Controlled flight into terrain

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Controlled Flight into or toward Terrain[1] (englisch für gesteuerter Flug ins Gelände oder darauf zu) – meist kurz Controlled Flight into Terrain oder CFIT – ist eine Kategorie für Flugunfälle, die sich ereignen, wenn ein voll steuerbares Luftfahrzeug von qualifizierten Piloten in die Erdoberfläche oder ein Hindernis geflogen wird, während diese sich des bevorstehenden Zusammenstoßes nicht bewusst sind.[2]

Definition[Bearbeiten]

Die internationale Zivilluftfahrtkommission ICAO und das Commercial Aviation Safety Team definieren CFIT als Zusammenprall oder Beinahe-Zusammenprall eines im Flug befindlichen Luftfahrzeugs mit einer Land- oder Wasserfläche oder einem Hindernis, ohne dass es Anzeichen dafür gibt, dass zuvor die Beherrschung über das Luftfahrzeug verloren wurde.[1] Zu den Hindernissen zählen unter anderem Türme, Bäume, Leitungen und Kabel sowie Masten.[1] Ein CFIT kann sowohl unter Instrumentenflugbedingungen (IMC) als auch unter Sichtflugwetterbedingungen (VMC) stattfinden und umfasst auch Fälle, bei denen die Piloten einer optischen Täuschung oder eingeschränkten Sicherverhältnissen wie etwa Brownout oder Whiteout unterliegen.[1]

Nicht unter CFIT fallen Situationen, in denen sich die Crew der gefährlichen Situation bewusst ist, aber den Zusammenprall nicht vermeiden kann. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn technisches Versagen, Fehler der Besatzung oder widrige Wetterverhältnisse dazu führen, dass die Kontrolle über das Flugzeugs verloren wird.[1] In diesem Fall spricht man von Loss of Control-Inflight (LOC-I).[1]

Ebenfalls nicht unter den Begriff CFIT fallen Flugunfälle, die in den folgenden Situationen entstehen:[1]

Häufigkeit[Bearbeiten]

Zwischen 1946 und 1955 gab es jährlich im Durchschnitt 3,5 Fälle, in denen ein flugtaugliches, steuerbares Passagierflugzeug ins Gelände geflogen wurde.[3] Diese Häufung von CFIT-Unfällen führte in den 1970er-Jahren zur Entwicklung und Einführung des Bodenannäherungswarnsystems GPWS. Bis 1980 wurde das Risiko trotz der starken Zunahme des Luftverkehrs auf etwa zwei CFITs pro Jahr gesenkt.

Durch die Weiterentwicklung zum Enhanced Ground Proximity Warning System (EGPWS), auch "Terrain awareness and warning system" (TAWS) genannt, konnten die Unfallzahlen noch weiter gesenkt werden. Dabei wird die momentane Flugzeugposition mit einer internen Terrain-Datenbank abgegeglichen, so dass die Besatzung umfassend optisch informiert und bei Bedarf wesentlich früher alarmiert werden kann als bei der reinen Nutzung des Radarhöhenmessers.

Beispiele für CFIT-Zwischenfälle[Bearbeiten]

Mangelhafte Sicht[Bearbeiten]

