Flughafen Paris-Orly

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Flughafen Paris-Orly
Pariser Flughäfen Logo.svg
Orly Airport P1190137.jpg
Kenndaten
ICAO-Code LFPO
IATA-Code ORY
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 9 km südlich von Paris
Straße Autoroute A6
Nahverkehr Orlyval
Basisdaten
Eröffnung 1932
Betreiber ADP
Fläche 1528 ha
Terminals 2
Passagiere 27.232.263 (2012)[1]
Luftfracht 94.700 t [2] (2012)
Flug-
bewegungen
233.981 [2] (2012)
Beschäftigte 26000
Start- und Landebahnen
02/20 2400 m × 60 m Beton
06/24 3650 m × 45 m Asphalt
08/26 3320 m × 45 m Beton

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Der Flughafen Paris-Orly ist nach Paris-Charles-de-Gaulle der zweite internationale Verkehrsflughafen der französischen Hauptstadt Paris. Er dient als Drehkreuz für Corsairfly, Transavia France und easyJet sowie hauptsächlich Inlandsflüge der Air France und fertigte im Jahr 2006 über 25 Millionen Passagiere ab.

Der Flughafen löste in den 1950er Jahren Le Bourget als wichtigsten Pariser Flughafen ab und hieß damals schlicht Aéroport de Paris („Flughafen Paris“). Der Name Orly (nach dem Pariser Vorort Orly) war allerdings schon gebräuchlich und wird seit der Eröffnung des Großflughafens Paris-Charles-de-Gaulle grundsätzlich verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits in den 1920er Jahren wurden bis zu 300 m lange Wartungshallen auf dem Flugfeld bei Orly errichtet.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Flughafen von 1940 bis 1944 durch die deutsche Luftwaffe besetzt.[3]

Nach Einnahme des Flughafens durch die deutsche Wehrmacht im Verlauf des Westfeldzugs wurde Orly kurzfristig ein Jägerstützpunkt. Hier lagen Mitte Juni einige Tage die Bf109E von Stab und I. Gruppe des Jagdgeschwaders 54 (S. und I./JG 54) und parallel dazu die I. Gruppe des Jagdgeschwaders 21 (I./JG 21).

Unmittelbar im Anschluss wurde Orly für die bevorstehende Luftschlacht um England ein Bomberstützpunkt des mit Ju 88A ausgerüsteten Kampfgeschwaders 51, dessen Stab (S./KG 51) hier bis Ende März 1941 beheimatet war. Hinzu kamen bis Anfang August 1940 die I. Gruppe (I./KG 51), später von Ende August bis Mitte April 1941 die II. (II./KG 51), die zwischen November 1940 und Januar 1941 Noch durch die IV. (IV./KG 51) verstärkt wurde. Ein weiterer Nutzer in jenem Winter waren die Transportflieger der Kurierstaffel 110.

Nennenswerter Flugbetrieb fand dann erst wieder im folgenden Jahr statt, als Ju 88 Fernaufklärer der 3. Staffel der Aufklärungsgruppe 33 (3.(F)/33) Orly von Mai bis November 1942 nutzten.

Bereits ab Juli 1942 war Orly zusätzlich die Basis der III. Gruppe der Zerstörerschule 2 (III./ZS 2). Deren Bf 110 blieben bis März 1943. Im Februar/März 1943 lag hier auch noch die 2. Staffel der Jagdfliegerschule 5 (2./JFS 5) bzw. nach ihrer Umbenennung des Jagdgeschwaders 105 (2./JG 105).

Mit Stab und I. Gruppe des Sturzkampfgeschwaders 102 operierten Ju 87 von Orly aus zwischen Februar 1943 und November 1943. Kurz bevor dieser Verband Orly im November 1943 verließ, rüstete er Mitte Oktober auf die Fw 190 um und wurde gleichzeitig in Stab und I. Gruppe des Schlachtgeschwaders 102 (S. und I./SG 102) umbenannt.

Nach Beginn der alliierten Invasion in der Normandie war der Flughafen schließlich zwischen Ende Juni und Mitte Juli 1944 Einsatzbasis der 6. Staffel des Kampfgeschwaders 6 (6./KG 6) und von Ende Juli bis August 1944 von Stab, I. und II. Gruppe des Kampfgeschwader 30 (S., I. und II./KG 30), alle mit Ju 88 ausgerüstet.

Nach der Befreiung der Gegend durch die Alliierten wurde der Flughafen als Airfield A.47 eine Basis der Ninth Air Force, einer Luftflotte der United States Army Air Forces (USAAF).

Nach 1945[Bearbeiten]

Orly wurde nach Kriegsende durch die amerikanischen Streitkräfte an die französischen Behörden übergeben, die ihn als zivilen Flughafen von Paris wieder in Betrieb nahmen. Im nördlichen Bereich behielten die Amerikaner jedoch ein Areal, dass die United States Air Force als Orly Air Base bezeichnete und 1967 bis zum Austritt Frankreichs aus den militärischen Strukturen der NATO nutzte. Die Basis diente insbesondere als Logistikzentrum für den Lufttransport und dem NATO-Hauptquartier, das damals in Rocquencourt beheimatet war.

Bereits im Jahr 1948 fertigte der Flughafen 215.000 Passagiere ab. Im Jahr 1952 bezog Air France das Terminal Nord, das damals über Gates und 50 PKW-Parkplätze verfügte. Zwei Jahre später wurde der Tower Orly Nord in Betrieb genommen. 1956 begann der Bau des Terminals Süd, das 1961 schließlich eröffnet wurde. 1966 folgte ein neuer Kontrollturm sowie 1971 mit Orly West das zweite neue Terminal.

Im Jahr 1991 wurde die Orlyval zwischen den Terminals und der S-Bahnlinie RER B in Betrieb genommen.

Das 15,5 km² große Areal des Flughafens ist seit vielen Jahren optisch unverändert. Dies ist auf ein Wachstumsverbot von 1996 für den Flughafen und die Errichtung des Flughafens Roissy (CDG) zurückzuführen. Mehr als 30 Millionen Fluggäste, 250.000 Flugbewegungen pro Jahr oder Nachtflüge (23:30 - 6:00 Uhr) sind vom Gesetzgeber 1996 verboten worden. Alle Starts danach müssen bis zum nächsten Morgen warten, ankommende Flüge werden nach Roissy umgeleitet. Dies soll die Anwohner vor zu viel Fluglärm schützen, aber auch den Verkehr von und nach Orly begrenzen.

Abfertigungsgebäude[Bearbeiten]

Orly Süd[Bearbeiten]

Außenansicht des Terminals Orly Süd
Innenansicht des Terminals Orly Süd
Innenansicht des Terminals Orly West

Das Terminal Orly Süd wurde 1961 nach einem Entwurf von Henry Vicariot eröffnet. Er besteht aus einer 200 Meter langen und 70 Meter tiefen Stahlskelettkonstruktion mit Glasfassade nach dem Vorbild des Lever House. Der Begriff Vitrine de la France, das Schaufenster Frankreichs, bezog sich dabei sowohl auf die helle und luftige Atmosphäre der Halle als auch auf den Prestigefaktor des Vorzeigebauwerks. Von den acht Etagen werden die zwei Kellergeschosse hauptsächlich für Technik genutzt, darüber stehen die Abfertigungsbereiche, eine Einkaufspassage und diverse Restaurants zur Verfügung. Aussichtsterrassen führen bis auf das Dach. Durch den Anbau der beiden Satelliten 1966 wuchs das Gebäude auf der Vorfeldseite auf eine Länge von 700 Meter, die Kapazität stieg dadurch von sechs auf neun Millionen Passagiere.

1995 erfolgte die Erweiterung des Check-in-Bereiches von kleineren Gängen zu drei großen Bereichen in U-Form, 1999 die Zusammenfassung aller Check-in-Bereiche zu einer großen Halle und der Bau des südlichen Satelliten, der unterirdisch mit dem Terminal verbunden ist. Der Tower wurde erst 1966 neben dem Terminal errichtet und gehört nicht zur ursprünglichen Planung, wurde aber im gleichen Stil errichtet und ist dadurch optisch mit dem Empfangsgebäude zusammengewachsen.

Orly West[Bearbeiten]

Wesentliches Kriterium für den Entwurf des zweiten Terminals Orly West war eine drastische Verkürzung der Fußwege von bis zu 400 m bei Orly Süd auf nur noch 100 m, getrennte Etagen für Check-In und Gepäckrückgabe, die direkte Verbindung zwischen den Parkplätzen und dem Ankunftsbereich ohne Kreuzung der Vorfahrt sowie eine Option auf spätere Erweiterungen. Den schlichten Bau entwarfen die Architekten Coutant, Vigouroux und Laroche, die für die Flughafengesellschaft arbeiteten. 1971 wurden die mittleren Hallen 2 und 3 für jeweils drei Millionen Passagiere eröffnet, die auf das Vorfeld ragen und in denen die Abfertigung dezentral direkt am Flugzeug stattfand, was die Gefahr der Fehlleitung von Gepäck und Passagieren reduzierte. Zunächst wurden Inlands- und Mittelstreckenflüge abgefertigt, doch sehr rasch wurde die Gesellschaft Air Inter, die damals für französische Inlandsflüge zuständig war, alleiniger Nutzer des Gebäudes, wodurch Passkontrollstellen entfallen konnten. Ein Zustand, der fast 25 Jahre anhalten sollte, bis Air Inter von Air France übernommen wurde. Auch heute noch werden die meisten Flüge von Paris in die Provinzen in Orly West abgefertigt. 1986 erfolgte der Ausbau der Halle 4, einem vorhandenen Seitenflügel, in dem Check-in-Schalter installiert wurden, die Abfertigung findet überwiegend an Busgates statt. Bis zu vier Millionen Reisende können dort abgefertigt werden. 1993 entstand nach einem Entwurf von Paul Andreu die Halle 1 mit 8 Fluggastbrücken und einer Kapazität von sechs Millionen Passagieren, große Teile der Fassade sind mit Glasbausteinen verkleidet. 2005 begannen umfangreiche Renovierungsarbeiten in der Halle 2, die ein zeitgemäßes Erscheinungsbild erhalten soll, Halle 3 soll später folgen.

Technischer Bereich[Bearbeiten]

Auf dem 460.000 m² großen Frachtgelände im Osten des Flughafens können jährlich 500.000 Tonnen verladen werden. Zu den Wartungseinrichtungen im Norden gehören neben Lagern und Werkstätten neun Hangars mit einer Gesamtkapazität von bis zu 20 Flugzeugen. Das Business-Center Orly Tech umfasst 35.000 m² Büroflächen im Nordosten des Flughafens in moderner Architektur, ausgerichtet auf Firmen der Luftfahrt- und Transportbranchen.

Lage und Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Der Flughafen liegt neun Kilometer südlich von Paris auf einem Gelände, das zu den Gemeinden Orly, Villeneuve-le-Roi, Athis-Mons, Paray-Vieille-Poste, Chilly-Mazarin und Wissous gehört.

Die automatischen Züge des Orlyval verkehren in wenigen Minuten zwischen den beiden Terminals Süd und West sowie weiter zur RER-Haltestelle Antony. Die Fahrt zwischen den Terminals ist kostenlos. Busse der Flughafengesellschaft Aéroports de Paris verkehren zwischen den Terminals und den weiter entfernten Urlauberparkplätzen.

Verbindungen nach Paris[Bearbeiten]

Straßen

Die Nationalstraße N7 verläuft, von Paris kommend, unter dem Terminal Süd und den Startbahnen nach Süden, die nächste Autobahn ist die A6.

Orlyval

Der Orlyval (im Pariser Nahverkehrstarifsystem) hält an beiden Terminals (Süd und West) und fährt dann etwa sieben Kilometer weiter bis zum Bahnhof Antony, wo man in die Linie RER B nach Paris umsteigen kann – Weiterfahrt zum Flughafen Paris-Charles de Gaulle siehe unten.

RER

Der Flughafen ist an zwei Linien der S-Bahn RER angeschlossen, die Linie RER C hält an der Haltestelle Pont-de-Rungis/Aéroport d'Orly, von dort verkehrt ein Pendelbus zu den Terminals. Die Linie RER B hält an der Haltestelle Antony, wo man in die automatische Bahn OrlyVAL umsteigen kann, die in beiden Terminals hält.

Busse

Die Pariser Verkehrsbetriebe RATP unterhalten reguläre Buslinien nach Orly; Linie 183 zur Métrostation Porte de Choisy, Linie 285 zur Métro Villejuif-Louis Aragon und zwei Routen der Noctilien genannten Nachtbuslinien zur Porte d'Italie und nach Athis Mons-Pyramide de Juvisy. Schnellbusse verkehren als Jetbus nach Villejuif-Louis Aragon und als Orlybus nach Denfert-Rochereau.

Cars Air France

Die Reisebusse (Cars) der Air France verkehren auf der Linie 1 vom Terminal des Invalides über Montparnasse zum Flughafen Roissy.

Verbindungen zum Flughafen Paris-Charles de Gaulle[Bearbeiten]

Für viele Reisen ist eine Verbindung zwischen den Flughäfen notwendig, da die Air France ihr internationales Drehkreuz auf dem Flughafen Paris-Charles de Gaulle unterhält, wo auch die meisten Flüge aus Deutschland landen, viele innerfranzösische Routen jedoch nach wie vor am Flughafen Orly starten, wo früher Air Inter, eine eigene Gesellschaft für Inlandsverkehr, ihre Basis hatte.

Cars Air France

Die Linie 3 der Air-France-Reisebusse verbindet die beiden Flughäfen Charles de Gaulle und Orly direkt und hält an allen Terminals. Der Bus ist für Fluggäste der AirFrance kostenlos, bei denen der Flughafenwechsel Teil des Flugtickets ist. Das dazu nötige Ticket kann beim Check-In direkt mit ausgedruckt oder am Flughafen an den Informationsschaltern der Air France abgeholt werden. Alle anderen Fahrgäste können Tickets an der Haltestelle bzw. im Bus erwerben. Die Fahrt über den Pariser Autobahnring Boulevard Peripherique dauert in der Regel weniger als eine Stunde, kann durch die Überlastung der Straßen aber auch erheblich länger dauern.

Orlyval & RER

Der Orlyval hält an beiden Terminals (Süd und West) und fährt dann etwa sieben Kilometer weiter bis zur Haltestelle Antony, wo man in die S-Bahnlinie RER B umsteigt, die am Flughafen Charles-de-Gaulle an den Bahnhöfen neben den Terminals 2 und 3 hält – zum Terminal 1 muss man allerdings noch zusätzlich den Pendelbus oder die CDG-Val vom RER-Bahnhof nehmen.

Zwischenfälle[Bearbeiten]

  • Am 24. November 1956 kamen bei einem missglückten Start einer Douglas DC-6 der Linee Aeree Italiane 34 Insassen ums Leben, darunter der italienische Dirigent Guido Cantelli. Ein Passagier überlebte den Absturz.[4]
  • Am 3. Juni 1962 verunglückte die Boeing 707-328 „Chateau de Sully“ (Registrierung F-BHSM) der Air France mit Ziel New York International (Idlewild) Airport während des Startabbruchs. Nur zwei Stewardessen, die sich im hinteren Teil der Maschine befanden, überlebten mit leichten Verletzungen - alle anderen 130 Personen an Bord kamen ums Leben. Zu dem Zeitpunkt war es die höchste Anzahl von Unfallopfern mit einem Flugzeug.[5]
  • Am 3. März 1974 stürzte 10 Minuten nach dem Start die McDonnell Douglas DC-10 TC-JAV „Ankara" der Turkish Airlines von Flug 981 ab, wobei alle 346 Insassen starben. Die Flugkatastrophe von Ermenonville war bis zum Absturz der Boeing 747-146SR des Japan-Airlines-Fluges 123 im August 1985 das Flugzeugunglück mit den meisten Opfern.
  • Am 13. Januar 1975 versuchten mehrere Attentäter (darunter Carlos) erfolglos, eine Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al in die Luft zu sprengen. Auch der erneute Versuch am 17. Januar scheiterte.
  • Am 15. Juli 1983 verübte die armenische Untergrundorganisation Asala einen Bombenanschlag auf einen Abfertigungsschalter einer türkischen Fluglinie. Dabei wurden acht Menschen getötet und über 50 verletzt.

Trivia[Bearbeiten]

  • Südlich vom Flughafen befindet sich das Musée Delta (Athis-Mons), wo eine Concorde ausgestellt ist, die mittwochs und samstags auch von innen besichtigt werden kann.

Film[Bearbeiten]

2010 drehte die deutsche Filmregisseurin Angela Schanelec einen Film mit dem Titel Orly, der fast komplett in der Passagierabfertigungshalle des Flughafens spielt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flughafen Paris-Orly – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. offizielle Statistik, abgerufen am 9. Juni 2012 (frz.)
  2. a b ACI
  3. Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935-45 France (with Corsica and Channel Islands), abgerufen am 5. September 2014
  4. Bericht auf aviation-safety.net (dt./engl.)
  5. Bericht auf aviation-safety.net (dt./engl.)