Geierfonds

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Geierfonds (englisch vulture fund) ist eine abwertende Bezeichnung für Investmentfonds (Hedgefonds), die darauf spezialisiert sind, Wertpapiere problembeladener Emittenten, beispielsweise zahlungsunfähiger Unternehmen oder Staaten, zu erwerben, meist zu großen Abschlägen vom Nominalwert. Die Bezeichnung impliziert, der Fonds investiere nicht, um mit dem operativen Geschäft des gekauften Unternehmens Geld zu verdienen, sondern um aus dessen Überresten bzw. beim Verkauf von Unternehmensteilen Einnahmen zu erzielen.[1]

Der Name spielt auf Geier an, die geduldig kreisen, um schließlich von den Überresten eines geschwächten Opfers zu profitieren.

Ökonomische Bewertung[Bearbeiten]

Üblicherweise ist der Liquidationswert (der Wert der Einzelteile bei Zerschlagung eines Unternehmens) geringer als der Fortführungswert (der Wert des Unternehmens bei Betriebsfortführung). In diesen Fällen ist die Fortführung (zumindest des gesunden Teils des Unternehmens) die sinnvollere Strategie. Da auch hierbei ein Abbau von Produktionskapazitäten und -Mitarbeitern und anderen Sparmaßnahmen zur Steigerung oder gar Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit meist unvermeidlich ist, ist auch hier der Vorwurf, "Heuschrecken" oder "Geier" seien am Werk, nicht unüblich.

In einigen Fällen ist eine Fortführung des operativen Geschäftes wirtschaftlich nicht möglich und eine Liquidierung des Unternehmens zur Verwertung der Substanz alternativlos, um mit dem Erlös in erfolgversprechendere Aktivitäten zu investieren. Die Entscheidung zur Abwicklung eines Investments hängt dabei auch mit der individuellen unternehmerischen Zielrichtung der Eigentümer zusammen. Wenn in der gleichen oder gar in kürzerer Zeit anderswo höhere Renditen zu erzielen sind, ist die Versuchung groß, vergleichsweise weniger rentable Aktivitäten durch Verkauf oder Liquidation zu beenden, anstatt eine Sanierung mit ungewissem Ausgang zu riskieren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Geierfonds, in: Die Zeit vom 11. Mai 2005.