Oberfräse

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Oberfräse beim Bündigfräsen mit Anlaufkugellager. Der Handwerker zieht die Maschine auf diesem Bild.

Eine Oberfräse ist ein vielseitiges Elektrowerkzeug zur spanenden Bearbeitung von Holz und anderen Werkstoffen, das in der Regel von oben an das Werkstück angesetzt wird im Gegensatz zur Tischfräse.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Konstruktion

Eine Oberfräse besteht aus einem meist getriebelosen Elektromotor, dessen Drehzahl bei 8.000 bis 30.000 Umdrehungen pro Minute liegt, einer Spannzange zum Einspannen des Fräswerkzeuges und einem zweisäulengeführten Fräskorb, dessen Hub zwischen 35 und 80 mm liegt. Die Führungssäulen sind auf einer stabilen Grundplatte befestigt. Die Grundplatte kann mit Gleitbelag oder einer auswechselbaren Kunststoffgleitfläche versehen sein. An dieser Grundplatte lassen sich Anschläge und Führungen unterschiedlicher Art installieren, so dass man beispielsweise mit einem Kurvenanschlag Kreise oder Kreissegmente fräsen kann.

Bei den Oberfräsen lassen sich zwei Grundkonstruktionen unterscheiden: Bei inzwischen wenigen Geräten ist der Fräsmotor mit einem 43-mm-Eurohals versehen und trennbar in den Fräskorb gespannt (z.B. Metabo OFE 738). Der Motor samt Spannzange lässt sich dann auch separat als Geradschleifer verwenden oder in einen Fräsbohrständer bzw. in CNC-Geräte einbauen. Bei der meisten heute gebräuchlicheren Konstruktion ist der Fräskorb fest mit dem Motor verbunden.

Der Spannbereich der einzelnen Spannzange liegt in der Regel zwischen 6 bis 12 mm. Gebräuchliche Maße sind 6, 8, 12 mm, seltener finden sich auch 4 und 10 mm. Bei Maschinen im angloamerikanisches Maßsystem kommen 1/4" (6,35 mm), 3/8" (9,53 mm) und 1/2" (12,7 mm) zur Anwendung. Für die Nutzung in Kleinstwerkzeugen, wie zum Beispiel denen der Marke Dremel, mit Oberfräsen-Vorsatzgerät sind auch 1/32" (0,8 mm), 1/16" (1,6 mm), 3/32" (2,4 mm) und 1/8" (3,2 mm) möglich. Spannzangendurchmesser bis 6 mm werden vorwiegend im Heimwerkerbereich und bei Miniaturfräsen für den Modellbau verwendet. Gewerblich und semiprofessionell genutzte Oberfräsen sind mit 8 oder 12 mm Spannzangen bestückt.

Bei der Form der Griffe lassen sich folgende Grundformen unterscheiden:

  • Der Doppelknauf ist die klassische Form mit beidseitig runden Griffen zur Zweihandbedienung.
  • Der Pistolengiff erlaubt eine Einhandbedienung und weist auf der gegenüber liegenden Seite einen Knauf auf.
  • Der Doppelgriff ist ergonomisch der Handform angepasst und zur Zweihandbedienung gedacht. Er ist in Hauptarbeitsrichtung komfortabler, allerdings aus anderen Arbeitsrichtungen umständlicher, als andere Griffe.

Es gibt auch stationäre Oberfräsen, die heute zumeist als CNC-Fräsen in sogenannte Bearbeitungszentren integriert oder als Portalfräsen aufgebaut sind. Bevor die numerisch gesteuerten Werkzeugmaschinen Einzug in die Produktion erhielten, waren sogenannte Kopierfräsen (also Oberfräsen, die zur exakten Reproduktion von Mustern vorbereitet sind) im Möbelbau beliebt.

[Bearbeiten] Verwendung

Die Oberfräse eignet sich zum Einfräsen von Nuten, zum Kantenfräsen und Profilieren, zum Schablonenfräsen und Freihandfräsen (z. B. Verzierungen, Muster, Schriften).

Beim Freihandfräsen wird die Oberfräse von oben auf das Werkstück aufgesetzt und von Hand über die Oberfläche geführt.

Oberfräsen gibt es für den Heimwerkerbereich mit Motorleistungen ab 450 Watt. Stärkere Handoberfräsen haben Leistungen von 1200 oder 1400 Watt. Die stärksten Handoberfräsen haben Leistungen bis zu 2600 Watt (z.B. Mafell LO 65 Ec).

