Florin (britische Münze)

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Florin von 1948 aus Kupfernickel mit King George VI.

Der Florin war eine britische Münze im Wert von zwei Shillings, volkstümlich wurde er als "Two-bob-piece" bezeichnet. Er ist nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen mittelalterlichen Münze, welche in England den Wert von sechs Shillings hatte. Von dieser, ursprünglich aus Florenz stammenden Münze, leitet sich aber der Name her. Er entspricht der deutschsprachigen Währungsbezeichnung Gulden.

Die ersten Silber-Florins wurden 1849 mit einem Durchmesser von 28 mm und einem Gewicht von 11,3 g geprägt. In ihrer Umschrift fehlten sowohl das auf britischen Münzen übliche D.G für dei gratia (von Gottes Gnaden) als auch das F.D. für fidei defensor bzw. fidei defensatrix (Verteidiger bzw. Verteidigerin des Glaubens). Deshalb ist diese Münze auch als Godless Florin (gottloser Florin) bekannt, weniger oft wurde sie auch als "Graceless florin" bezeichnet. Sie war aufgrund der ungewöhnlichen Gestaltung unpopulär und wurde deshalb 1851 durch den Gothic Florin abgelöst, auf dem wieder auf das Gottesgnadentum hingewiesen wurde. Ungewöhnlicherweise wurde bei diesem für die Umschrift eine Gitterschrift verwendet und die Jahreszahl in römischen Zahlen angezeigt, zudem wurde der Durchmesser auf 30 mm erhöht. Ab 1887 wurden wieder lateinische Schrift und arabische Jahreszahlen verwendet.

Die Vorderseite der Münze zeigte den jeweils regierenden Souverän, die Rückseite die bekrönten Wappen von England, Schottland, Wales und Irland, die durch die kreuzförmig angeordnete Zepter getrennt wurden, später nur noch eine von einer Distel und einem Kleeblatt flankierte bekrönte Rose.

Das Gewicht der Silbermünze betrug 11,3104 Gramm rau bzw. 10,462 g Gramm fein bei einem Feingehalt von ursprünglich 925/1000, das ab 1920 nur noch 500/1000 betrug. 1947 wurde die Silbermünze durch eine Kupfernickel-Münze gleicher Größe ersetzt. Während das Wort „Florin“ auf der Münze nicht mehr erschien, blieb es in der Umgangssprache noch erhalten. Ausdrücklich Florins hat unter den vormals britischen Kolonien z. B. 1964 noch Malawi geschlagen.

Zweck dieses Münznominals, welches einem Zehntel eines Pounds entsprach, war die „sanfte“ Einführung des Dezimalsystems. Es dauerte allerdings über 100 Jahre, bis 1971, bis dieses tatsächlich verwirklicht wurde. Nach der Umstellung entsprach der Florin 10 neuen Pence. Die neuen 10-Pence-Stücke behielten bis 1991 die Größe der Florin-Münze. Erst 1993 wurden die Florin-Münzen offiziell außer Kurs gesetzt.

Der Doppel-Florin war eine Silbermünze mit einem Gewicht von 20,92 g, die 1887 erstmals ausgegeben wurde. Das sollte die „sanfte“ Einführung des Dezimalsystems unterstützen, fand jedoch keinen Anklang. Der fehlende Aufdruck des Münzwertes, verbunden mit der großen Ähnlichkeit mit der seit langem etablierten Crown-Münze, die jedoch einen Shilling mehr an Wert darstellte, trug dem Doppel-Florin den Spitznamen "Barmaid's grief" (engl., deutsch etwa: Kellnerinnen-Kummer) ein, weil die Unterscheidung beider Münzen bei schlechten Lichtverhältnissen, etwa in Gasthäusern, schwerfiel. Daher wurden die Doppel-Florin-Münzen um 1890 wieder eingezogen; es gibt nur noch einige Exemplare in Sammlerkreisen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Fengler, Gerhard Gierow, Willy Unger „Lexikon Numismatik“, transpress VEB Verlag für Verkehrswesen Berlin 1976, Lizenzausgabe des Pinguin-Verlages Innsbruck, ISBN 3 524 00 598-5.