Gemeindezentrum Plötzensee

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Gemeindezentrum Plötzensee

Das Evangelische Gemeindezentrum Plötzensee ist ein kirchliches Zentrum im Berliner Stadtteil Charlottenburg-Nord. Es wurde 1970 als zweiter Standort der Evangelischen Kirchengemeinde Charlottenburg-Nord eingeweiht. Wegen der Nähe zur Gedenkstätte Plötzensee wurde der Gottesdienstraum des Gemeindezentrums als Gedenkkirche für die Opfer des Nationalsozialismus gestaltet. Seine besondere Prägung erfährt der Raum durch den Plötzenseer Totentanz des Wiener Künstlers Alfred Hrdlicka.

Bau und Architektur[Bearbeiten]

Das Gemeindezentrum wurde in den Jahren 1968 bis 1970 für die Bewohner des Neubaugebietes Paul-Hertz-Siedlung erbaut. Der Entwurf stammte von den Architekten Gerd Neumann, Dietmar Grötzebach und Günther Plessow. Das Gebäudeensemble umfasst u. a. eine Kirche, eine Kindertagesstätte, Gemeinderäume, einen Jugendclub, Wohnungen und Büros.

Der Kirchraum wurde von Anfang an als Gedenkkirche konzipiert. Alfred Hrdlicka gestaltete für ihn den Plötzenseer Totentanz. Auf 16 Tafeln greift Hrdlicka das Motiv der mittelalterlichen Totentänze auf und verweist damit auf die heutige Bedrohung der Menschen und Völker durch Gewalt, Macht und Willkür.

In seiner Architektur nimmt der Raum zum einen kirchenreformerische Ideen der 1960er Jahre auf: Die Bänke sind im Quadrat um den zentral stehenden Altar angeordnet, die Gemeinde soll sich so als Gemeinschaft erfahren und in das Gottesdienstgeschehen einbezogen werden. Zum anderen vermittelt er den Bezug zu den Plötzenseer Gefängnissen: Die fensterlose Betonkuppel erinnert an eine Zelle. Nur von oben fällt Licht auf den Altar.

Ökumenische Gedenkarbeit[Bearbeiten]

Mit der benachbarten Katholischen Gedenkkirche Maria Regina Martyrum und dem dortigen Karmelitinnenkloster Regina Martyrum besteht eine enge ökumenische Zusammenarbeit in der Gedenkarbeit. 1989 fand im Rahmen des 23. Deutschen Evangelischen Kirchentags (07.-11. Juni 1989) im Evangelischen Gemeindezentrum Plötzensee in Kooperation mit Pfarrer Dr. Roland Krusche das Gedenkkonzert "Erinnerung an Plötzensee" mit Darbietung Jiddischer Widerstandslieder und Lieder der Sinti und Roma statt; Interpretin war die bei Christoph Hagel, Dany Bober, Daniel Kempin, Armin Gröpler, Bente Kahan, Helmut Eisel und Giora Feidman ausgebildete, deutsch-tschechische Jiddisch-Sängerin Anna Werliková mit ihrem Klezmer Music Ensemble[1] (Berlin/ Jerusalem)[2] (bürgerlicher Name Solveig Kristin Hammer-Schenk geb. Kratzer) - Nichte des Synagogenforschers Peter Fassl, seit 2006 Ehefrau des Synagogenforschers Harold Hammer-Schenk und literarische Inspiration der Charaktere der drei Marková-Frauen in Benjamin Steins Roman Das Alphabet des Juda Liva. Die größte ökumenische Gedenkveranstaltung der benachbarten Kirchen ist die Veranstaltungsreihe "Ökumenische Plötzenseer Tage". Seit dem Sommer 2009 entsteht in den Räumen des Gemeindezentrums das Ökumenische Gedenkzentrum Plötzensee „Christen und Widerstand“.

Im Juli 2010 wurde das Gemeindezentrum Plötzensee vom österreichischen Bundesministerium für Inneres als Einsatzstelle für den Gedenkdienst anerkannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bringfried Naumann: Der Plötzenseer Totentanz im Evangelischen Gemeindezentrum Plötzensee. 2. Auflage 1993 (Verlag Schnell & Steiner, Reihe: Der Kleine Kunstführer), ISBN 978-3-7954-5026-7
  • Rüdiger von Voss und Gerhard Ringshausen (Hg): Die Predigten von Plötzensee. Zur Herausforderung des modernen Märtyrers. Lukas Verlag: Berlin 2009, ISBN 978-3-86732-064-1 (mit ausführlicher Darstellung des Kirchraumes und des Plötzenseer Totentanzes im Gemeindezentrum Plötzensee)
  • I. Mössinger/U. Saltin: Die ökumenische Gedenk-Region Charlottenburg-Nord/Plötzensee: Alfred Hrdlickas „Plötzenseer Totentanz“. In: Reiner Albert, Roland Hartung, Günther Saltin (Hg.): Alfred-Delp-Jahrbuch Band 3/2009. Alfred Delp und die Kunst, LIT Verlag 2009, ISBN 978-3-643-10148-8

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ANNA WERLIKOVÁ & DAS KLEZMER MUSIC ENSEMBLE
  2. LANGE NACHT DER WISSENSCHAFTEN BERLIN-POTSDAM 2006: 72. Kulturelle, literarische und religiöse Grenzbeziehungen zwischen Juden und Christen sowie Juden und Moslems/ Institut für Judaistik der FU BERLIN

52.5395813.299986Koordinaten: 52° 32′ 22″ N, 13° 18′ 0″ O