleiche (Quercus robur), Hainbuche (Carpinus betulus) und die Winter-Linde (Tilia cordata) häufiger zu finden. In den Mittelgebirgen hingegen wären neben der Rotbuche der Bergahorn (Acer pseudoplatanus), die Gemeine Fichte (Picea abies) und die heute seltene Weißtanne (Abies alba) zu finden. Nur in den höchsten Lagen des Thüringer Waldes und des Thüringer Schiefergebirges wären Fichten-Buchenwälder zu finden.[8]

Die aktuelle Flora und Fauna sind der deutschen Kulturlandschaft angepasst. Durch die Nutzung des Menschen besteht die Vegetation vor allem aus Wäldern, Grünland, Äckern, Siedlungen und Gewässern. Etwa ein Drittel der Landesfläche ist von Wald bedeckt. Thüringen zählt damit zu den waldreichen Bundesländern. Davon sind jedoch nur 30 % naturnaher Laubwald. Prägend sind vor allem Nadelholzforste, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt wurden. Die Landesforstverwaltung ist jedoch bestrebt, den Laubholzanteil wieder zu erhöhen.[8] Nachdem der Orkan Kyrill im Januar 2007 vor allem im Thüringer Wald massive Schäden anrichtete, wurde bei der Aufforstung teilweise wieder auf den heimischen Buchen-Eichen-Mischwald anstelle von Fichten-Monokulturen zurückgegriffen. Hauptbaumarten in Thüringen sind Fichte mit 42,6 %, Rotbuche mit 20,1 % und Waldkiefer mit 15,7 %. Die Wälder sind jedoch nicht homogen zusammengesetzte Mischwälder. Den Standorten entsprechend sind die Mittelgebirgslagen des Mittleren und Östlichen Thüringer Waldes, des Thüringischen Schiefergebirges und des Harzes überwiegend mit Fichte bestockt. Kiefernforste sind in den Buntsandsteinländern, so im Holzland, verbreitet. In den Muschelkalkgebieten, darunter im Hainich, im Dün und in der Hainleite, aber auch im nordwestlichen Thüringer Wald dominieren Buchenwälder.

Das Grünland ist vor allem durch Trocken- und Halbtrockenrasen geprägt, artenreiche Frischwiesen in den Hügelländern sind stark zurückgegangen. Ein großer Anteil frischer und feuchter Wiesen wird als Rinderweide genutzt.[8]

Die Wildkatze (Felis silvestris) hat im Nationalpark Hainich und im Tal der Weißen Elster, zwischen Greiz und Wünschendorf [9],erneut ihren Habitat gefunden. Durch den Harz im Norden des Landes streift wieder der Luchs (Lynx lynx). In den Naturschutzgebieten des Landes bestehen Vorkommen selten gewordener Vogelarten, unter anderem des Birkhuhns (Lyrurus tetrix oder Tetrao tetrix), des Schwarzstorchs (Ciconia nigra) und des Wachtelkönigs (Crex crex).[10] Haustierarten, die an das Leben im Land angepasst sind, sind beispielsweise die seit Jahrhunderten gezüchtete Thüringer Waldziege oder das Rhönschaf.

Bedingt durch den Industrieschmutz, der zwischen 1850 und 1990 ausgestoßen wurde, waren Teile Thüringens am Ende dieser Periode stark geschädigt. Seitdem konnten diese Schäden teilweise abgemildert werden. So wurde im Rahmen der Bundesgartenschau 2007 in Gera und Ronneburg der ehemalige Uran-Tagebau in Ronneburg saniert und versiegelt; es entstand die Neue Landschaft Ronneburg. Eine weitere Altlast ist der Teersee in Rositz bei Altenburg, von dem eine enorm hohe Gefährdung der Umwelt ausgeht. Insgesamt hat die Belastung der Luft und der Gewässer jedoch erheblich abgenommen, einzig die Werra ist – bedingt durch den hessischen Kali-Abbau – unterhalb von Dorndorf noch derart versalzen (der Salzgehalt entspricht vielerorts dem der Ostsee), dass viele Pflanzen und Tiere nicht überleben können. Zu Pfingsten 2007 erhielt der Konzern Kali und Salz AG eine Genehmigung, Salz aus einer Halde in Neuhof bei Fulda bis zur Ausreizung des Grenzwertes in die Werra zu leiten. Die Salzkonzentration der Werra und der anschließenden Weser war zu DDR-Zeiten noch deutlich höher als heute.

Als bedeutende Naturschutzgebiete bestehen in Thüringen der Nationalpark Hainich, die Biosphärenreservate Rhön und Vessertal-Thüringer Wald sowie die Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal, Kyffhäuser, Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale und Thüringer Wald. Zentrale Bereiche des Nationalparks Hainich zählen seit ihrer Anerkennung durch das Welterbekommitée am 25. Juni 2011 zu den 36 Welterbestätten Deutschlands.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Demografie Thüringens

Thüringen hat etwa 2,15 Millionen Einwohner, wobei die Einwohnerzahl schon seit Ende des Zweiten Weltkriegs rückläufig ist. Deshalb ist die Alterung der Bevölkerung im deutschen Vergleich schon weit fortgeschritten und das Geburtendefizit vergleichsweise hoch, obwohl die Fertilitätsrate (Geburten pro Frau) über dem Bundesdurchschnitt liegt. Der Wanderungssaldo war 2013 erstmals seit 1996 wieder positiv, da die Abwanderung in andere Bundesländer zurückgeht und gleichzeitig die Zuwanderung aus dem Ausland stark ansteigt. Im Land leben sehr wenige Migranten, sodass sowohl der Ausländeranteil (etwa 2 %) wie auch der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund (3,3 % zum Zensus 2011) zu den geringsten im Bundesgebiet zählen. Auf lokaler Ebene ist die Bevölkerungsentwicklung unterschiedlich, so wachsen die beiden Großstädte des Landes schon seit 2003 (Erfurt) und 1999 (Jena) wieder an, während insbesondere die Gemeinden im ländlichen Raum durch Überalterung stark an Bevölkerung verlieren. Damit setzt sich der Urbanisierungstrend in Thüringen weiter fort.

Siedlungsstruktur[Bearbeiten]

In seiner Bevölkerungsdichte liegt Thüringen hinter Sachsen und an zweiter Stelle unter den fünf neuen Ländern, trotzdem ist die Bevölkerungsdichte inzwischen geringer als die sämtlicher „alter“ Länder, während Thüringen vor dem Zweiten Weltkrieg noch zu den dichter besiedelten Regionen Deutschlands zählte. An der Thüringer Städtekette, die sich quer durch die Mitte des Landes zieht, ist die Bevölkerungsdichte am größten, wobei sieben der zehn größten Städte Thüringens an dieser Linie liegen. Höher ist die Bevölkerungsdichte auch am nördlichen und südlichen Rand des Thüringer Waldes bzw. Schiefergebirges, entlang der Verbindung von Halle nach Kassel im Norden sowie in den Tälern von Saale, Werra und Unstrut. Dünner besiedelt sind das Gebiet zwischen Werra und Landesgrenze im Süden, das Gebiet um die Saalestauseen im Südosten, das Holzland zwischen Roda- und Orlatal sowie der Norden des Thüringer Beckens. Siedlungsgeografisch dominieren westlich der Saale im Flachland große, häufig in sich strukturierte Dörfer mit zahlreichen Gehöften und recht großen Ortsfluren wie Herbsleben, während in den Gebieten östlich der Saale, die nicht zum deutschen Altsiedelland gehörten, die Orte meist nur aus wenigen Gehöften bestehen wie Gieba. Dafür ist die Ortsdichte dort jedoch wesentlich höher. So kommen bei ähnlicher Gesamtbevölkerungsdichte im Landkreis Gotha in der westlichen Landesmitte auf einen Ort jeweils etwa zehn Quadratkilometer Fläche, während es im Altenburger Land im Osten nur etwa zwei Quadratkilometer sind. In den Waldgebieten sind uneinheitliche Siedlungsstrukturen vorzufinden, dort gibt es sowohl zu Städten herangewachsene „Industriedörfer“ wie Zella-Mehlis oder Lauscha als auch nur aus wenigen Häusern bestehende Orte wie Allzunah. Insgesamt gibt es, je nach der Definition von Ort, zwischen 2500 und 3000 Orte im Freistaat, unter ihnen verfügen gegenwärtig 126 über Stadtrechte. Dazu kommen rund 20 ehemalige Städte, die eingemeindet wurden oder ihre Rechte wieder verloren.

Der Landesentwicklungsplan 2025 gibt raumpolitische Zielsetzungen für die Zeit bis 2025 vor.[11] Herausforderung der Landesraumplanung ist die Annäherung an gleichwertige Lebensverhältnisse im gesamten Land. Dabei gilt es insbesondere infrastrukturellen Defiziten ländlicher und peripherer Räume entgegenzuwirken und die mit dem demografischen Wandel einhergehenden Probleme zu handhaben. Im Land gibt es drei Oberzentren (Erfurt, Jena und Gera), die alle in der Landesmitte liegen, was insbesondere Randregionen beeinträchtigt. Weitere Oberzentren, die nach Thüringen ausstrahlen sind besonders Coburg (für weite Teile Südthüringens) im Süden und Göttingen (für das Eichsfeld) im Nordwesten, dazu Kassel (für das Eichsfeld) und Fulda (für die Rhön) im Westen, Zwickau, Plauen und Hof für das Vogtland im Südosten sowie Halle (für Artern) und Leipzig (für das nördliche Altenburger Land) im Nordosten. Darüber hinaus nehmen einige mittelgroße Städte eine strukturelle Stellung zwischen Oberzentrum und Mittelzentrum ein. Als regionales Zentrum konnte sich Nordhausen für die Südharzregion und den Norden Thüringens etablieren mit einer wachsenden Hochschule und leicht steigender Einwohnerzahl. Auch Eisenach übernimmt mit seiner leistungsfähigen Wirtschaft für Westthüringen und Teile Nordosthessens eine zentrale Funktion. Mühlhausen und Saalfeld/Rudolstadt zeigten eine geringere Dynamik, können aber dennoch als Regionalzentren im Nordwesten und Südosten des Landes gelten. Die Bedeutung Suhls als Zentrum im Südwesten des Landes hat hingegen durch den Niedergang des dortigen Einzelhandels und den anhaltenden starken Bevölkerungsverlust nachgelassen, wird aber durch Meiningen ergänzt, das ebenso einige überregionale Funktionen für Südwest- und Südthüringen ausübt. Schmälernd wirkte sich hier auch die Eröffnung der Autobahnen 71 und 73 aus, die die Anbindung an die leistungsfähigeren Zentren Erfurt, Schweinfurt und Coburg stark verbesserte. Auch Weimar und Gotha nehmen höhere zentralörtliche Funktionen im Zentrum Thüringens wahr, wobei sie in Ergänzung der dortigen Oberzentren Erfurt und Jena stehen. Die übrigen Mittel- und einige Kleinstädte sind Mittelzentren mit Ausrichtung auf das lokale Umland. Dabei reicht die Spanne von Orten mit 25.000 Einwohnern bis zu Kleinstädten mit deutlich unter 10.000 Einwohnern.

Auf dem Gebiet der interkommunalen Kooperation sind die Städte Jena und Gera Mitglieder der Metropolregion Mitteldeutschland und der Landkreis Sonneberg hat sich der Metropolregion Nürnberg angeschlossen. Weiterhin existiert die „Impulsregion“ als Kooperation von Erfurt, Weimar, Jena und dem Weimarer Land als zentralem Siedlungs- und Wirtschaftsraum des Landes.

Dialekte[Bearbeiten]

Verbreitung der einzelnen Mundarten

Die Sprachwissenschaftliche Kommission der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig unterscheidet in Thüringen neun regionale Mundarten,[12] von denen sieben zur thüringisch-obersächsischen Dialektgruppe und zwei zur mainfränkischen Dialektgruppe gehören. Entgegen dieser Festlegung werden jedoch meist zwei weitere mainfränkische Dialekte genannt, deren Verbreitungsgebiete sich zum großen Teil auch im benachbarten Osthessen und Unterfranken befinden.

Zentralthüringisch wird in der Landesmitte um Erfurt, Arnstadt, Ilmenau, Gotha, Bad Langensalza und Sömmerda gesprochen. Nördlich folgen Nordthüringisch um Mühlhausen, Nordhausen, Bad Sachsa, Sondershausen und das Eichsfeld sowie Nordostthüringisch um Artern. Östlich an das Verbreitungsgebiet des Zentralthüringischen grenzt das Ilmthüringische um Weimar, Jena, Rudolstadt und das Schwarzatal, welches wiederum östlich ins Südostthüringische übergeht. Diese Mundart wird vor allem um Saalfeld, Pößneck, Schleiz, Greiz und Gera gesprochen. Im Osten des Landes wird die ostthüringische Mundart gesprochen, dies gilt vor allem im Holzland und im Osterland um Altenburg. Im Raum Eisenach-Bad Salzungen herrscht Westthüringisch vor, ein Dialekt, in dem sich schon Einflüsse des Osthessischen ausmachen lassen. Südlich von Rennsteig und Salzbogen liegen die mainfränkischen Sprachgebiete mit Hennebergisch im Einzugsgebiet der Werra um Suhl, Meiningen und Schmalkalden, Itzgründisch im Einzugsgebiet der Itz um Sonneberg bis nach Hildburghausen, Rhöner Platt im Bereich Bad Salzungen und Grabfeldisch im südwestlichen Landkreis Meiningen und im westlichen Landkreis Hildburghausen. Zu dem wird in Heinersdorf im Landkreis Sonneberg, jenseits der Bamberger Schranke, Oberfränkisch gesprochen.

Die thüringischen Dialekte vereinen ähnliche Merkmale, wobei diese von West nach Ost immer deutlicher hervortreten. Die vier mainfränkischen Dialekte sind übergangslos, deutlich hörbar von diesen differenziert und vor allem im itzgründischen Sprachraum stark ausgeprägt. Der Rennsteig als alter Grenzweg der mittelalterlichen Gaue ist hierbei die harte Grenze, lediglich der ebenfalls südlich des Rennsteigs gelegene Salzbogen (in etwa die Werra entlang zwischen Breitungen, Bad Salzungen und Vacha) bildet eine ca. 20 km breite Übergangszone mit fränkischen, hessischen und thüringischen Sprachelementen.

Im nördlichen Eichsfeld wird traditionell ein niederdeutscher Dialekt des Ostfälischen gesprochen.

Religion[Bearbeiten]

Die Georgenkirche in Eisenach ist Bischofskirche der Evangelischen Kirche in Thüringen
Anteil der evangelischen Einwohner auf Gemeindeebene nach Daten des Zensus 2011
Anteil der katholischen Einwohner auf Gemeindeebene nach Daten des Zensus 2011

Etwa zwei Drittel der Einwohner bekennen sich heute zu keiner Religionsgemeinschaft. 2011 gehörten 22,8 % der evangelischen Kirche an, der römisch-katholischen Kirche 8,0 %.[13]

Die Schulen des Landes bieten evangelischen, katholischen und jüdischen Religionsunterricht an. Dabei können die Schüler zwischen Religionsunterricht oder dem Fach Ethik wählen. Religionsunterricht kann sowohl von staatlichen als auch von kirchlichen Lehrern erteilt werden.

Christianisiert wurde Thüringen bereits ab dem 8. Jahrhundert durch Bonifatius, weshalb er gelegentlich als „Missionar der Thüringer“ bezeichnet wird. Bis zur Einführung der Reformation gehörte die Bevölkerung daher dem katholischen Glauben an.

Die thüringischen Staaten waren im 16. Jahrhundert eines der ersten protestantischen Gebiete der Welt, da der Reformator Martin Luther in Kurfürst Friedrich von Sachsen einen Förderer hatte. Zudem spielten sich die Hintergründe der Reformation teilweise in Thüringen ab: Luther absolvierte sein Theologiestudium an der Universität Erfurt, seine Familie selbst stammte aus Möhra, die Bibelübersetzung entstand in Teilen auf der Wartburg und der Bauernkrieg sowie der Schmalkaldische Krieg als Reformationsfolgen trugen sich zu größeren Teilen in Thüringen zu. Auch die reformatorische Täuferbewegung war in großen Teilen Thüringens verbreitet. Eines der Zentren der mitteldeutschen Täufer war die Stadt Mühlhausen, wo 1525 bereits Thomas Müntzer gewirkt hatte.[14][15]

Die evangelische Kirche hatte danach jedoch nie den gesellschaftlichen Einfluss, wie ihn die katholische Kirche in ihren Gebieten hatte. So galten die meisten thüringischen Staaten bereits im 18. Jahrhundert als liberal und aufgeklärt, was vor allem durch die Weimarer Herzogsfamilie gefördert wurde.

Die durch die Deutschen Christen verursachte Zersetzung der ehemaligen lutherischen Staatskirche, die atheistische Weltanschauung der SED, die entsprechende Erziehung in den Schulen und Karriere-Nachteile für Christen trugen später dazu bei, dass der Großteil der Bevölkerung die Kirche verließ und heute der Anteil der evangelisch-lutherischen Christen an der Gesamtbevölkerung bei knapp einem Viertel liegt. In der evangelischen Kirche ist Thüringen Teil der 2009 gebildeten Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, die im Wesentlichen die Bundesländer Thüringen und Sachsen-Anhalt umfasst. Der ehemalige Kreis Schmalkalden gehört als einziger Landesteil nicht zum Bereich der EKMD, sondern zur Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Regional gibt es große Unterschiede im Anteil der in der evangelischen Kirche verbliebenen Einwohner. Wie überall weisen ländliche Gemeinden einen höheren Anteil auf als die Städte. Regionen mit einem evangelischen Bevölkerungsanteil von über 50 % sind die Rhön (sofern die Orte nicht katholisch sind), das Grabfeld und das Heldburger Land an der südwestlichen Landesgrenze, die Orte am Hainich zwischen Eisenach und Mühlhausen, die Gemeinden zwischen Schmalkalden und dem Rennsteig im Thüringer Wald sowie die Region um die Plothener Teiche und die Saaletalsperren im Südosten Thüringens. Außerhalb der katholischen Gebiete und der größeren Städte weisen die Regionen um Artern sowie das nördliche Altenburger Land besonders niedrige Anteile evangelischer Einwohner auf.

Thüringen ist unter den neuen Bundesländern jenes mit dem höchsten katholischen Bevölkerungsanteil. Sieht man von einigen obersorbischen Gemeinden in der Lausitz ab, verfügt es als einziges Land in Ostdeutschland über traditionell katholische Gebiete. In erster Linie zählt hierzu das Eichsfeld, das bis 1802 zu Kurmainz gehörte. Im Landkreis Eichsfeld (der nicht komplett deckungsgleich mit der historischen Region ist) lag der Anteil der Katholiken laut Zensus 2011 bei 69,5 %, womit er der einzige Kreis in den neuen Ländern war, der noch eine kirchlich gebundene Bevölkerungsmehrheit aufwies. Zum Eichsfeld im historischen Sinn gehören auch die Gemeinden im nordwestlichen Unstrut-Hainich-Kreis von Südeichsfeld im Südwesten bis Dünwald im Nordosten, die ebenfalls mehrheitlich katholisch sind. Eine andere ehemals kurmainzische Region war die Landeshauptstadt Erfurt mit ihrem Umland, weshalb es in Erfurt traditionell eine katholische Minderheit gibt (2011: 6,8 %) und einige der Erfurter Landdörfer mehrheitlich katholisch blieben. Bis auf Witterda sind diese Dörfer heute alle Stadtteile Erfurts. Eine dritte katholische Region ist das Gebiet zwischen Geisa, Dermbach und Zella in der Rhön im südlichen Wartburgkreis, das bis 1802 zum Hochstift Fulda gehörte. Weiterhin haben einige größere Städte nennenswerte katholische Minderheiten, die (mit Ausnahme Erfurts) das Ergebnis von Migration seit 1871 sind, beispielsweise Mühlhausen (10,3 %), Jena (6,6 %) und Weimar (6,1 %). In den übrigen Landesteilen liegt der Anteil der Katholiken deutlich unter 5 %. Organisiert sind die Katholiken größtenteils im Bistum Erfurt. Kleinere Teile des Landes gehören aber auch anderen Bistümern an (Ostthüringen zum Bistum Dresden-Meißen, Geisa zum Bistum Fulda).

Jüdische Gemeinden existierten in Thüringen seit dem 12. Jahrhundert in geringem Umfang, so lebten nie mehr als 5000 bis 6000 Juden im Land. Die meisten von ihnen lebten in den relativ freien Städten Erfurt, Mühlhausen und Nordhausen. In der frühen Neuzeit siedelten sich auch einige „Schutzjuden“ in der Rhön und im Werratal im Südwesten an. Sie wanderten ab etwa 1870 in die Städte ab, vor allem nach Eisenach, Gotha, Meiningen und Suhl. Die Zeit des Nationalsozialismus setzte dem jüdischen Leben in Thüringen ein jähes Ende. So existiert seit dem Zweiten Weltkrieg nur noch die Jüdische Gemeinde in Erfurt mit etwa 750 Mitgliedern (2007) in ganz Thüringen.

Andere Religionsgemeinschaften spielen in Thüringen nur eine geringe Rolle. Diverse christliche Freikirchen unterhalten in mittleren Städten eigene kleine Gemeinden. Auch die muslimischen Gemeinden haben nur wenige Mitglieder (laut taz 3000,[16] laut MDR 4000[17] im Jahr 2006, laut Spiegel waren es 2006 etwa 7000[18] – offizielle Zahlen des Statistischen Landesamts werden nicht erhoben).

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Thüringens

Vom Stamm der Thüringer bis zur Landgrafschaft[Bearbeiten]

Das mittelalterliche Erfurt mit zwei Mauerringen und zahlreichen Kirchen
Höhepunkt der Kleinstaaterei um 1680

In der Völkerwanderungszeit bildete sich der Stamm der Thüringer. Ihre Ursprünge sind umstritten, so ist eine oftmals angenommene Verbindung zu den älteren Hermunduren wissenschaftlich nicht haltbar, vielmehr ist es wahrscheinlich, dass der Stamm sich aus ansässigen sowie aus dem Osten zugewanderten Gruppen gebildet hat. Die erste Erwähnung der Toringi findet sich bei Flavius Vegetius Renatus im späten 4. Jahrhundert, der über ihre Pferde schreibt und sie in einen Zusammenhang mit Hunnen und Burgunden stellt. Später gründeten die Thüringer ein Königreich mit Siedlungsschwerpunkt im fruchtbaren Thüringer Becken entlang der Unstrut. Es existierte bis 531, als die Franken es mithilfe der Sachsen zerschlugen und das Gebiet westlich der Saale ins Fränkische Reich eingliederten. Um 620 kam es durch die Merowinger zur Gründung des Herzogtums Thüringen, welches bis ins späte 8. Jahrhundert bestand. In diese Zeit fallen auch die ersten schriftlichen Überlieferungen im Land, unter anderem von Arnstadt im Jahr 704 und von Erfurt im Jahr 742. Zeitgleich missionierte Bonifatius im Land, der das Bistum Erfurt gründete.

Die sächsischen Ottonen machten das Gebiet an der unteren Unstrut zwischen Naumburg und Sangerhausen zu einem Zentrum des Heiligen Römischen Reiches im 10. Jahrhundert. Ein eigenes thüringisches Stammesherzogtum konnte sich so nicht herausbilden. Größte Macht im Thüringer Raum war in jener Zeit die Grafschaft Weimar. Erst die Ludowinger konnten wieder beträchtliche Teile Thüringens unter ihre Kontrolle bringen. So ließ Ludwig der Springer im Jahr 1067 die Wartburg errichten. Seine Nachkommen wurden 1131 von Kaiser Lothar III. zu Landgrafen von Thüringen erhoben. Unter ihnen erblühte die Region zu einem Zentrum der deutschen Kultur des Hochmittelalters, besonders der Sängerkrieg auf der Wartburg und das Wirken der Heiligen Elisabeth von Thüringen sind in diesem Zusammenhang erwähnenswert. 1247 starb das Landgrafengeschlecht aus, woraufhin der thüringisch-hessische Erbfolgekrieg begann. Er endete 1264 damit, dass die Wettiner große Teile des Landes erhielten und in ihren Staat integrierten. Es begann eine fast 700 Jahre währende Herrschaft der Wettiner über Thüringen, die erst mit der Abschaffung der Monarchien in Deutschland 1918 endete. Im Thüringer Grafenkrieg zwischen 1342 und 1346 versuchten die Grafen von Schwarzburg, Weimar-Orlamünde und Hohnstein sowie die Vögte von Weida die Vormachtstellung der Wettiner wieder zurückzudrängen, was ihnen jedoch nicht gelang.

Im 12. Jahrhundert verstärkte sich der Prozess des Landesausbaus in Thüringen. Es entstanden erste befestigte Städte wie etwa Mühlhausen (1135) oder auch Saalfeld (1180). Gleichzeitig begann die Blütezeit Erfurts. Die Einwohnerzahl erreichte im 14. Jahrhundert etwa 20.000, womit nur Köln, Nürnberg und Magdeburg zu dieser Zeit größer waren als Erfurt. Die Stadt war mit etwa 30 Pfarrkirchen und Klöstern fast aller in Mitteleuropa präsenten Orden, zwei mächtigen Mauerringen, einem Dom sowie dem Peterskloster ausgestattet. 1331 erhielt die Stadt über 150 Jahre vor Leipzig (1497) das kaiserliche Messeprivileg, 1392 folgte die Gründung der dritten Universität Deutschlands in der Stadt. Erfurts Blütezeit endete am Beginn des 16. Jahrhunderts, als sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechterten. Der Reichtum der Stadt fußte zum Teil auf dem Handel mit Färberwaid, der nach der Entdeckung Amerikas durch das billigere Indigo ersetzt wurde, womit eine entscheidende Einnahmequelle wegbrach. Schwerer wogen allerdings die politischen Ursachen. Durch die Reformation wurden Stadtbevölkerung und Stadtrat evangelisch, während der Landesherr, das Erzbistum Mainz, katholisch blieb. Der Erzbischof von Mainz unterdrückte die Stadt Erfurt und den Stadtrat, andererseits lag sie als Exklave mitten im sächsischen Herrschaftsgebiet, was die Wirtschaft Erfurts hemmte, sodass die Stadt von den aufstrebenden Handelsstädten Frankfurt am Main und Leipzig überholt wurde.

Die bedeutendsten Adelsgeschlechter des mittelalterlichen Thüringens waren neben den dominanten Wettinern und den Ludowingern (Landgrafen von Thüringen; 1040–1247) die Grafen von Beichlingen (in Nordthüringen; 1080 bis ca. 1600), die Grafen von Gleichen (in Zentralthüringen; 1099–1631), die Grafen von Hohnstein (im Harzvorland; 1184–1593), die Grafen von Kevernburg (im Vorland des Thüringer Walds; 8. Jahrhundert bis 1385), die Lobdeburger (in Ostthüringen; ca. 1100 bis ca. 1300), die Grafen von Schwarzburg (im Thüringer Schiefergebirge und dessen Vorland; 1071–1918), die Grafen von Stolberg (im Harz; 1210–1806), die Grafen von Vitzthum (im Raum Weimar-Jena; ab 1123), die Vögte von Weida (im Elstertal, Vorfahren der Grafen von Reuß; 1209–1918) und die Grafen von Weimar-Orlamünde (in Zentralthüringen; 949–1486). Über das Ende des Heiligen Römischen Reichs 1806 konnten nur die Ernestiner als Nachfahren der Wettiner sowie die nunmehr gefürsteten Reußen und Schwarzburger ihre Macht in Thüringen sichern. Sie regierten bis zum Ende der Monarchie 1918.

Thüringen unter den Ernestinern im 16. und 17. Jahrhundert[Bearbeiten]

Martin Luther (nach Lucas Cranach dem Älteren, 1529)

1485 wurden mit der Leipziger Teilung die wettinischen Lande auf die jüngeren Albertiner im Osten und die älteren Ernestiner im Westen verteilt. Diese übernahmen gleichzeitig die Kurwürde von den Wettinern. Die Ernestiner herrschten zunächst über große Teile Thüringens, lediglich ein Streifen im Norden entlang der Unstrut gehörte den Albertinern.

Mit der Reformation am Beginn des 16. Jahrhunderts rückte Thüringen ins Zentrum der deutschen Politik. Martin Luther studierte zunächst an der Universität Erfurt und wohnte im Augustinerkloster, bevor er nach Wittenberg ging und die Reformation begann. Schließlich wurde er vom sächsischen Kurfürst Friedrich dem Weisen auf der Wartburg versteckt, wo er an der Bibelübersetzung ins Deutsche arbeitete. 1525 begann als Folge der Reformation der Bauernkrieg, der in den thüringischen Städten Mühlhausen und Frankenhausen zwei seiner Zentren und mit Thomas Müntzer einen starken Anführer fand. Später begann in Thüringen der Schmalkaldische Krieg zwischen katholischer Reichsgewalt und protestantischen Fürsten, der 1547 mit der Wittenberger Kapitulation und einer Niederlage der Protestanten endete. Deshalb ging die sächsische Kurwürde von den zunehmend an Bedeutung verlierenden Ernestinern an die Albertiner über. Als die fränkischen Gefürsteten Grafen von Henneberg 1583 ausstarben, trat ein Erbvertrag in Kraft, der den Ernestinern umfangreiche Besitztümer in Franken, das Gebiet des heutigen Südthüringen, einbrachte. Mit der Erfurter Teilung 1572 begann die fortwährende Zersplitterung des ernestinischen Besitzes in zahlreiche Herzogtümer, die teilweise bis 1918 Bestand hatten. Es bildeten sich 1640 zwei ernestinische Hauptlinien heraus: das Haus Sachsen-Weimar und das Haus Sachsen-Gotha. Während Ersteres nur wenige Nebenlinien hatte und als höchsten Vertreter die erste deutsch-preußische Kaiserin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach stellte, hatte das Haus Sachsen-Gotha sehr viele Nebenlinien, die meist über ein eigenes Land herrschten. Außerdem stellt dieses Haus eine Reihe europäischer Könige, so die britischen Könige (seit 1901), die belgischen Könige (seit 1831), die portugiesischen Könige (1837–1910) und die bulgarischen Könige (1887–1946).

In der Folgezeit begann die Phase des Humanismus in Thüringen, in der auch die Universität Erfurt eine Blütezeit erlebte. Um Ulrich von Hutten und die Reformatoren bildete sich ein Zentrum des deutschen Humanismus. Als humanistischer „Musterstaat“ galt zu dieser Zeit Sachsen-Gotha unter der Herrschaft Ernst des Frommen. Er führte beispielsweise im Jahr 1642 als erstes Staatsoberhaupt der Welt die allgemeine Schulpflicht für alle Jungen und Mädchen bis zum zwölften Lebensjahr ein.

Ein Zentrum deutscher Kultur im 18. und 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Staatenkarte von 1871
Thüringische Staaten von 1890

Erst ab etwa 1780 machten die regierende Herzogin Anna Amalia und ihr Sohn Karl August wieder auf die Region aufmerksam. Sie riefen Dichter wie Johann Wolfgang von Goethe oder Friedrich Schiller an ihren Hof, sodass sich dort die Weimarer Klassik als deutsche Version der klassischen Literaturbewegung etablierte. An der Universität Jena bildete sich in dieser Zeit ein Zentrum der deutschen Philosophie, das sich durch das Wirken von Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und Georg Wilhelm Friedrich Hegel begründete. Auch die Jenaer Romantik um Dichter wie Novalis, Clemens Brentano oder Friedrich Schlegel war zu dieser Zeit deutschlandweit stilprägend.

Der Reichsdeputationshauptschluss 1803 sorgte dafür, dass das Erzbistum Mainz seine Gebiete um Erfurt und das Eichsfeld verlor und die Reichsstädte Mühlhausen und Nordhausen ihre Selbstständigkeit aufgeben mussten. Sie wurden auf dem Wiener Kongress 1815 endgültig Preußen zugeschlagen. Er erhob auch Sachsen-Weimar-Eisenach zum einzigen Großherzogtum Thüringens. Zur Napoleonischen Zeit bahnte sich 1806 auch die entscheidende Schlacht zwischen Franzosen und Preußen in Thüringen an. Am 9. Oktober kam es zum Gefecht bei Schleiz, gefolgt vom Gefecht bei Saalfeld am 10. Oktober und der entscheidenden Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober, die mit einer preußischen Niederlage endete. Es folgte 1808 der Erfurter Fürstenkongress zwischen Frankreich und Russland, bei dem auch Goethe auf Napoléon traf und schließlich die Bildung erster Widerstandsgruppen gegen die französische Herrschaft. Impulsgeber war auch hier die Universität Jena. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft und den ernüchternden Ergebnissen des Wiener Kongresses formierte sich 1815 in Jena die Urburschenschaft, die 1817 das Wartburgfest veranstaltete und nationale wie liberale Bewegungen in sich vereinte. Auch erste liberale Verfassungen entstanden in dieser Zeit, so 1816 in Sachsen-Weimar-Eisenach, 1818 in Sachsen-Hildburghausen und 1821 in Sachsen-Coburg-Saalfeld. Mit der Durchsetzung der Karlsbader Beschlüsse von 1819 in Thüringen nahm diese frühe Phase der Liberalität ein Ende.

Die kulturelle Blüte des Landes setzte sich auch in den folgenden Jahrzehnten fort, so entstand unter dem Pädagogen Friedrich Fröbel 1817 die Allgemeine Deutsche Bildungsanstalt als moderne Schule in Rudolstadt. 1840 folgte die Gründung des ersten deutschen Kindergartens durch Fröbel in Bad Blankenburg. Weiterhin begründete Ernst-Wilhelm Arnoldi 1820 mit der Gothaer Versicherung das deutsche Versicherungswesen. Joseph Meyer gründete 1826 in Gotha das Bibliographische Institut, den Herausgeber von Meyers Konversations-Lexikon. Auch das Bibliographische Institut & F. A. Brockhaus, Herausgeber der Brockhaus Enzyklopädie, hatte seinen Sitz zwischen 1811 und 1818 in Altenburg im Osten Thüringens. Der erste Duden erschien 1872 in Schleiz. Am 1. März 1882 gründete Oscar Tietz in Gera das Warenhaus Tietz, den späteren Kaufhauskonzern Hertie. 1908 eröffnete er in Erfurt das Kaufhaus Römischer Kaiser (heute Anger 1), das nach wie vor größte Kaufhaus des Landes. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte Weimar eine Renaissance in seinem „Silbernen Zeitalter“. Musiker wie Franz Liszt kamen an den Hof und die Weimarer Malerschule etablierte sich seit 1860 in der deutschen Malerei.

Ehemalige Textilindustrie in Pößneck

1833 erfolgte die Gründung des Zoll- und Handelsverein der Thüringischen Staaten, der die Industrielle Revolution im Land beflügelte. 1842 erreichte die erste Bahnlinie thüringisches Gebiet und 1846 wurde mit der Thüringer Bahn die Hauptbahnlinie des Landes eröffnet. Zunächst nahm die ostthüringische Textilindustrie um Gera einen Aufschwung, gefolgt von der überall im Land verstreuten Metallindustrie und der optischen Industrie in Jena, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Weltspitze aufstieg.

Die Revolution von 1848 verlief in Thüringen eher unspektakulär. Zentren fanden sich im verarmten Eichsfeld sowie im rückständigen Reuß. An ihrem Ende stand die Abdankung des starrsinnigen Herzogs Joseph von Sachsen-Altenburg sowie die Abdankung des Fürsten Heinrich LXXII. von Reuß-Ebersdorf, dessen Land im Fürstentum Reuß jüngerer Linie (regiert von der Schleizer Linie) aufging. Die Wünsche nach einem vereinten deutschen Staat blieben allerdings auch nach der gescheiterten Revolution präsent und so kam es im Jahr 1850 zur Einberufung des Erfurter Unionsparlaments, das die Nationalstaatsidee aufgriff und diskutierte, ohne jedoch zu einem Durchbruch zu gelangen. Auch der Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha befürwortete die deutsche Einheit, allerdings war er ebenso ein Kritiker preußischer Hegemonialpolitik, was dem Volksfeste liebenden Herzog den spöttischen Namen „Schützenkönig“ einbrachte.

Im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 standen die meisten Thüringer Staaten auf Seiten Preußens, lediglich Sachsen-Meiningen und Reuß älterer Linie waren mit Österreich verbündet. Dieser Umstand führte dazu, dass Bismarck die beiden Staaten nach Kriegsende in das Königreich Preußen eingliedern wollte, was jedoch auf Intervention des Weimarer Großherzogs Karl August, dem Schwager des preußischen Königs, unterblieb. Stattdessen wurden lediglich die Herrscher der beiden Staaten, Bernhard II. von Sachsen-Meiningen und Caroline von Reuß-Greiz, abgesetzt.

Als Folge der Industrialisierung wurde Thüringen zur Wiege der Sozialdemokratie. 1869 gründeten August Bebel und Wilhelm Liebknecht in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, die 1875 mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein in Gotha zur SPD fusionierte. Das Gothaer Programm und das Erfurter Programm legten in der Folge die Ziele der sozialdemokratischen Politik in Deutschland fest.

Zwischen Erstem Weltkrieg und Wiedervereinigung[Bearbeiten]

Nach der Vereidigung des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert am 21. August 1919 am Deutschen Nationaltheater in Weimar

Die Novemberrevolution 1918 nach dem Ersten Weltkrieg hatte ihr thüringisches Zentrum im Freistaat Sachsen-Gotha unter Revolutionsführer Wilhelm Bock. In Gotha wurde bereits am 8. April 1917 die USPD gegründet. Zunächst dankten die acht Thüringer Monarchen zwischen dem 9. und 25. November 1918 ab. Im Freistaat Sachsen-Gotha bildete sich ein kommunistischer Rat. Sachsen-Gotha geriet bis 1920 in politische Querelen und bürgerkriegsähnliche Zustände. Ein besonderer Vorfall waren hierbei die Morde von Mechterstädt im Jahr 1920. Wegen der politischen Unruhen in Berlin wurde die neue Reichsverfassung von der Nationalversammlung als die Weimarer Verfassung 1919 in Weimar erarbeitet, in Schwarzburg von Reichspräsident Ebert unterschrieben und dadurch als erste demokratische Verfassung für Gesamtdeutschland in Kraft gesetzt.

Nachdem die Monarchen abgedankt hatten, war der Weg frei zur Gründung eines einheitlichen Staats in Thüringen. Am 1. Mai 1920 wurde daher das Land Thüringen gegründet. Es umfasste die Thüringischen Staaten, namentlich Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Gotha, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen und den Volksstaat Reuß. Der Freistaat Coburg schloss sich Bayern an.

Die Entwicklung des jungen Landes war von politischer und kultureller Zerrissenheit in den 1920er Jahren geprägt. Dadurch erfolgte eine Stärkung der politischen Extremisten von rechts und links. Auch die Gesellschaft war gespalten: Junge Modernisierer, die sich ab 1919 unter anderem am Bauhaus in Weimar sammelten, standen alten Traditionalisten gegenüber, die sich nach der Monarchie zurücksehnten. Zu dieser Zeit hatte Hitler in vielen deutschen Staaten Redeverbot, nicht so jedoch in Thüringen, weshalb er in den 1920er Jahren immer wieder in Weimar Kundgebungen abhalten konnte.

Ehemaliges KZ Buchenwald

1923 kam es zur Bildung einer Landesregierung aus SPD und KPD, die zum Roten Oktober in Sachsen und Thüringen führte. Die beiden Länder wurden am 29. Oktober (Sachsen) und am 6. November (Thüringen) mit der Reichsexekution belegt und die Reichswehr marschierte ein, um die Regierung abzusetzen, was ihr auch gelang. Die SPD reagierte darauf mit einem Misstrauensvotum gegen Kanzler Gustav Stresemann im Reichstag, das zu dessen Absetzung führte. Die 1920er Jahre blieben von politischem Stillstand und ständig wechselnden Landesregierungen geprägt. Bereits 1930 etablierte sich mit der Baum-Frick-Regierung eine erste Landesregierung unter Beteiligung der NSDAP in Deutschland.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde das Land Thüringen gleichgeschaltet und somit faktisch aufgehoben. Gauleiter Thüringens war Fritz Sauckel. Während der Zeit des Nationalsozialismus bestanden neben dem 1933 kurzzeitig betriebenen KZ Nohra drei Konzentrationslager im Land: das KZ Bad Sulza von 1933 bis 1937, dessen Nachfolger, das KZ Buchenwald bei Weimar von 1937 bis 1945 und das KZ Dora Mittelbau bei Nordhausen von 1943 bis 1945.

Der Zweite Weltkrieg richtete in Thüringen vergleichsweise mäßige Schäden an. Nordhausen wurde durch britische Luftangriffe im April 1945 fast völlig zerstört, wobei etwa 8.800 Menschen starben. Schäden durch Bombardements und Artilleriebeschuss entstanden auch in Erfurt, Gera, Jena, Weimar, Eisenach und einigen kleineren Städten und Dörfern. Thüringen wurde zwischen dem 1. und dem 16. April 1945 von den Amerikanern besetzt und zum 1. Juli 1945 an die sowjetische Militärverwaltung übergeben, wobei Gebiete um die Stadt Bad Sachsa im Tausch gegen Teile des Landkreises Blankenburg an die britische Militärverwaltung überlassen wurden. Die Exklave Ostheim vor der Rhön blieb unter amerikanischer Militärverwaltung und wurde später Teil Bayerns. Das Land Thüringen wurde wiederhergestellt und um den vormals preußischen Regierungsbezirk Erfurt erweitert. Aufgelöst wurde es von der DDR-Regierung 1952. An seine Stelle traten der Bezirk Erfurt, der Bezirk Gera und der Bezirk Suhl.

Die sowjetische Besatzung unterhielt von August 1945 bis 1950 das Speziallager Nr. 2 Buchenwald im Bereich des ehemaligen Konzentrationslagers bei Weimar.

Gedenkstätte zur Deutschen Teilung in Mödlareuth

Am Volksaufstand vom 17. Juni 1953 beteiligten sich in Thüringen etwa 24.000 Arbeiter, vor allem in den Industriezentren Erfurt, Jena und Gera. Er wurde unter Einsatz sowjetischer Truppen unter Ausnahmezustand niedergeworfen.

Am 13. August 1961 begann laut Beschluss des Warschauer Pakts in Moskau die völlige Abriegelung der Grenzen zwischen der DDR und der Bundesrepublik, die Thüringen besonders hart traf. Einige Dörfer im Grenzgebiet wurden zwangsumgesiedelt und abgerissen (beispielsweise Billmuthausen, Erlebach, Leitenhausen und Liebau an der Grenze zu Bayern), andere durch Mauern geteilt (Mödlareuth und Heinersdorf). Bereits seit 1952 wurden Familien im Grenzgebiet im Rahmen der Aktion Ungeziefer umgesiedelt. Dies betraf etwa 6000 Menschen, die unangekündigt und oft unter Zurücklassung ihres Besitzes umgesiedelt wurden. 1970 trafen sich erstmals die Spitzenpolitiker der beiden deutschen Staaten. Willy Brandt und Willi Stoph tagten beim Erfurter Gipfeltreffen im Erfurter Hof am 19. März, begleitet von einer großen Menschenmenge vor dem Haus am Hauptbahnhof, die dem westdeutschen Bundeskanzler zujubelte.

Im Herbst 1989 begannen auch in Thüringen Massendemonstrationen gegen das SED-Regime, die sich nach und nach auf alle Städte des Landes ausweiteten. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 wurden schließlich die Grenzübergänge zwischen Thüringen und Bayern, Hessen sowie Niedersachsen geöffnet.

Mit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurde der Freistaat Thüringen wiedergegründet. Er entstand aus den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl sowie aus Teilen der Bezirke Leipzig (Kreise Altenburg und Schmölln) und Halle (Kreis Artern). Am 10. Januar 1991 entschied der Landtag, welche Stadt Landeshauptstadt Thüringens wird. Beworben hatten sich neben Erfurt auch Gera, Jena, Weimar und Nordhausen. Von 88 Abgeordneten stimmte eine Mehrheit von 49 für Erfurt, gefolgt von Weimar mit 25, Gera mit zehn und Jena mit vier Stimmen. Die Verfassung des Landes wurde am 25. Oktober 1993 auf der Wartburg durch den Landtag mit mehr als zwei Drittel seiner Mitglieder verabschiedet. Sie trat am 30. Oktober 1993 vorläufig und nach einem Volksentscheid am 16. Oktober 1994 mit 70 % Zustimmung endgültig in Kraft.

Nach der Wiedervereinigung räumte von 1991 bis 1994 die sowjetische 8. Gardearmee das von ihr bis dahin besetzte thüringische Territorium. Ihre Truppen waren hier an 143 Standorten mit 51.000 Soldaten (+ 4.000 Spezialisten anderer Armee-Einheiten), 5.000 Zivilangestellten und 20.000 Familienangehörigen stationiert gewesen.[19]

Politik[Bearbeiten]

Der Staatsaufbau Thüringens basiert auf der Verfassung des Freistaats Thüringen von 1993. Laut der Verfassung ist Thüringen ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Es ist ein demokratischer, sozialer und dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen verpflichteter Rechtsstaat (Art. 44). Artikel 45 besagt, dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht und dass das Volk seinen Willen durch Wahlen, Volksbegehren und Volksentscheid verwirklicht.

Legislative[Bearbeiten]

Die Legislative ist der Thüringer Landtag, der alle fünf Jahre nach dem personalisierten Verhältniswahlrecht neu gewählt wird. Der fünfte Thüringer Landtag besteht aus 88 Abgeordneten und wurde auf Grundlage des Ergebnisses der Landtagswahl vom 30. August 2009 gebildet. Die CDU stellt mit 30 Mandaten die stärkste Fraktion; Die Linke ist mit 27 Sitzen die größte Oppositionspartei. Die SPD stellt 18 Abgeordnete; die FDP und Bündnis 90/Die Grünen, die zum ersten Mal seit der ersten Wahlperiode wieder den Einzug in den Landtag geschafft haben, sind mit sieben bzw. sechs Abgeordneten vertreten. Die Präsidentin des Landtags ist Birgit Diezel (CDU).

Des Weiteren besteht die Möglichkeit der aktiven Teilnahme an der Legislative des Volks durch Volksentscheid.

Ergebnisse der Landtagswahlen:

Wahl Wahlbe-
teiligung
CDU PDS/
LINKE
SPD FDP GRÜNE
1990 71,7 % 45,4 % 9,7 % 22,8 % 9,3 % 6,5 %
1994 74,8 % 42,6 % 16,6 % 29,6 % 3,2 % 4,5 %
1999 59,9 % 51,0 % 21,3 % 18,5 % 1,1 % 1,9 %
2004 53,8 % 43,0 % 26,1 % 14,5 % 3,6 % 4,5 %
2009 56,2 % 31,2 % 27,4 % 18,5 % 7,6 % 6,2 %

Exekutive[Bearbeiten]

Die Exekutive wird von der Landesregierung geführt, die aus dem Ministerpräsidenten und den Ministern besteht. Der Ministerpräsident wird vom Landtag mit der Mehrheit seiner Mitglieder ohne Aussprache in geheimer Abstimmung für die gesamte Legislaturperiode gewählt. Der Ministerpräsident ernennt und entlässt die Minister. Er bestimmt außerdem einen Minister zu seinem Stellvertreter. Der Landtag kann den Ministerpräsidenten nur durch ein konstruktives Misstrauensvotum absetzen.

Ministerpräsidenten[Bearbeiten]

Ministerpräsidenten des Freistaates Thüringen
Nr. Name Lebensdaten Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
1 Josef Duchač * 1938 CDU 1990 1992
2 Bernhard Vogel * 1932 CDU 1992 2003
3 Dieter Althaus * 1958 CDU 2003 2009
4 Christine Lieberknecht * 1958 CDU 2009

Landeskabinett des Freistaates Thüringen[Bearbeiten]

Die seit 1999 allein regierende CDU verpasste bei der Landtagswahl 2009 ihre absolute Mehrheit. Seitdem wird Thüringen von einer Koalition aus CDU und SPD regiert. Die Minister des Kabinetts Lieberknecht wurden am 4. November 2009 vereidigt.

Die derzeit amtierenden Regierungsmitglieder der Thüringer Landesregierung sind:

Landräte und Bürgermeister[Bearbeiten]

Von den 17 Landräten werden 12 von der CDU und 3 von der SPD gestellt; zwei Landkreise verfügen über einen parteilosen Landrat. Nur drei Landräte sind weiblich. Die Oberbürgermeister der sechs kreisfreien Städte werden mit Ausnahme des parteilosen Oberbürgermeisters von Suhl und der Oberbürgermeisterin von Eisenach (die Linke) alle von der SPD gestellt. Insgesamt werden von den 22 Bürgermeistern der Städte mit mehr als 20.000 Einwohnern 10 von der SPD, 5 von der CDU, 3 von Freien Wählergemeinschaften und 1 (Sömmerda) von der Linken gestellt; 3 Bürgermeister sind parteilos. Nur Nordhausen und Sonneberg verfügen über eine Bürgermeisterin. Die letzte Thüringer Kommunalwahl fand am 22. April 2012 statt.

Judikative[Bearbeiten]

Thüringer Oberlandesgericht in Jena

Die Judikative wird vom Thüringer Verfassungsgerichtshof und von den weiteren Gerichten des Landes ausgeübt. Der Verfassungsgerichtshof besteht aus einem Präsidenten und acht weiteren Mitgliedern. Die ordentliche Gerichtsbarkeit gliedert sich in das Thüringer Oberlandesgericht Jena, die Landgerichte in Erfurt, Gera, Mühlhausen und Meiningen sowie die nachgeordneten Amtsgerichte. Gefängnisse bestehen in Gera, Goldlauter, Gräfentonna, Hohenleuben, Ichtershausen, Untermaßfeld und Weimar.

Das Thüringer Oberverwaltungsgericht hat seinen Sitz in Weimar.

Mit dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt sitzt auch ein Bundesgericht in Thüringen.

Öffentliche Haushalte[Bearbeiten]

Der Schuldenstand belief sich im Ende 2011 auf rund 16,4 Milliarden Euro oder 7369 Euro pro Einwohner,[20] damit liegt Thüringen im Bundesvergleich im Mittelfeld. Zukunftsrisiken für den Landeshaushalt ergeben sich aus dem Auslaufen des Solidarpaktes im Jahr 2019 sowie aus rückläufigen Zahlungen der EU-Strukturfonds aufgrund der vergleichsweise guten wirtschaftlichen Entwicklung nach 2005. Die sich hieraus ergebende Finanzierungslücke ist noch nicht geschlossen; ferner ist das Land auf absehbare Zeit nicht in der Lage, seine Ausgaben vollständig durch reguläre eigene Einnahmen abzudecken und bleibt damit auf finanzielle Hilfen von außerhalb angewiesen. Wie alle anderen neuen Bundesländer ist Thüringen seit 1990 durchgängig Nehmerland im Länderfinanzausgleich und erhält hieraus jährlich etwa 500 Mio. Euro.

Viele Kommunen in Thüringen sind überschuldet. Zwar sind die nominellen Schuldenstände nicht so hoch wie in vielen westdeutschen Kommunen, andererseits sind jedoch auch die Steuereinnahmen und damit die Schuldentragfähigkeit deutlich geringer. Während die beiden Großstädte im Land ihre Verschuldung im Griff haben, machten seit 2010 beispielsweise Gera, Eisenach und der Unstrut-Hainich-Kreis (wo ein Zwangsverwalter des Landes bestellt wurde) Schlagzeilen angesichts ihrer schlechten fiskalischen Situation. Besonders viele Gemeinden und Gemeindeverbände im ländlichen Raum verfügen kaum über Steuereinnahmen, weshalb hier schon vergleichsweise geringe Schuldenstände eine hohe Belastung darstellen, insbesondere in den Landkreisen Nordhausen, Kyffhäuserkreis, Unstrut-Hainich-Kreis und Sömmerda im Norden Thüringens. Im Südwesten befinden sich mit dem Wartburgkreis und dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen hingegen schuldenfreie Landkreise sowie einige schuldenfreie Gemeinden bzw. Gemeindeverbände, etwa Schleusingen, Floh-Seligenthal und Unterbreizbach.

