Air-France-Flug 009

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Air-France-Flug 009
Lockheed L-1049G Super Constellation, F-BGNC, Air France Manteufel-2.jpg

eine Constellation der Air France

Unfall-Zusammenfassung
Unfallart controlled flight into terrain
Ort São Miguel, Azoren
Datum 28. Oktober 1949
Todesopfer 48
Überlebende 0
davon Schwerverletzte 0
Luftfahrzeug
Luftfahrzeugtyp Lockheed 749A Constellation
Betreiber Air France
Name F-BAZN
Abflughafen Paris-Orly
Zwischenlandung Santa Maria
Zielflughafen New York City
Passagiere 37
Besatzung 11
Liste von Katastrophen der Luftfahrt

Am 28. Oktober 1949 verunglückte eine Lockheed 749A Constellation, die den Air-France-Flug 009 von Paris nach New York ausführte, auf der Insel São Miguel (Azoren) am Monte Redondo. Alle 48 Insassen, 37 Passagiere und elf Crewmitglieder, starben, als die Maschine der Air France im Irrflug am Berg zerschellte. Weil mehrere Prominente unter den Opfern waren, fand das Unglück weltweit mediale Beachtung.

Unglückshergang[Bearbeiten]

Die Lockheed Constellation war zum Zeitpunkt des Unglücks etwa zwei Jahre alt. Kapitän der Maschine war der erfahrene Flugkapitän De la Noue. Der Abflug fand um 20.05 Uhr vom Flughafen Paris-Orly statt. Um aufzutanken, war ein Zwischenstopp auf dem Flughafen von Santa Maria geplant, anschließend sollte der Flug bis nach New York fortgesetzt werden. Um 01.41 Uhr meldeten die Piloten, das Flugzeug befinde sich 150 nautische Meilen entfernt vom Flughafen, und meldete eine geplante Ankunftszeit für 02.45 Uhr, die später auf 02.55 Uhr korrigiert wurde. Um 2.51 Uhr, also vier Minuten vor der geplanten Landung, bat De la Noue mit dem Hinweis, auf Sichtweite zum Flugfeld zu sein, um Landeinstruktionen. Diese wurden ihm daraufhin erteilt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Maschine auf einer Höhe von etwa 3.000 Fuß. Eine Aussage des Kapitäns, „Having accomplished first part of flight normally, ready to land in five minutes at Santa Maria. Weather clear.“, stellte den letzten Kontakt zum Flugzeug dar.

Wenige Minuten nachdem der Kontakt zur Crew abgebrochen war, sah ein Lastwagenfahrer auf der Insel São Miguel, etwa 90 Meilen[1] nördlich des geplanten Zwischenziels, am Monte Redondo einen Lichtblitz am Berghang. Es wurde eine Suche aus der Luft eingeleitet, die acht Stunden nach dem Absturz das völlig zerstörte und verbrannte Wrack orten konnte. Alle Insassen waren zu diesem Zeitpunkt tot und bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.[2]

Es ist davon auszugehen, dass die Maschine auf falschem Kurs unterwegs war und die Piloten im Sichtflug die Inseln São Miguel und Santa Maria verwechselten. Die daraufhin von der Crew an den Flughafen in Santa Maria gegebenen Positionsangaben waren demnach falsch. Als die Piloten die über Funk erhaltenen Landeanweisungen befolgte, kollidierte die Lockheed Constellation auf einer Höhe von 900 Metern, unweit des Pico da Vara, dem höchsten Berg der Insel, mit dem Monte Redondo auf São Miguel. Wie es zu der Verwechslung kam, ist unklar, jedoch besaß auch São Miguel, als Hauptinsel der Azoren, bereits zu diesem Zeitpunkt ein Flugfeld, welches De la Noue möglicherweise als das des Flughafens in Santa Maria zu erkennen glaubte. Seine Aussage, die Landebahn zu sehen, deutet darauf hin, dass es sich tatsächlich um einen fatalen Irrtum gehandelt haben muss.[3]

Passagiere und Besatzung[Bearbeiten]

Von links: Bernard Boutet de Monvel, Paul-Otto Schmidt und Alfred Cortot

Alle 48 Menschen an Bord der Maschine kamen beim Absturz ums Leben, davon waren 37 Passagiere. Darunter waren vor allem Geschäftsleute und Personen des öffentlichen Lebens. So gehörte zu den Opfern der Profiboxer und ehemalige Weltmeister im Mittelgewicht, Marcel Cerdan, der sich auf dem Weg zu Edith Piaf befand, mit der er eine Beziehung führte.[4] Der Film Edith und Marcel (Édith et Marcel, 1983) widmet sich dieser Beziehung und behandelt auch den Absturz des Flugzeugs.[5]

Auch Ginette Neveu, eine der bedeutendsten Violinistinnen ihrer Zeit, und ihr Bruder, der Pianist Jean Neveu, starben.[6] Als ihre Leiche gefunden wurde, hielt sie ihre Stradivari-Violine in den Armen. Das Instrument war zerbrochen, jedoch nicht verbrannt.[7] Ein weiterer Passagier an Bord der Lockheed Constellation war der 67-jährige Maler und Illustrator Bernard Boutet de Monvel, Sohn des Illustrators Louis-Maurice Boutet de Monvel.[6]

Unter den elf Opfern US-amerikanischer Staatsbürgerschaft[1] war das Ehepaar Katie und Kay Kamen. Der Millionär und Geschäftsmann hatte noch in einem letzten Brief aus Paris an sein Büro in New York über seine enorme Flugangst gescherzt. Kamen war ein enger Freund Walt Disneys, einer der mächtigsten Männer in dessen Konzern und gilt als Erfinder des modernen Merchandising.[6][8] Diane Disney, die Tochter des Firmengründers, schrieb später, sie sei „in Tränen ausgebrochen“, als sie von der Tragödie erfuhr.[9]

Als Flugbegleiterin war Suzanne Roig Teil der Crew. Sie war das Patenkind des Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry, der fünf Jahre zuvor selbst mit einem Flugzeug verunglückt war.[6]

Literatur[Bearbeiten]

Adrien Bosc: Constellation - Grand Prix du Roman de l'Académie Française, 2014 [10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Meldung von AP, veröffentlicht am 29. Oktober 1949 in The New York Times
  2. THE AZORES: These Are the Paths, Artikel der TIME vom 7. November 1949, Seite 2
  3. Absturzbericht der Flight Safety Organisation
  4. Marcel Cerdan: SA TRAGIQUE DISPARITION (1949)
  5. Edith und Marcel in der Internet Movie Database
  6. a b c d THE AZORES: These Are the Paths, Artikel der TIME vom 7. November 1949, Seite 1
  7. Donald Brook: Violinists of To-Day. Read Books, 2007, ISBN 1406774804, Zitat: „When her body was found it was observed that her Stradivarius—her most precious possession—was clutched tightly in her arms. The violin, though broken, had not been burned.“
  8. The Master of Marketing, Abschnitt The Kamen Era Ends in Tragedy
  9. Kay Kamen RememberedVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter., Interview mit Diane Disney, Zitat im Zusammenhang: „[...] I was driving down Wilshire Boulevard in Los Angeles [...] when I heard the news of the plane crash on the radio. I burst into tears. I knew well that Kay never flew anywhere because of his fears and found the irony extremely cruel.“
  10. https://fr.wikipedia.org/wiki/Adrien_Bosc

Weblinks[Bearbeiten]

37.809105555556-25.207613888889Koordinaten: 37° 48′ 33″ N, 25° 12′ 27″ W