Fenster (Geologie)

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Tektonisches Fenster (F) im schematischen Profilschnitt (schwarz: Landoberfläche). Die weiße Decke wurde durch Erosion in einem begrenzten Bereich entfernt (rote gestrichelte Linie: ehemalige Deckenuntergrenze), im Fenster steht das rote Liegende an
Teile eines Überschiebungssystems: Klippe, Fenster, Decke, Überschiebung

Als Fenster oder tektonisches Fenster wird in der Geologie ein durch Erosion oder horizontale Erdkrustenbewegungen freigelegter (aufgeschlossener) Teil des Untergrundes einer tektonischen Decke bezeichnet. Sie kommen häufig in jenen Faltengebirgen wie den Alpen vor, deren Aufbau (Tektonik) stark durch Überschiebungen geprägt ist.

Geologischer Bau[Bearbeiten]

Solche Fenster treten als Öffnungen oder Lücken in einer weiträumigen Überschiebungsdecke zutage, wobei die im Untergrund liegenden -- meist älteren -- Gesteine der überschobenen Decke zutage treten. Dadurch wird inmitten ursprünglich tiefer liegender Gesteine bzw. Formationen ein ursprünglich höher liegender Teil der Erdkruste sichtbar.

Die Gesteine im Fenster liegen demnach tektonisch tiefer (tektonisch Liegendes) als ihre Rahmengesteine und sind rundum von tektonisch höher liegenden Gesteinen (tektonisch Hangendes) umgeben. Sie erlauben somit wie durch ein Fenster den Einblick in den geologischen Untergrund. Meistens sind ältere Gesteine über jüngere überschoben, nur in speziellen geologischen Situationen ist dies umgekehrt.

Von einem Halbfenster spricht man, wenn dieser Aufschluss des Untergrundes nicht an allen Seiten von den Gesteinen der Decke umgeben ist.

Das Pendant zum geologische Fenster ist die Tektonische Klippe. Der Abstand zwischen einer Klippe und einem Fenster gibt die minimale Überschiebungslänge an.

Beispiele aus den Ostalpen[Bearbeiten]

Unterengadiner Fenster

In Gebirgen -- insbesondere jungen Faltengebirgen -- findet man Fenster vielfach in Tälern oder im Kern von Antiklinalen (Sätteln).

Die zwei größten Fenster in den Ostalpen sind das Unterengadiner Fenster (Ostschweiz) und das Tauernfenster (Salzburg/Kärnten). Kleinere Fenster sind im Westen u.a. das Vättner Fenster und das Gargellenfenster, im Osten das Semmeringfenster und an der ungarischen Grenze das Rechnitzer Fenster.

Gase und Mineralquellen[Bearbeiten]

Im Bereich der Fenster, einer geologisch bedeutenden Erosionslücke in der sonst gasundurchlässigen Gneis- und Granitschicht, können Gase aus dem Erdinneren durch Risse und weichen Schiefer nach oben dringen, sich mit dem Grundwasser vermengen und so Mineralquellen bilden. Beispiele sind die 25 Mineralquellen in Umkreis von Scuol entlang der Engadiner (Störungs-) Linie des Unterengadiner Fensters [1] oder die Mineralquelle von Bad Ragaz beim Vättner Fenster.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bissig: Angewandte Geologie - Mineralquellen von Scuol-Tarasp, 2004