Funifor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Funifor vom Stilfser Joch zum Monte Livrio

Ein Funifor ist eine spezielle Variante einer Luftseilbahn mit zwei parallel verlaufenden Tragseilen in breiter Seilspur. Technisch betrachtet handelt es sich beim ursprünglichen Funifor um eine einspurige Zweiseilpendelbahn.

Vorteil des Funifors mit seiner breiten Seilspur ist die hohe Windstabilität, da im Vergleich zu anderen Seilbahnsystemen nur eine geringe Querpendelneigung besteht. Die bisher errichteten Funifors haben eine Kabinengröße von 60 bis 100 Personen und erreichen Fahrgeschwindigkeiten von bis zu 12 m/s.

Beschaffenheit und Funktion[Bearbeiten]

Einspuriges Funifor für 60 Personen, Bezau

Äußerlich ähnlich wie das an einer doppelten Förderseilschleife in fahrzeugbreitem Abstand verkehrende Funitel-System (das jedoch eine kuppelbare Umlaufseilbahn ist), beruht das Funifor auf zwei Tragseilen, deren Spur ebenfalls breiter als die Kabine ist.

Senkrecht unter den beiden Tragseilen läuft jeweils ein Zugseil, das in einer endlos gespleißten Schleife vorliegt. Die Verbindung zwischen der jeweils von oben und unten kommenden Zugseilschleife und Fahrzeug wird mittels je zweier horizontal angebrachter Ausgleichs-Seilscheiben am Laufwerk, die das Zugseil erst auf die gegenüberliegende Seite der Kabine und dann zurück zur Station umlenken, hergestellt. Das Zugseilpaar verläuft von der Ober-(Berg-)seite des Fahrzeugs zur Bergstation, dort wird es umgelenkt und oberhalb der Tragseile auf portalförmigen Seilreitern leer in die Talstation geführt, läuft dort über eine Spannvorrichtung und wieder unterhalb des Tragseilniveaus zurück zur Talseite des Fahrzeugs. Die Ausgleichs-Seilscheiben am Fahrzeug, über die die Zugseilschlaufen geführt werden, müssen im Regelfall keine Relativgeschwindigkeit bewältigen, sondern dienen einem gleichmäßigen Zug und dem Ausgleich von etwaigen Geschwindigkeitsunterschieden innerhalb der Zugseilschleife. Der Antrieb erfolgt über zwei parallele Antriebsscheiben. Durch die endlose Zugseilschleife sind keine Klemm- oder Vergussverbindungen notwendig, zudem kann die gesamte Seilschleife leicht versetzt und auf voller Länge einer magnetinduktiven Prüfung unterzogen werden.

Die Funifor ist im Gegensatz zur traditionellen Pendelbahn als einspurige Bahn (mit nur einer Kabine) konzipiert, es werden aber meist zwei parallel verlaufende Anlagen errichtet, die jedoch unabhängig voneinander betrieben werden können.

Eine „echte“ zweispurige Pendelbahn mit zwei gegenläufig verkehrenden Fahrzeugen, bei der grundlegend die besondere Seilführung und das Funifor-Merkmal der breiten Spur (in diesem Fall: fünf Meter pro Fahrbahn) zweier Tragseile angewandt wurde, ist die 2012 eröffnete Cabrio-Bahn auf das Stanserhorn.[1] Beide Fahrzeuge sind hier durch jeweils endlose gespleißte Zugseil- und Gegenseilschleifen miteinander verbunden, die an den Gondeln über je zwei zuglastausgleichende Seilscheiben geführt werden. Die zweistöckigen „Cabrio“-Gondeln hängen bei dieser Anlage innerhalb der seitlich vorbeiführenden Tragseile.

Hersteller[Bearbeiten]

Funifor wurde von Erwin Oberhuber in der ehemaligen Firma Hölzl Seilbahnbau entwickelt und das Patent wurde durch die Fusion mit der Firma Doppelmayr im Jahre 2002 auch von dieser übernommen.

Anlagen[Bearbeiten]

Die erste FUNIFOR "Trincerone - Livrio" (70 Personen) wurde unter dem Namen der Firma Hölzl im Jahr 2000 am Stilfserjoch errichtet. Weitere Funifors sind:

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Technische Beschreibung der Cabrio-Bahn bei Seilbahn.net, abgerufen am 22. Juli 2012