[Bearbeiten] Einsatzwerkzeuge

zwei Profilfräser

Als Werkzeuge dienen Schaftfräser, teilweise mit Hartmetallschneiden und kugelgelagerten Anlaufringen. Durch den kugelgelagerten Anlaufring ist es beispielsweise möglich, eine angeleimte Furnierkante bündig zu fräsen, ohne einen Anschlag zu benutzen. Der Anlaufring verhindert, dass die Fräserschneide tiefer in das Werkstück eindringt, als bündig zum Flächenverlauf des Brettes. Preiswerte Fräser sind teilweise auch mit einfachen Anlaufzapfen versehen, die jedoch bei zu langem Verweilen auf einer Stelle zu Verbrennungen an der Anlauffläche des Werkstücks führen können.

[Bearbeiten] Fräsertypen

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Links: Fase, Hohlkehle an der Kante, Falz, Abrundung, Karnies-Profil. Rechts: V-Nut, Hohlkehle im Werkstück, Nut, Zinken, Viertelstab

Für unterschiedliche Anforderungen werden verschiedene Fräser eingesetzt. Die Dimensionierung der einzelnen Werkzeuge erfolgt mit einer Untermenge der folgenden Abkürzungen:[1]

  • Durchmesser der Schneide (D)
  • Schneidenlänge ohne Schaft (B)
  • Gesamtlänge inklusive Schaft (L)
  • Schaftdurchmesser (S)
  • Radius (R)
  • Anzahl der Zähne (Z)

Hier ist zu beachten, dass verschiedene Hersteller oft unterschiedliche Buchstaben verwenden, was ohne eine Legende zu Verwirrung führen kann. So verwendet die Firma Sistemi Klein jeweils die Buchstaben B und L für Schneidenlänge und Schaft, wogegen Bosch für dieselben Angaben L und G einsetzt.

[Bearbeiten] Nutfräser

Nutfräser werden verwendet, um rechteckige Nuten und Aussparungen herzustellen. Dimensionierung: D, B, L, Z, S

[Bearbeiten] Hohlkehlfräser

Der Hohlkehlfräser erzeugt Nuten mit halbkreisförmigen Querschnitt oder Hohlkehlen an Kanten. Dimensionierung: D, B, L, R, S. Der Buchstabe R steht hier für den Radius der halbkugelförmigen Schneide.

[Bearbeiten] Abrundfräser

Abrundfräser werden zum abrunden von Kanten eingesetzt. Dimensionierung: D, B, L, R, S. Die Abkürzung R steht hier für den Radius der gefrästen Rundung.

[Bearbeiten] Bündigfräser

Bündigfräser werden zum Anpassen von verleimten, überstehenden Materialien verwendet. Dimensionierung: D, B, L, Z, S

[Bearbeiten] Falzfräser

Mit Falzfräsern werden Falze (rechteckige Aussparungen an Kanten) gefräst. Dimensionierung: D, B, L, E, S. Der Buchstabe E steht hier für die Falztiefe.

[Bearbeiten] Grat- oder Zinkenfräser

Der Gratfräser erzeugt trapezförmige Aussparungen, die für Schwalbenschwanzverbindungen verwendet werden. Dimensionierung: D, B, L, α, S. Der griechische Buchstabe α gibt den Winkel der Trapezseiten an.

[Bearbeiten] Zubehör

  • Aufspannbock zum stationären Untertischeinsatz
  • Führungsschiene
  • Kopierring oder -flansch
  • Kopiertaster
  • Lochreihen Schablone
  • Parallelanschlag
  • Seitenanschlag
  • Späneabsaugeinrichtung
  • Spanfangbehälter
  • Vakuum-Aufspannsystem
  • Winkelanschlag
  • Zentrierdorn
  • Zirkeleinrichtung

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Guido Henn: Handbuch Oberfräse: Auswählen, bedienen, beherrschen. Holzwerken im Vincentz Network, 2010, ISBN 978-3-86630-949-4.
  • Richard Wagner: Die Oberfräse und andere Spezialwerkzeuge. 150 Zusatzvorrichtungen zum Nachbauen. DVA, München 2003, ISBN 3-421-03436-2.
  • Richard Wagner: Möbelbau mit der Oberfräse. DVA, München 2005, ISBN 3-421-03505-9.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Referenzen

  1. Schaftfräser für die Holzbearbeitung. auf: feinewerkzeuge.de
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