Freisinn

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Freisinn ist eine politische Richtung innerhalb des Liberalismus, die sich im 19. Jahrhundert entwickelt hat. Sie steht für Freidenkertum, aber ohne explizit antireligiös zu sein und wird teilweise mit einem Liberalismus als mentale Einstellung gleichgesetzt.[1]

Deutschland[Bearbeiten]

Im deutschen Kaiserreich entstand 1884 die Deutsche Freisinnige Partei, die sich 1893 in die rechtsliberale Freisinnige Vereinigung und die linksliberale Freisinnige Volkspartei aufspaltete. 1910 gingen beide Flügel in der Fortschrittlichen Volkspartei auf.

Niederlande[Bearbeiten]

In den Niederlanden sammelten sich die Linksliberalen, die sich auch Radikale nannten, im Vrijzinnig Democratische Bond. Diese Partei gab es von 1901 bis 1946. Im Jahre 1966 wurde die Partei Democraten 66, die sich 2006 den Zusatz "Sozialliberale" gegeben hat. Sie verwendet den Begriff vrijzinnig gelegentlich.

Außerdem wird der Begriff in der Kirchengeschichte verwendet, für die liberaleren protestantischen Gemeinschaften. So gibt es die Vrijzinnige Geloofsgemeenschap. (deutsch: Freisinnige Glaubensgemeinschaft) auch im kirchlichen Bereich Anwendung [2] Einer der öffentlichen Rundfunkvereine hieß Vrijzinnig Protestantse Radio Omroep, bis er sich nur noch unter seiner Abkürzung präsentierte. Er gilt heutzutage als eher alternativ-anarchistisch.

Schweiz[Bearbeiten]

Der Freisinn in der Schweiz ist aus der liberalen Bewegung gewachsen und gilt als Gründerbewegung des Bundesstaates vom 1848.

Im Jahr 1830 wurde der Solothurner Freisinn unter der Führung des späteren Bundesrates Josef Munzinger gegründet. Die im Jahr darauf gegründete „Patriotische Assoziation“ bezeichnete sich als "Schutzverein für die Freiheit". Gegen den konservativen Kanton Luzern führten die Radikalen 1844/45 sogenannte Freischarenzüge. Der Sonderbundskrieg 1847 brachte den Sieg der Liberalen auch auf nationaler Ebene. Die schweizerische Bundesverfassung von 1848 ist liberal geprägt. Der neu entstandene schweizerische Bundesstaat war in seinen Anfängen politisch von der freisinnigen Bewegung dominiert. Sie stellte die Mehrheit in der Bundesversammlung und den gesamten Bundesrat.[3]

1894 wurde die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) gegründet, 2009 fusionierte diese mit der Liberalen Partei der Schweiz (LPS) zur Partei „FDP.Die Liberalen“.

Belege[Bearbeiten]

  1. Jürgen Frölich: Freisinn. In: Politik für die Freiheit, Projekt der Virtuellen Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Archiv des Liberalismus. [1].
  2. Internetseite der Vrijzinnige Geloofsgemeenschap (niederländisch)
  3. Daniel V. Moser-Léchot: Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) im Historischen Lexikon der Schweiz