Militär[Bearbeiten]

In Thüringen gab es wegen seiner zentralen Lage weit entfernt von der Küste sowie der deutschen West- und Ostgrenze bereits seit dem 19. Jahrhundert nur eine unterdurchschnittliche Anzahl von Militärstützpunkten, wenngleich zumindest die Landeshauptstädte über Kasernen verfügten. Einzige bedeutende Garnisonsstadt war jedoch das zu Preußen gehörende Erfurt, das bis 1873 eine Festungsstadt war und auch im 20. Jahrhundert eine hohe Anzahl von Kasernen und Militärangehörigen aufwies.

Weimar entwickelte sich mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten zu einem bedeutenden Militärstandort. In Weimar wurde die 1. Panzerdivision gegründet (Stabsgebäude Jenaer Straße 2, heute Verwaltungsgericht Weimar). Auch der Militärflugplatz in Nohra gewann an Bedeutung. Nach dem II. Weltkrieg war Thüringen und hier insbesondere Weimar ein Stationierungsschwerpunkt der Roten Armee mit zehntausenden Soldaten. In Weimar waren Panzerkompanien, Luftlandetruppen und Kampfhubschrauberstaffeln der Roten Armee stationiert, in Rudisleben waren in den 1970er Jahren Marschflugkörper mit Nuklearsprengköpfen stationiert. Thüringen lag an der Nahtstelle zweier Pakt-Systeme und wurde systematisch zum Aufmarschgebiet der NVA und der Roten Armee ausgebaut.

Nach 1990 wurden im Zuge der Auflösung der Nationalen Volksarmee und dem Abzug der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland viele Kasernen geschlossen, sodass heute nur noch acht Kasernen der Bundeswehr bestehen, die sich mit zwei Ausnahmen in der nördlichen Landesmitte am Rand des Thüringer Beckens konzentrieren. Im Einzelnen sind dies die Henne-Kaserne und die Löberfeld-Kaserne in Erfurt, die Kyffhäuser-Kaserne in Bad Frankenhausen, die Karl-Günther-Kaserne in Sondershausen, die Görmar-Kaserne in Mühlhausen, die Friedenstein-Kaserne in Gotha, die Pionierkaserne in Gera und die Werratal-Kaserne in Bad Salzungen. Sie bieten Arbeit für 7000 Soldaten und 700 zivile Angestellte.[21] Der einzige Truppenübungsplatz im Freistaat ist der Truppenübungsplatz Ohrdruf. Mit dem Truppenübungsplatz Weberstedt bestand bis 1990 ein zweiter im Land. Nach seiner Auflösung wurde er in den Nationalpark Hainich integriert.

Gleichwohl spielt die Bundeswehr als Arbeitgeber eine gewisse Rolle, da aus Thüringen (wie aus allen neuen Bundesländern) überdurchschnittlich viele junge Männer – teils in Ermangelung anderer erfolgversprechender Zukunftsperspektiven – als Berufssoldaten bei der Bundeswehr dienen.

Landeswappen und Flagge[Bearbeiten]

Das Thüringer Landeswappen zeigt im lasurblauen Schild den viermal gleich breit rot-silbern gestreiften, golden bewehrten und gekrönten »Bunten Löwen« der Ludowinger, umgeben von acht silbernen Sternen.

Als älteste farbige Darstellung des »Thüringer Urwappens« blieb der Wappenschild des Landgrafen Konrad von Thüringen aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Der Erbfolgekrieg 1264/65 entließ Hessen politisch selbstständig, das seitdem den »Bunten Löwen« (umgekehrt gestreift: silber-rot) im Wappen führt. Als sich am 1. Mai 1920 das Land Thüringen aus den sieben republikanischen thüringischen Kleinstaaten zusammenschloss, wurden in Anlehnung an das föderale Sternenbanner der USA sieben silberne Sterne auf revolutionär-republikanisch rotem Grund zum Staatswappen gewählt. Die Nationalsozialisten verpassten Thüringen ein archaischeres, beadlertes Wappen. Mit der Neugründung des Landes Thüringen wurde 1991 das jetzige Thüringer Wappen aus den historischen Grundlagen abgeleitet. Der achte Stern steht für die zusätzlich zum Freistaat Thüringen gehörigen, ehemals Preußen angegliederten Gebietsteile Erfurt, Mühlhausen, Nordhausen, Schmalkalden und Suhl.

Landeswappen Landesflagge Landesdienstflagge
Landeswappen Landesflagge Landesdienstflagge

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Das Land Thüringen ist auf zwei Ebenen gegliedert. Auf der ersten Ebene stehen seit der Kommunalreform vom 1. Juli 1994 die 17 Landkreise und sechs kreisfreien Städte und auf der zweiten Ebene die 849 Gemeinden des Landes (Stand: 31. Dezember 2013). Dazwischen gibt es teilweise Verwaltungsgemeinschaften und erfüllende Gemeinden als Zusammenschluss mehrerer kleiner Gemeinden, die ihre Verwaltungsaufgaben gemeinsam erledigen. Die Ebene der Regierungsbezirke gab es in Thüringen nie, da die Größe des Landes dies nicht rechtfertigt.

Die Anzahl und der Zuschnitt der Landkreise und kreisfreien Städte waren seit der Einführung dieser Verwaltungsebene in Preußen 1815 stetigen Veränderungen unterworfen. Diese werden im Artikel Geschichte der Verwaltungsgliederung Thüringens dargestellt.

Für die Legislaturperiode 2009–2014 waren vor allem durch die Parteien Die Linke[22] und SPD[23] weitgehende Kreisgebietsreformen vorgesehen. In der schwarz-roten Koalition aus CDU und SPD sollen weiterhin Veränderung in der Verwaltungsgliederung Thüringens, wenn auch in geringerem Ausmaß, stattfinden.[24][25]

Der Sitz des Thüringer Landesverwaltungsamtes befindet sich in Weimar.

Planungsregionen[Bearbeiten]

Thüringen gliedert sich in vier Planungsregionen:

Landkreise[Bearbeiten]

Landkreis Sitz Fläche
(km²)
Einwohner
(31. Dez. 2013)
Bevölkerungs-
dichte
Einwohner
(31. Dez. 2000)
Veränderung
Altenburger Land Altenburg 569,08 93.605 164 114.200 –18,03 %
Eichsfeld Heiligenstadt 940,06 100.951 107 114.109 –11,52 %
Gotha Gotha 935,61 135.155 144 148.527 –9,00 %
Greiz Greiz 843,52 102.167 121 123.869 –17,52 %
Hildburghausen Hildburghausen 937,37 65.032 69 73.839 –11,93 %
Ilm-Kreis Arnstadt 843,14 108.958 129 121.806 –10,55 %
Kyffhäuserkreis Sondershausen 1.035,16 77.656 75 94.343 –17,69 %
Nordhausen Nordhausen 711,00 85.380 120 98.609 –13,42 %
Saale-Holzland-Kreis Eisenberg 816,97 84.001 103 93.929 –10,57 %
Saale-Orla-Kreis Schleiz 1.148,47 83.654 73 98.592 –15,15 %
Saalfeld-Rudolstadt Saalfeld/Saale 1.034,58 110.307 107 132.885 –16,99 %
Schmalkalden-Meiningen Meiningen 1.210,14 125.574 104 143.702 –12,61 %
Sömmerda Sömmerda 804,20 70.833 88 81.204 –12,77 %
Sonneberg Sonneberg 433,49 57.252 132 67.833 –15,60 %
Unstrut-Hainich-Kreis Mühlhausen/Thüringen 975,53 104.245 107 119.504 –12,77 %
Wartburgkreis Bad Salzungen 1.304,86 126.283 97 144.677 –12,71 %
Weimarer Land Apolda 803,04 81.704 102 91.443 –10,65 %
Weimar Eisenach Suhl Gera Jena Landkreis Altenburger Land Landkreis Greiz Tschechien Saale-Holzland-Kreis Freistaat Sachsen Freistaat Bayern Saale-Orla-Kreis Landkreis Sonneberg Niedersachsen Hessen Sachsen-Anhalt Landkreis Eichsfeld Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Landkreis Hildburghausen Landkreis Schmalkalden-Meiningen Ilm-Kreis Landkreis Weimarer Land Erfurt Landkreis Gotha Wartburgkreis Landkreis Sömmerda Kyffhäuserkreis Unstrut-Hainich-Kreis Landkreis Nordhausen
Die Landkreise und kreisfreien Städte in Thüringen

Kreisfreie Städte[Bearbeiten]

Größte Städte[Bearbeiten]

Nach der Wiedervereinigung verloren zunächst alle Städte Thüringens rasch an Einwohnern. Seit der Jahrtausendwende begann sich diese Entwicklung auszudifferenzieren, was sich in den Jahren danach noch verstärkte. So konnten die drei Städte Erfurt, Weimar und Jena seit 2000 kontinuierlich wachsen und damit den Trend der Schrumpfung umkehren. In einer Gruppe weiterer Städte ebbte die Schrumpfung weitgehend ab und es ist eine stärkere Stabilisierung zu sehen, etwa in Nordhausen, Gotha und Eisenach oder auch Ilmenau, Arnstadt und Meiningen. Einige andere Städte setzten hingegen die leichte Schrumpfung im gleichen Tempo fort, beispielsweise Saalfeld oder Mühlhausen, während sich in wenigen Städten das Tempo des Bevölkerungsrückgangs noch verstärkte, wie etwa in Suhl und Greiz. Es zeigt sich, dass insbesondere Städte mit großen Bildungs- und Forschungseinrichtungen demografisch profitieren, in geringerem Maße gilt dies auch für Städte mit einem ausgeprägten, exportorientierten produzierenden Gewerbe wie Eisenach oder Arnstadt. Die anderen Städte sind nach wie vor von einem gewissen Grad an Abwanderung betroffen (räumliche Bevölkerungsbewegung), wenngleich das Fehlen von Geburten und die damit einhergehende Überalterung dort langfristig zum gravierenderen Problem werden wird (natürliche Bevölkerungsbewegung). In der folgenden Tabelle sind alle Mittel- und Großstädte aufgeführt.

Stadt Landkreis Einwohner
31. Dezember 1989[26]
Gebietsstand 2012
31. Dezember 2000
Gebietsstand 2012
31. Dezember 2011
Gebietsstand 2012
Veränderung
2000 bis 2011 in %
31. Dezember 2013
Berechnungsgrund-
lage auf Basis des Zensus 2011
Gebietsstand 2013
Veränderung
2013 in %
Erfurt kreisfrei 232.809 200.564 206.384 +2,90 204.880 +0,69
Jena kreisfrei 108.979 99.893 105.463 +5,58 107.679 +0,71
Gera kreisfrei 137.448 112.835 98.762 –12,47 94.977 –0,43
Weimar kreisfrei 65.644 62.425 65.542 +4,99 63.315 +0,12
Gotha Gotha 57.798 48.376 45.564 –5,81 44.325 –0,10
Nordhausen Nordhausen 54.179 46.645 43.943 –5,79 41.839 –0,21
Eisenach kreisfrei 51.493 44.442 42.661 –4,01 41.567 –0,42
Suhl kreisfrei 58.756 48.025 38.219 –20,41 35.665 –0,83
Mühlhausen Unstrut-Hainich-Kreis 44.525 38.695 35.875 –7,29 33.007 –0,69
Altenburg Altenburger Land 53.530 41.290 34.456 –16,55 32.992 –1,05
Ilmenau Ilm-Kreis 31.660 27.176 26.005 –4,31 25.949 –0,46
Saalfeld Saalfeld-Rudolstadt 34.911 29.768 26.837 –9,85 25.098 –0,71
Sonneberg Sonneberg 27.969 24.837 22.222 –10,52 23.796 –0,59
Arnstadt Ilm-Kreis 31.493 27.220 24.922 –8,44 23.539 –0,14
Rudolstadt Saalfeld-Rudolstadt 32.573 27.528 23.630 –14,16 22.739 –0,32
Sondershausen Kyffhäuserkreis 30.950 26.514 22.860 –13,78 21.907 –1,22
Apolda Weimarer Land 30.862 25.899 22.925 –11,48 21.738 –0,38
Greiz Greiz 33.861 26.177 21.310 –18,59 21.284 –1,37
Meiningen Schmalkalden-Meiningen 27.288 23.221 21.423 –7,74 20.966 +0,67

Kreisgebietsreform[Bearbeiten]

Vorschlag zur Kreisgebietsreform der von der Regierung beauftragten Expertenkommission

1994 wurden die seit 1952 bestehenden 35 Landkreise Thüringens im Zuge der Kreisreform auf 17 reduziert und die kreisfreien Städte durch Eingliederung umliegender Gemeinden vergrößert. Seit der Umsetzung der Kreisgebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2011 ist Thüringen das ostdeutsche Land mit der kleinteiligsten Kreisgliederung. Schon vor der Landtagswahl im Jahr 2009 sprachen sich Linke, SPD und Grüne für eine erneute Kreisreform aus, während die CDU dem Vorhaben ablehnend gegenüberstand. Die nach der Wahl gebildete Koalition aus CDU und SPD einigte sich darauf, eine Kreisreform zu prüfen, die allerdings nicht in dieser Legislatur (bis 2014) beschlossen werden sollte. Daraufhin wurde eine Expertenkommission gebildet, die einen Vorschlag erarbeitete, der – nach mehrmaligen Verzögerungen – im Januar 2013 veröffentlicht wurde. Er sieht die Bildung von acht neuen Landkreisen (bisher 17) sowie den Erhalt Erfurts und Jenas als kreisfreie Städte (bisher sechs) vor. Der Vorschlag orientiert sich an den bereits existierenden Planungsregionen und teilt jede der vier Regionen in zwei Kreise auf. Angenommen wurde eine Mindestkreisgröße von 150.000 Einwohnern, die auch im Jahr 2050 – also etwa 30 Jahre nach einer möglichen Reform – nicht unterschritten werden sollte. Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen soll im Modell als einziger Kreis an zwei verschiedene Nachfolger aufgeteilt werden.[27]

Während der Vorschlag von SPD, Linken und Grünen begrüßt wurde, stieß er in der CDU teils auf heftige Ablehnung, insbesondere bei Kommunalpolitikern und Teilen der Landtagsfraktion, etwa bei Landkreistagspräsidentin Martina Schweinsburg oder beim innenpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Wolfgang Fiedler. Die Landräte der Kreise Eichsfeld, Sonneberg und Hildburghausen brachten aus Protest einen Wechsel ihrer Landkreise nach Niedersachsen[28] bzw. Bayern[29] ins Gespräch. Ein solcher Wechsel ist jedoch aufgrund hoher staatsrechtlicher Hürden zur Neugliederung des Bundesgebietes faktisch ausgeschlossen und ohne die Zustimmung der Landesregierungen in keinem Fall möglich.[30] Eine neue Kommission, bestehend aus sechs Kabinettsmitgliedern der Landesregierung, soll nun die Vorschläge der Expertenkommission erneut prüfen.[31] Es wird in der aktuellen Diskussion auch die Berücksichtigung historischer Bezüge in der künftigen Kreisstruktur gefordert.[32]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Symbol für ostdeutsches Unternehmertum – Jentower in Jena
Gewürzwerk Schönbrunn
Neben Opel in Eisenach hat sich auch die Gumpert Sportwagenmanufaktur in Altenburg angesiedelt

Historisch betrachtet hat sich die Verteilung zwischen wohlhabenden und ärmeren Gebieten in Thüringen seit 1945 grundlegend verändert. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren die ärmsten Gegenden im Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und auch in den ländlichen Räumen Südthüringens zu finden. Zu den entwickeltsten Gebieten zählten das industrialisierte Ostthüringen um Gera sowie die an Sachsen grenzenden Gebiete, welche von den Städten Zwickau, Leipzig und Chemnitz profitierten. Auch Kommunen, in denen sich öffentlicher Dienst konzentrierte wie etwa Meiningen oder Weimar waren relativ wohlhabend. Heute sind die wirtschaftskräftigsten Regionen hingegen entlang der Thüringer Städtekette von Eisenach bis ans Hermsdorfer Kreuz zu finden, besonders der Raum Erfurt-Weimar-Jena weist ein hohes Wirtschaftswachstum auf. Auch das Eichsfeld, die Städte Nordhausen und Eisenach sowie die südwestthüringischen Landkreise weisen eine vergleichsweise günstige wirtschaftliche Struktur auf. Entwicklungsprobleme zeigen sich hingegen noch im nördlichen Thüringer Becken (Kyffhäuserkreis, Unstrut-Hainich-Kreis sowie Teile der Landkreise Nordhausen und Sömmerda) sowie in Ostthüringen (Stadt Gera, Altenburger Land und Teile des Landkreis Greiz).

Die soziale Marktwirtschaft hat mit der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion und dem Beitritt zur Bundesrepublik 1990 die sozialistische Zentralverwaltungswirtschaft in Thüringen abgelöst. Dieser tief greifende Umstrukturierungsprozess löste in verschiedenen Branchen Krisen aus und führte zu hohen Arbeitslosenraten. Zwei Drittel der alten Arbeitsplätze Thüringens fielen zwischen 1989 und 1995 der wirtschaftlichen Wende zum Opfer. Inzwischen haben einige Branchen wie der wissenschaftliche Gerätebau, die Mikroelektronik und die Medizintechnik Zuwächse erzielt, so dass ein Mangel an qualifizierten Fachkräften besteht.

2011 betrug die Wirtschaftsleistung im Bundesland Thüringen gemessen am Bruttoinlandsprodukts (BIP) etwas mehr als 48 Milliarden Euro, was 1,9 Prozent Anteil des gesamtdeutschen BIP entspricht. Je Erwerbstätigen hatte des BIP mit 47.071 Euro den niedrigsten Wert im Vergleich aller Bundesländer, bei einem gesamtdeutschen Durchschnittswert von 62.550 Euro.[33] Im Vergleich mit dem BIP der EU, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, erreichte Thüringen einen Wert von 81,6 Prozent (EU-27:100) (2006).[34]

Arbeitsmarkt[Bearbeiten]

Seit etwa 2003 gelang es Thüringen zunehmend sich von der geringeren Dynamik der übrigen neuen Länder abzukoppeln und die Arbeitslosigkeit unter acht Prozentpunkte zu reduzieren. So lag die Arbeitslosenquote im Juli 2014 bei 7,5 Prozent, dem niedrigsten Stand seit 1991 (vgl. Mai 2004: 16,6 Prozent). In Bezug auf die Arbeitslosenquote bestehen große Unterschiede innerhalb des Landes. Die geringste Quote verzeichnete der Landkreis Sonneberg im Süden Thüringens mit 3,9 %. Auch die anderen südlich des Thüringer Waldes gelegenen Kreise weisen mit Quoten zwischen fünf und sechs Prozent eine niedrige Arbeitslosigkeit auf. Hoch ist die Arbeitslosigkeit dagegen noch im nördlichen Thüringer Becken (Unstrut-Hainich-Kreis mit 9,8 % und Kyffhäuserkreis mit 10,3 %) sowie in Gera (10,8 %) und im Altenburger Land (10,4 %) im Osten Thüringens. Außerdem ist Arbeitslosigkeit inzwischen ein überwiegend städtisches Phänomen. Beispielsweise lag die Quote im Mai 2011 in Altenburg, Mühlhausen, Bad Langensalza, Bad Frankenhausen sowie Artern bei rund 15 % und selbst im wirtschaftsstarken Jena bei 7,0 %, während viele kleine Gemeinden Raten um und unter 5 % aufweisen (dort herrscht unter den Arbeitsmarktvorraussetzungen Ostdeutschlands somit nahezu Vollbeschäftigung). In den Städten ist zudem Langzeitarbeitslosigkeit ein großes Problem, sodass sich die Situation nur sehr langsam verbessert und eine hohe Sockelarbeitslosigkeit vorherrscht.[35]

Auf der anderen Seite war der durchschnittliche Stundenlohn mit 14,91 Euro im Jahr 2007 am geringsten im bundesweiten Vergleich bei gleichzeitig längsten Arbeitszeiten. Arbeitslosigkeit und niedrige Löhne veranlassen gut ausgebildete junge Menschen zur Abwanderung Richtung Westen. Im ersten Quartal 2008 wurden 10.307 Fortzüge gemeldet im Vergleich zu weniger als 7000 Zuzügen nach Thüringen.[36]

Mittelfristig ist das Arbeitskräftepotential Thüringens stark rückläufig. Nach Ergebnissen des Zensus 2011 scheiden bis 2026 etwa 502.000 Personen im Land altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt aus (Altersgruppe der heute 50- bis 64-Jährigen), während nur rund 236.000 nachrücken (Altersgruppe der heute 3- bis 18-Jährigen), wodurch – lässt man Wanderungseffekte außen vor – eine Lücke von rund 266.000 Erwerbsfähigen entstünde, die die Zahl der Arbeitslosen um ein Vielfaches übersteigt.[37] So stellt die Gewinnung von Zuwanderern im Wettbewerb mit anderen Regionen in den kommenden Jahren eine große Herausforderung für die Thüringer Wirtschaft dar, wobei fortgesetzte Abwanderung das Problem weiter verschärfen würde.

Die zehn wichtigsten Standorte sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung sind (Arbeitsortangaben):[38]

Stadt sozialvers.
Beschäftigte
30. Juni 2012
Veränderung
seit
30. Juni 2007
Pendlersaldo
30. Juni 2012
Arbeitsplatzdichte1
Erfurt 99.144 + 3,21 % + 26.047 757
Jena 51.213 + 17,39 % + 13.730 723
Gera 35.395 - 4,20 % + 2.024 592
Weimar 23.077 + 8,66 % + 2.229 573
Eisenach 22.644 + 4,80 % + 7.059 880
Nordhausen 20.607 + 3,70 % + 6.404 779
Gotha 18.625 - 2,83 % + 3.005 684
Suhl 15.532 - 7,65 % + 2.009 672
Mühlhausen 14.977 + 8,18 % + 3.880 732
Arnstadt 12.891 + 30,52 % + 4.453 885
1 Sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze pro 1000 Einwohner im Alter zwischen 18 und 64; Zahlen zum 9. Mai 2011 gemäß Zensus 2011.[39]

Außenhandel[Bearbeiten]

Außenhandelspartner Thüringens 2008

Schon im Mittelalter wurde mit Färberwaid ein europaweit bedeutendes Handelsgut in Thüringen angebaut und exportiert. Dies verhalf Städten wie Erfurt zu großem Reichtum. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden in Thüringen Industrieunternehmen, die hauptsächlich für den Export produzierten. Dazu gehörten beispielsweise die optische Industrie Jenas, die technische Glasproduktion, aber auch die Spielzeugindustrie des Thüringer Waldes, deren Produkte in den 1920er Jahren von Woolworth aus Sonneberg in die Vereinigten Staaten exportiert wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand der Handel vor allem mit den Staaten des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe statt.

Der Zusammenbruch dieses Markts 1990 trug maßgeblich zum Zusammenbruch der gesamten Industrie nach der Wiedervereinigung bei. So erreichten die Exporte 1992 mit umgerechnet 1,2 Milliarden Euro einen Tiefpunkt. Bis 2008 verzehnfachte sich das Exportvolumen fast auf 11,1 Milliarden Euro, bevor in der Wirtschaftskrise 2009 ein stärkerer Rückgang stattfand. Die wichtigsten Exportpartner waren Frankreich, das Vereinigte Königreich und Italien. Spezifisch für das Land ist ein überdurchschnittliches Volumen im Außenhandel mit Tschechien und Polen. Etwa zwei Drittel des Exportes gehen in die Europäische Union. Bei den Importen steht China seit 2004 an erster Stelle, wobei dennoch über 60 % aller Waren aus der Europäischen Union stammen. In der Summe übersteigt der Wert der Exporte den der Importe um etwa ein Drittel, während 1999 mehr importiert als exportiert wurde.[40]

Industrie[Bearbeiten]

In Thüringen werden vor allem Glas, Keramik, Spielwaren, Holz und Textilien und viele Produkte aus der Metallverarbeitung hergestellt. Die meisten Arbeiter sind in Eisenach und Waltershausen im Maschinen- und Fahrzeugbau beschäftigt, aber auch in der Kleineisen- und Werkzeugproduktion. Von Bedeutung sind Elektrotechnik und Gerätebau in Erfurt, Eisenach, Ruhla, Suhl und Meiningen. Die Stadt Jena erlangte durch die Herstellung von Präzisionsgeräten weltweites Ansehen. Aus dem Unternehmen Carl Zeiss Jena entstand nach 1990 Jenoptik, der größte Arbeitgeber der Stadt. In den letzten Jahren hat sich die Lebensmittelindustrie zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig im Freistaat entwickelt. Das Ernährungsgewerbe erreichte mit einem Anteil von 11,2 Prozent am Industrieumsatz Rang 2 im Thüringer Verarbeitenden Gewerbe nach der Automobilindustrie.[41] Eines der größten Lebensmittelbetriebe in Thüringen ist das in Schönbrunn ansässige Gewürzwerk, welches mit mehr als 800[42] Beschäftigten einen Spitzenplatz unter den gewürzverarbeitenden Betrieben in Europa einnimmt.

In Thüringen gibt es eine Reihe börsennotierter Unternehmen (in Klammern der Börsenwert in Millionen Euro am 21. Februar 2013)[43]: ADVA Optical Networking aus Meiningen (226), Analytik Jena aus Jena (62), Biolitec aus Jena (21), Carl Zeiss Meditec aus Jena (1.973), Funkwerk aus Kölleda (16), Geratherm Medical aus Geschwenda (28), Hyrican aus Kindelbrück (30), Intershop aus Jena (57) und Jenoptik aus Jena (472). ADVA Optical Networking, Carl Zeiss Meditec und Jenoptik sind im TecDAX gelistet.

Bergbau[Bearbeiten]

In Thüringen wurde schon seit dem Mittelalter Bergbau betrieben, besonders in den Gebirgen wie dem Thüringer Wald, dem Harz und dem Thüringer Schiefergebirge. Mit Schmalkalden, Suhl oder auch Ilmenau gab es bedeutende Bergbaustädte im Thüringer Wald. Abgebaut wurden verschiedene Erze wie Eisen oder Mangan, aber auch Silber. Im Thüringer Schiefergebirge wurden bedeutende Goldvorkommen abgebaut, worauf noch heute Ortsnamen wie Goldisthal oder Reichmannsdorf hinweisen. Bedeutendste dieser Bergbaustätten war die Region Schmalkalden mit ihrer Eisenindustrie, die erst im 19. Jahrhundert unter der Konkurrenz aus dem Ruhrgebiet und dem Saarland zugrunde ging. Zur selben Zeit entstand die Maxhütte Unterwellenborn bei Saalfeld, die ebenfalls mit regionalen Eisenvorkommen versorgt wurde. Sie besteht bis heute als Stahlwerk Thüringen fort.

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich der Kali-Bergbau zum bedeutendsten Bergbauzweig. Dabei verfügt Thüringen über zwei Reviere: zum einen das noch heute genutzte Werra-Revier zwischen Bad Salzungen und Bad Hersfeld, zum anderen das nach 1990 stillgelegte nordthüringische Revier mit den Förderstätten Roßleben, Sondershausen, Bleicherode und Bischofferode. Zur Zeit des Kalten Kriegs wurde zudem bei Ronneburg ein Großteil des von der Sowjetunion benötigten Urans abgebaut. Damit einher gingen massive Umweltzerstörungen sowie zahlreiche Erkrankungen der Bergleute, die mit dem krebserregenden Material in Berührung kamen.

Im 19. Jahrhundert begann im Meuselwitzer Revier im Osten Thüringens der Braunkohletagebau, der neben der Energiegewinnung auch den Leunawerken als Grundstoff der chemischen Industrie diente. Die Braunkohle-Lagerstätten wurden gegen Ende des 20. Jahrhunderts erschöpft. Im Thüringer Wald bestanden auch vereinzelte Steinkohlevorkommen, deren Abbau jedoch mit der Industrialisierung nicht mehr lohnte. Länger wurde Steinkohle noch im Stockheimer Revier bei Sonneberg an der Grenze zu Bayern abgebaut. Bedeutsam ist auch der noch heute betriebene Schieferabbau im Thüringer Schiefergebirge. Dessen Zentrum ist die Stadt Lehesten mit den größten Schiefersteinbrüchen des Landes. In Gehren im Thüringer Wald befindet sich ein Bergwerk zum Abbau von Schwerspat.

Unternehmen[Bearbeiten]

Die größten Unternehmen in Thüringen, gemessen an der Mitarbeiterzahl, waren laut einer Studie der Landesbank Hessen-Thüringen im Jahr 2010 die folgenden:[44]

Unternehmen Mitarbeiter Branche Hauptstandorte
Edeka 5400 Einzelhandel flächendeckend
Deutsche Bahn 4500 Verkehr Erfurt/flächendeckend
Deutsche Post 4300 Logistik Erfurt/flächendeckend
Randstad 4200 Zeitarbeit, Arbeitsvermittlung Erfurt/flächendeckend
Bosch 4050 Automobilzulieferer, Photovoltaik, Elektrotechnik Arnstadt, Eisenach, Erfurt
Helios Kliniken 3950 Krankenhäuser Erfurt, Gotha/Ohrdruf, Blankenhain, Bleicherode
REWE 3500 Einzelhandel flächendeckend
Rhön-Klinikum 3450 Krankenhäuser Bad Berka, Meiningen, Friedrichroda, Hildburghausen
Zeitungsgruppe Thüringen 1750 Zeitungen Erfurt, Gera, Löbichau
Stadtwerke Erfurt 1750 Versorger, Verkehr Erfurt
Carl Zeiss 1700 Optik, Elektrotechnik Jena
Deutsche Telekom 1600 Telekommunikation Erfurt/flächendeckend
Opel 1600 Automobilhersteller Eisenach

Die Städte mit den meisten Industriearbeitsplätzen waren 2006 Jena (7227), Erfurt (6503), Eisenach (6038), Gotha (3529), Nordhausen (2934), Gera (2743), Arnstadt (2335), Suhl (2227), Schmalkalden (2169) und Sömmerda (2153). Insgesamt waren 147.323 Menschen im verarbeitenden Gewerbe tätig.[45]

Zu DDR-Zeiten waren das Kombinat Mikroelektronik Erfurt mit 56.000 Mitarbeitern (1990) und das Kombinat Carl Zeiss Jena mit 54.000 Mitarbeitern (1990) die größten Arbeitgeber Thüringens. 1990 gab es weitere 22 Kombinate mit je 2000 bis 30.000 Beschäftigten, die ihren Sitz im heutigen Land Thüringen hatten.

Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Die 515.262 Hektar Waldfläche in Thüringen (2009) teilen sich vor allem in die Eigentumsformen Privatwald, Staatsforst und Kommunalwald auf. Auch Kirchenwald ist vorhanden. Privatwaldbesitzer haben sich häufig zu forstlichen Betriebsgemeinschaften zusammengetan. Als besondere Eigentumsform treten in den Plenterwäldern im Naturraum Hainich-Dün-Hainleite Laubgenossenschaften auf. Die Beförsterung erfolgt derzeit durch die 28 Forstämter der Landesforstverwaltung.

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Die Landwirtschaft in Thüringen ist durch Großbetriebe geprägt, die ihre Wurzeln in den zu DDR-Zeiten gegründeten LPGs haben. Dadurch sind die Feldstücke recht groß und effizient zu bewirtschaften. Auch die Fleischproduktion wird von Großbetrieben dominiert.

Im Thüringer Becken wird vor allem Ackerbau betrieben
Pflanzenproduktion

Insgesamt arbeiteten 2005 27.175 Menschen in der Landwirtschaft. Die Landwirtschaftsfläche lag 2009 bei 879.438 Hektar, das entspricht 54,4 % der Landesfläche. Der Anteil an der Landwirtschaftsfläche der Bundesrepublik Deutschland lag damit bei etwa fünf Prozent. Im Thüringer Becken, in der Orlasenke und im Gebiet südlich von Altenburg wird auf hochwertigen Böden überwiegend Ackerbau betrieben. Landwirtschaftlich genutzt wurden 793.505 Hektar (2008). Die Ackerfläche lag 2009 bei 527.335 Hektar, Dauergrünland waren 172.862 Hektar, der Grünlandanteil lag damit bei rund 19,7 %. Angebaut werden vor allem Winterweizen, Winterraps, Wintergerste und Silomais. Die Hauptanbaufläche verteilt sich auf die vier Landkreise Kyffhäuserkreis, Unstrut-Hainich-Kreis, Sömmerda und Wartburgkreis. Hauptobstanbaugebiete mit Dauerkulturen sind der Landkreis Gotha (Fahnersche Höhen), der Kyffhäuserkreis und der Landkreis Sömmerda. Beim Gemüse dominiert der Anbau von Weißkohl, Blumenkohl, Zwiebeln, Tomaten, Gurken, Bohnen und Spargel. Zentrum des Weinbaus ist die Stadt Bad Sulza, die zum Weinbaugebiet Saale-Unstrut gehört. Die Weinberge befinden sich an den sonnigen Kalk-Trockenhängen von Ilm- und Saale-Tal an der Grenze zu Sachsen-Anhalt zwischen Weimar, Jena und Naumburg. Von den 4789 Landwirtschaftsbetrieben waren 2007 2084 Futterbaubetriebe, 1275 Ackerbaubetriebe und 642 Pflanzenbau-Viehhaltungsbetriebe.

Tierproduktion

2006 wurden 1.745.000 Legehennen, 779.034 Schweine, 346.652 Rinder und 216.242 Schafe gezählt. Zentrum der Fleischproduktion ist Ostthüringen.

Bildung und Forschung[Bearbeiten]

TU Ilmenau (Altes Technikum)
Klosterschule Roßleben (1905)
Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek Weimar
Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena

Einzige Volluniversität ist die 1558 gegründete Friedrich-Schiller-Universität Jena mit zehn Fakultäten, die gleichzeitig die älteste durchgehend bestehende Hochschule in Thüringen ist. Mit der Bauhaus-Universität in Weimar mit den Schwerpunkten Architektur, Bauingenieurwesen, Gestaltung und Medien, der Technischen Universität Ilmenau und der nach der Wende wiedergegründeten Universität Erfurt mit geisteswissenschaftlichem Profil existieren drei weitere Universitäten. Die vier Fachhochschulen des Landes befinden sich in Nordhausen, Erfurt, Jena und Schmalkalden. In Weimar gibt es zudem noch die Hochschule für Musik Franz Liszt. Zwei Berufsakademien bestehen in Gera und Eisenach. Weitere Bildungseinrichtungen sind die Thüringer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Gotha und Meiningen, die private SRH Fachhochschule für Gesundheit Gera, die private Internationale Hochschule Bad Honnef Bonn, ehemals Adam-Ries-Fachhochschule in Erfurt sowie das Priesterseminar Erfurt. Studiengebühren werden in Thüringen an den staatlichen Hochschulen nicht erhoben. Insgesamt studieren knapp 50.000 Menschen in Thüringen, etwa die Hälfte davon in Jena, weitere 9000 in Erfurt, 6000 in Ilmenau sowie 4000 in Weimar. Die übrigen Studenten verteilen sich auf die kleineren Hochschulstandorte Schmalkalden, Nordhausen, Gera, Eisenach, Gotha und Meiningen.

Das Schulsystem Thüringens ist dreigliedrig aufgebaut. Nach der vierjährigen Grundschule folgen das seit 1990 achtjährige Gymnasium (G8) oder die Regelschule, die Haupt- und Realschule in sich vereint. Zum Abitur in Thüringen gehört die Seminarfacharbeit, eine bundesweit einzigartige Hausarbeit, die wie eine Abiturprüfung in die Abiturnote eingebracht werden kann. Nach dem Amoklauf von Erfurt wurde an den Thüringer Gymnasien am Ende der Klasse 10 die Besondere Leistungsfeststellung eingeführt, eine Prüfung in Deutsch, Mathematik, Englisch und einer Naturwissenschaft, die allen bestehenden Schülern einen Realschulabschluss (mittlere Reife) einbringt. Zu DDR-Zeiten entstanden in Thüringen mehrere Spezialschulen zur Förderung hochbegabter Schüler in bestimmten Themenbereichen, die bis heute fortbestehen. Dazu gehören die Musikgymnasien Schloss Belvedere in Weimar und Goethe-Gymnasium/Rutheneum in Gera, die Sportgymnasien Pierre de Coubertin in Erfurt, Johann Christoph Friedrich GutsMuths in Jena und das Sportgymnasium für die Wintersportarten in Oberhof, die naturwissenschaftlichen Spezialschulen in Erfurt (Albert-Schweitzer-Gymnasium), Ilmenau (Goetheschule) und Jena (Carl-Zeiss-Gymnasium) und das Sprachgymnasium Salzmannschule Schnepfenthal bei Waltershausen. Auch die Internatsschulen Hermann-Lietz-Schule Haubinda (gegründet 1901) und Klosterschule Roßleben (gegründet 1544) gehören zu den besonderen Schulen im Land. Auf dem zweiten Bildungsweg zum Abitur führen das Thüringenkolleg in Weimar und das Ilmenau-Kolleg in Ilmenau. Bedeutende Pädagogen mit Tätigkeitsschwerpunkt im Land waren unter anderem Friedrich Fröbel, der „Erfinder“ des Kindergartens, Johann Christoph Friedrich GutsMuths, der den Sportunterricht an Schulen begründete, Christian Gotthilf Salzmann, Gründer der Salzmannschule in Schnepfenthal, Hermann Lietz, Gründer der Hermann-Lietz-Schulen, und Peter Petersen, der das Konzept der Jena-Plan-Schulen erdachte.

Bedeutende Bibliotheken im Land sind die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, seit 1549 in Jena ansässig (vorher in Wittenberg und Weimar) und die 1691 gegründete Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Die Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha wurde 1647 von Ernst dem Frommen in Gotha gegründet und gehört ebenfalls zu den bedeutendsten Bibliotheken des Landes. Die Akademie gemeinnütziger Wissenschaften wurde 1754 in Erfurt gegründet und ist der drittälteste Gelehrtenzirkel seiner Art in Deutschland. Die wichtigsten Archive Thüringens sind das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, das Hauptstaatsarchiv Weimar sowie die nachgeordneten Staatsarchive in Altenburg, Gotha, Greiz, Meiningen und Rudolstadt.

Bedeutende Forschungsinstitute in Thüringen sind das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie in Ilmenau, das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Systemtechnik in Ilmenau, das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik in Jena, das Helmholtz-Institut Jena in Jena, das Leibniz-Institut für Altersforschung in Jena, das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie in Jena, das Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena, das Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena, das Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena, das Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau in Erfurt, das Institut für Photonische Technologien in Jena, das Institut für bakterielle Infektionen und Zoonosen in Jena und das Institut für molekulare Pathogenese in Jena. Auch das älteste noch bestehende Planetarium der Welt, das Planetarium Jena, gehört zu den bedeutenden wissenschaftlichen Einrichtungen des Landes.

Tourismus[Bearbeiten]

Hauptartikel: Tourismus in Thüringen

Der Thüringer Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Erholungsgebiete befinden sich hauptsächlich im Thüringer Wald und im Thüringer Schiefergebirge. Zahlreiche Wanderwege erschließen diese Gebirge. Der etwa 160 Kilometer lange Fernwanderweg „Rennsteig“, der auf dem Kamm des gesamten Thüringer Waldes und des Thüringer Schiefergebirges entlangführt, bietet sehr gute Fernsichten. Eines der Wintersportzentren ist Oberhof, welches etwa zehn Kilometer nördlich von Suhl liegt.

Im Jahr 2013 waren die zehn Orte Thüringens mit den meisten Übernachtungen: Erfurt (753.885), Weimar (659.436), Oberhof (428.020), Friedrichroda (372.352), Bad Liebenstein (346.612), Eisenach (319.386), Jena (301.665), Suhl (255.080), Bad Sulza (242.295) und Masserberg (212.361). Insgesamt wurden 2008 in Thüringen von 3.119.024 Gästen 8.682.405 Übernachtungen gebucht.[46]

Infrastruktur[Bearbeiten]

Auf Grund seiner zentralen Lage im wiedervereinigten Deutschland und des Nachholbedarfs infolge seiner DDR-Vergangenheit wurden in Thüringen seit 1990 erhebliche Anstrengungen zum Ausbau der Infrastruktur unternommen.

Verkehr[Bearbeiten]

Die größten Verkehrsprojekte sind teilweise fertiggestellt. Im Jahr 2017 sollen alle Großprojekte abgeschlossen sein. Bedingt durch seine Lage im Mittelgebirgsraum gibt es in Thüringen als einzigem Bundesland keine Wasserstraßen, also keine schiffbaren Flüsse oder Kanäle. Schifffahrt wird lediglich auf dem Hohenwarte-Stausee und der Bleilochtalsperre betrieben. Sie dient mit Ausnahme der Fähre von Altenbeuthen zur Linkenmühle touristischem Verkehr.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Die Talbrücke Jüchsen der A 71 während der Bauzeit

Derzeit (2012) gibt es in Thüringen 498 Kilometer Autobahnen, 1511 Kilometer Bundesstraßen, 4562 Kilometer Landesstraßen und 3078 Kilometer Kreisstraßen.[47] Wichtigste Straßenverkehrsachsen in Thüringen sind die Bundesautobahn 4 in Ost-West-Richtung und die Bundesautobahn 9 in Nord-Süd-Richtung. Beide werden zurzeit ausgebaut, um am Ende durchgehend sechsstreifig befahrbar zu sein. Ergänzt wird das Autobahnnetz durch die Bundesautobahn 38 im Norden, die Leipzig mit Göttingen und Kassel verbindet; die Bundesautobahn 71 führt in Nordost-Südwest-Richtung quer durch das Land und ist bis auf den Abschnitt Sömmerda–Sangerhausen, der 2013 eröffnet werden soll[48], ebenfalls fertiggestellt. Sie verbindet die Landeshauptstadt Erfurt mit dem Raum Würzburg im Süden und dem Raum Halle (Saale) im Norden. Die Bundesautobahn 73 setzt in Suhl südlich der Querung des Thüringer Waldes der A 71 an und führt nach Süden in den Großraum Nürnberg. Nicht über thüringisches Gebiet verlaufen die Bundesautobahn 44 und die Bundesautobahn 72, die aber dennoch Einfluss auf den Verkehr in Thüringen haben. Erstere soll zukünftig die A 4 bei Eisenach mit Kassel und dem Ruhrgebiet verbinden und Letztere bietet dem Raum Greiz eine Autobahnanbindung. Dennoch gibt es einige Bereiche, die von diesen Autobahnen umgangen werden. Dies sind insbesondere der Raum Saalfeld/Rudolstadt und der Raum Mühlhausen, wo durch Ausbau der Bundesstraßen eine gute Anbindung sichergestellt werden soll.

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Der Erfurter Hauptbahnhof
Hauptartikel: Eisenbahn in Thüringen

Die Eisenbahn erreichte Thüringen im Jahr 1842 mit der Bahnstrecke Leipzig–Hof über Altenburg (damals Sächsisch-Bayerische Eisenbahn genannt). Die Landeshauptstadt Erfurt erhielt 1846 einen Eisenbahnanschluss an der Strecke von Berlin nach Frankfurt am Main. Heute gibt es in Thüringen zwei Eisenbahnstrecken, die zum ICE-Liniennetz gehören, die Saalbahn (Berlin)–Naumburg–Jena–Saalfeld–Kronach–Lichtenfels–(Nürnberg–München) und die Thüringer Bahn (Dresden–Leipzig)–Naumburg–Weimar–Erfurt–Gotha–Eisenach–(Fulda–Frankfurt am Main). Vor 1945 gab es noch eine dritte bedeutende Personenverkehrsachse durch Thüringen, die Bahnstrecke Erfurt–Schweinfurt, die von Expresszügen von Berlin nach Stuttgart genutzt wurde. Heute hat sie ihre Bedeutung aber weitestgehend verloren. Die Halle-Kasseler Eisenbahn über Nordhausen diente und dient hauptsächlich dem Ost-West-Güterverkehr. Dem Mischverkehr diente die einstmals bedeutende Strecke Ruhrgebiet-Northeim-Nordhausen-Halle; heute Südharz-Eisenbahnstrecke (Erfurt-Nordhausen-Göttingen). Nordhausen ist ebenso der Kopfbahnhof für die Harz-Querbahn zum Brocken und nach Wernigerode. ICE-Halte in Thüringen sind Erfurt Hbf, Weimar, Gotha und Eisenach an der Strecke Dresden–Frankfurt sowie Jena Paradies und Saalfeld an der Strecke Berlin–München.

Im Regionalverkehr erbringen neben der DB Regio Südost auch die Vogtlandbahn, die Erfurter Bahn, die Süd-Thüringen-Bahn und die Cantus Verkehrsleistungen. Regionalexpress-Verbindungen bestehen in angrenzende Großstädte wie Göttingen, Magdeburg, Chemnitz oder Würzburg. In Bau sind gegenwärtig die Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt und die Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle als derzeit größtes Bauprojekt im deutschen Schienennetz. Mit der Fertigstellung in Richtung Halle wird um das Jahr 2015, nach Nürnberg ab 2017 gerechnet. Dann werden sich die Reisezeiten zwischen Erfurt und Nürnberg/München sowie Leipzig/Berlin mit dem ICE deutlich verkürzen.

Seine maximale Ausdehnung erreichte das Thüringer Eisenbahnnetz um 1940 mit fast 2500 Kilometern. Heute sind noch knapp 1500 Kilometer Bahnstrecken in Betrieb.

Flugverkehr[Bearbeiten]

Flughäfen und Landeplätze in Thüringen

Flughäfen mit Linienbetrieb sind der Flughafen Erfurt-Weimar und der Leipzig-Altenburg Airport bei Nobitz im Altenburger Land.

Weitere Flugplätze gibt es bei den Städten Arnstadt, Bad Berka, Bad Frankenhausen, Bad Langensalza, Eisenach, Gera, Gotha, Greiz, Heilbad Heiligenstadt, Ilmenau, Jena, Mühlhausen, Nordhausen, Rudolstadt, Schlotheim, Sömmerda, Suhl und Weimar.

Energie- und Wasserversorgung[Bearbeiten]

Talsperre Schönbrunn

Die Wasserkraft wurde schon seit den 1930er Jahren im großen Stil genutzt. Damals entstand das Talsperrensystem Saalekaskade, wo mit der Bleilochtalsperre die größte Talsperre Deutschlands liegt. Der Freistaat gehört zum Übertragungsnetzgebiet von 50Hertz Transmission.

Thüringen ist eines der wasserreichsten Bundesländer. Die großen Talsperren im Thüringer Wald und Thüringer Schiefergebirge versorgen teils auch angrenzende Regionen in anderen Ländern mit Trinkwasser. Bedeutende Trinkwassertalsperren sind die Talsperre Leibis-Lichte, die Talsperre Schönbrunn, die Talsperre Schmalwasser und die Ohra-Talsperre.

Bei der Stromerzeugung wird Thüringen außerdem von den großen Braunkohlekraftwerken bei Leipzig und in der Lausitz mitversorgt. Die E.ON Thüringer Energie betreibt mehrere Kraftwerke. Das Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk in Jena ist mit einer Bruttoleistung von 197 Megawatt Thüringens größtes Kraftwerk.

In den letzten Jahren wurde im Freistaat der Aufbau erneuerbarer Energien gefördert. So entstanden neben zahlreichen Windparks auch das Pumpspeicherwerk Goldisthal, das größte Pumpspeicherwerk Deutschlands.

Im Mai 2013 wurde in Thüringen die Energieversorgung zu großen Teilen rekommunalisiert. Die E.ON Thüringer Energie AG gehört seither zu 46 Prozent dem Kommunalen Energiezweckverband Thüringen (KET), einem Zusammenschluss von rund 400 Kommunen. Weitere 36 Prozent hält die Kommunalen Energie Beteiligungsgesellschaft Thüringen AG (KEBT), die rund 800 Kommunen vertritt. Ab August 2013 wird sie daher in „Thüringer Energie AG“ umbenannt. Bei all diesen Bemühungen ist besonders die Dezentralität und das Bürgerengagement beim Ausbau der Erneuerbaren Energien für viele Kommunen ein Argument.[49]

Gesundheitswesen[Bearbeiten]

In Thüringen gibt es 42 Krankenhäuser mit ca. 16.000 Krankenhausbetten. Dies entspricht ca. 700 Betten pro 100.000 Einwohner. 42 % der Betten befinden sich dabei in öffentlich-rechtlicher, 22 % in frei-gemeinnütziger und 36 % in privatrechtlicher Trägerschaft. Es werden ca. 558.000 Fälle pro Jahr behandelt. In den Krankenhäusern sind ungefähr 28.000 Beschäftigte angestellt.

In Thüringen gibt es 542 Apotheken. Auf ca. 4300 Einwohner kommt eine Apotheke.[50] Dies liegt etwas unter dem Bundesdurchschnitt. Es gibt ca. 7600 Ärzte in Thüringen. Jeder Arzt hat damit ungefähr 300 Patienten zu betreuen, dies liegt über dem Bundesdurchschnitt.[51]

In Thüringen gibt es 75 medizinische Versorgungszentren (MVZ). Zwölf befinden sich dabei in der Trägerschaft von niedergelassenen Vertragsärzten. Zwei Drittel der MVZ wurden von Kliniken gegründet und sind in kommunaler, privater oder kirchlicher Trägerschaft.[52]

Medien[Bearbeiten]

In Thüringen erscheinen sieben regionale Tageszeitungstitel: die Thüringer Allgemeine (TA) im Gebiet des ehemaligen Bezirkes Erfurt (Mitte, Norden), die Thüringische Landeszeitung (TLZ) und die Ostthüringer Zeitung (OTZ), alle drei gehören zur Zeitungsgruppe Thüringen der WAZ-Mediengruppe. Daneben erscheinen das Freie Wort (FW) und kooperationsbedingt teils inhaltsgleich die Südthüringer Zeitung (stz) und das FW Meininger Tageblatt. Sie gehören zur Regionalzeitungsgruppe Hof/Coburg/Suhl des Süddeutschen Verlags. Im Gebiet des ehemaligen Kreises Altenburg erscheint die Osterländer Volkszeitung, die zur Leipziger Volkszeitung gehört.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk wird in Thüringen vom MDR produziert. Der MDR betreibt das Landesfunkhaus Thüringen in der Gothaer Straße in Erfurt. Dort sind auch der KiKA, der Kinderkanal von ARD und ZDF, die MDR-Werbung, die MDR-Produktionstochter MCS Thüringen untergebracht. Im Erfurter Funkhaus wird das Thüringenjournal, die tägliche Fernseh-Nachrichtensendung für Thüringen, produziert. Daneben strahlt der MDR mit MDR Thüringen ein eigens für das Land produziertes Hörfunkprogramm aus. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich Das KinderMedienZentrum, in dem unter anderen die KiKA-Serie Schloss Einstein produziert wird. Das ZDF betreibt in Erfurt sein Landesstudio Thüringen. Produziert werden Berichte über Thüringen unter anderem für die heute-Nachrichten, das Heute-Journal, WISO und andere Magazine des ZDF.

Privatrundfunk senden in Thüringen die landesweiten Radios Landeswelle Thüringen, Antenne Thüringen und deren Tochtergesellschaft Radio Top 40. In manchen Orten gibt es lokale Fernsehstationen. Die Thüringer Landesmedienanstalt hat außerdem elf Bürgerfunkprojekte eingerichtet. Mit den größten Verbreitungsgebieten sind dies die beiden direkt von der TLM getragenen Offenen Kanäle der Offene Fernsehkanal in Gera und Radio Funkwerk in Erfurt und Weimar. Hinzu kommen leistungsfähige Offene Kanäle in Trägerschaft von Vereinen in Jena der OK-J, Saalfeld der SRB, Eisenach das Wartburg-Radio, Nordhausen und Leinefelde. In einigen Städten wurden von der TLM auch nichtkommerzielle Lokal- und Hochschulradios lizenziert. Dazu gehören Radio F.R.E.I. in Erfurt, Radio Lotte Weimar, radio hsf in Ilmenau, das Studentenradio der Bauhaus-Universität Weimar. In den meisten Offenen Kanälen sind zudem die medienpädagogischen Projekte, unter Anderem PiXEL-Fernsehen und RABATZ, angesiedelt. Hier können Kinder und Jugendliche selbst Radio und Fernsehen machen.

Die bundesweit zuständige Kommission für Jugendmedienschutz hat ihren Sitz seit ihrer Gründung im Jahr 2003 in Erfurt.

Kultur[Bearbeiten]

Die Kultur Thüringens ist bedingt durch die lange politische Zersplitterung (bis 1920) besonders vielfältig. Diese Vielfalt hat sich bis heute erhalten und findet in den verschiedenen ehemaligen Residenzen im Land Ausdruck. Parallel zur Vielfalt der Landesteile verbinden aber vor allem die ähnliche Küche sowie die ähnlichen Feste und Bräuche.

UNESCO-Weltkulturerbe[Bearbeiten]

Zum UNESCO-Welterbe in Thüringen gehören seit 1996 die Bauhaus-Stätten in Weimar mit dem zwischen 1904 und 1911 nach Plänen von Henry van de Velde errichteten Hauptgebäude der Bauhaus-Universität, der Kunstgewerbeschule Weimar und dem Musterhaus Am Horn, seit 1998 die elf Stätten des Klassischen Weimars (Goethes Wohnhaus, Schillers Wohnhaus, Herderkirche und Herder-Stätten, Weimarer Stadtschloss, Wittumspalais, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Park an der Ilm mit Goethes Gartenhaus und Römischem Haus, Schloss Belvedere, Schloss Ettersburg, Schloss Tiefurt, Historischer Friedhof Weimar) und seit 1999 die Wartburg bei Eisenach.

Museen[Bearbeiten]

Bauhaus-Museum in Weimar

Die Museumslandschaft Thüringens hat ihren Schwerpunkt in Weimar mit seinen klassischen Dichtern, Musikern und Künstlern. Aber auch in einigen anderen Städten im Land liegen bedeutsame Museen. Zusätzlich befinden sich in den alten Residenzschlössern die jeweiligen Landesmuseen, die einen regionalgeschichtlichen Schwerpunkt setzen.

Zum Weimarer Weltkulturerbe gehören das Goethe-Nationalmuseum, welches die Wirkungsstätten des Dichters in der Stadt vereint, sowie Schillers Wohnhaus und eine Vielzahl anderer kulturell genutzter Einrichtungen. Bedeutsam ist außerdem das Bauhaus-Museum in der Weimarer Innenstadt.

Das Lindenau-Museum in Altenburg beherbergt die größte Sammlung frühitalienischer Tafelbildmalerei nördlich der Alpen. Es gehört neben der Wartburg und der Klassik Stiftung Weimar zu den 20 „kulturellen Leuchttürmen“ im Blaubuch der Bundesregierung in den neuen Bundesländern.

Das 1989 eröffnete Panorama Museum bei Bad Frankenhausen beherbergt das Bauernkriegspanorama zum Gedenken an den Deutschen Bauernkrieg und den Bauernführer Thomas Müntzer. Mit einer Fläche von 1722 m² zählt es zu den größten Tafelbildern der Welt. Das Deutsche Spielzeugmuseum in Sonneberg wurde 1901 eröffnet und ist das älteste sowie eines der größten Spielzeugmuseen in der Bundesrepublik. Ähnlich bedeutsam ist das Deutsche Gartenbaumuseum in Erfurt auf dem Gebiet der Landschaftsarchitektur. Es zeigt auf 1500 Quadratmetern geschichtliches und biologisches aus dem Gartenbau in Mitteleuropa. Das Optische Museum in Jena schildert die Geschichte und den Fortschritt der Technologie im Bereich der Optik und ist auf diesem Gebiet ebenfalls von bundesweiter Bedeutung.

Theater[Bearbeiten]

Deutsches Nationaltheater in Weimar

Die Theaterlandschaft in Thüringen ist – bedingt durch die Kleinstaaterei – ebenfalls noch heute vielfältig. Die bedeutendsten Theater des Landes sind das Deutsche Nationaltheater in Weimar und das Das Meininger Theater. Traditionsreiche Schauspielhäuser werden heute auch noch in Eisenach, Gera und Altenburg betrieben. Ein Neubau aus der jüngsten Zeit ist das Theater Erfurt. Weitere Theater führen in Arnstadt, Greiz, Nordhausen und Rudolstadt auf. Vielen Theatern gehört zudem noch ein eigenes Orchester an. Die größte Freiluftbühne ist das Naturtheater Steinbach-Langenbach im Thüringer Wald. Da alle Theater vom Freistaat bezuschusst werden, stellt die Finanzierung dieses Kulturangebots eine schwierige Aufgabe dar. In den letzten Jahren mussten die Theater bereits größere Etatkürzungen durch die Landesregierung hinnehmen.

Mit dem Ekhof-Theater von 1681 in Gotha befindet sich das älteste erhaltene Theater Deutschlands ebenso im Land wie das Stadttheater Hildburghausen von 1755 als ältestes erhaltenes Stadttheater, wo 1765 auch die erste Schauspielschule Deutschlands gegründet wurde.

Allein im Thüringer Theaterverband e.V. sind bisher 28 Profi- und Amateurtheater organisiert.[53]

Musik, Literatur und Bildende Kunst[Bearbeiten]

Um 1200 erlebte Thüringen eine Blütezeit des Minnesangs und der Sangspruchdichtung. Davon legt besonders die Gedichtsammlung über den fiktiven Sängerkrieg auf der Wartburg ein bedeutendes Zeugnis ab. Der Legende nach sollen dort damals die wichtigsten Minnesänger dieser Zeit miteinander gewetteifert haben.

Johann Sebastian Bach

Die Familie Bach mit ihrem berühmtesten Sohn, Johann Sebastian Bach, stammt aus Wechmar bei Gotha. Viele Mitglieder dieser Familie wurden Musiker und prägten die Hof- und Kirchenmusik in Thüringen zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert. Nach der Familie Bach kamen im „Silbernen Zeitalter“ Weimars, dem 19. Jahrhundert, Musiker wie Franz Liszt nach Thüringen. Sie schätzten die liberale und geschichtsträchtige Atmosphäre der Goethestadt. Durch Liszt und seinen Schülerkreis wurde Weimar um 1850 eines der Zentren der damaligen modernen Musik. 1872 gründete Carl Müllerhartung hier die erste deutsche Orchesterschule, den Vorläufer der heutigen Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Zu den dort tätigen Musikpädagogen gehörten auch die wohl bedeutendsten dauerhaft in Thüringen lebenden Komponisten des 20. Jahrhunderts, Richard Wetz und Johann Cilenšek. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlangte die Meininger Hofkapelle den Ruf eines hervorragenden Orchesters, das besonders seit Hans von Bülow 1880 die Leitung übernommen hatte, weitere fähige Musiker anzog, die zur Entwicklung einer musikalischen Blütezeit Wesentliches beitrugen. Bis 1914 wurde diese Tradition unter den Dirigenten Richard Strauss, Fritz Steinbach, Wilhelm Berger und Max Reger fortgeführt.

Wichtige Orchester des Landes sind die Staatskapelle Weimar, das Philharmonische Orchester Erfurt, die Thüringen Philharmonie Gotha, die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt, die Jenaer Philharmonie, das Loh-Orchester Sondershausen und die Vogtland Philharmonie Greiz Reichenbach. Im Bereich Historische Aufführungspraxis konnte sich das Ensemble Cantus Thuringia & Capella Thuringia in den letzten Jahren einen internationalen Ruf erarbeiten. Die Thüringer Bachwochen sind ein landesweites Musikfestival zu Ehren Johann Sebastian Bachs. Der volkstümlichen Musik in Thüringen war vor allem Herbert Roth, der Komponist des Rennsteiglieds, verschrieben. Es gilt als inoffizielle Landeshymne. Zu den bekanntesten Musikern aus Thüringen gehörten zu DDR-Zeiten Veronika Fischer, Tamara Danz, die Sängerin der Band Silly, die Schlagersängerin Ute Freudenberg („Jugendliebe“), die Rockmusiker Jürgen Kerth und Klaus Renft, Gründer der Klaus Renft Combo, sowie der Liedermacher Gerhard Gundermann. In jüngster Zeit sind vor allem Pop-Musiker wie Yvonne Catterfeld oder Clueso bekannt. Thüringen hat sich außerdem einen Ruf in der Elektromusikszene erworben. Hier wären als erstes international erfolgreiche Künstler, wie Northern Lite oder Marek Hemmann zu erwähnen. Ebenso gibt es eine Bandbreite an national und regional erfolgreichen DJs, die sich Musikarten wie House, Minimal, Hard-Tech oder Schranz widmen, darunter A.N.A.L. oder The Housegroover.

Die Literaturgeschichte Thüringens ist untrennbar durch die Weimarer Klassik bestimmt. Sie führte die deutschsprachige Literatur im 18. Jahrhundert mit dem Dichterkreis um Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller an. Ebenfalls in diese Epoche können Johann Gottfried Herder, Karl Ludwig von Knebel und Christoph Martin Wieland eingeordnet werden. Sie konzentrierten sich am Weimarer Hofe um Herzog Karl August und dessen Mutter Anna Amalia. In späteren Epochen waren für das Land vor allem Dichter wie Rudolf Baumbach, Ludwig Bechstein, Otto Ludwig und Theodor Storm von Bedeutung. Auch die Sachliteratur hat einige bedeutende Werke hervorgebracht, so erschien 1872 in Schleiz der erste Duden von Konrad Duden, Justus Perthes schrieb 1763 das erste Genealogische Handbuch des Adels, welches später als „der Gotha“ bezeichnet wurde. Ab 1863 erschienen in Hildburghausen Brehms Thierleben von Alfred Brehm aus Renthendorf bei Neustadt an der Orla. Ernst Haeckel publizierte an der Universität Jena die Darwinsche Evolutionstheorie und entwickelte sie weiter. Der Philosoph Friedrich Nietzsche verbrachte seine letzten Lebensjahre in Weimar, wo das Nietzsche-Archiv heute seinen Nachlass verwaltet. Ein bedeutender Kartograf wurde ab 1900 der Gothaer Hermann Haack.

Auf dem Gebiet der Bildenden Künste war in Thüringen vor allem das Bauhaus in Weimar von Bedeutung. Es war in den 1920er Jahren weltweit stilprägend und zog Maler wie Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Johannes Itten und Oskar Schlemmer sowie Architekten wie Walter Gropius, Henry van de Velde und Ludwig Mies van der Rohe in den Freistaat. Aber auch Maler wie Lucas Cranach der Ältere oder Otto Dix und der Bildhauer Tilman Riemenschneider wirkten in Thüringen.

Architektur[Bearbeiten]

Kloster Paulinzella (Romanik)

In Thüringen sind Bauwerke aus den Stilepochen seit der Romanik erhalten. Romanische Bauwerke von Bedeutung sind die Wartburg, die Burg Lohra und die Kemenate Orlamünde auf dem Gebiet des Burgenbaus und die Klöster in Thalbürgel, Paulinzella und Göllingen (byzantinischer Stil) sowie der Nordhäuser Dom und die Erfurter Peterskirche (ehemaliges Peterskloster). Auch die Werrabrücke Creuzburg, errichtet 1223 und damit die älteste Brücke der neuen Bundesländer, wurde im romanischen Stil errichtet.

Die Gotik war durch den Bau großer, repräsentativer Stadtkirchen geprägt. Bedeutendste Werke dieser Zeit sind der Erfurter Dom und die benachbarte Severikirche sowie die Predigerkirche und die Barfüßerkirche in der Erfurter Altstadt. Auch in anderen Städten entstanden zu dieser Zeit große Kirchbauten, wie etwa die Marienkirche und die Divi-Blasii-Kirche in Mühlhausen oder die Marktkirche in Bad Langensalza und die Jenaer Stadtkirche. Zu den größten gotischen Profanbauten gehört der Kornhofspeicher in Erfurt.

Schloss Belvedere (Barock)

Die Zeit der Renaissance führte zum Aufschwung des Bürgertums in den Städten, wovon die Bürger- und Rathäuser der damaligen Zeit zeugen. Das Altenburger Rathaus gehört ebenso wie das Geraer Rathaus und die Erfurter Bürgerhäuser Haus zum Roten Ochsen, Haus zum Breiten Herd oder Haus zum Stockfisch in diese Epoche der abendländischen Architektur. In dieser Zeit vollzog sich der Übergang vom Burgenbau zum Schlossbau, was heute in Schlossburgen wie dem Oberen Schloss in Greiz, der Burg Ranis, dem Schloss Bertholdsburg in Schleusingen, der Veste Heldburg oder dem Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden deutlich wird. Der Kirchenbau kam in Thüringen in der Renaissance angesichts der Reformation zum Erliegen.

Im Barock erlebte der Schlossbau seine Blütezeit. Es entstanden Residenzen wie die Heidecksburg oder Schloss Friedenstein, aber auch Verwaltungsgebäude wie die Kurmainzische Statthalterei, heute Thüringer Staatskanzlei, in Erfurt. Landschlösser entstanden zu dieser Zeit unweit der Residenzstädte, allein im Umfeld Weimars sind dies das Schloss Belvedere, das Schloss Tiefurt und das Schloss Ettersburg, die allesamt in der barocken Zeit des Absolutismus entstanden. Vereinzelt wurden auch Kirchen wie die Stadtkirche Waltershausen (rund), Nebengebäude von Residenzen wie die Orangerie Gotha und Wohnhäuser des Bürgertums wie das Weimarer Wittumspalais errichtet.

Zeiss-Bau 15 (Moderne)

Der Klassizismus war in Thüringen weniger prägend als etwa in Preußen. Größere Schlossanlagen aus dieser Epoche sind das Weimarer Stadtschloss und das Untere Schloss in Greiz. Vereinzelt sind auch klassizistische Kirchenbauten vorhanden, beispielsweise die Dreieinigkeitskirche in Zeulenroda. In derselben Stadt befindet sich mit dem Rathaus auch das prägendste Bauwerk des Klassizismus in Thüringen. Auf diesen Stil folgte der Historismus mit dem ein enormes Bevölkerungs- und Städtewachstum einherging, was zahlreiche Neubauten erforderte. So prägt der Historismus heute noch ganze Stadtbilder. Es entstanden unzählige Wohnhäuser und Verwaltungsbauten, aber auch Kirchen in den wachsenden Vierteln der größeren Städte. Im frühen Historismus entstand das neugotische Schloss Landsberg bei Meiningen, später folgten das Neue Museum in Weimar und das Museum der Natur Gotha. In der Endphase des Historismus vor dem Ersten Weltkrieg errichtete man neue Theater (in Weimar und Meiningen) oder auch das Volkshaus Jena.

Die Moderne begann in Thüringen während des Ersten Weltkriegs, als mit dem 42 Meter hohen Bau 15 in Jena das erste Hochhaus Deutschlands entstand. Ab 1919 wurde das Bauhaus mit Sitz in Weimar stilprägend. Unter der Leitung von Walter Gropius entstand in Weimar das Musterhaus Am Horn nach den Idealen des Bauhauses. Auch das Haus des Volkes in Probstzella ist nach den Grundsätzen des Bauhauses errichtet worden. Die Lutherkirche in Erfurt ist eines der wenigen Bauwerke im Stil des Art Déco, errichtet 1927. Um 1930 wurden im Osten Erfurts erste Quartiere mit Sozialwohnungen errichtet, die sich stilistisch an Bauhaus und Neue Sachlichkeit anlehnten. Es folgte die Architektur des Nationalsozialismus, die Vorgabe zum Bau des Gauforums in Weimar war. Nach dem Krieg wurde in der DDR der industrielle Wohnungsbau aus Betonfertigteilen dominant. Auch in der Architektur öffentlicher Bauten schlug sich dieser Trend nieder. 1972 wurde das Universitätshochhaus in Jena eingeweiht. Seit 2004 misst es bis zur Turmspitze 159 Meter. Einer der letzten Bauten der DDR war das monumentale Gebäude des Bauernkriegspanoramas („Elefantenklo“) bei Bad Frankenhausen aus dem Jahr 1987. Nach der deutschen Wiedervereinigung konzentrierte sich die Bautätigkeit auf öffentliche Gebäude wie etwa das Bundesarbeitsgericht oder das Theater Erfurt, die dem Zeitgeschmack entsprechend in Glas und Stahl ausgeführt wurden.

Zu den berühmtesten Architekten, die in Thüringen wirkten, zählen Nikolaus Gromann (Renaissance), Gottfried Heinrich Krohne (Barock), Clemens Wenzeslaus Coudray (Klassizismus), Henry van de Velde (Jugendstil) und Walter Gropius (Bauhaus Weimar).

Küche[Bearbeiten]

Thüringer Rostbratwürste
Hauptartikel: Thüringer Küche

Die Thüringer Küche ist traditionell fleischlastig und eher deftig. Bekannte Spezialitäten sind die Thüringer Klöße, die Thüringer Rostbratwurst und das Rostbrätel.

Bier ist das bedeutendste Getränk in Thüringen, besonders das Köstritzer Schwarzbier ist bundesweit bekannt. Pils und andere Biersorten werden in den vielen kleinen und mittelständischen Brauereien des Landes produziert. Zentrum des Weinbaus ist die Stadt Bad Sulza im Ilmtal. Sie gehört zum Weinbaugebiet Saale-Unstrut.

Brauchtum[Bearbeiten]

Thüringen besitzt kein einheitliches signifikantes Brauchtum, vielmehr unterscheidet sich dieses von Dorf zu Dorf und von Region zu Region. Im ganzen Land begangen wird in fast jedem Dorf alljährlich die Kirmes als zentrales Dorffest. Die Mühlhäuser Kirmes ist hierbei nach eigenen Angaben die größte in Deutschland. Der Eisenacher Sommergewinn ist das größte Frühlingsfest Deutschlands, das alljährlich 3 Wochen vor Ostern mit einem großen Festzug gefeiert wird. Auch Schützenfeste sind in einigen Landesteilen ein fester Bestandteil der dörflichen Lebenskultur.

Traditionsreiche Feste sind darüber hinaus das Rudolstädter Vogelschießen, der Weimarer Zwiebelmarkt, der Erfurter Weihnachtsmarkt sowie die DomStufen-Festspiele in der Hauptstadt Erfurt.

