Goldfell-Schüppling

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Goldfell-Schüppling
Pholiota aurivella1.jpg

Goldfell-Schüppling (Pholiota aurivella)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Träuschlingsverwandte (Strophariaceae)
Gattung: Schüpplinge (Pholiota)
Art: Goldfell-Schüppling
Wissenschaftlicher Name
Pholiota aurivella
(Batsch : Fr.) P. Kummer

Der Goldfell-Schüppling (Pholiota aurivella, syn. Ph. cerifera) ist eine Pilzart aus der Familie der Träuschlingsverwandten. Bisweilen wird der Name auch fälschlicherweise für den Hochthronenden Schüppling (Ph. limonella) gebraucht.[1]:524

Das Epitheton des wissenschaftlichen Artnamens besteht aus den beiden Wortelementen „aur-“ von lat. „aurum“ (Gold) sowie lat. „vellus“ (Vlies, Fell) und nimmt auf die rostgelbe, schuppige Hutoberfläche Bezug.[2]:88 [3]:105

Merkmale[Bearbeiten]

Auffällig sind die Schuppen auf dem Hut der Fruchtkörper von Pholiota aurivellus.

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Das wohl auffälligste Merkmal des Goldfell-Schüpplings ist sein gold- bis dunkel- oder rostgelber Hut. Seine Oberfläche ist mit Schuppen besetzt, die dunkler als der Hut sind. Im Anfangsstadium ist der kugelförmige Hut geschlossen und teilweise – auch am Rand - mit Resten des Velums bedeckt, später breitet er sich aus und nimmt eine gewölbte Form an. Daraus resultierend kann der dickfleischige Hut zwischen 5–12(–16) cm breit werden. Vor allem bei feuchter Witterung ist der Hut schmierig oder etwas schleimig. Die Lamellen sind zunächst gelb getönt. Später färben sie sich oliv-rostbraun. Die Schneide ist oft bewimpert. Das Sporenpulver ist ebenfalls rostbraun. Der gekrümmte Stiel ist im Durchschnitt 5–8 cm lang bei einer Dicke von etwa einem bis zwei Zentimetern. Er ist nur wenig heller als der Hut gefärbt. Die Oberfläche ist faserig-flockig bis schwach faserig-schuppig und nicht schleimig. Das weiß-gelbe Fleisch ist fest und zäh. Jedoch weist das hyphennahe Fleisch im Steil eine rostbraune Färbung auf. Der Geruch wird als rettichartig beschrieben, der Geschmack ist mild.

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Die Sporen sind elliptisch geformt und besitzen einen feinen Keimporus. Sie messen 7–10 × 4,5–6 Mikrometer. Die Cheilozystiden sind schlank flaschenförmig. Die Chrysozystiden sind etwas länger und zugespitzt.[4]:252

Artabgrenzung[Bearbeiten]

Es gibt einige weitere Schüpplinge mit gelbem Hut und dunkleren Schuppen. Der Schleimige Schüppling (Ph. adiposa) besitzt einen schleimigen Stiel; die Sporen messen 5,5–6,5 × 3–4 µm.[4]:252 Der Fettige Schüppling (Ph. lucifera) wächst an im Boden vergrabenem Holz. Ebenso ist der Pinsel-Schüppling (Ph. jahnii) häufig scheinbar am Boden zu finden. Er besitzt abstehende Schuppen. Auch der kleinere Hochthronende Schüppling (Ph. limonella) ist matt gelb bis fast weißlich oder braungelb gefärbt. Seine Sporen messen 6,5–8 × 4-5 µm. Die drei letztgenannten Arten sind in der Regel kleiner als der Goldfell-Schüppling, wobei die Hüte maximal einen Durchmesser von 8 cm aufweisen.

Ökologie und Phänologie[Bearbeiten]

Büscheliges Wachstum von Fruchtkörpern des Goldfell-Schüpplings

Der Goldfell-Schüppling ist in Buchen-, Tannen-Buchen- und Tannen-Wäldern zu finden. Er lebt parasitisch oder als Saprobiont an lebenden und frisch gefällten Stämmen. Besiedelt werden vor allem Laubbäume, in erster Linie Rotbuchen, seltener auch Nadelholz.

Die Fruchtkörper erscheinen im Herbst, vor allem von September bis November, selten auch während der Wintermonate und im Frühjahr. Sie wachsen büschelig und können von der Region der Basis des Baumes bis zur Baumkrone in Erscheinung treten. Die Fruchtkörper bevorzugen zum Hervortreten Wunden und Spalten in der Rinde.

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Goldfell-Schüppling ist in der Holarktis verbreitet. So ist er in Europa, Nordasien, Nordafrika und Nordamerika, dort besonders in Kanada anzutreffen. In Europa reicht das Gebiet von Großbritannien und Frankreich im Westen bis Estland und Weißrussland im Osten sowie nordwärts bis Fennoskandinavien und in den Süden bis Italien, Griechenland und Rumänien. In Deutschland ist der Pilz vom Flachland bis ins untere Bergland verstreut anzutreffen. Generell ist die Art im Flachland weiter verbreitet als im Gebirge.[4]:252

Systematik[Bearbeiten]

Es wurde eine var. cerifera beschrieben, die sich durch einen trockneren Hut, keulige Cheilozystiden und eine relativ ausgeprägte Bindung an Weiden (Salix) besitzt. Allerdings sind diese Merkmale nicht konstant.[5]:374

Bedeutung[Bearbeiten]

Der Goldfell-Schüppling ist essbar, jedoch nicht sehr schmackhaft. Junge Fruchtkörper können im Mischpilz-Gericht verwendet werden.[6]:68

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Josef Breitenbach, Fred Kränzlin: Pilze der Schweiz. Blätterpilze 2. Teil. Bd. 4, Mykologia, Luzern (CH) 1995, ISBN 3-85604-040-4 (370 Seiten; 465 Arten mit Beschreibungen, Standorts- und Fundangaben, Mikrozeichnungen und Farbbildern).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Erhard Ludwig: Beschreibungen. Die kleineren Gattungen der Makromyzeten mit lamelligem Hymenophor aus den Ordnungen Agaricales, Boletales und Polyporales. In: Pilzkompendium. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 978-3-930167-43-2 (758 Seiten, deutsch mit englischen Zusammenfassungen, 17 × 24 cm, enthält 20 neue Taxa und 13 Neukombinationen).
  2.  Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3 Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 978-3-937872-16-2 (701 Seiten).
  3.  Fritz Clemens Werner: Wortelemente lateinisch-griechischer Fachausdrücke in den biologischen Wissenschaften. Suhrkamp, 1972, ISBN 978-3-518-36564-9 (Suhrkamp Taschenbuch 64).
  4. a b c  Ewald Gerhardt: BLV Handbuch Pilze. 4. Auflage. BLV, München 2006, ISBN 3-8354-0053-3, S. 640 Seiten.
  5.  Andreas Gminder, Armin Kaiser, German Josef Krieglsteiner: Ständerpilze: Blätterpilze II (Hell- und Dunkelblättler). In: G. J. Krieglsteiner (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 4, Eugen Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN 978-3-8001-3281-2.
  6.  Ewald Gerhardt: Pilze. Treffsicher bestimmen mit dem 3er-Check. BLV, München 2004, ISBN 3-405-16128-2 (238 Seiten).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Goldfell-Schüppling (Pholiota aurivella) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien