Fra Mauro

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Fra Mauro (Begriffsklärung) aufgeführt.
Mappa mundi von Fra Mauro aus dem Jahre 1459. Die Weltkarte gibt das topografische Wissen der Europäer jener Zeit wieder, sie zeigt die Alte Welt: Europa, Afrika, Asien.
Die Planisphäre Fra Mauros in Original-Süd-Nord-Ausrichtung.

Fra Mauro (* um 1385; † 1459) war ein venezianischer Mönch und Kartograf.

Leben[Bearbeiten]

Der Kamaldulenser Mauro (meist Fra Mauro genannt) lebte im Kloster San Michele auf der gleichnamigen Insel in der Lagune von Venedig.

Berühmt wurde er durch seine zwischen 1457 und 1459 im Auftrag des portugiesischen Königs Alfons V. gefertigte Weltkarte, die zwar auf der antiken Geographie des Ptolemäus basierte, aber schon entscheidend durch zeitgenössische Erkenntnisse ergänzt und berichtigt werden konnte.

So verwendete er die Berichte über portugiesische Entdeckungsfahrten entlang der afrikanischen Küste und hielt unter anderem fest, dass es im Gegensatz zum ptolemäischen Weltbild keine Verbindung Afrikas mit einem großen Südland gab. Seine Karte unterstützte deshalb die bereits in Gang gesetzten Versuche, eine Seereise um Afrika herum zu unternehmen, da er den Indischen Ozean nicht mehr als Binnenmeer darstellte. Des Weiteren bildet in der kreisförmigen (Durchmesser 1,96 m) Weltkarte Jerusalem nicht mehr das Zentrum der geographischen Welt. Diese Arbeit stellt in der Kartografie den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit dar.

Die Kenntnisse über die Landschaften im Osten Asiens, die weit über die antiken Vorstellungen hinausgingen, erhielt er entweder aus dem Werk von Marco Polo oder von seinem Zeitgenossen Niccolo di Conti. Darüber hinaus verarbeitete er sicher auch die in den italienischen Städten wie Venedig, Genua, oder Florenz über Jahrzehnte gesammelten topografischen Kenntnisse italienischer Seefahrer sowie das in den Portulanen gesammelte nautische und topografische Wissen der Mittelmeerseefahrt.

In den Dokumenten zur Geschichte der europäischen Expansion (siehe Literatur) wird die Arbeit Fra Mauros als „geographische Quintessenz ihrer Zeit“ bezeichnet: „Sie ist unter den letzten Radkarten gewiß die beste und überhaupt die gehaltvollste Darstellung der damaligen Welt in europäischer Sicht.“

Die Karte ist im Bestand der Biblioteca Marciana.

Nach ihm ist der Krater Fra Mauro auf dem Erdmond benannt.

Werke[Bearbeiten]

  • Il Mappamondo di Fra Mauro [Kartenmaterial]. A cura di Tullia Gasparrini Leporace; presentazione di Roberto Almagià. Roma: Istituto poligrafico dello stato, 1956.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dokumente zur Geschichte der europäischen Expansion Band I: Die mittelalterlichen Ursprünge der europäischen Expansion. Hrsg. von Charles Verlinden und E. Schmitt. München: Beck, 1986. Darin: Kenntnisse des 15. Jahrhunderts von der Umschiffbarkeit Afrikas: die Weltkarte des "geographus incomparibilis" Fra Mauro als Beispiel (1459). S. 66–70.
  • Luciano Tajoli: Die zwei Planisphären des Fra Mauro (um 1460). In: Cartographica Helvetica Heft 9 (1994) S. 13–16 Volltext
  • Piero Falchetta: Fra Mauro’s world map: with a commentary and translations of the inscriptions. Turnhout: Brepols, 2006. (Terrarum orbis vol. 5). ISBN 2-503-51726-9
  • Angelo Cattaneo: Fra Mauro’s Mappamundi and fifteenth-century Venetian culture. Turnhout: Brepols, 2007. (Terrarum orbis vol. 8). ISBN 978-2-503-52378-1

Belletristische Darstellung[Bearbeiten]

  • James Cowan: Der Traum des Kartenmachers: die Meditationen des Fra Mauro, Kartograph zu Venedig. München: Knaus, 1997. ISBN 3-8135-0060-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fra Mauro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien