Bullen- und Bärenmarkt

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Der Begriff Bullenmarkt oder Hausse [os] (französisch für Anstieg) steht an der Börse für anhaltend steigende Kurse und Bärenmarkt oder Baisse [bɛs] für anhaltend sinkende Kurse.

Weitere Begriffe[Bearbeiten]

In diesem Zusammenhang werden oft weitere Begriffe verwendet:

  • Der Boom ist eine Phase stark steigender Kurse (also eine starke Hausse)
  • Der Crash ist analog eine Phase stark sinkender Kurse (also eine starke Baisse)
  • Eine „Rallye“, auch Runup genannt, ist eine starke Beschleunigung der Marktbewegung innerhalb eines Bullen- oder Bärenmarktes
  • Eine „Korrektur“ ist eine zeitlich eng begrenzte Gegenbewegung der Kurse (beispielsweise eine kurzfristige Baissephase innerhalb einer übergeordneten Hausse)
  • Ein „Börsenzyklus“ umfasst eine Hausse und eine Baisse
  • Sowohl Bullen- als auch Bärenmärkte werden auf verschiedene Zeiträume bezogen. Dauert ein solcher Markt viele Jahre an, so wird von einem säkularen Markt gesprochen.
  • Ein langsamer aber langanhaltender Abschwung, wird (in Anlehnung an die Salamitaktik) auch scherzhaft als Salami-Crash oder als Crash auf Raten bezeichnet
Bulle und Bär vor der Frankfurter Wertpapierbörse

Charakteristiken der Märkte[Bearbeiten]

Die Börse unterscheidet zwischen Bären- und Bullenmarkt. Der Bär setzt auf einen erwarteten Kursabfall – er ist pessimistisch. Er macht sein Geld durch Skepsis und Unglauben, spekuliert auf Baisse oder kauft Verkaufsoptionen. Ein Bärenmarkt geht bergab. Der Bulle ist das Gegenteil – er ist optimistisch. Er kauft in der Hoffnung auf Aufschwung. Ein langfristiger Bullenmarkt ist etwas, worauf die Investoren hoffen. Bärenmarkt und Bullenmarkt sind einander entgegengesetzt. Zusammen bewirken sie, dass die Kurse fallen und steigen. Sowohl die Hausse als auch die Baisse können durch fundamentale ökonomische Umwälzungen, insbesondere die Konjunkturzyklen, als auch durch Spekulation bedingt sein. Ein übermäßiger Bullenmarkt kann durch übertriebene Ertragserwartungen zu einer Spekulationsblase führen. Auf der anderen Seite führt eine übertriebene Baisse mit fallenden Erwartungen der Anleger zu einem Börsenkrach.

Im Finanzmarkt spielen die Erwartungen der Anleger eine große Rolle. Besonders die Übergänge zwischen Hausse und Baisse sind schwer zu interpretieren. Besondere Aufmerksamkeit sollte auf positive oder negative Überraschungen gerichtet sein. Eine Abfolge von positiven Überraschungen charakterisiert oft eine Hausse, eine Abfolge von negativen Überraschungen eine Baisse. Mittels der Chartanalyse versuchen „technische Analysten“ die Tendenz des Marktes und insbesondere Wendepunkte zwischen Bullen- und Bärenmarkten vorherzusehen. Im Gegensatz hierzu steht die Effizienzmarkthypothese, die die Unmöglichkeit dieses Unterfangens postuliert.

Da beide Begriffe mit „B“ beginnen und Anfänger leicht Bullen- und Bärenmarkt verwechseln können, bietet sich als Eselsbrücke ein Kalauer an: „Der Bär baisst.“ Als optische Merkhilfe dient das Verhalten der Tiere: Während der Bulle mit den Hörnern nach oben stößt, schlägt der Bär mit seiner Pranke von oben nach unten.

Marktphasen[Bearbeiten]

Bullen- und Bärenmarkt[Bearbeiten]

Ein Bullenmarkt (auch französisch Hausse) liegt vor, wenn die Kurse von Wertpapieren über einen längeren Zeitraum ansteigen. Dabei kann es sich um alle Wertpapiere eines Marktes (z. B. eines Landes oder einer Region) oder auch nur um die Werte einer bestimmten Branche handeln. Die Hausse geht mit einem steigenden Vertrauen der Kapitalanleger sowie mit der Erwartungen zukünftiger Gewinne einher. „Hausse“ wird an der Börse – von der korrekten französischen Aussprache abweichend – überwiegend „Hosse“ ausgesprochen.

Umgekehrt spricht man von einem Bärenmarkt (auch französisch Baisse), wenn die Kurse über einen längeren Zeitraum fallen. Die Baisse geht mit einem schwindenden Vertrauen der Kapitalanleger sowie mit Erwartungen zukünftiger Verluste einher. An der Börse ist der Bär das Symbol für eine fallende (negative) Kursentwicklung, die Börse ist dann „bearish“. Anleger, die auf eine negative zukünftige Kursentwicklung eingestellt sind und in dieser Erwartung handeln, werden dementsprechend als Bären bezeichnet.[1]

Bärenmarktrallye[Bearbeiten]

Als Bärenmarktrallye wird von den Börsianern eine kräftige Zwischenerholung in einem insgesamt schwachen Umfeld bezeichnet. Es ist also ein „Täuschungsmanöver“ des Marktes, der eigentlich nach unten will.[2] Der Begriff ist als Warnhinweis zu verstehen, denn die Anleger können sich in der weiteren Marktentwicklung täuschen, die sehr wahrscheinlich in einem Abwärtstrend enden wird. Ein historisches Beispiel ist der große Börsencrash von 1929. Die Kurse fielen über mehrere Jahre in Etappen. Zwischendurch erholte sich der Markt mehrfach kräftig um bis 25 %, um danach noch heftiger abzustürzen.[3][4]

Seitwärtsmarkt[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu den oben genannten Märkten, bewegen sich in einem Seitwärtsmarkt die Preise nicht deutlich in eine Richtung. Er ist geprägt durch Preisschwankungen, die einen gewissen Bereich nicht verlassen. Die Investoren haben hier eine neutrale Haltung der Marktentwicklung gegenüber, sie erwarten weder große zukünftige Gewinne noch Verluste.

Bullenfalle und Bärenfalle[Bearbeiten]

Der Begriff Bullenfalle beschreibt eine Kursentwicklung, die Investoren zu der Annahme verleitet, dass die Kurse nun weiter steigen. Sie kaufen Wertpapiere und nach einem kurzen Anstieg fallen die Preise dann jedoch wieder.

Die umgekehrte Bedeutung hat der Begriff Bärenfalle, für kurz fallende und anschließend steigende Kurse.

Erkennen die Investoren, dass sie in diese „Falle“ gerieten, verstärkt sich die Bewegung u. U. noch, wenn diese nun ebenfalls ihre Meinung ändern und ihre Papiere verkaufen bzw. kaufen (Positive Rückkopplung).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. börse-online.de Bär
  2. sparkasse-rottweil.de
  3. Telebörse.de
  4. Finanznachrichten.de