  • 15. August 1939: Beim Neuhammer Stuka-Unglück flogen 13 Junkers Ju 87 in den Boden. Die Formation sollte im Sturzflug eine Wolkendecke durchstoßen; aufgrund einer unerwartet niedrigen Wolkenuntergrenze konnten die Piloten aber erst in etwa 100 Metern Höhe den Boden erkennen und die Maschinen nicht mehr rechtzeitig abfangen.
  • 28. Juli 1945: Ein Bomber des Typs B-25 kollidierte bei dichtem Nebel mit dem Empire State Building.
  • 2. August 1947: Ein Flugzeug des Typs Avro 691 Lancastrian 3 mit dem Kennzeichen G-AGWH und dem Namen Star Dust kollidierte beim Star-Dust-Absturz auf dem Flug mit der Nummer C.S.59 von Buenos Aires nach Santiago de Chile in den argentinischen Anden mit dem Vulkan Tupungato. Die Besatzung war vermutlich bei der Überquerung der Anden in einen dem Flugzeug mit hoher Geschwindigkeit entgegen wehenden Jet-Stream geraten, der das Flugzeug in Bezug auf die Geschwindigkeit über Grund erheblich verlangsamte. Wetterbedingt ohne Bodensicht wähnte sich die Besatzung aufgrund der verstrichenen Flugzeit bereits jenseits der Anden und begann zu früh mit dem Sinkflug. Das Flugzeug war über 50 Jahre verschollen, bevor eine Bergsteigergruppe am 23. Januar 2000 erste Wrackteile am Fuße des Berges entdeckte, die der dortige Gletscher nach Jahrzehnten wieder freigegeben hatte.
  • 3. November 1950: Eine Lockheed L-749 Constellation der Air India zerschellte auf dem Air-India-Flug 245 am Mont-Blanc – Vorgipfel Rochers de la Tournette.[4] Alle 48 Personen an Bord starben. Auf diesem Absturz basiert der Roman „Der Berg der Versuchung“ von Henri Troyat, der wiederum Grundlage für den US-amerikanischen Spielfilm „Der Berg der Versuchung“ aus dem Jahr 1956 mit Spencer Tracy und Robert Wagner wurde. Auch Jahrzehnte nach dem Unglück werden im Bereich des an der Nordflanke des Mont Blanc herabfließenden Gletschers Glacier des Bossons immer noch Funde gemacht, die von diesem Flugunfall und dem des Air-India-Fluges 101 vom 24. Januar 1966 stammen.
  • 10. September 1952: Nach einem Kampfeinsatz während des Koreakriegs konnte eine Formation von sieben Grumman F9F-4 "Panther" wegen schlechten Wetters nicht auf dem Militärflugplatz Pohang landen und wich zur Basis Daegu aus. 43 km südöstlich des Ausweichflugplatzes flog die gesamte Gruppe gegen einen Berg, wobei alle 7 Piloten starben.

Fehlerhafte Wahrnehmung der tatsächlichen Position[Bearbeiten]

  • 24. Januar 1966: Bei Air-India-Flug 101 prallte eine Boeing 707-437 im Landeanflug auf Genf etwa 60m unterhalb des Gipfels mit ca. 500 km/h an den Mont Blanc und zerschellte, wobei alle 117 Personen an Bord ums Leben kamen und nicht geborgen werden konnten. Es handelte sich zum Unfallzeitpunkt um das der Zahl der Todesopfer nach zweitschwerste Flugzeugunglück auf französischem Boden. Auch Jahrzehnte nach dem Unglück werden im Bereich des an der Nordflanke des Mont Blanc herabfließenden Gletschers Glacier des Bossons immer noch Funde gemacht, die von diesem Flugunfall und dem des Air-India-Fluges 245 vom 3. November 1950 stammen.
  • 2. Januar 1988: Im Anflug auf Izmir zerschellte eine Boeing 737 auf dem Condor-Flug 3782 an einem Berg. Ursache war ein Navigationsfehler infolge des Empfangs einer Nebenkeule des Instrumentenlandesystems. Alle 16 Insassen starben.

Fehlerhafte Wahrnehmung der tatsächlichen Flughöhe[Bearbeiten]

  • 29. Dezember 1972: Auf dem Eastern-Air-Lines-Flug 401 kollidierte eine Lockheed L-1011 TriStar auf dem Weg von New York nach Miami mit dem Boden der Everglades.
  • 28. September 2005: Der Rettungshubschrauber Christoph 51 vom Typ BK 117 kollidierte auf einem Krankentransport nach München bei guter Sicht mit dem Westhang des Boßler. Alle vier Insassen kamen ums Leben.

Fehlerhafte Wahrnehmung der tatsächlichen Topologie[Bearbeiten]

Fehlerhafte Bedienung des Autopiloten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Aviation Occurence Categories (Englisch, PDF) Common Taxonomy Team. Oktober 2013. Abgerufen am 29. März 2015.
  2. Definition der FAA: „CFIT occurs when an airworthy aircraft is flown, under the control of a qualified pilot, into terrain (water or obstacles) with inadequate awareness on the part of the pilot of the impending collision.“
  3. Nicholas Sabatini: FAA associate administrator for aviation safety: Downward Pressure on the Accident Rate (englisch, Rede vom 12. Mai 2006)
  4. ASN Aircraft accident Lockheed L-749 Constellation VT-CQP Mont Blanc. Accident description. Aviation Safety Network, abgerufen am 4. August 2014 (englisch).