Grammatologie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Grammatologie (griechisch: γράμμα gramma = Buchstabe + λόγος logos = Lehre) ist die Wissenschaft von der Schrift. Die Grammatologie schließt je nach Auslegung Teildisziplinen unterschiedlicher Wissenschaften ein: Schriftlinguistik, Paläographie und Epigraphik sowie Typografie und Kalligraphie.

Linguistik (Gelb)[Bearbeiten]

Der Begriff stammt vom Orientalisten Ignace Gelb, der ihn in seinem Standardwerk über die Schrift A Study of Writing aus dem Jahr 1952 schon mit dessen Untertitel „The Foundations of Grammatology“ einführt. Dieses Buch beeinflusste die folgende medientheoretische Diskussion über die Schrift und ihre kulturelle Bedeutung. Trotzdem hat sich die Bezeichnung nicht umfassend durchgesetzt, und in der aktuellen Terminologie entspricht Gelbs Begriffsverständnis am ehesten die Schriftlinguistik.

Philosophie (Derrida)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Grammatologie (Derrida)

Der Philosoph Jacques Derrida übernahm den Ausdruck Grammatologie in seinem gleichnamigen Hauptwerk aus dem Jahre 1967 und machte ihn allgemeiner bekannt. Darin vertritt er die These, dass im abendländischen Denken die Schrift unberechtigterweise zu einer bloßen Hilfsform der gesprochenen Sprache degradiert wird. Derrida zielt darauf, die Schrift und die Wissenschaft von der Schrift wieder aufzuwerten, wobei Grammatologie für Derrida den Gegensatz Sprachwissenschaft/Schriftwissenschaft bzw. Linguistik/Semiologie durchkreuzt und keinem von beiden zugehört, sondern allgemeiner als diese ist. Dies dient Derrida der Ideologiekritik: die bloße Hilfsfunktion der Schrift beruhe auf einem Logozentrismus und auf einem mit diesem verbundenen Phonozentrismus. Diesem sei die Dekonstruktion entgegenzusetzen.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Johannes Bergerhausen, Siri Poarangan: decodeunicode: Die Schriftzeichen der Welt. Hermann Schmidt, Mainz 2011, ISBN 978-3874398138. Alle 109.242 digitalen Schriftzeichen nach dem Unicode-Standard
  •  Jacques Derrida: De la Grammatologie. Minuit, Paris 1967.
  •  Jacques Derrida: Grammatologie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1974.
  •  Jacques Derrida: Semiologie und Grammatologie. Gespräch mit Julia Kristeva. In: Positionen. Wien 1986, S. 52–82.
  •  Jacques Derrida: Semiologie und Grammatologie. Gespräch mit Julia Kristeva. In: Peter Engelmann (Hrsg.): Postmoderne und Dekonstruktion. Reclam, Stuttgart 2004, S. 140ff.
  •  Ignace Jay Gelb: A Study of Writing. The Foundations of Grammatology. Chicago 1952.
  •  Marc Wilhelm Küster: Geordnetes Weltbild. Die Tradition des alphabetischen Sortierens von der Keilschrift bis zur EDV. Eine Kulturgeschichte. Niemeyer, Tübingen 2006/2007, S. 19–20.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Grammatologie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Schriftlinguistik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen