Hamilton Castner

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Hamilton Young Castner (* 11. September 1858 in Brooklyn; † 11. Oktober 1899 in Saranac Lake, Franklin County (New York)) war ein US-amerikanischer chemischer Industrieller.

Er besuchte das Brooklyn Polytechnic Institute und dann die Columbia University School of Mines, die er 1879 ohne Abschluss verließ, um sich seinem Bruder E. B. Castner als beratender Chemiker anzuschließen.

1884 verließ er das Geschäft, um ein Verfahren zur Herstellung von Aluminium durch Reduktion von Aluminiumchlorid mittels Soda zu entwickeln. Soda war seinerzeit verhältnismäßig teuer, und er entwickelte ein bedeutend günstigeres Verfahren zur Reduktion von kaustischer Soda mittels Kohlenstoff. Da es ihm nicht gelang, amerikanische Industrielle dafür zu interessieren, ging er 1886 nach England.

1887 war sein Verfahren hilfreich bei der Gründung der Aluminium Company in Oldbury,[1] die Aluminium von hoher Reinheit produzierte. 1886 war jedoch der Hall-Héroult-Prozess erfunden, was sein Verfahren zur Aluminiumproduktion 1889 überflüssig machte. Daher suchte er neue Anwendungen für seine günstige Soda, wie die Produktion von Natriumperoxid als Bleichmittel und Natriumcyanid für Goldminen.

1890 entwickelten er und sein Chefchemiker Harry Baker (1859–1935)[2] ein Verfahren zur Herstellung hochreiner kaustischer Soda durch Elektrolyse von Sole in einer Membranzelle (rocking cell) mit Quecksilber. Als er es patentieren wollte, erfuhr er, dass Karl Kellner 1894 schon ein identisches Verfahren patentiert hatte, das er Solvay in Belgien übertragen hatte. Um Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, wurde Castners Aluminium Company 1895 kombiniert mit der Solvay Company zur Castner-Kellner Alkali Company, die 1897 die British Aluminum Company übernahm[3] und in Runcorn das größte Werk zur Chloralkali-Elektrolyse aufbaute.[4]

Castner erlag einer Tuberkulose-Erkrankung.

1900 wurde unter der Leitung eines Sohns von Friedrich Ernst Roessler mit Castners Patenten in den USA bei Niagara Falls die Castner Electrolytic Alkali Company als Tochterfirma der Mathiesen Alkali Works gegründet.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fifty Years of Progress 1895 - 1945 of the Castner Kellner Alkali Company
  • David Platt: A History of The Castner Kellner Alkali Company (Celebrating 100 Years of Production 1897)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fred Aftalion: A history of the international chemical industry, S. 89
  2. Obituary notices: Harry Baker, 1859–1935; Kendall Colin Browning, 1875–1936; William Frederic Butcher, 1867–1936; Harold Ward Dudley, 1887–1935; Charles Richmond Featherstone, 1885–1936; George Aleck Crocker Gough, 1902–1935; Max Henius, 1859–1935; Francis Ransom, 1859–1935; William Charles Young, 1849–1935; Samuel Cox Hooker, 1864–1935 In: J. Chem. Soc., 1936, 539-553 doi:10.1039/JR9360000539
  3. cavemanchemistry.com: Hamilton Castner
  4. logo.at: From End-of-Pipe Technology to Clean Technology: (PDF; 2,1 MB)
  5. The Electrochemical Industry and Niagara Falls: Castner Electric Alkali Company