Gespensterbuch

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Titelkupfer von Band 1 mit einer Szene aus „Der Freischütz“

Das Gespensterbuch ist eine 1811 bis 1815 in 5 Bänden erschienene Gruselgeschichten-Anthologie von August Apel und Friedrich August Schulze (unter dem Pseudonym Friedrich Laun).

Entstehung[Bearbeiten]

Schulze war ebenso wie Caspar David Friedrich, Karl August Böttiger, Ludwig Tieck, Carl Gustav Carus und Heinrich von Kleist regelmäßiger Gast des Dresdner Dichter-Tees, einer Tee-Gesellschaft die neben der Konversation über antike Stoffe und solche aus den Urgründen des deutschen Adels auch mit spiritistischen Sitzungen und Chiromantie Zerstreuung suchte. Zudem wurden Geschichten gelesen, die auch in der Abendzeitung, einem von Schulze gegründeten Organ des Dichter-Tees, veröffentlicht wurden. So entstand das von Apel und Schulze herausgegebene Gespensterbuch. Apel hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits einen Namen mit der belletristischen Aufbereitung antiker Sagen und einheimischer Märchen gemacht.

Im Gespensterbuch griffen beide auf morgenländische Themen, heimisches poetisches Volksgut und französische Feenmärchen zurück. Jede der Geschichten behandelt dabei bestimmte Motivkreise des Gespenstischen und Übernatürlichen. Mathias Heydenbluth schreibt im Nachwort zum 1991 erschienenen Auswahlband: Unabhängig von ihren Intentionen gelang es Apel und Laun mit dem »Gespensterbuch«, ein Organon dessen zu schaffen, was den christlich-abendländischen Menschen grauer Vorzeiten seelisch bewegte.

Rezeption[Bearbeiten]

Die im Gespensterbuch enthaltene und auf einer alten Volkssage basierende Geschichte Der Freischütz war die Vorlage für die bekannte Oper Der Freischütz. Sie stand innerhalb der Anthologie für das Motiv der Dämonenbeschwörung, und wurde später von Johann Friedrich Kind und Carl Maria von Weber unter Verwendung weiterer Quellen zum Opernlibretto des Freischütz umgeschrieben. Auch die fünf Jahre vor Kinds Textbuch entstandene Freischütz-Oper des Münchner Hofrats Franz Xaver von Caspar (Text) und Carl B. Neuner (Musik) basiert ebenso wie das Musical The Black Rider von Tom Waits und Robert Wilson als moderne Umsetzung des Freischütz-Themas auf derselben Geschichte des Gespensterbuchs.

Inhalt der Originalbände[Bearbeiten]

  • Band 1:
    • Der Freischütz (Apel)
    • Das Ideal (Schulze)
    • Der Geist des Verstorbenen (Schulze)
    • König Pfau (Apel, nach französischer Vorlage)
    • Die Verwandtschaft mit der Geisterwelt (Schulze)
  • Band 2:
    • Die Todtenbraut (Schulze)
    • Die Bräutigamsvorschau (Apel)
    • Der Todtenkopf (Schulze)
    • Die schwarze Kammer (Apel)
    • Das Todesvorzeichen (Schulze)
    • Der Brautschmuck (Apel)
    • Kleine Sagen und Märchen (Apel)
  • Band 3:
    • Die Vorbedeutungen (Schulze)
    • Klara Montgomery (Apel)
    • Die Gespensterläugner (Schulze)
    • Das Geisterschloß (Apel)
    • Der Geisterruf (Apel)
    • Der Todtentanz (Apel)
  • Band 4:
    • Zwei Neujahrsnächte (Apel)
    • Der verhängnisvolle Abend (Schulze)
    • Zauberliebe (Apel)
    • Die Braut im Sarge (Schulze)
    • Das unterirdische Glück (Schulze)
  • Band 5:
    • Der Heckethaler (Schulze)
    • Der Liebesschwur (Schulze)
    • Die Ruine von Paulinzell (Apel)
    • Die Hausehre (Schulze)
    • Die Schuhe auf den Stangen (Apel)
    • Legende (Schulze)
    • Das silberne Fräulein (Apel)

Ausgaben[Bearbeiten]

Die Erstausgabe erschien in 5 Bänden zwischen 1811 und 1815 bei Göschen in Leipzig. Ein Nachdruck bei Macklot in Stuttgart erschien 1814 und 1815.

Acht Erzählungen aus den ersten beiden Bänden bildeten den Großteil einer 1812 unter dem Titel Fantasmagoriana, ou Recueil d'Histoires d'Apparitions de Spectres, Revenans, Fantomes, etc.; traduit de l'allemand, par un Amateur erschienenen französischen Anthologie deutscher Gruselgeschichten, übersetzt von Jean-Baptiste Benoît Eyriès. Die Sammlung enthielt:

  • L'Amour Muet (Original: Stumme Liebe von Johann Karl August Musäus)
  • Portraits de Famille (Original: Die Bilder der Ahnen von Apel)
  • L'Heure Fatale (Original: Die Verwandtschaft mit der Geisterwelt von Schulze)
  • La Tête de Mort (Original: Der Todtenkopf von Apel)
  • La Morte Fiancée (Original: Die Todtenbraut von Apel)
  • Le Revenant (Original: Der Geist des Verstorbenen von Schulze)
  • La Chambre grise (Original: Die graue Stube von Heinrich Clauren)
  • La Chambre noire (Original: Die schwarze Kammer von Apel)

Fünf der Geschichten aus den Fantasmagoriana erschienen 1813 in einer englischen Übersetzung von Sarah Elizabeth Utterson (zusammen mit einer Erzählung der Übersetzerin) unter dem Titel Tales of the Dead:

  • The Family Portraits (Original: Die Bilder der Ahnen von Apel)
  • The Fated Hour (Original: Die Verwandtschaft mit der Geisterwelt von Schulze)
  • The Death's Head (Original: Der Todtenkopf von Apel)
  • The Death-Bride (Original: Die Todtenbraut von Apel)
  • The Storm (Utterson)

Die Ausgabe der Fantasmagoriana war eine der Inspirationen als im Sommer 1816 in der Villa Diodati in Cologny am Genfersee Lord Byron, Percy Bysshe Shelley, Mary Wollstonecraft Shelley und Dr. William Polidori sich mit dem Schreiben von Gruselgeschichten die Zeit vertrieben. So entstanden zwei der prägendsten Werke der fantastischen Literatur, Shelleys Frankenstein und Polidoris Der Vampyr.

Neuere Ausgaben:

  • Reclam, Leipzig 1883, Reclams Universal-Bibliothek 1791/1795, 662 S. (Band 1-4)
  • Reclam, Leipzig 1927, 670 S. Mit einem Nachwort von Robert Neumann.
  • Aufbau-Verlag, Berlin 1991, ISBN 3-7466-0077-4, 419 S., mit einem Nachwort von Mathias Heydenbluth
  • Insel, Frankfurt a. M. 1992, ISBN 3-458-33088-7, 300 S.

Eine Fortsetzung des Gespensterbuches unter Mitherausgeberschaft von Friedrich de la Motte Fouqué erschien als Wunderbuch in 3 Bänden zwischen 1815 und 1817 ebenfalls bei Göschen in Leipzig. Ein Neudruck erschien 2007 bei Olms, Hildesheim.

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Abegg: Carl Maria von Weber: Der Freischütz. Romantische Oper – Finstere Mächte – Bühnenwirkung. Wißner, Augsburg 2005, ISBN 3-89639-368-5.

Weblinks[Bearbeiten]