Ghawar

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Ghawar (arabisch ‏الغوار‎ al-Ghawār, DMG al-Ġawār) ist das größte Ölfeld der Welt. Es liegt nahe der Großstadt Hofuf in Saudi-Arabien und wurde 1948/49 entdeckt. Schätzungsweise stammten 60 % bis 65 % der Ölförderung Saudi-Arabiens in den Jahren 1948-2000 aus diesem einen Ölfeld. Die derzeitige Fördermenge wird auf 5 Mio. Barrel (ein Barrel = 159 Liter) pro Tag geschätzt, was über 5 % der Weltförderung (~ 89 Mio. Barrel pro Tag) entspricht.

Abb.3: Ölfördergeschichte und Vergleich zwischen Ölförderung und eingesetzten Bohrtürmen in Saudi-Arabien

Erste Schätzungen gingen davon aus, dass Ghawar insgesamt 170 Milliarden Barrel Öl enthält und etwa 60 Milliarden förderbar sind. Folgende Schätzungen über die förderbare Menge an Erdöl in Ghawar variierten zwischen 70 und 170 Gigabarrel. Saudi Aramco gab bekannt, dass in Ghawar bis April 2010 bereits 65 Milliarden Barrel Öl gefördert worden seien.[1] Gleichzeitig gab man bekannt, dass ursprünglich über 100 Milliarden Barrel an förderbaren Reserven in dem Feld enthalten gewesen seien. Das Feld liefert außerdem etwa 57 Millionen m³ Erdgas täglich.

Derzeit werden täglich 8 Mio. Barrel Meerwasser in das Ölfeld gepumpt, um die Ölförderung aufrechtzuerhalten. Um 2005 wurde intensiv diskutiert, das Ghawar-Ölfeld habe sein Ölfördermaximum erreicht und befinde sich schon auf dem abfallenden Hang der Förderkurve. So berichtete die Energie-Fachwebsite Energy and Capital in einem Beitrag vom 9. August 2006, ein Sprecher der staatlich-saudischen Ölfördergesellschaft Saudi Aramco habe eine Förderminderung der ältesten Ölfelder Aramcos (einschließlich Ghawars) von 8 % pro Jahr zugegeben.[2][3]

Seinen Peak hatte Ghawar bereits vor 30 Jahren, allerdings wurde die Produktion damals bewusst reduziert. 1981 wurden 5,7 Millionen Barrel täglich gefördert. Die Rezession in den USA, sowie das Überangebot an Öl in den 1980ern veranlasste Saudi Aramco jedoch die Produktion zu drosseln, um die Preise nicht weiter sinken zu lassen, dadurch war das russische Ölfeld Samotlor für einige Jahre das Feld mit der höchsten Förderrate. Investitionen in das Feld zwischen 1994 und 1996 erhöhten die Produktion erneut auf über 5 Millionen Barrel - mehr als Samotlor jemals produziert hat.[4]

Der US-amerikanische Ölinvestmentbankier Matthew R. Simmons hatte in seinem 2006 erschienenen Buch Wenn der Wüste das Öl ausgeht. Der kommende Ölschock in Saudi-Arabien – Chancen und Risiken den angeblichen Förderniedergang Ghawars als Anzeichen für ein globales Fördermaximum beschrieben und vor einer von großen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Spannungen geprägten turbulenten Abschwungphase gewarnt.[5]

Der Romancier Andreas Eschbach verwendete diese These als Hintergrund seines Romans Ausgebrannt.

Abdallah Dschumʿa, CEO von Aramco, hält dagegen (2008) die Befürchtungen zum globalen Fördermaximum für drastisch übertrieben.[6]

Dem hielt Prof. Michael T. Klare vom Hampshire College in Amherst, Mass. im Frühjahr 2006 die folgende Einschätzung des US-Energieministeriums entgegen:

„Das auffälligste Anzeichen für diese veränderte Sicht der Dinge ist die neue Einschätzung des US-Energieministeriums im neuen International Energy Outlook, der im Juli 2005 vorgelegt wurde. Wir erinnern uns, dass diese Publikation im Jahr davor prognostiziert hatte, die saudische Förderung werde im ersten Viertel des 21. Jahrhunderts um 12,3 mdb auf 22,5 mdb ansteigen. Die neue Ausgabe hingegen sieht für denselben Zeitraum einen Zuwachs um lediglich 6,1 mdb, das ist weniger als die Hälfte der 2004 vorausgesagten Zunahme. Heute prognostiziert das US-Energieministerium, dass die saudische Ölproduktion bis 2025 nur auf 16,3 mdb steigen wird. Diese Kehrtwende wird in der Publikation nicht näher erläutert. Aber man kann davon ausgehen, dass die von Simmons und anderen Skeptikern vorgelegten Analysen inzwischen auch das offizielle Denken in Washington beeinflussen.“[7]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. April 2010 - 65 Mrd. Barrel Öl bisher in Ghawar gefördert
  2. Energy and Capital: The World’s Largest Oil Field is Dying. 9. August 2006
  3. The Seattle Times: Is Saudi supply pushing its limit? 15. August 2006
  4. Ghawar - Historische Fakten
  5. Matthew Simmons sagte (2005) für 2010 entsprechend einen Ölpreis von mindestens 200 $ pro Fass voraus und hat darauf mit dem Wirtschaftsjournalisten eine öffentliche Wette über 10.000 $ abgeschlossen. Tierney hält Haussen im Rohstoffbereich – unter Bezugnahme auf Julian L. Simon – für grundsätzlich begrenzt. Siehe John Tierney: The $10,000 Question. In: The New York Times. 23. August 2005
  6. Peter Glover: Aramco Chief Debunks Peak Oil. In: Energy Tribune. 17. Januar 2008
  7. Michael T. Klare: Das Öl der Saudis reicht nicht. In: Le Monde diplomatique. 10. März 2006

25.01930833333349.561405555556Koordinaten: 25° 1′ 9,5″ N, 49° 33′ 41,1″ O