Städte[Bearbeiten]

Die gründerzeitlich geprägte Stadt Greiz

Am 30. Juni 2007 lebten 988.122 von 2.300.538 Menschen in Thüringen in Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern. Obwohl der Verstädterungsgrad mit 42,95 % relativ gering ist und ein Großteil der Städte seit 1940 kein wesentliches Wachstum mehr erfuhr, bilden sie die kulturellen und wirtschaftlichen Zentren des Landes. Das umfangreichste kulturelle Leben spielt sich in den Städten Erfurt (Landeshauptstadt), Weimar (Europäische Kulturhauptstadt 1999) und Jena (universitäres und wirtschaftliches Zentrum) ab. Das Bild der Städte ist relativ heterogen, so zeigen einige Städte im Kern ein mittelalterliches Stadtbild. Dies gilt vor allem für Erfurt und Mühlhausen, aber auch für kleinere Städte wie Saalfeld und Schmalkalden. Ein barock-klassizistisches Stadtbild prägt die ehemaligen Residenzen wie Weimar, Gotha, Eisenach, Rudolstadt oder Meiningen. In der Zeit der Industrialisierung herangewachsene Städte wie Gera, Altenburg, Greiz oder Apolda sind durch ein gründerzeitliches Erscheinungsbild gekennzeichnet. Die Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg sorgten dafür, dass Jena und Nordhausen äußerst heterogene Stadtkerne besitzen, in denen Hochhäuser und Großwohnblocks mit Fachwerkbauten abwechseln. Die Stadt Suhl erfuhr in den 1960er und 1970er Jahren einen in Thüringen beispiellosen Umbau, in dem der Großteil des Altstadtkerns entfernt und durch ein dem Zeitgeschmack der Sozialistischen Stadt entsprechendes Zentrum ersetzt wurde. Leinefelde entstand im Wesentlichen zur DDR-Zeit und stellt die einzige Planstadt dieses Typs in Thüringen dar. Prägend für viele Städte im Land ist ihre Lage in relativ beengten Flusstälern, sodass sich beträchtliche Höhenunterschiede innerhalb der Städte ergeben und der Bauplatz vielerorts begrenzt ist. Dadurch dehnen sich einige der größten Städte wie Jena, Gera, Eisenach oder Suhl über große Strecken längs eines Tales aus und nehmen dessen gesamte Breite ein.

Die Verwaltungen gehen mit historischer Bausubstanz unterschiedlich um: während einige Städte mit großem Aufwand versuchen, möglichst viel altstädtische Bausubstanz zu erhalten und damit auch Erfolge erzielten (Bad Langensalza gewann 2004 beim Wettbewerb Entente Florale Deutschland Gold), messen andere Städte dem Denkmalschutz geringere Bedeutung zu. So beschloss die Stadt Gotha am 6. Juni 2007 den Abriss des geschichtsträchtigen Volkshauses zum Mohren, der im Oktober 2007 durchgeführt wurde, sowie am 13. September 2006 den Abriss des Winterpalais, der nur durch massive Proteste von verschiedenen Seiten verhindert werden konnte.

Eine Liste der städtischen Rathäuser, die oftmals bedeutende Kulturdenkmale sind, findet sich unter Liste der Rathäuser in Thüringen.

Burgen[Bearbeiten]

Wartburg

Die hügelige Landschaft mit vielen Taleinschnitten sowie die zentrale Lage im deutschen Kulturraum begünstigten schon seit dem frühen Mittelalter die Anlage von Burgen im Freistaat. Die bekannteste Burg des Landes ist die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Wartburg oberhalb von Eisenach. Sie war einst Sitz der Landgrafen von Thüringen und später der Ort, an dem Martin Luther vor der kaiserlichen Reichsgewalt versteckt wurde und Teile der Bibel ins Deutsche übersetzte. Später erlangte die Wartburg noch einmal Bedeutung für die liberalen und nationalen Studentenbewegungen des 19. Jahrhunderts, da hier 1817 das Wartburgfest stattfand.

Ein bekanntes Burgenensemble sind die Drei Gleichen zwischen Erfurt, Arnstadt und Gotha. Zu ihnen gehört mit der Mühlburg das älteste erhaltene Gebäude Thüringens aus dem Jahr 704. Weitere mächtige Anlagen sind die Burg Creuzburg über dem Werratal bei Creuzburg, die Leuchtenburg über dem Saaletal bei Kahla sowie die Osterburg über dem Elstertal bei Weida. Eine Weiterentwicklung der mittelalterlichen Burgen waren neuzeitliche Festungen. Mit der Zitadelle Petersberg erhebt sich in der Erfurter Altstadt eine der größten erhaltenen frühneuzeitlichen Festungsanlagen Mitteleuropas.

Schlösser[Bearbeiten]

Schloss Friedenstein in Gotha
Residenzschloss in Sondershausen

Im Jahr 1918 gab es in Thüringen noch acht Monarchien mit eigener Residenz. Diese Residenzen sind heute die größten und bedeutendsten Schlösser Thüringens. Hauptsitz der Ernestiner war Weimar, wo das heute zum Weltkulturerbe zählende klassizistische Weimarer Stadtschloss ein umfangreiches Museum beherbergt. Das Schloss Friedenstein in Gotha war Sitz des Herzogs von Sachsen-Gotha und ist heute ebenfalls großenteils als Museum genutzt. Weitere ernestinische Residenzen waren das Schloss Altenburg in Altenburg und das Schloss Elisabethenburg in Meiningen. Zusätzlich unterhielt dieses Herzogsgeschlecht viele kleine Landschlösser, die in ganz Thüringen verstreut liegen. Bekannte unter ihnen sind vor allem die Dornburger Schlösser über dem Saaletal, die Schlösser Tiefurt, Ettersburg und Belvedere bei Weimar und Schloss Molsdorf bei Erfurt sowie Schloss Altenstein mit seinem großen Landschaftspark bei Bad Liebenstein.

Neben den Ernestinern herrschten in Thüringen die Fürstengeschlechter Schwarzburg und Reuß. Die schwarzburgischen Residenzen Schloss Heidecksburg in Rudolstadt und das Schloss in Sondershausen sind heute ebenso umfassende Museen wie das Untere Schloss in Greiz. Die andere reußische Residenz in Gera, Schloss Osterstein, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Sehenswert sind auch das Schloss Burgk, ebenfalls den Fürsten von Reuß gehörig, über den Saaletalsperren, sowie das Schloss Schwarzburg im Schwarzatal.

Bedeutende frühneuzeitliche Schlossanlagen älterer Herrschergeschlechter sind die hennebergische Residenz Schloss Bertholdsburg in Schleusingen, Schloss Ehrenstein in Ohrdruf sowie Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden als Sitz einer Nebenlinie der Landgrafen von Hessen.

Kirchen und Klöster[Bearbeiten]

Dom und Severikirche in Erfurt
Gotische Marienkirche in Mühlhausen

Die bedeutendsten der etwa 2500 Sakralbauten Thüringens stammen aus der Gotik und stehen in den Zentren der historischen Städte. In Erfurt liegt mit dem Erfurter Dom die größte Kirche Thüringens, die mit der benachbarten Severikirche ein sehenswertes Ensemble bildet. Darüber hinaus stehen in der Erfurter Altstadt etwa 25 weitere, meist gotische, Pfarrkirchen, die das Stadtbild maßgeblich prägen.

Für die Gotik bedeutend sind die beiden Hauptkirchen der Reichsstadt Mühlhausen. Die Marienkirche war ein Zentrum des Bauernkriegs von 1525 und besitzt den höchsten Kirchturm im Freistaat (86 Meter). Die Divi-Blasii-Kirche war eine Wirkungsstätte des Komponisten Johann Sebastian Bach und ist die gotische Hauptkirche Mühlhausens. In Nordhausen, der zweiten Reichsstadt Thüringens, liegt mit dem Nordhäuser Dom eine der beiden Domkirchen des Landes.

Erwähnenswert in der Kirchenlandschaft sind vor allem die Oberkirche in Bad Frankenhausen mit dem um vier Meter aus der senkrechten geneigten Turm sowie die Russisch-Orthodoxe Kapelle in Weimar, die einst für Herzogin Maria Pawlowna errichtet wurde und zu den ältesten orthodoxen Kirchen Deutschlands gehört.

Die Klöster des Landes verloren im Wesentlichen mit der Reformation am Beginn des 16. Jahrhunderts ihre Macht, woraufhin viele aufgelöst wurden. Daher sind heute vor allem romanische und gotische Klosterruinen erhalten. Historisch bedeutend waren hierbei etwa das Kloster Reinhardsbrunn bei Gotha (Grablege und Hauskloster der Landgrafen von Thüringen) sowie das Erfurter und das Saalfelder Peterskloster. Architektonisch interessant sind die Klosterruinen in Kloster Veßra, Paulinzella, Göllingen oder Stadtroda. Ein bekanntes Thüringer Kloster ist das 1996 wiederbezogene Erfurter Augustinerkloster, in dem Martin Luther einige Jahre seines Lebens verbrachte. In den katholischen Gegenden des Landes (Eichsfeld und teilweise Stadt Erfurt) bestanden einige Klöster noch bis zur Säkularisation der napoleonischen Zeit, ehe auch sie aufgelöst wurden. Seit 1800 bestehen nur noch sehr vereinzelt weitergeführte Anlagen wie beispielsweise das Ursulinenkloster Erfurt.

Denkmäler[Bearbeiten]

Die bekanntesten Denkmäler im Land sind zum einen das in der Gemarkung Steinthaleben gelegene Kyffhäuserdenkmal, ein 81 Meter hohes, weithin sichtbares Denkmal auf dem gleichnamigen Gebirge bei Bad Frankenhausen. Es wurde zwischen 1890 und 1896 als Kaiser-Wilhelm-Denkmal errichtet und ist das drittgrößte Denkmal Deutschlands.

Zum anderen ist das Goethe- und Schiller-Denkmal auf dem Weimarer Theaterplatz sehr bekannt. Es gehört zum Weltkulturerbe und zeigt die Dichter Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Aufgestellt wurde es 1856. Das 33 Meter hohe Burschenschaftsdenkmal bei Eisenach von 1902 erinnert an die deutschen Burschenschaften des frühen 19. Jahrhunderts, die unter anderem beim Wartburgfest von 1817 eine Rolle spielten.

Sport[Bearbeiten]

Erfolgreichste Sportler aus Thüringen sind die Oberhofer Wintersportler aus den Disziplinen Rodeln/Bob und Langlauf/Nordische Kombination/Biathlon. Sie sind bei Olympischen Winterspielen stets erfolgreich und vielfach Olympia-Sieger. Daneben sind die Eisschnellläufer und Eiskunstläufer des Eissportclubs Erfurt seit vielen Jahren international erfolgreich.

Im Sommersport ist der Fußball in Thüringen am populärsten. Die erfolgreichsten Mannschaften sind derzeit die Männer des FC Rot-Weiß Erfurt (3. Liga), FC Carl Zeiss Jena (Regionalliga) und die Frauen des FF USV Jena (in der Ersten Bundesliga). Auch andere Mannschaftssportarten und die Leichtathletik werden im Land vielerorts betrieben. Der traditionsreiche Herzogliche Golf-Club Oberhof verfügt über die einzige Golfanlage Deutschlands, die unter Denkmalschutz steht.

Eine bis heute bekannte Motorsport-Rennstrecke ist das Schleizer Dreieck.

Feiertage[Bearbeiten]

SMS Thüringen, gebaut 1911

Neben den bundesweit gültigen Feiertagen ist in Thüringen der Reformationstag ein gesetzlicher Feiertag. Im gesamten Landkreis Eichsfeld und in bestimmten Gemeinden des Unstrut-Hainich- und des Wartburgkreises ist Fronleichnam ein gesetzlicher Feiertag.

Außenwirkung[Bearbeiten]

Im Jahr 1911 lief das Großlinienschiff SMS Thüringen vom Stapel, das auf der Bremer Weser-Werft gebaut wurde und am 12. April die Werft verließ.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Thüringen – Quellen und Volltexte
 Wikivoyage: Thüringen – Reiseführer
 Wiktionary: Thüringen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikinews: Thüringen – in den Nachrichten
 Commons: Thüringen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung – Thüringen. Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 25. Juni 2014, abgerufen am 26. Juni 2014.
  2. Arbeitslosenquoten im August 2014 – Länder und Kreise. In: statistik.arbeitsagentur.de. Statistik der Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 4. September 2014.
  3. Quelle: destatis, Schulden der öffentlichen Haushalte am 31. Dezember 2012
  4. Pressemitteilung des Thüringer Landesministeriums für Bau, Landesentwicklung und Medien vom 15. August 2008
  5. Wetterrekorde beim DWD
  6. Geologische Landesaufnahme auf den Seiten des Geologischen Landesdienstes
  7. Gerhard Seidel (Hrsg.): Geologie von Thüringen. E. Schweizbartsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2003, ISBN 978-3-510-65205-1
  8. a b c d Hans-Joachim Zündorf, Karl-Friedrich Günther, Heiko Korsch und Werner Westhus: Flora von Thüringen, Weisdorn-Verlag, Jena 2006. ISBN 3-936055-09-2.
  9. Ostthüringer Zeitung(OTZ) vom 1. Februar 2014, Seite 1
  10. Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt: Bericht zur Überprüfung des UNESCO-Biosphärenreservates Vessertal – Thüringer Wald. August 2003 (Bearbeitungsstand Oktober 2001).
  11. Landesentwicklungsplan 2025 (Zweiter Entwurf 2013) (PDF; 6,7 MB)
  12. W. Lösch, R. Petzold, F. Reinhold, S. Wiegand: Kleines Thüringer Wörterbuch, Reclam Verlag Leipzig, 1995, S. 6.
  13. Statistisches Jahrbuch Thüringen 2011- PDF, 4,3 MB
  14.  Paul Wappler, Verein für Thüringische Geschichte und Altertumskunde (Hrsg.): Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526–1584. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
  15.  Christian Hege und Christian Neff: Mennonitisches Lexikon. Band 4, Eigenverlag, 1959, S. 324-327.
  16. taz
  17. MDR
  18. Der Spiegel
  19. Die Russen kommen. Die 8. Gardearmee in Thüringen 1945–1994. Sonderausstellung im Stadtmuseum Erfurt von Mai bis Oktober 2005
  20. www.tls.thueringen.de: Schulden des Landes und der Gemeinden und Gemeindeverbände in Thüringen
  21. MDR: Die Bundeswehr in Thüringen, 14. Februar 2011
  22. http://www.pds-fraktion-thueringen.de/presse/pm2009/pm141009c.html
  23. http://l4.spd-thl.de/dokumente/dok/20050919-grundsaetze-verwaltungsreform-thueringen.pdf
  24. http://www.mdr.de/thueringen/6779394.html
  25. http://www.mdr.de/thueringen/wahlen/landtagswahl/6772729.html
  26. TLUG: Umwelt regional; Bevölkerungsentwicklung
  27. Thüringer Gebietsreform, aufgerufen am 5. Februar 2013
  28. Eichsfeld-Landrat droht mit Wechsel nach Niedersachsen, aufgerufen am 5. Februar 2013
  29. Sonneberg und Hildburghausen drohen mit Flucht nach Franken, aufgerufen am 5. Februar 2013
  30. MDR: Wie ein Gebietsübertritt in Deutschland geregelt ist, aufgerufen am 8. Februar 2013
  31. Regierung setzt neue Kommission für Verwaltungsreform ein, aufgerufen am 5. Februar 2013
  32. Steffen Raßloff: Kreisreform und Landesgeschichte. In Thüringer Allgemeine vom 26. Februar 2013
  33. www.vgrdl.de: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder: Bruttoinlandsprodukt – in jeweiligen Preisen – 1991 bis 2011
  34. epp.eurostat.ec.europa.eu: Regionales Bruttoinlandsprodukt (KKS je Einwohner in % des EU-27 Durchschnitts), nach NUTS-2-Regionen
  35. Regionale Statistik-Information. In: statistik.arbeitsagentur.de. Statistik der Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 26. September 2013.
  36. thueringen.dgb.de: Viel Arbeit für wenig Geld – Thüringen hat bundesweit bei den längsten Arbeitszeiten die niedrigsten Löhne und Gehälter (September 2008)
  37. Zensusdatenbank
  38. Statistik der Bundesagentur für Arbeit
  39. Zensusdatenbank
  40. Thüringer Landesamt für Statistik
  41. Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Arbeit: Wirtschaftsbericht 2007 für den Freistaat Thüringen
  42. Neue Thüringer Illustrierte. Mai/Juni 2007, Nr. 5, S. 71
  43. Marktdaten am 21. Februar 2013 von onvista.de
  44. Die 100 größten Unternehmen in Thüringen
  45. TLS
  46. Thüringer Landesamt für Statistik
  47. „Thüringer Kommunen rufen um Hilfe – Immer mehr Straßen sind kaputt“, Thüringer Allgemeine vom 15. Oktober 2012
  48. Bundesautobahn 71
  49. DEMO – Monatszeitschrift für Kommunalpolitik: Energiewende in den Kommunen
  50. http://www.statistik.thueringen.de/presse/2006/pr_131_06.htm
  51. http://www.statistik.thueringen.de/presse/2003/pr_123_03.htm
  52. http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/article/652127/mvz-thueringen-ueberwiegend-klinikhand.html
  53. Thüringer Theaterverband Jahresheft 2014 sowie www.thueringer-theaterverband.de
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Dieser Artikel wurde am 29. November 2007 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.

50.86144411.052246Koordinaten: 50° 51′ 41,2″ N, 11° 3′ 8,1″ O