Ghede

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ghede (Guédé, Gede) ist ein für Tod und Fruchtbarkeit zuständiger Loa (auch Lwa), also ein Geistwesen in der Voodoo-Mythologie Haitis. Das Wort leitet sich von einem Verb aus dem Yoruba oder Dahomey „gede“ (deutsch: „schneiden“) oder von „igede“ (Andeuten eines Schnittes zwecks Totenbeschwörung) ab.

Man stellt sich Ghede als großen Mann mit schwarzem Zylinder, langem schwarzen Frack und dunkler Sonnenbrille vor. Er steht an der Kreuzung zur Ewigkeit, die die Seelen auf ihrem Weg in die Unterwelt passieren müssen. Seine Weisheit schöpft er aus den Informationen, die ihm die Toten geben.

Ghede ist Herr über Tod wie auch über Leben, Wiedergeburt und Fruchtbarkeit. Deshalb findet sich das Abbild seines Phallus neben den Werkzeugen der Totengräber in der unterirdischen Kammer, die seinem Kult vorbehalten ist. Er erhält die Lebenden, vergrößert ihre Zahl und erweckt die Toten. Er belebt auch Zombies, vor kurzem zu Grabe getragene Leichen, die von Zauberern gestohlen und zu ihren Sklaven gemacht werden. Wenn ein Zombie mit Salz gewürzte Speisen isst, soll er in sein Grab oder in seine frühere Existenz zurückkehren.[1]

Das Kreuz des Baron Samedi („Baron Samstag“), wie Ghede auch manchmal genannt wird, findet sich als Wächter der Toten auf jedem Friedhof. Die Symbole des Christentums sind mit der Voodoo-Mythologie eine synkretistische Verbindung eingegangen. Ghedes weibliches Pendant, Maman Brigitte oder Brijit, bewacht die Gräber. Denn die Leichendiebe haben Baron Samedi und Maman Brigitte im Vodoo-Kult eine bedeutende Rolle zugewiesen. Man erfleht von beiden Geistwesen den Schutz toter Verwandter.

Obwohl sich Ghede zwischen Gräbern heimisch fühlt, wagt er sich auch in die Welt hinaus, was dann oft fatale Folgen hat. Sobald der Gott starken Rum getrunken hat, sind seine Obszönität und seine Rücksichtslosigkeit nicht mehr zu bremsen. Ergreift er einmal Besitz von seinen Anhängern, verliert selbst das erfahrenste Medium (Houngan) die Kontrolle.

Ein weiterer Loa, der eine besondere Vorliebe für Rum hat, ist Ogoun.

Auf Haiti wird Ghede am 1. und vor allem 2. November gefeiert, an Allerseelen, dem „Neujahrstag der Toten“, so z.B. auf dem Nationalfriedhof in Port-au-Prince, wo man „mit den Toten tanzt“.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wanda J. Revernell, Celebrating Ghede, SFGate online, http://www.sfgate.com/homeandgarden/article/Celebrating-Ghede-Haitian-day-of-the-dead-3264333.php
  2. [1] Guédé (Gede) au Cimetière Port-au-prince 1er Novembre 2012 (Film auf youtube)

Literatur[Bearbeiten]

  • Arthur Cotterell, „Die Welt der Mythen und Legenden“, München: Droemer Knaur, 1990. ISBN 3-426-26484-6