Gemeiner Safranschirmling

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Gemeiner Safranschirmling
2011-05-01 Chlorophyllum rachodes (Vittadini) Vellinga 144047 crop.jpg

Gemeiner Safranschirmling (Chlorophyllum rachodes)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Champignonverwandte (Agaricaceae)
Gattung: Safranschirmlinge (Chlorophyllum)
Art: Gemeiner Safranschirmling
Wissenschaftlicher Name
Chlorophyllum rachodes
(Vittad.) Vellinga (nom. cons.)

Der Gemeine Safranschirmling oder Safran-Riesenschirmpilz (Chlorophyllum rachodes[1], syn. Macrolepiota rachodes) ist eine Pilzart aus der Familie der Champignonverwandten (Agaricaceae). Er gilt als Speisepilz. Allerdings kreisen in Mitteleuropa um die Spezies weitere Taxa mit teilweise umstrittenem Rang. Von diesen gilt der Gift-Safranschirmling (Chlorophyllum venenatum) als giftig, der Garten-Safranschirmling (Chlorophyllum brunneum) kann wahrscheinlich zumindest bei manchen Personen Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen.

Merkmale[Bearbeiten]

Er hat einen etwa 8–15 cm, selten bis 20 cm, breiten Hut. Die Oberfläche ist auf cremeweißem über hellbraunem bis dunkelbraunem Grund mit relativ kleinen, dichten, zum Teil übereinander liegenden, wolligen, etwas abstehenden rot- bis kastanien- oder graubraunen Schuppen bedeckt, die dem Hut ein „zerlumptes“ Aussehen geben (siehe Taxonomie und Systematik). Lediglich die Hutmitte ist glatt, aber nicht sehr deutlich abgesetzt. Die Lamellen sind weisslich-cremefarben, manchmal mit bräunlicher Schneide und durch eine Ringwulst deutlich vom Stiel getrennt. Der glatte, höchstens feinfaserige, weißliche im Alter bräunlich verfärbende, hohle Stiel wird etwa 8–15 cm lang und 1-2 cm im Durchmesser. Er trägt einen robusten, im Alter verschiebbaren und an der Unterseite bräunlichen Ring. Die Basis ist stark knollig verdickt. Bei Berührung verfärbt sich der Safranschirmling über safrangelb nach bräunlich. Das Fleisch ist im Anschnitt zunächst weiß, verfärbt sich über safranorange, blut- und braunrot nach schmutzig weinbräunlich. Geruch und Geschmack sind angenehm, selten muffig. Er ist jedoch roh giftig und muss gut gekocht oder gebraten werden.

Ökologie und Phänologie[Bearbeiten]

Der Gemeine Safranschirmling wächst in Fichtenforsten, Buchen-, Eichen- und Hainbuchenwäldern vorwiegend als saprobiontischer Bewohner der Nadelstreu von Fichte, seltener anderer Nadelbäume. Der Gemeine Safranschirmling bevorzugt nährstoffreiche Böden, der pH-Wert spielt eine geringere Rolle.

Die Fruchtkörper erscheinen vom Sommer bis zum Spätherbst.

Artabgrenzung[Bearbeiten]

Der in Gärten wachsende Garten-Safranschirmling (Chlorophyllum brunneum) hat eine abgesetzte, knollige Stielbasis.

Die Fruchtkörper des Garten-Safranschirmlings (Chlorophyllum brunneum) besitzen eine abgesetzte, deutlich knollige Stielbasis. Außerdem ist der Hut bis auf die Mitte mit hell rötlich- bis kastanienbraunen Schuppen bedeckt. Im Zentrum bleibt die Huthaut zusammenhängend und glatt von der übrigen Oberfläche abgesetzt. Die Art wächst gerne auf nährstoffreichen bis überdüngten Stellen außerhalb von Wäldern.

Der Gift-Safranschirmling (Chlorophyllum venenatum) ähnelt dem Garten-Safranschirmling sehr stark, eventuell ist er etwas kompakter, aber die Stiellänge überschreitet nicht den Hutdurchmesser und sein Geruch wird allgemein als unangenehm beschrieben. Der einfache Ring besitzt keine Laufrille. Insgesamt ist die makroskopische Abtrennung vom Garten-Safranschirmling sehr schwierig, das mikroskopische Merkmal der schnallenlosen Hyphen ist schwer feststellbar. Der Gift-Safranschirmling ist wärmeliebend und besiedelt sehr nährstoffreiche Standorte, wie Komposthaufen und stark gedüngte Beete und Gewächshäuser. Möglicherweise handelt es sich um eine südeuropäische, in Mitteleuropa nur adventiv auftretende Art.

Chlorophyllum molybdites ist ein in Nordamerika beheimateter Giftpilz, der aber auch schon in Europa gefunden wurde. Er bevorzugt warme Standorte und kommt in Gärten und Parkanlagen vor. Im Unterschied zum Gemeinen Safranschirmling hat er grünes Sporenpulver, das auch die Lamellen älterer Fruchtkörper grünlich färbt.

Der Olivbraune Safranschirmling (Chlorophyllum olivieri) kommt an ähnlichen Standorten und ebenfalls häufig vor. Er unterscheidet sich vom Gemeinen Safranschirmling durch den fehlenden Kontrast zwischen Schuppen und Hutoberfläche. In der Literatur wird oft fälschlich der Olivbraune anstelle des Gemeinen Safranschirmlings abgebildet.[2]

Taxonomie und Systematik[Bearbeiten]

Der wissenschaftliche Artname rachodes aus Vittadinis Originaldiagnose[3] wird von einigen Mykologen als falsch geschrieben angesehen. Sie argumentieren, der Artname leite sich vom griechischen rhakodes (zerlumpt, zerrissen) zu rhakos (Lumpen, Fetzen) ab und beziehe sich auf die schuppig aufreißende Hutoberfläche. Umstritten ist, ob der Artname einen Schreibfehler enthält und korrigiert werden darf, oder ob die Schreibweise von Vittadini bindend ist. Im Jahr 2010 hat die Mykologin Else Vellinga einen Antrag auf Konservierung gestellt, um den originalen Artnamen zu schützen.[4][5]

Nicht alle Autoren stellen diese Gruppe von Pilzen in die Gattung Chlorophyllum: Häufig werden sie in der Gattung Riesenschirmlinge (Macrolepiota) geführt. Auch die Abgrenzung des Taxons venenata bzw. venenatum als eigenständige Art ist strittig.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Marcel Bon: Pareys Buch der Pilze. 1. Auflage. Kosmos, Stuttgart 2005 (Originaltitel: The mushrooms and toadstools of Britain and Northwestern Europe, übersetzt von Till R. Lohmeyer), ISBN 978-3-440-09970-4 (362 Seiten; über 1500 Pilze Europas).
  •  Andreas Gminder, Armin Kaiser, German Josef Krieglsteiner: Ständerpilze: Blätterpilze II (Hell- und Dunkelblättler). In: G. J. Krieglsteiner (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 4, Eugen Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN 978-3-8001-3281-2.
  •  Winfried Schmitt: Erneut Vergiftung durch Riesenschirmpilz. 49, Nr. 4, Karin Montag, Schmelz 2006, ISSN 1430-595X, S. 64.
  •  Ewald Gerhard: Pilze - Treffsicher bestimmen mit dem 3er Check (= TopGuideNatur). blv, München 2002, ISBN 3-405-16128-2, S. 29.
  •  Bruno Hennig: Taschenbuch für Pilzfreunde. 7. Auflage. VEB Gustav Fischer Verlag Jena, Jena 1979, S. 52 (Bestellnr. 533 078 3).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Nomenclature Committee for Fungi (NCF): Prop. 1927, Proposal to conserve the name Agaricus rachodes (Basidiomycota) with that [Vittadini‘s original] spelling.. In: Nomenclature Committee for Fungi Commentary. 16, S. 7–18 (PDF; 401 KB).
  2. Else C. Vellinga: Type Studies in Agaricaceae. Chlorophyllum rachodes and Allies. (PDF; 1,9 MB) Mycotaxon LXXXV, S. 259–270. S. 264
  3. Carlo Vittadini: Agaricus rachodes Vittad. 1835. Descr. fung. mang. Italia 158.
  4. Else C. Vellinga, Shaun R. Pennycook: Making a case for the original spelling of an epithet: ‘Correction’ of the original spelling of Agaricus rachodes to Agaricus rhacodes (Basidiomycota) is unjustified. Taxon 59(2). April 2010. Seiten 623–627. (PDF; 340 kB)
  5. Else C. Vellinga, Shaun R. Pennycook: (1927) Proposal to conserve the name Agaricus rachodes (Basidiomycota) with that spelling. Taxon 59(2). April 2010. Seite 644. (PDF; 163 kB)

Weblink[Bearbeiten]

 Commons: Chlorophyllum rhacodes – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien