Spleiß

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Spleiß bei Tauwerk. Weitere Bedeutungen unter Spleißen.
Spleißwerkzeug
Spleißen und Knoten in der Seemannsschule

Der Spleiß ist eine bruchfeste, dauerhafte, nicht lösbare Verbindung von Tauwerk durch Verflechten der einzelnen Kardeele. Er wird auch zur Reparatur von Tauwerk verwendet. Dies wird bei Drahtgut mit Hilfe eines Marlspiekers – bei stramm sitzendem anderen Gut meist eines Hohlspiekers – bewerkstelligt. Der Takler kennt verschiedene Arten von Spleißen: Augspleiß, Langspleiß, Kurzspleiß und End- oder Rückspleiß.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Grundlagen

a) Langspleiß b) Kurzspleiß
c) Augspleiß d) Linksspleiß

Die Haltbarkeit einer Spleißverbindung beruht auf Reibung und dem Phänomen der Selbsthemmung und liegt immer über der Festigkeit des ursprünglichen Seils. Ursache ist die Tatsache, dass sich ein Seil bei Zugbelastung dehnt sowie den Durchmesser verkleinert. Durch das Spleißen berühren sich die Seilstränge unmittelbar. Der sich ausbildende Reibwinkel zwischen ihnen ist kleiner als der Arkustangens der Gleitreibungszahl des Seilmaterials. Dadurch vergrößert sich die Reibkraft überproportional um so mehr, je stärker am Seil gezogen wird. Außerdem bleibt das Seil – anders als bei der Verwendung von Seilklemmen (U-förmige Doppelschraube mit aufgesetztem Joch und zwei Klemmmuttern) – geschmeidig, was insbesondere dann wichtig ist, wenn das Seil beweglich ist und dabei über Blöcke (Umlenkrollen) geführt oder ständig auf- und abgewickelt werden muss, beispielsweise als Zugseil einer Seilbahn oder einer Segelflug-Schleppwinde. Reparaturen mit Seilklemmen werden in letzterem Fall aber provisorisch durchgeführt, weil das Spleißen ein vergleichsweise aufwändiger Vorgang ist.

Unabhängig davon, ob ein Spleiß zur Verbindung zweier Leinen, zur Bildung eines Auges oder zur Sicherung des Leinenendes (Tampen) gegen Ausfasern (End- oder Rückspleiß) verwendet wird, können die Kardeele entgegen (selten mit) der Drehrichtung der Leine (ihrem Schlag, meist rechts) verspleißt werden. Bei Seilen zur Verstärkung der „Lieken“ (den Außenkanten von Segeltuch) werden, um eine schlankere Verarbeitung zu ermöglichen, die Kardeele mit dem Schlag verspleißt und man spricht von einem Segelmacherspleiß. Drahttauwerk wird der Steifigkeit wegen generell mit dem Schlag verspleißt. Für eine gefällige Arbeit können Spleiße auch verjüngt werden, indem man während der Arbeit Teile der Kardeele entfernt. Bei geschmeidigem Tauwerk, wie es heutzutage im Segelsport anzutreffen ist, ist kein weiteres Werkzeug erforderlich, die Verspleißung erfolgt nur mit den Fingern.

[Bearbeiten] Spleiße

[Bearbeiten] Augspleiß

Siehe Hauptartikel Augspleiß

Beim Augspleiß wird das Ende des Tauwerks so in das Tauwerk (Tampen) eingearbeitet, dass ein „Auge“ (eine Schlinge) entsteht. Es ist wesentlich belastbarer als eine geknotete Schlinge. Eine solche Trosse wird z. B. gern für die Vertäuung von Schiffen benutzt, wobei das Auge über einen Poller gelegt werden kann, um so eine Verbindung zwischen Schiff und Anleger oder Kai bzw. Pier herzustellen oder – abseits im Hafenbecken liegend – um einen Duckdalben.

Geschlagenes Gut im Wassersport wird üblicherweise nur dreimal gesteckt und dann verkürzt verschmolzen, sonst werden die Kardeele anschließend entweder verjüngt und in das Seil eingespleißt oder mit einem Takling gesichert. Besonders dauerhafte Spleiße werden zudem noch „bekleidet“ (mit dünner Leine fest umwickelt). Das Auge selbst kann durch vorheriges Aufstecken eines Mantels (früher oft zusammen genähtes Leder, heute meist ein durchsichtiger Plastikschlauch) gegen „schamfilen“ (abscheuern) geschützt werden.

Eine extrem seltene Form, da es kaum sinnvolle Anwendungszwecke dafür gibt, ist der Augendoppelspleiß, bei dem ein Auge mitten in einem Tau gebildet wird – hilfsweise auch anwendbar wenn zur Verbindung zweier Enden kein Kurzspleiß eingesetzt werden kann oder soll. Dazu werden beide Tampen nacheinander in den jeweils anderen mit der Technik eines Augspleißes eingearbeitet.

[Bearbeiten] End- oder Rückspleiß

Endspleiß

Beim Rückspleiß wird das Ende eines gedrehten („geschlagenen“) Seiles in seine Kardeele aufgetrennt und damit rückwärts in dasselbe Seil gespleißt. Dadurch entstehen verschiedene Abschlüsse am Seilende, als besonders aufwendiger „Takling“, als Verdickung des Seilendes zum besseren Greifen oder um es am Durchrutschen durch eine Öse zu hindern, oder als Verzierung von Seilen (Treppengeländer, Glockenseil). Die bekanntesten Rückspleiße sind: Spanischer Takling (der eigentliche Rückspleiß), Endspleiß, Hahnenpfote, Taljenreepsknoten, Doppelter Taljenreepsknoten, Fallreepsknoten, Rosenknoten, Sternenknoten.

[Bearbeiten] Kurzspleiß

Kurzspleiß mit Takling

Der Kurzspleiß dient zum Verbinden von zwei gedrehten („geschlagenen“) Seilen. Dazu werden die Enden in die einzelnen Kardeele aufgetrennt. Zuerst werden die Kardeele mit einem halben Schlag paarweise, von jedem Ende eines, übereinandergelegt. Die Kardeele der einen Seite werden mit einem Garn gesichert, die Kardeele der anderen Seite werden mit dem Spleißnagel reihum mehrfach unter die Kardeele des Seiles gesteckt und sorgfältig festgezogen (bei Tauwerk aus Naturfaser dreimal, bei glattem und lehnigem Kunststofftauwerk fünfmal). Dann folgt die andere Seite genauso. Die Kardeele werden (vorwiegend in der traditionellen Seefahrt) anschließend entweder verjüngt und in das Seil eingespleißt oder mit einem Takling zur Erhöhung der Standzeit gesichert – bei Kunststoff jedoch meist nur noch mit einem Hitzeschneider verkürzt verschmolzen.

Ein Nachteil des Kurzspleißes ist seine Dicke, die bei laufendem Gut z. B. das Durchrutschen durch einen Block be- oder gar verhindern kann. Daher können nicht alle Leinen gespleißt werden.

[Bearbeiten] Langspleiß

Langspleiß

Der Langspleiß dient wie der Kurzspleiß zum Verbinden von zwei geschlagenen Seilen. Gegenüber dem Kurzspleiß hat er den Vorteil, dass keine nennenswerte Verdickung im Seil auftritt. Allerdings gilt der Langspleiß in der (Berufs-)Schifffahrt heute nicht mehr als sichere Verbindung, von seiner Verwendung wird daher abgeraten. Dies gilt allerdings nicht für „endlose“ Fördertragseile von Sesselbahnen oder Schleppliften.

Ein Verbindungsspleiß in so einem üblicherweise sechskardeeligen – man spricht stattdessen eher von so genannten Litzen, die meist jede aus 19 einfach verdrillten Drähten (interessanterweise in gleicher Schlagrichtung („Gleichschlag“) wie auch das Seil selbst) bestehen – Drahtseil (mit dämpfenderKunststoffseele“) ist etwa zwölf Meter je Litze lang, damit ergibt sich für diesen einen Spleiß eine Gesamtlänge von über 70 m und muss nach dem Einscheren und vor dem Auflegen des bis zu mehrere Kilometer langen Seils vor Ort ausgeführt werden. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass beim „Verstecken“ (also dem eigentlichen Spleißen) nicht abwechselnd unter den Litzen hindurch gearbeitet wird, sondern stattdessen die Seele wechselseitig auf etwa je 5–8 m entfernt wird um anschließend das etwa gleichstarke jeweilige Litzenende deren Platz einnimmt. Auch wird hier bei der Einkreuzung kein halber Schlag gemacht.

[Bearbeiten] Drahtspleiß

 
Augspleiß am Schleppdraht eines Assistenzschleppers
 
verschlissene „Seilnagelstelle“ von einem (Segelflug-Schleppwindenseil)

Aus Sicherheitsgründen ist jeder Drahtspleiß fünffach zu stecken. Mehr bringt keine Vorteile, macht aber den Spleiß unnötig lang. Augenden an modernen Stahltrossen (Stropps, zum Ladegeschirr gehörend) werden nicht mehr verspleißt, sondern industriell gepresst; außerdem sinkt dadurch die Verletzungsgefahr an so genannten „Fleischhaken“ an Stahltrossen (kleine abstehende Kardeelteile, oft nach Bruch einzelner Drähte). End- bzw. Rückspleiße lassen sich mit Stahlseilen nicht herstellen.

Alternativ werden Drahtseile mit Presshülsen aus Stahl, Kupfer oder Aluminium verpresst oder mit Seilklemmen verschraubt.

Taluritpresshülse


[Bearbeiten] Spleißen geflochtenen Tauwerks

Auch geflochtenes Tauwerk, was in der traditionellen Seefahrt nicht vorkam, kann verspleißt werden – meist Aug- seltener Verbindungsspleiße sind üblich. Grundsätzlich unterscheiden sich dabei (Kunstfaser-)Taue mit einer dickeren ebenfalls geflochtenen Seele, zu derem Schutz ein Kreuz- oder Webgeflecht (vorwiegend im Klettersport) außen herum schlauchartig anliegt (der so genannte „Mantel“) – oder seelenlose Tampen, meist Squarelines genannt wegen des quadratischen Musters. Dabei werden im Prinzip einfach die Kardeele über eine gewisse Länge durch den jeweils anderen Tampen hindurchgeführt. Die Festigkeit eines solchen Spleißes beruht darauf, dass geflochtenes Tauwerk einen Schlauch darstellt, der sich unter Belastung zusammenzieht und so den hindurchgeführten Tampen bekneift.

Die korrekte Ausführung eines solchen Spleißes hängt also wesentlich vom Aufbau des entsprechenden Seils (eigentlich ist es ja, da verflochten und nicht geschlagen, keines mehr (man spricht ja zum Ablegen auch von: „Leinen los!“) ab – jeder Seilhersteller oder -verkäufer wird auf Wunsch gern Spleißanleitungen für seine Seile liefern.

[Bearbeiten] Werkzeug

Hohlspieker

Für Profis unverzichtbar sind ein Spleißnagel, Marlspieker oder Hohlspieker.

[Bearbeiten] Literatur

  • Helmut Paul: Spleißbuch: Das Standardwerk für fachmännisches Spleißen, Verlag Geo. Gleistein & Sohn, 2008, ISBN 3-9812956-0-9

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Splices – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen