Fettschwalm

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Fettschwalm
Zwei Fettschwalme auf Trinidad

Zwei Fettschwalme auf Trinidad

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Schwalmartige (Caprimulgiformes)
Familie: Fettschwalme (Steatornithidae)
Gattung: Fettschwalme
Art: Fettschwalm
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Steatornis
Humboldt, 1814
Wissenschaftlicher Name der Art
Steatornis caripensis
Humboldt, 1817

Der Fettschwalm (Steatornis caripensis) oder auch Guacháro ist die einzige rezente Art der Vogelfamilie der Fettschwalme (Steatornithidae). Die monotypische Einordnung in eine eigene Familie ist darauf zurückzuführen, dass der Fettschwalm sehr ungewöhnlich ist.

Die Art wird zu der Ordnung der Schwalmartigen (Caprimulgiformes) gerechnet, neuere osteologische Vergleiche legen aber auch eine nähere Verwandtschaft zu den Trogonen (Trogoniformes) nahe.

Anatomie[Bearbeiten]

Der Fettschwalm ist ein etwa 40 bis 49 Zentimeter großer rötlich brauner Vogel mit weißen Flecken an Kehle, Kopf und Flügeln. Er wiegt zwischen 350 und 375 Gramm. Das Gefieder von Männchen und Weibchen ist gleich. Seine große Schnabelöffnung dient dem Transport von Nahrung zum Nistplatz.

Des Weiteren hat er relativ lange Flügel und einen langen Schwanz. Im Gegensatz dazu sind die Beine extrem kurz und nahezu unbrauchbar.

Fettschwalme verfügen über einen sehr guten Geruchssinn und hochspezialisierte Nachtaugen.

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Fettschwalm kommt im nördlichen und zentralen Südamerika vor, vom östlichen Panama über Kolumbien und Venezuela nach Osten bis Trinidad und Guyana und entlang der Anden nach Süden über Ecuador und Peru bis ins zentrale Bolivien.

Lebensweise[Bearbeiten]

Der Fettschwalm ist der einzige nachtaktive früchtefressende Vogel der Welt. Tagsüber hält er sich in Kolonien in bis zu einem Kilometer langen, vollkommen dunklen Erdhöhlen im Boden auf, in denen er trotz seiner Nachtaugen nichts mehr sieht.

In diesen dunklen Höhlen, die als Ruhe- und Nistplatz dienen, jedoch nicht draußen, orientiert er sich mittels Echoortung, welche jener der Fledermäuse ähnelt. Die dabei erzeugten Klick-Signale haben eine tiefe Frequenz (1,5–2,5 kHz[1]) und sind daher, anders als die der Fledermäuse, für den Menschen hörbar. In der Gruppe erzeugen Fettschwalme einen ohrenbetäubenden Geräuschpegel, so dass der Fettschwalm als "lautester aller Vögel" gilt.[2]

Nachts legt er bei der Nahrungssuche bis zu 75 Kilometer zurück. Seine Nahrung besteht unter anderem aus den ölhaltigen Früchten von Palmen und Lorbeer. Er greift die Früchte mit seinem starken Schnabel und verschluckt sie im Ganzen. Die Nahrung wird am nächsten Tag an seinem Ruheplatz verdaut.

Fettschwalme leben in Kolonien, die eine Größe von bis zu 50 Paaren erreichen können. Das Nest ist ein Hügel aus getrocknetem Schlamm, Kot und ausgewürgten Früchten.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Das Weibchen legt in der Regel zwei bis vier Eier, die von den beiden Elternteilen gemeinsam ausgebrütet werden. Die Jungen schlüpfen nach einer Brutzeit von etwa 23 Tagen. In ihren ersten Lebenswochen werden sie mit Palmfrüchten ernährt und legen so große Fettreserven an, bis sie das doppelte Gewicht ihrer Eltern erreicht haben.

Die wissenschaftliche Entdeckung[Bearbeiten]

Alexander von Humboldt beschrieb die Art während seiner Südamerika-Expedition in Venezuela in der HöhleCueva del Guácharo“ im gleichnamigen Nationalpark, der im Bundesstaat Monagas etwa 13 Kilometer vom Ort Caripe entfernt gelegen ist. Die Höhle ist nach dem Fettschwalm, der dort Guácharo genannt wird, benannt. Humboldt und sein Freund, der junge Arzt und Botaniker Aimé Bonpland, erforschten am 18. September 1799 den vorderen Abschnitt dieser mit 10,5 km Länge größten Tropfsteinhöhle Südamerikas und schossen zwei Exemplare. Er berichtet, dass die Einwohner die Jungvögel kurz vor dem Flüggewerden sammeln und aus ihnen durch stundenlanges Kochen Öl gewinnen, daher rührt auch der englische Name „Oilbird“.

Humboldt notierte:
„Der Guacharo hat die Größe unserer Hühner, die Kehle der Ziegenmelker und Procnias, die Gestalt der geierartigen Vögel mit Büscheln steifer Seide um den krummen Schnabel. (...) Sein Gefieder ist dunkel graublau, mit kleinen schwarzen Streifen und Tupfen; Kopf, Flügel und Schwanz zeigen große, weiße, herzförmige, schwarz gesäumte Flecken. Die Augen des Vogels können das Tageslicht nicht ertragen, sie sind blau und kleiner als bei den Ziegenmelkern. (...) Schwer macht man sich einen Begriff von dem Lärm, den tausende Vögel im dunklen Innern der Höhle machen (...) Erst nach mehreren fruchtlosen Versuchen gelang es Bonpland, zwei Guacharos zu schießen, die vom Fackelschein geblendet, uns nachflatterten. Damit fand ich Gelegenheit, den Vogel zu zeichnen, der bis dahin den Naturforschern ganz unbekannt gewesen war.“

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.eol.org/pages/1178221
  2. National Geographic

Literatur[Bearbeiten]

  • Mayr G. 2003: On the phylogenetic relationships of the trogons (Aves, Trogonidae). - J. Avian Biol. 34: 81-88.
  • Alexander v. Humboldt: Reise in die Aequatorial-Gegenden des neuen Continents. Deutschspr. Übersetzung 1865. Link auf Beginn der Beschreibung der Höhle bei Project Gutenberg
  • Holland RA, Wikelski M, Kümmeth F, Bosque C, 2009: The Secret Life of Oilbirds: New Insights into the Movement Ecology of a Unique Avian Frugivore. - PLoS ONE 4(12): e8264. doi:10.1371/journal.pone.0008264

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Steatornis caripensis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien