Glas-Recycling

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Glasrecycling)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sammelcontainer für Altglas auf dem Oktoberfest
Altglas-Sammelstelle in München

Als Glas-Recycling wird das Sammeln und stoffliche Wiederverwerten von gebrauchtem Glas, zumeist als Lebensmittelverpackungen bezeichnet, wobei das Altglas eingeschmolzen wird. Die Wiederbefüllung von Gläsern ist demgegenüber ein direkteres Verfahren der Wiederverwendung.

Glasherstellung[Bearbeiten]

Glas wird hauptsächlich aus Quarzsand (Siliciumdioxid) hergestellt. Quarzsand macht 12 % der Erdkruste aus. Weitere Bestandteile von Glas sind Kalk, Dolomit und Soda. Glas kommt bei einer Vielzahl unterschiedlicher Produkte zum Einsatz: Verpackungen, Geschirr, Fenster, Bauglas, Spiegel, optische Geräte, Geräte für chemisch-technischen Anwendungsbereich und viele andere mehr.

Glasrecycling gilt als die Urform moderner Kreislaufwirtschaft. Die Herstellung von Glas aus alten Scherben spart Rohstoffe und vor allem Energie – die Schmelze (Aufschmelzen des Ausgangsstoff-Gemisches) erfordert weniger Zeit und geringere Temperaturen. Dank Glasrecycling und dem Einsatz moderner Technologien sank der Energieeinsatz bei der Glasherstellung seit 1970 um 77 %.[1] Es gibt Hinweise dafür, dass bereits im antiken Rom Glas recycelt wurde. Vor der südtürkischen Küste entdeckten Forscher ein rund 1000 Jahre altes Schiff mit Altglas als Ladung.

In Österreich beispielsweise wird seit Mitte der 1970er Jahre systematisch aus privaten Haushalten sowie Gewerbe- und Industriebetrieben Altglas (gebrauchte Glasverpackungen) gesammelt. Über 80 % der Glasverpackungen, die in Österreich auf den Markt kommen, werden gesammelt und wiederverwertet.

Doppelkammerbehälter für Altglassammlung in Österreich

Übersicht über die Recyclingquoten in anderen Staaten bietet FEVE.[2]

Altglas-Aufbereitung[Bearbeiten]

Entleerung eines Altglascontainers in Bonn
Depot für Glas-Recycling im Osthafen Frankfurt am Main, Deutschland

Die Einsammlung von Altglas erfolgt im Allgemeinen durch Einwurf in öffentliche Glascontainer, wobei nach Farben getrennt wird. In Deutschland wird hierbei zwischen Weiß-, Grün- und Braunglas unterschieden. Sonderfärbungen, wie etwa Blau- oder Rotglas werden mit dem Grünglas erfasst. In Österreich werden bei der Sammlung lediglich ungefärbte Glasverpackungen (Weißglas) und gefärbte Glasverpackungen (Buntglas) unterschieden. Die Farbtrennung ist wichtig für den Recyclingprozess, denn eine grüne Sektflasche beispielsweise führt zu ungewollten Farbstichen im Schmelzprozess für farbloses Glas. Umgekehrt führt die Zugabe von farblosem (Weiß)Glas zu einer Schmelze für buntes Glas zu Glasfehlern und auch unerwünschten Farbänderungen des fertigen Produktes. [3] Buntglas wird für Produkte eingesetzt, für die Lichtschutz erforderlich ist (z. B. Milch, Medikamente und Bier). Mittlerweile ist es möglich, auch farblich gemischte Scherben mit Hilfe elektro-optischer Sortiermaschinen zu trennen; durch eine vorherige getrennte Erfassung der verschiedenfarbigen Glassorten wird allerdings auch hier das Sortierergebnis verbessert.

In Österreich werden jährlich mehr als 200.000 t gebrauchte Glasverpackungen gesammelt, das sind rund 700 Millionen Stück.[4] In Deutschland werden jährlich rund 2 Millionen Tonnen Recyclingglas gesammelt.[5] Die Recyclingquote beträgt 82,2 %.[6]

Die gesammelten Glasverpackungen sind Rohstoff für die Produktion neuer Glasverpackungen. Ihr Anteil kann 60 bis 90 % am Rohstoffgemenge im Glaswerk sein (bei Grünglas etwa 90 %, bei Weißglas etwa 60 %). In Österreich wird Glas in den Glaswerken der Vetropack Austria GmbH in Pöchlarn/NÖ und Kremsmünster/OÖ sowie der Stölzle Oberglas GmbH in Köflach/STMK recycelt.

Die gebrauchten Glasverpackungen werden eingeschmolzen und zu neuen geformt (bottle-to-bottle-Recycling ohne Qualitätsverlust). Vor der Schmelze wird das Altglas händisch sowie maschinell von falschen Glasarten, Glasstücken der falschen Farbe und Fremdstoffen befreit. Im Recyclingprozess können zwischen 3 und 7 Prozent des Altglases aufgrund ihrer Größe, Struktur oder Verunreinigungen nicht wieder aufbereitet werden. Dieses Material wird zum Beispiel zu Blähglasgranulat verarbeitet[7]. Dieser Leichtfüllstoff wird in Produkten der Trockenmörtel- und bauchemischen Industrie, in Akustikplatten, in massiven Wandbaustoffen sowie in der Altbausanierung verwendet.

Prozess der Aufbereitung von Altglas für die Produktion von neuen Glasverpackungen[Bearbeiten]

  • Abtrennung von Eisenteilen mit Magnetscheider
  • Erfassung größerer Fremdstoffe per Hand
  • Zerkleinerung auf 15 mm im Brecher
  • Sieben auf Lochsiebrinne, dabei werden Fremdstoffe, die leichter als Glas sind, abgesaugt.
  • Entfernung lichtundurchlässiger Materialien (z. B. Keramik) mittels optischer Verfahren
  • Nachsortierung per Hand
  • Erfassung restlicher eisenhaltiger Stoffe mittels Magnetscheider
  • abschließende Kontrolle
  • Einschmelzung - Neugießung

Probleme beim Glas-Recycling durch Verunreinigungen[Bearbeiten]

Glasprodukte, die nicht in Altglas-Sammelbehälter gehören (sogenannte Fehlwürfe, zum Beispiel Laborgläser, Glas von Backofentüren, Mikrowellenherden oder hitzebeständiges Glas, das oftmals in den Deckeln von Kochgeschirr verarbeitet ist), können manchmal weder vom menschlichen Auge noch von optischen Geräten erkannt werden. Sie gelangen in die Schmelze und können Maschinenschäden anrichten und Produktionsstillstände verursachen. Auch Glasarten mit Zusatzstoffen, wie etwa Bleiglas (bleioxidhaltiges Glas, sogenanntes „Bleikristall“), und normale Trinkgläser sind in der Altglassammlung unerwünscht, da sie die Glaszusammensetzung langfristig verändern. Probleme bereiten weiter Keramik, Steine, Porzellan, die – zu tausenden kleinen Stückchen zerbrochen – die neuen Glasverpackungen unbrauchbar machen.

Bewertung[Bearbeiten]

Ökologische Vorteile von Glasrecycling[Bearbeiten]

Für 1 m³ Primärrohstoff müssen 7 m³ Gestein abgebaut werden. Der Einsatz von gebrauchten Glasverpackungen reduziert den Bedarf an Primärrohstoffen und schont den Naturraum. Gebrauchte Glasverpackungen brauchen zum Schmelzen niedrigere Temperaturen und daher weniger Energie als das Gemenge an Primärrohstoffen (Quarzsand, Kalk, Dolomit und Soda). Dies hat auch eine Reduktion der CO2-Emissionen zur Folge.[8]

  • Glasrecycling ist ökologisch vorteilhafter als die Neuproduktion, da der Schmelzpunkt von reinem Quarz bei 1700 °C liegt und das Schmelzen (Läutern) aus frischen Rohstoffen daher sehr energieaufwändig ist.
  • Das Einschmelzen von sortenreinem Altglas ist in jedem Fall sinnvoll, da der Altstoff zu 100 % in das Produkt eingeht. Zum Erschmelzen von Glas aus Rohstoffen würde bis zu 25 % mehr Energie benötigt.

Recycling oder direkte Wiederverwendung?[Bearbeiten]

Welche Option energetisch und ökologisch sinnvoller ist, hängt von diversen Faktoren ab, etwa:

  • Länge des Transportweges (wobei Altglas zunächst günstiger zu transportieren ist)
  • Aufwand der Aufbereitung (etwa Sortieren/Reinigung/Spülen ggüb. Einschmelzen und Neuformung)
  • Die Wiederbefüllung ist nur bei standardisierten Formen möglich.
  • (Kosten für) Energieträger, etwa Erdgas, Wasser und Strom

Nationales[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

Der niederländische Unternehmer und Bier­brauer Alfred Heineken entwickelte die „WOBO“ („world bottle“, deutsch: „Weltflasche“), eine Bierflasche mit annähernd rechteckigem Querschnitt, die nach Gebrauch mit Mörtel gefüllt als Baustoff dienen sollte. Die Idee kam ihm, als er 1960 die Karibik­insel Curaçao besuchte und den Strand übersät mit leeren Bierflaschen fand, da das Zurücksenden zu den Brauereien für die Inselbewohner zu teuer gekommen wäre. Heineken wollte damit die Bierflaschen recyceln und zugleich ein günstiges Baumaterial für die verarmten Unterschichten der Insel schaffen. Die Idee kam über das Konzeptstadium und die Herstellung einiger Musterflaschen nicht hinaus.[9]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Glass recycling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsche Umwelthilfe, Informationsblatt 9730-050
  2. European Glass Recycling: 2009, Europäischer Behälterglasindustrie-Verband
  3. Hans Jebsen-Marwedel: Glastechnische Fabrikationsfehler. 4. Auflage. S. 214, 232 f.
  4. Nachhaltigkeitsbericht mit Umwelterklärung 2007 der Austria Glas Recycling GmbH
  5. Warum Glas recyceln? Initiative der Glasrecycler im Aktionsforum Glasverpackung im Bundesverband Glasindustrie e.V., abgerufen am 6. Januar 2012.
  6. Zahlen und Fakten der Behälterglasindustrie. Aktionsforum Glasverpackung im Bundesverband Glasindustrie e.V., abgerufen am 6. Januar 2012.
  7. BMVBS Produktinformationen der Bayerischen Architektenkammer im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung
  8. Umwelterklärung 2006 der Austria Glas Recycling GmbH (pdf; 1,7 MB)
  9. The Heineken WOBO (World Bottle)bei archinect.com (englisch)