Gaufürst

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Gaufürst in Hieroglyphen
Altes Reich
D2
D21
N1
D1
O29
D36
G1 A1 N24
X1 Z1

Heri-tep-aa-sepat
Ḥrj-tp- U-A725 LATIN SMALL LETTER EGYPTOLOGICAL AIN.gif3-sp3t
Der große Oberste vom Gau [1]
Altes Reich
F4 X1
D36

oder
F4
D36

Hatia (Hati-a)
Ḥ3tj- U-A725 LATIN SMALL LETTER EGYPTOLOGICAL AIN.gif
Gaufürst, Graf, Bürgermeister [1]
Determinativ
A1

Gaufürst (auch Nomarch) Altägyptens ist eine moderne, eher unscharfe, Bezeichnung für den Verwalter eines Gaues. Er wird oftmals ebenso unscharf als „Nomarch“ bezeichnet (nach Nomos, dem griechischen Wort, das als Gau ins Deutsche übersetzt wird). Der Gaufürst hatte rechtliche, militärische und theologische Pflichten. Seine Haupttitel waren in der Ersten Zwischenzeit und im frühen Mittleren Reichgroßes Oberhaupt einer Provinz“ und seit dem Mittleren Reich „Bürgermeister“ (Hatia).

Die Gaue[Bearbeiten]

In Teilen der Forschung wird davon ausgegangen, dass die Gaue zunächst eigenständige Fürstentümer und nach der Einigung Ägyptens Verwaltungsbezirke waren. Die meisten Gaue sind schon seit dem Alten Reich namentlich belegt. Auf der Weißen Kapelle von Sesostris I. werden sie alle aufgezählt, sind aber noch bis in ptolemäische Zeit von Bedeutung. In Ägypten gab es 42 Gaue, davon 22 in Ober- und 20 in Unterägypten.

Das Amt[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Gaufürsten ist für das frühe Alte Reich schwer zu verfolgen. Teilweise scheint der König Hofbeamte in die Provinzen gesandt zu haben, um diese zu verwalten. Diese Hofbeamte sind meist von ihren Grabanlagen in der Residenz bekannt. Daneben gab es aber auch lokale Familien, wie große provinzielle Grabanlagen belegen. Diese Grabanlagen sind oftmals nicht beschriftet, so dass kaum etwas zu den hier Bestatteten ausgesagt werden kann. Ein wichtiger Titel war adj-merKanalgräber. Dieser deutet auf die wichtige Aufgabe, die lokalen Kanalsysteme instandzuhalten.

Am Ende der 5. Dynastie finden sich auch in den Provinzen immer häufiger beschriftete Grabanlagen. Sie belegen, dass die Gaufürsten teilweise aus der Residenz stammen, aber auch von lokalen Familien abstammen. Das Amt scheint weitestgehend erblich geworden zu sein. In der 6. Dynastie taucht der Titel großes Oberhaupt der Provinz auf, der bis zum frühen Mittleren Reich der Haupttitel dieser Leute blieb. Daneben sind sie oftmals auch Vorsteher der Priester, was ihre religiöse Führungsposition unterstreicht. In der Ersten Zwischenzeit wurde der Titel hatia – Bürgermeister – immer wichtiger. Vor allem im Mittleren Reich lautet die normale Titelfolge der Gaufürsten Bürgermeister und Vorsteher der Priester. Sie waren vor allem in der 12. Dynastie wohlhabende Beamte, die sich große, monumentale Grabanlagen leisten konnten.

Unter Sesostris III. wurde ihre Macht erheblich beschnitten, obwohl das Amt auf erblicher Basis weiter existierte.[2] Wahrscheinlich wurden die Provinzen aufgeteilt in die Verwaltung einzelner Städte mit jeweils einem Bürgermeister. Vor allem aus der Zweiten Zwischenzeit gibt es wiederum Belege, dass einige lokale Familien zu besonderer Macht kamen. Im Neuen Reich bestand die Verwaltung des späten Mittleren Reiches fort. In den Provinzstädten gab es einzelne Bürgermeister, jedoch keine eigentlichen Gaufürsten mehr.

Literatur[Bearbeiten]

  • Detlef Franke: Das Heiligtum des Heqaib auf Elephantine. Geschichte eines Provinzheiligtums im Mittleren Reich (= Studien zur Archäologie und Geschichte Altägyptens. Bd. 9). Heidelberger Orientverlag, Heidelberg 1994, ISBN 3-927552-17-8 (Zugleich: Heidelberg, Univ., Habil.-Schr., 1991).
  • Nathalie Favry: Le Nomarque sous le règne de Sésostris Ier (= Les institutions dans l'Égypte ancienne. Vol. 1). Presses de l'Université Paris-Sorbonne, Paris 2004, ISBN 2-84050-276-3 (Zugleich: Lille, Univ., Diss., 1999).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Rainer Hannig: Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch. (2800 – 950 v. Chr.). Die Sprache der Pharaonen (= Hannig-Lexica. Bd. 1 = Kulturgeschichte der antiken Welt. Bd. 64). Marburger Edition, 4., überarbeitete Auflage. von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-1771-9, S. 539, 587 und 749.
  2. Franke: Das Heiligtum des Heqaib, S. 41–49